Die Feuerwehr Bielefeld gliedert sich in die Berufsfeuerwehr, den Rettungsdienst, die Freiwillige Feuerwehr und den Feuerwehr-Musikzug. Die mehr als 300 hauptamtlichen und rund 850 freiwilligen Feuerwehrleute versehen ihren Dienst in vier Wachen der Berufsfeuerwehr und 28 Löschabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren. Die Feuerwehr Bielefeld wird unterstützt durch die fünf in der Stadt befindlichen Betriebsfeuerwehren mit rund 100 nebenberuflichen Einsatzkräften.
Geschichte Im März 1860 gründeten vier Feuerwehrmänner eine Turnerfeuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr Bielefeld feierte im Jahr 2010 daher ihr 150-jähriges Bestehen. Die Gründung der Berufsfeuerwehr erfolgte im Jahr 1899.
In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 machten sich Männer in schwarzen Uniformen – wohl SS-Männer – in der Synagoge an der Turnerstraße zu schaffen und platzierten Brandbeschleuniger. Zuvor hatten sich einige unmittelbar Tatbeteiligte verschiedene Werkzeuge bei der Feuerwehr beschafft, sodass diese über die Vorgänge vorab im Bilde war. In den frühen Morgenstunden hatten Flammen die im Jahr 1905 eingeweihte und unter Denkmalschutz stehende Synagoge vollständig ergriffen. Um 4:49 Uhr wurde die – längst informierte – Feuerwehr offiziell alarmiert, die ihre Tätigkeit aber weisungsgemäß auf den Schutz von Nachbargebäuden beschränkte und dem Ausbrennen dieses Gotteshauses tatenlos zusah. Einzelne Feuerwehrmänner hatten die Brandentwicklung sogar aktiv unterstützt. Amtliche oder polizeiliche Ermittlungen zur Brandursache fanden anschließend nicht statt: „Art des Feuers: Groß […]. Es brannte die Synagoge mit angrenzendem Wohn- u. Verwaltungsgebäude in ganzer Ausdehnung […]. Entstehungsart und Gutachten über polizeiliche Verfügungen nicht ermittelt“, hielt der Brandbericht der Feuerwehr nüchtern fest.
Amtsleiter Der Leiter der Feuerwehr ist Gordon Majewski, sein Vorgänger war Hans-Dieter Mühlenweg.
Struktur Der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr steht der Leiter des Feuerwehramtes Bielefeld vor. Die Berufsfeuerwehr gliedert sich in die Bereiche Allgemeine Verwaltung, Zivil- und Katastrophenschutz, Einsatz, Technik und Vorbeugender Brandschutz und Ausbildung. Die Freiwillige Feuerwehr teilt sich in drei Brandschutzbezirke, denen jeweils ein Bezirkssprecher und ein Stellvertreter vorstehen, sowie die Abteilung Jugendfeuerwehr. Die Interessen der ehrenamtlichen Angehörigen werden durch den Gesamtsprecher gegenüber der Amtsleitung vertreten.
Rettungsdienst mini|Rettungshubschrauber Christoph 13 bei einem Einsatzflug Im Rettungsdienst der Stadt Bielefeld betreibt die Berufsfeuerwehr im Regelbetrieb bis zu elf Rettungswagen, die auf der Hauptwache am Stadtholz (vier Fahrzeuge), auf der Feuerwache West (drei Fahrzeuge), der Feuerwache Nord (zwei Fahrzeuge) und auf der Feuerwache Süd (zwei Fahrzeuge) stationiert sind. Daneben wird auf der Hauptwache ein spezielles Kinderintensivmobil (KIM) von der BF betrieben. Im Bereich des Notarztdienstes besetzt die Berufsfeuerwehr im Regelbetrieb zwei Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) und den Rettungshubschrauber Christoph 13. Darüber hinaus besteht bei Bedarf jederzeit die Möglichkeit, ein weiteres NEF zu besetzen. Die Koordination aller Rettungsdiensteinsätze erfolgt über die Leitstelle der Feuerwehr Bielefeld. Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst ist ebenfalls organisatorisch dem Feuerwehramt zugeordnet.
