Breidenstein (mundartlich Brärrestäh) ist eine ehemals selbstständige Landstadt im Hessischen Hinterland und heute ein Stadtteil der Stadt Biedenkopf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Breidenstein liegt am Unterlauf der Perf, die südlich des Ortes zum Perfstausee gestaut wird.

Geographie Geographische Lage Der Ort liegt nördlich von Breidenbach, südwestlich von Wallau/Lahn und südöstlich von Niederlaasphe und Amalienhütte am Rande des Hessischen Hinterlandes an der Grenze zum westfälischen Landesteil Nordrhein-Westfalens und dem Wittgensteiner Land und am Unterlauf der Perf. Am südlichen Ortsrand beginnt der 1993 angelegte Perfstausee, der sich bis an den Rand der Gemarkung zieht. Die Ortslage liegt auf einer weit vorspringenden, an der Perf schroff abfallenden Nase des Entenbergs, am nordwestlichen Rand des Gladenbacher Berglands.

Der historische Ortskern befindet sich entlang der Schloßstraße. Im Lauf der Zeit weitete sich Breidenstein in Richtung Westen aus, die Straße Auf der Pforte/Brückenstraße verbindet die Neubaugebiete mit dem historischen Teil und ist die einzige Verbindung zwischen den Ortsteilen dies- und jenseits der den Ort zerschneidenden Scheldetalbahn.

Breidenstein selbst ist über die Bundesstraße 253, die bei Wallau von der Bundesstraße 62 nach Süden abzweigt, mit den umliegenden Orten verbunden und liegt etwa 304 m über NHN. Die Gemarkung ist 844 ha groß (davon 34 ha Wald) und zurzeit gibt es etwa 1300 Einwohner in rund 180 Häusern.

Siedlungen und Wüstungen In der Gemarkung von Breidenstein liegen die Wüstung Melsbach und der Hof Roßbach, die einst eigene Gemeinden bildeten.

Geologie Da der Ort in den Ausläufern des Rheinischen Schiefergebirges liegt, ist der Schiefer „Wissenbacher Stufe“ die vorherrschende Gesteinsformation. Wegen der niedrigen Ertragsmesszahlen unter 30 und der Höhenlage gehört Breidenstein zu den „von der Natur benachteiligten Gebieten“, wie alle Gemeinden im Naturraum „Breidenbacher Grund“. Unter diesen Bedingungen hat die Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung verloren und ist heute fast vollständig aus dem Ortsbild verschwunden.

Klima Klimatisch liegt Breidenstein wie der gesamte Breidenbacher Grund im Grenzbereich der beiden Klimaräume Nordwest- und Südwestdeutschland und es gibt sowohl maritime als auch kontinentale Einflüsse. Das Klima wird daher durch verhältnismäßig kühlere Sommer, aber auch nicht-alpine Wintertemperaturen gekennzeichnet, mit Niederschlägen von durchschnittlich ca. 900 mm pro Jahr.

Geschichte Ortsgeschichte Im Jahre 1395 folgte die erste eindeutig Breidenstein zuzuordnende urkundliche Erwähnung. Damals errichteten die Herren von Breidenbach zu Breidenstein eine Burg auf dem Haubenberg, von der heute nur noch Grundmauern zu sehen sind. Infolgedessen bekamen die Gebrüder Gerlach und Johann von Breidenbach am 8. Januar 1398 vom römisch-deutschen König Wenzel das Recht, zu ihrer „Feste Preitenstein uff der Lone gelegen“ (oberhalb der Lahn) ein „Städtlein“ zu bauen: es wurden also die Stadtrechte verliehen. Die ersten Siedler, die sich am Südhang des Haubenberges, unterhalb der Burg niederließen, kamen wohl aus dem südwestlich gelegenen, durch Abwanderung nach Breidenstein inzwischen wüst gefallenen Ort Melsbach.

Lange wurde von einer 118 Jahre früheren früheren Ersterwähnung im Jahre 1277 ausgegangen. Auf Basis dieses Datums wurden auch schon Jubiläen gefeiert, jedoch wurde wegen vereinzelten Bedenken wegen der Richtigkeit des Datums im Vorfeld des vermeintlichen 750-jährigen Ortsjubiläums Fachkenntnis herangezogen: Der Historiker Kristian Bosselmann-Cyran machte im Rahmen einer Sitzung des Ortsbeirats eindeutig klar, dass in der entsprechenden Urkunde keine namentliche Erwähnung des Ortes erfolgte, sondern nur der Bau einer Burg genehmigt wurde.

