mini|hochkant|Zwei Augsburger Ratsherren: Langenmantel vom Sparren links (Hartmann IV., † 1466), Langenmantel vom doppelten R rechts (1457)
Langenmantel ist der Familienname einer alten Augsburger Patrizierfamilie mit zwei Hauptzweigen: „Langenmantel vom Sparren“ (auch „Langenmantel von Radau“) und „Langenmantel vom RR“ (auch „Langenmantel vom doppelten R“,„Langenmantel von Westheim“ und „Langenmantel von und zu Langenthal“); jeweils benannt nach einem Charakteristikum im Familienwappen.
Ursprung und Teilung in zwei Linien Die Langenmantel erscheinen ab 1009 mit Adam Langenmantel urkundlich in Augsburg und zählten zu den sogenannten „Alten Geschlechtern“ der Reichsstadt. 1256 wird Rudgerus Longupallium/Rüdiger Langenmantel als Testis von Bürgern und Adel anerkannt. Hartmann Langenmantel († 1301 oder 1306) war 1288 einer der beiden ersten Stadtpfleger (Bürgermeister) und bekleidete auch das Amt des Judenpflegers. Neben ihm werden ab 1280 seine Brüder Konrad I. († 1302 od. 1304) und Heinrich I. († 1300 od. 1306) genannt, letzterer amtierte 1292 ebenfalls als Stadtpfleger. Sie bilden den Ursprung der Langenmantel und hießen Langenmantel vom Sparren, nach ihrem Familienwappen, einer roten Spitze (fälschlich Sparren genannt) auf weißem Grund.
Bereits 1291, nochmals 1294, erscheint auch Rüdiger II. († 1342) und wird als Schwestersohn des Hartmann Langenmantel sowie seiner Brüder bezeichnet. Ab 1299 amtierte Rüdiger II. sechsmal als Stadtpfleger, fast 40 Jahre war er eine dominierende Figur der Augsburger Politik. Er zählte zu den bedeutendsten Augsburger Kaufleuten. Wenngleich nur seine Mutter eine Langenmantel vom Sparren war, führte auch er den Namen Langenmantel, wählte jedoch ein unterschiedliches Wappen, allerdings in gleicher Farbgebung, nämlich ein gespiegeltes, weißes R (doppeltes R) auf rotem Grund. Danach nannten sich seine Nachkommen Langenmantel vom RR oder Langenmantel vom doppelten R, später auch Langenmantel von Westheim. Die Familie ist eine sogenannte „Weiberlinie“ der Langenmantel vom Sparren und zählte in der Folge als eigenständiges Geschlecht.
Die Langenmantel vom Sparren und die Langenmantel vom doppelten R lebten als verwandte, aber eigenständige Familien zeitgleich in Augsburg und gehörten beide zu den bedeutendsten Augsburger Patriziergeschlechtern. Nach ihnen ist dort die „Langenmantelstraße“ benannt.
Die Langenmantel vom Sparren mini|hochkant|Wappen der Langenmantel vom Sparren mini|hochkant|Die Langenmantel vom Sparren, 1550 mini|hochkant|Christoph Langenmantel vom Sparren bringt Luther nach Hohenschwangau. Entwurf von Wilhelm Lindenschmit dem Älteren, zu seinem Großfresko auf Schloss Hohenschwangau, 1835. In der ersten Generation der Augsburger Langenmantel vom Sparren erscheinen Ende des 13. Jahrhunderts die Brüder Hartmann I., Heinrich I. und Konrad I.
Hartmann I. Langenmantel vom Sparren, reicher Kaufmann und Finanzier, stiftete 1288 ein Haus für acht Kranke beim schon bestehenden Leprosenspital St. Servatius.Webseite zu St. Servatius 1301 gewährten er, sein Schwiegersohn und sein Neffe Rüdiger I. Langenmantel vom RR, ein großes Darlehen an König Albrecht I. Er scheint keine überlebenden Söhne gehabt zu haben, denn sein beträchtlicher Besitz, darunter Oberottmarshausen und Bliensbach, kam über die Erbtochter Mechthild an die Familie Schongauer.
