mini|hochkant=1.8|Zentrale in Zirndorf mini|hochkant=1.8|Präsentation des Postwertzeichens „Spielfiguren – 50 Jahre Spiel, Spaß und Vielfalt“ am 1. März 2024 im Museum für Kommunikation FrankfurtDHL-Group-Pressemitteilung: Deutsche Post und PLAYMOBIL präsentieren gemeinsame Briefmarke vom 1. März 2024. Playmobil ist eine Spielzeug-Marke der deutschen geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG, die zur Horst Brandstätter Holding GmbH gehört. Der Unternehmenssitz befindet sich in Zirndorf (Landkreis Fürth).
Das ursprüngliche Hauptelement war eine 7,5 cm große, menschenähnliche Spielfigur aus Kunststoff. Inzwischen gibt es verschiedene weitere Teile und ganze Bausätze, mit denen zum Beispiel Gebäude mit Inneneinrichtung gestaltet werden können.
Die Markteinführung erfolgte im Jahre 1974 mit den ersten Figuren Ritter, Indianer und Bauarbeiter. Erfinder von Playmobil ist der Mustermacher und damalige Chefentwickler Hans Beck, der die Idee eines neuen Spielsystems auf Wunsch von Firmeneigentümer Horst Brandstätter realisierte. Der Markenname „Playmobil“ geht ebenfalls auf Hans Beck und Horst Brandstätter zurück. Der charakteristische blaue Schriftzug wurde von dem Künstler und Grafikdesigner Rainer Willingstorfer entworfen. Neben Playmobil gehört seit 2000 auch die Marke Lechuza zur Horst Brandstätter Group.
Beschreibung Produktion
Playmobil-Figuren und -Gegenstände sind industriell hergestellte Massenware. Die Aufstellfiguren sind von ihrer Funktion her Nachfolger von Kinderspielzeug nach Art von Zinnsoldaten. Die sogenannten „Klickies“ bestehen aus Einzelteilen, die in großen Serien mit Spritzgussmaschinen aus einem Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS) hergestellt werden. Menschen darstellende Playmobil-Figuren bestehen aus einem Kopf, einer Perücke, zwei Armen sowie einem Rumpf mit Innenteil und Beinpaar. In der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt genügt ein kräftiger Druck auf den Schädel, und alles klickt fest zusammen. In der neuen Serie „Wiltopia“ werden Naturfarbstoffe verwendet, wodurch häufig ein pastelliger Farbton entsteht. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von 2014 werden jährlich 100 Millionen Figuren verkauft.40 Jahre Playmobil: Von Zinnfiguren zum Plastik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. April 2014.
Einstufung als Kunstwerk In einem Urteil vom 28. Oktober 1994 stellte das Landgericht Nürnberg-Fürth fest, dass Playmobil-Figuren als „Werke der angewandten Kunst“ eine „urheberrechtliche Werksqualität“ besitzen. In ihnen komme „künstlerische Individualität“ zum Ausdruck. Zitat: „Die ‚playmobil‘-Grundfigur ist gerade nicht eine naturalistische Darstellung eines Menschen oder Menschentyps. Von der menschlichen Gestalt, ihren Proportionen und ihrem ‚normalen‘ Äußeren wurde in vielfacher Hinsicht abstrahiert und eine Merkmalskombination geschaffen, die in der Natur nicht vorgegeben ist. […] Demnach hat der Schöpfer der ‚playmobil‘-Grundfigur […] in Verwirklichung eigenständiger Vorstellungen eine auf ihre wesentlichen Elemente zurückgenommene, trotzdem aber noch natürlich wirkende menschliche Figur geschaffen. Dem Schöpfer des Klagemodells ist es gelungen, Modelle zu schaffen, die unter teilweiser Verwendung technisch bedingter und/oder bereits bekannter Kombinationselemente einen ästhetischen Gesamteindruck hervorrufen, der im vorbekannten Formenschatz noch nicht vorhanden ist.“Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 28. Oktober 1994 (AZ 3 O 3342/93; PDF, 65 kB).
Maßstab Die Größe der klassischen Playmobil-Figur entspricht mit 7,5 cm der Modellbau-Nenngröße 2, die einem Maßstab von 1:22,5 entspricht. Die Eisenbahnmodelle sind auch mit der dazugehörenden Modellbahn-Spur IIm (G) kompatibel. Einige Sets wie z. B. der Verladekran werden auch als für die Gartenbahn passend beworben und dementsprechend eingesetzt, zumal sie auch wetterfest sind.