Von 1712 bis 1714 wurde das heutige Schloss Breidenstein erbaut. Der langgestreckte Bau mit Fachwerkobergeschoss und zwei Zwerchgiebeln hat innen eine schwere Balustertreppe und außen mittelalterliche Befestigungsanlagen von 1394 und ist bis heute in Privatbesitz derer von Breidenbach zu Breidenstein. 1802 bekam Breidenstein Marktrechte, der Breidensteiner Markt konnte sich allerdings nicht gegen die älteren und größeren Märkte in Biedenkopf und Laasphe durchsetzen. Ähnlich verhielt es sich mit den Stadtrechten: zwischen den aufstrebenden Städten Biedenkopf und Laasphe und dem alten Verwaltungsmittelpunkt Breidenbach konnte sich Breidenstein nie wirklich entwickeln.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Breidenstein:

1936 wurde dem eher dörflich geprägten Breidenstein schließlich das Stadtrecht aberkannt. Folgend ordnete der Landrat des Landkreises Biedenkopf an, die Ortseingangsschilder mit der Aufschrift „Stadt Breidenstein“ zu entfernen. Trotz zweimaliger Aufforderung kam der Bürgermeister dieser nicht nach. Daraufhin ließ der Landrat die Schilder durch Polizeibeamte entfernen. Bereits am 30. September 1953 verfügte der Regierungspräsident in Wiesbaden, dass die 1398 von König Wenzel verliehenen Stadtrechte in der Zeit des Nationalsozialismus nicht rechtswirksam aberkannt worden waren. Die Wiederverleihung der Stadtrechte wurde am 4. September 1954, unter großer Beteiligung der Bevölkerung, festlich begangen. Den Höhepunkt dieses Festes bildete eine Feierstunde im Hof des Schlosses der Freiherren von Breidenbach zu Breidenstein, an der auch Vertreter der hessischen Landesregierung, des Landkreises Biedenkopf und die Bürgermeister der benachbarten Gemeinden teilnahmen. Verbunden mit der Wiederverleihung der Stadtrechte, erhielt Breidenstein auch die offizielle Genehmigung zum Führen eines Stadtwappens und einer Stadtflagge (siehe Abschnitt „Wappen“).

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. Juli 1974 wurde die Stadt Biedenkopf im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit der Stadt Breidenstein, der Gemeinde Wallau (Lahn) und dem Ortsteil Katzenbach der Gemeinde Buchenau (Lahn) durch Landesgesetz zur erweiterten Stadt Biedenkopf zusammengeschlossen, nachdem andere Pläne der Breidensteiner Gemeindevertreter zur Beibehaltung der Stadtrechte und Bildung einer erweiterten Stadt Breidenstein mit den Gemeinden Wallau (Lahn), Weifenbach und Wiesenbach gescheitert waren. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Biedenkopf wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

1998 wurde das 600-jährige Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte mit einem mehrtägigen Fest groß gefeiert.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Breidenstein angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein Die Zugehörigkeit zum Amt Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Blankenstein ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Battenberg1823: Trennung von Justiz (Landgericht Biedenkopf) und Verwaltung ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Biedenkopf ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Biedenkopf

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Breidenstein 1341 Einwohner. Darunter waren 69 (5,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 267 Einwohner unter 18 Jahren, 555 zwischen 18 und 49, 261 zwischen 50 und 64 und 258 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 531 Haushalten. Davon waren 144 Singlehaushalte, 141 Paare ohne Kinder und 198 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 114 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 351 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 23 Hausgesesse • 1630: 19 Hausgesesse • 1677: 17 Männer 2 Witwen, 3 Jungmannschaften, 9 ledige Mannschaften • 1742: 24 Haushalte • 1791: 205 Einwohner • 1800: 205 Einwohner • 1806: 263 Einwohner, 34 Häuser • 1829: 311 Einwohner, 41 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1830: 311 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1885: 431 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 969 evangelische (= 85,30 %), 153 katholische (= 13,47 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit • 1867: Erwerbspersonen: 120 Landwirtschaft, 3 Verkehr, 57 persönliche Dienstleistungen, eine Gesundheitspflege, 7 Personen ohne Berufsangabe. • 1961: Erwerbspersonen: 140 Land- und Forstwirtschaft, 320 produzierendes Gewerbe, 65 Handel und Verkehr, 44 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik

Ortsbeirat

Breidenstein verfügt als Ortsbezirk über einen Ortsbeirat, bestehend aus fünf Mitgliedern, dessen Vorsitzender ein Ortsvorsteher ist.§ 3 der Hauptsatzung der Stadt Biedenkopf Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 41,19 %. Der Ortsbeirat wählte Manfred Schmidt (SPD) zum Ortsvorsteher.

Wappen Am 5. Juni 1954 genehmigte der Hessische Minister des Innern das Wappen mit folgender Beschreibung:

Flagge

Am 23. Dezember 1954 genehmigte der Hessische Minister des Innern die Flagge mit folgender Beschreibung:

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke

An Sehenswürdigkeiten gibt es das Schloss Breidenstein, die säkularisierte Kapelle, den Perfstausee sowie einen historischen Brunnen („Komp“ genannt).

Regelmäßige Veranstaltungen Alljährlich findet in Breidenstein die traditionelle Zeltkirmes statt, die von der Burschenschaft „Schmidt 1910“ Stadt Breidenstein veranstaltet wird.

Vereine