Der Bruder Heinrich I. amtierte 1292 als Augsburger Stadtpfleger. Ihm gehörte Zusmarshausen und ein großer Teil von Agawang. Sein als Weinhändler erscheinender Sohn Heinrich III. († 1326 od. 1327) erwarb 1325 zudem Langerringen. Seit 1320 im Rat nachweisbar, wurde er 1323 zum Stadtpfleger gewählt. Bei der Teilung seines Erbes ging Zusmarshausen an die Bach verloren, der Sohn Johann III. († 1380 oder 1382) musste 1376 das ihm zugefallene Langerringen verkaufen, sein Besitz in Agawang gelangte an den Schwiegersohn. 1409 war die Witwe gezwungen ihr Haus am Weinmarkt zu veräußern. Mit den Geistlichen Nikolaus und Magister Ulrich, Propst zu Völkermarkt und Kanoniker an St. Moritz in Augsburg, der 1464 die erste Augsburger Studienstiftung errichtete,Julius Hans: Beiträge zur Augsburger Schulgeschichte, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, 4. Jahrgang, Augsburg, 1878, S. 27 (Digitalisat).Franz Eugen von Seida und Landensberg: Allgemeine königlich-baierische Vaterlandskunde, 35. Stück, Augsburg, 1807, S. 554–557 des Jahrgangs (Digitalisat mit Auszügen aus der Stifterurkunde von 1464). erlosch die auf Heinrich I. zurückgehende Linie.
Konrad I., der dritte der ursprünglichen Brüder, begründete den Hauptstamm der Langenmantel vom Sparren. Er wurde von seinem Sohn, Ritter Johann I. Langenmantel vom Sparren († 1337), fortgesetzt, den man 1304 zum Stadtpfleger wählte. Dessen, aus dritter Ehe mit Margaretha von Rohrbach stammender Sohn Johann II. begründete die Rohrbacher bzw. Radauer Seitenlinie. Johann II. trat in Augsburg kaum hervor. Große Bedeutung erlangte hingegen sein ältester Sohn Johann Langenmantel von Radau († 1426 oder 1428), der zehnmal als Stadtpfleger amtierte. Dessen politischer Nachfolger wurde sein spätgeborener Sohn Leonhard († 1470), der letzte dieses Radauer Familienzweigs. Zwischen 1452 und 1469 bekleidete er achtmal das Amt des Augsburger Stadtpflegers. Sein Erbe (u. a. Aystetten, Hainhofen und Ottmarshausen) fiel an die Schwiegersöhne.
Der älteste Sohn von Johann I., genannt Konrad III. „beim Salzstadel“ († 1363 oder 1364), amtierte ab 1353 dreimal als Stadtpfleger. Sein ältester Sohn Peter „beim Salzstadel“ († 1419 oder 1420) wurde 1399 Stadtpfleger. Konrads früh verstorbener mittlerer Sohn Johann IV. († 1401 oder 1402) blieb unbedeutend. Einer seiner Nachkommen war jedoch der bekannte Eitelhans Langenmantel, den man 1528 als Täufer hinrichtete und der ein mütterlicher Ahne des dritten US-amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson ist.Stammbaum des US-amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson; eingesehen am 21. Februar 2009
Anna Langenmantels (circa 1370 bis 1430) Nachkommen heirateten in verschiedene hochadelige europäische Häuser ein und sie ist somit Ahnin unter anderem von König Philipp von Belgien, König Manuel II von Portugal, Großherzog Jean von Luxemburg, Zar Simeon II von Bulgarien und König Carol II von Rumänien.
Schon Ende des 14. Jahrhunderts war Konrads jüngster Sohn Hartmann II. († um 1430) in den Vordergrund getreten, der mit dem Erbe seiner Ehefrauen eine gezielte Erwerbspolitik betrieb. Am wichtigsten war dabei der Kauf von Binswangen (1412), das in den folgenden 150 Jahren Kern des Grundbesitzes der Langenmantel vom Sparren bleiben sollte. Ab 1403 ist er im Rat belegt, nachdem sich der kinderlose Bruder Peter aus der Politik zurückgezogen hatte. Hartmann II. Sohn, Hartmann IV. († 1466) gelang es, durch günstige Heiraten, seine wirtschaftliche Position zu sichern. Seit 1454 im Rat vertreten, erscheint er vorübergehend als Pfandbesitzer der Herrschaft Kühlenthal.