Geschichte Die Markteinführung von Playmobil erfolgte 1974. Hans Beck begann bereits 1970 mit der Entwicklung des System-Spielzeugs, doch erst als die steigenden Ölpreise im Jahr 1973 den Kunststoffpreis verzehnfachten, wagte Horst Brandstätter die Markteinführung, denn die damals von Geobra produzierten Großkunststoffartikel (Deckenverkleidungen, Kindermöbel etc.) wurden unrentabel und für die kleinen Figuren wurde wesentlich weniger des teuren Rohstoffs gebraucht.
Das Unternehmen Geobra Brandstätter stellte das neu entwickelte Spielzeug erstmals am 2. Februar 1974 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vor. Den ersten Themen Baustelle, Wilder Westen und Ritterzeit folgten bis heute rund 40 verschiedene Themen mit umfangreichem Zubehör. 1976 kamen weibliche Figuren dazu, Kinder- und Babyfiguren wurden erstmals 1981 bzw. 1983 verkauft. Die Figuren wurden im Laufe der Jahre nur leicht modifiziert – so kamen bewegliche Hände und verschiedene „Haartrachten“ hinzu –, blieben aber immer an den ursprünglichen, in ihrer Reduziertheit unverkennbaren Formen ausgerichtet.
Ab 1976 fertigte die griechische Firma Lyra das Playmobilsortiment in Lizenz von Geobra Brandstätter für den dortigen Markt und entwickelte auch eigene Produkte zu dem System. Das Unternehmen exportierte wohl auch in den Nahen Osten, 1986 wurde die Produktion jedoch eingestellt. Ab 1982 fertigte die Firma Schaper die Produkte in Lizenz in den USA.
Nur wenige Jahre nach der Markteinführung von Playmobil wurde das Unternehmen Geobra Brandstätter der umsatzstärkste deutsche Spielwarenhersteller und rangiert seitdem an der Spitze. Das Unternehmen beschäftigte 2019 weltweit mehr als 4600 Mitarbeiter.
Im Jahre 1975 brachte das Unternehmen BIG das Konkurrenzprodukt Play-BIG heraus. Zwar unterlag Geobra Brandstätter in einem durch die Markteinführung verursachten, jahrelangen Rechtsstreit, aber Playmobil konnte sich letztendlich auf dem Markt durchsetzen; BIG – auch bekannt durch ihr Bobby-Car – stellte die Produktion von Play-BIG bereits 1979 wieder ein.
Entwicklung ab 1990 Im Jahr 1999 feierten die Playmobil-Figuren ihr 25. Jubiläum. Mit der Sonderausstellung „Winzige Weltmacht – 25 Jahre Playmobil“ im Spielzeugmuseum Nürnberg kam das Kultspielzeug von 20. Mai bis 10. Oktober 1999 zum ersten Mal ins Museum. Ein Jahr darauf folgte eine Ausstellung im Städtischen Museum in der benachbarten Playmobil-„Hauptstadt“ Zirndorf von 8. Juni bis 1. Oktober 2000.Spielzeugmuseum (Museum Lydia Bayer), auf kunst-und-kultur.de
mini|Playmobil FunPark auf Malta Seit dem Jahr 1991 gibt es in Zirndorf auch einen Playmobil-Freizeitpark, den Playmobil FunPark, dessen Außenbereich seit dem Jahr 2000 stetig vergrößert wird. Inzwischen wurden weitere Playmobil FunParks in Paris, auf Malta, in Athen und in Palm Beach eröffnet. Auch in Orlando existierte ein FunPark, der aber im Januar 2007 geschlossen wurde.
2004 waren anlässlich des 30. Geburtstags im Historischen Museum der Pfalz Speyer vom 30. November 2003 bis 18. April 2004 nicht nur viele Figuren, sondern auch deren oft ungewöhnliche Verwendungen von Sammlern und Künstlern zu besichtigen. Die Ausstellung mit dem Titel „30 Jahre Playmobil – Entdecke die Welt“ tourte bis 2007 durch Deutschland und war im Maximilianpark Hamm vom 15. Mai bis 7. August 2005, im Niederrheinisches Museum Memoria-Haus Kevelaer vom 22. August bis 6. November 2005, im Bilderbuchmuseum Burg Wissem Troisdorf vom 20. November 2005 bis 19. Februar 2006, im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim vom 4. März bis 6. Juni 2006 und im Kulturhistorischen Museum Magdeburg vom 7. Juli bis 21. Oktober 2007 zu sehen. Neben dieser Ausstellung gab es auch im Städtischen Museum Zirndorf eine Playmobil-Ausstellung namens 30 Jahre Playmobil – SpielzeugGeschichte(n) aus Zirndorf, die von 3. Juli bis 5. September 2004 ausgestellt wurde. Zum Jubiläumsjahr 2004 wurde auch eine deutschlandweite Jubiläumsaktion namens „Die große Geburtstagstour“ durchgeführt.