Hartmann IV. Sohn Johann IX. Langenmantel vom Sparren († 1505) wurde 1478 an Stelle des ermordeten Jos Onsorg zum Bürgermeister (Stadtpfleger) gewählt und zählte in den folgenden drei Jahrzehnten zu den wichtigsten politischen Köpfen. 13-mal war er Bürgermeister, bekleidete zudem das Amt des Bundeshauptmannes im Schwäbischen Bund und erhielt 1495, auf dem Wormser Reichstag, durch König Maximilian I., den Ritterschlag, als Ritter vom Goldenen Sporn.Johann Reuchlin, Briefwechsel, Band 1, S. 160, Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 1999, ISBN 3-7728-1983-4; (Ausschnittscan)Johann Seifert: Hoch-Adeliche Stamm-Taffeln, Teil 3, Regensburg, 1726, 2. Stammtafel der Langenmantel; (Digitalscan) Von seinen Söhnen amtierte Markus († 1540) seit 1505 als bayerischer Pfleger in Mering. Der bis 1547 im Augsburger Rat genannte Matthäus († 1551) hinterließ eine StadtchronikBayerische Akademie der Wissenschaften: Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert, Band 33, S. 250, Hirzl Verlag, 1928; (Ausschnittscan)Werner Rösener: Adelige und bürgerliche Erinnerungskulturen des Spätmittelalters und der der Frühen Neuzeit, Vandenhoeck & Ruprecht, 2000, S. 173, ISBN 3-525-35427-4; (Digitalscan)Englische Webseite zu Matthäus Langenmantel und trat später in sächsische Dienste. Der Sohn Lukas ging zum Braunschweiger Militär, sein Bruder Georg (Jörg) diente als Offizier im Dienste König Franz I. von Frankreich und fiel als Brigadier der schwarzen Reiter, 1525, in der Schlacht bei Pavia.Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon, 3. Auflage, Band 4, S. 611, Basel, 1743; (Digitalscan)
Nach dem überraschenden Tod Johann IX. Langenmantel (1505) folgte ihm der Bruder Georg († 1521) im Amt des Bürgermeisters nach. Er war auch 1518 Bürgermeister von Augsburg, als sich Martin Luther hier aufhielt. Sein Sohn, der Domherr Christoph Langenmantel vom Sparren († 1538), brachte diesen in der Nacht vom 19. zum 20. Oktober heimlich aus der Stadt und verhalf ihm zur Flucht.Gottlob Egelhaaf: Deutsche Geschichte im sechzehnten Jahrhundert bis zum Augsburger Religionsfrieden, Band 1, S. 168, BoD – Books on Demand, 2015, ISBN 3-7340-0761-5 (Reprint); (Digitalscan) Die Fluchthilfe ist historisch gesichert, eine ausschmückende und unbelegte Legende bleibt hingegen die Geschichte, dass er ihn auch von Augsburg nach Schloss Hohenschwangau geführt habe.Joseph von Hormayr: Die goldene Chronik von Hohenschwangau, München, 1842, S. 178, (Digitalscan)Webseite zu Luthers Flucht im Portal Nordbayern Diese Legende ließ König Max II. dort im Schwangauer Zimmer, durch den Maler Wilhelm Lindenschmit, in Form eines romantisierenden Wandgemäldes darstellen.Neue Flora (Koversationsblatt), Nr. 13, Augsburg, 22. Januar 1835, S. 49 (Digitalisat). Christophs Bruder Sigmund Langenmantel († 1545) war Landrichter und herzoglicher Pfleger in Kelheim, wo sich sein Epitaph in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt erhalten hat.Felix Mader: Die Kunstdenkmäler von Niederbayern: Bezirksamt Kelheim, Oldenbourg Verlag, 1922, S. 172 (Digitalisat).
Als letzter Familiensproß wurde Joachim I. († 1559), ein Enkel von Johann IX. und Sohn des Marx Langenmantel, Landrichter und herzoglicher Pfleger in Mering, noch einmal Mitglied im Geheimen Rat und Bürgermeister.Peter Geffcken: Langenmantel. In: Augsburger Stadtlexikon. 2. Auflage (Online-Version). 1541 hatte er das Dorf Binswangen übernommen, mit dem man 1560 seine Söhne Joachim II. († 1596) und Lukas belehnte. Schon 1561, wohl in Zusammenhang mit dem Konkurs Joachim II., verkauften die Brüder den Ort für 11.000 Gulden an David Baumgartner, wegen dessen Zahlungsunfähigkeit es schließlich an die Langauer fiel. 1591 gab Joachim II. sein Augsburger Bürgerrecht auf. Seine Schwester Sibylla Langenmantel († 1592) hatte 1551 den natürlichen Wittelsbacher Georg von Hegnenberg-Dux (unehelicher Sohn des bayerischen Herzogs Wilhelm IV.) geheiratet und begründete mit ihm das gleichnamige Adelsgeschlecht.Franz Xaver Ostermayr: Sammelblatt des Historischen Vereines in und für Ingolstadt. Heft 2, Ingolstadt 1877, S. 21–24 (Digitalisat).
Die heute noch vereinzelt in Bayern vorkommenden bürgerlichen Familien Langenmantel bzw. Langmantel dürften auf Nachkommen der Langenmantel vom Sparren zurückgehen, da die Langenmantel vom doppelten R bzw. von Westheim später das Freiherrenprädikat erhielten und bis in die Neuzeit stets mit Adelstitel erscheinen.
Die Langenmantel vom RR und von Westheim mini|hochkant|Stammwappen der Langenmantel vom RR mini|hochkant|Widmungsbild aus Sigismund Meisterlins Augsburger Stadtchronik von 1457. Der Augsburger Rat; links sitzend ein Ratsherr der Langenmantel vom Sparren, hinten mittig einer der Langenmantel vom RR mini|hochkant|Augsburger Ratsmedaille von 1600, mittig das Wappen der Langenmantel vom RR