Entwicklung ab 2010 Zum 40-jährigen Jubiläum fand vom 1. Dezember 2013 bis 2. November 2014 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer die Sonderausstellung 40 Jahre Playmobil – Eine Abenteuerreise durch die Zeit statt. Diese wurde nach ihrem Ende in Speyer wie auch die Vorgängerausstellung an andere Orte weitergegeben. So war sie vom 29. März bis 25. Oktober 2015 im Landesmuseum Festung Ehrenbreitstein Koblenz und vom 21. November 2015 bis 21. Februar 2016 im Braunschweigischen Landesmuseum Vieweg-Haus / Staatliches Naturhistorisches Museum Braunschweig und vom 18. oder 19. März bis 25. September 2016 im Maximilianpark Hamm zu sehen.www.maximilianpark.de: Maxipark40 Jahre Playmobil 19.3. – 25.9.2016 – Eine Abenteuerreise durch die Zeit. Die letzte Station der Ausstellung folgt von 15. Oktober 2016 bis 27. August 2017 in Limburgsmuseum Venlo (Niederlande).Limburgsmuseum Venlo Neben dieser Ausstellung fanden zwei weitere Ausstellungen zum 40. Jubiläum statt: Die Welt im Spiel – 40 Jahre Playmobil im Spielzeugmuseum Nürnberg von 19. April bis 19. Oktober 2014 und Happy Birthday! – 40 Jahre Playmobil im Städtisches Museum Zirndorf von 28. Juni 2014 bis 22. Februar 2015. Im September 2014 fand die Aktion 40 Jahre Playmobil – 40.000 Figuren – „Share the smile!“ in ausgewählten Großstädten auf der ganzen Welt statt. Bei einer weiteren Aktion Around the Worldwww.playmobil.de schickte Playmobil den Mitgliedern von Playmobil Collectors Club eine Playmobil-Figur als Reisenden mit Namen Tim the Traveller in die ganze Welt.download.playmobil.com
Am 3. Juni 2015 verstarb der Playmobil-Unternehmensinhaber Horst Brandstätter. Nach seinem Tod ging das Unternehmen in eine Doppelstiftung über: eine gemeinnützige Stiftung und eine Unternehmensstiftung, in der die wichtigsten Mitarbeiter vertreten sind; seitdem ist Marianne Albert in zentralen Gremien der Stiftungs- und Holdingstruktur des Unternehmens vertreten.Die mächtige Frau hinter den Männchen, Spiegel Online, abgerufen am 3. April 2026 In der Berichterstattung wurde ein Führungsproblem ausgemacht: „Keiner der drei neuen Vorstände darf allein entscheiden, man belauere sich.“ Im März 2016 verließ Judith Weingart, eine der Vorsitzenden, die Firma wegen Problemen mit ihren Vorsitzpartnern. Zum 1. Dezember 2016 folgte Steffen Höpfner als Vorstandschef auf den verstorbenen Brandstätter.
Vom 12. November 2018 bis zum 17. Februar 2019 fand die Sonderausstellung Playmobil Spielgeschichte(n) im Heimatmuseum Reutlingen statt.
Entwicklung ab 2020
Höpfner beendete seinen Vertrag vorzeitig zum 31. Juli 2023; seitdem leitet Finanzvorstand René Feser die Unternehmensgruppe als Chief Operating Officer (COO).
Ende 2023 plante Playmobil, nach zwei umsatzschwachen Jahren weltweit etwa 700 Stellen abzubauen, mehr als die Hälfte davon in Deutschland, was etwa 16 Prozent der Gesamtbelegschaft entspreche. Bereits zuvor wurde der Formenbau mit 74 Stellen ausgelagert. Playmobil gab an, noch unter Nachwirkungen der Pandemie zu leiden, obwohl die Spielwarenbranche ein großer Gewinner der Krise war.Redaktionsnetzwerk Deutschland: Der Playmobil-Absturz mit Ansage: Trauerspiel eines Traditionsunternehmens, 10. Oktober 2023. Branchenexperten schätzten, dass bei Playmobil 2022/23 der Umsatz um 20 % sank und unklar wäre, ob damit noch eine schwarze Null erreicht worden wäre. Die Lager seien mit Produkten gefüllt, die sich weniger als erwartet verkauften.Redaktionsnetzwerk Deutschland: Wie schlimm steht es um Playmobil? 1. Dezember 2023.