Neben der Berufsfeuerwehr übernehmen seit dem Jahr 1994 auch das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Arbeiter-Samariter-Bund Rettungseinsätze. Seit dem Jahr 2002 sind diese Hilfsorganisationen zu der ASB DRK JUH Rettungsdienst Bielefeld gGmbH zusammengeschlossen und im Rettungsdienst der Stadt Bielefeld täglich mit vier Rettungswagen (RTW), einem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) sowie bis zu zehn Krankentransportwagen (KTW) an insgesamt vier Standorten eingebunden. Bei Bedarf können weitere RTW, KTW, NEF und ein Gerätewagen Rettungsdienst (GW Rett) besetzt werden. Zusätzlich ist ein ELW dauerhaft durch einen in Bereitschaft befindlichen Notfallsanitäter besetzt.
Die Intensivtransporte werden mittlerweile überwiegend von der Berufsfeuerwehr mit einem eigenen, eigens hierfür konzipierten Fahrzeug und besonders geschulten Berufsfeuerwehrbeamten und tariflich Beschäftigten durchgeführt.
Zusätzlich existieren die privaten Unternehmen Biekra (Bielefelder Krankentransporte) und seine Schwestergesellschaft Unfall Rettung Krankentransporte Haupt, die mit einem Rettungswagen im 24-Stunden-Dienst und drei Rettungswagen im Tagdienst den öffentlichen Rettungsdienst der Stadt an drei Standorten unterstützen.
In Bielefeld wurden im Jahr 2010 knapp 38.000 Rettungseinsätze durchgeführt, im Jahr 2013 waren es nahezu 44.000. Im Stadtgebiet Bielefeld befinden sich somit insgesamt 15 Rettungswachen, davon sind fünf NEF- bzw. RTH-Standorte.
Feuer- und Rettungswachen der Berufsfeuerwehr Die Berufsfeuerwehr der Stadt Bielefeld verfügt zurzeit über vier Wachen im gesamten Stadtgebiet. Eine fünfte Wache ist im Bereich Sieker an der Detmolder Straße geplant (Stand 2024).
Hauptwache mini|Hauptfeuerwache Bielefeld Die Hauptfeuerwache ist Sitz der Leitstelle, der Verwaltung und der Werkstätten. Sie befindet sich im Stadtbezirk Mitte in der Straße Am Stadtholz. Der Feuerwache angegliedert ist das Feuerwehr-Museum Bielefeld, welches Exponate aus 100 Jahren Feuerwehr- und Technikgeschichte zeigt.
In den acht Notrufleitungen der Leitstelle gehen jährlich rund 45.000 Hilferufe ein. Darunter sind z. B. 1.500 Brandmeldungen, 29.000 Rettungsrufe und 10.000 Krankentransportanfragen. Ein spezieller Ampelrechner bei den Stadtwerken Bielefeld soll die Einsatzfahrten beschleunigen und sicherer machen.
Auf dieser Wache werden ständig ein Einsatzleitwagen (ELW 1), zwei Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge (HLF 20/16), eine Drehleiter (DLA(K) 23-12 GL), ein Rüstwagen (RW 2) sowie diverse Sonderfahrzeuge besetzt. Zu diesen Sonderfahrzeugen zählen u. a. das umfangreiche Wechselladersystem, ein Tanklöschfahrzeug (TLF 4000) sowie mehrere Gerätewagen und Logistikfahrzeuge.
Im Rettungsdienstbereich werden mehrere RTW, ein Kinderintensivmobil sowie ein NEF (Außenstandort Krankenhaus Mitte) vorgehalten.
Weiterhin sind verschiedenste Reserve-Fahrzeuge, die als Ausfall-Reserve sowie zur Ausbildung dienen, an dieser Feuerwache stationiert.
Feuerwache West Im Stadtteil Gellershagen befindet sich die Feuer- und Rettungswache West. Hier versehen für gewöhnlich zehn Feuerwehrleute auf dem Löschzug ihren Dienst. Zusätzlich stehen fünf Fachkräfte für den Rettungsdienst zur Verfügung. Diese besetzen unter anderem ein HLF 20, eine DLA(K) 23/12 GL, einen ELW 1, zwei RTW, ein NEF sowie weitere Fahrzeuge. Die Feuerwache West ist auch Ausbildungswache der Feuerwehr Bielefeld. Ein Großteil der Lehrgänge für die Freiwillige Feuerwehr Bielefeld sowie der Grundlehrgang für Kräfte der Berufsfeuerwehr findet hier statt. Außerdem befindet sich eine Atemschutzübungsanlage im Untergeschoss der Feuerwache. Seit dem Jahr 2024 befindet sich auf der Wache West ein NEF im 24-Stunden-Dienst.
Feuerwache Süd Für die südlichen Stadtbezirke ist die Feuer- und Rettungswache Süd zuständig. Nach den Renovierungsmaßnahmen im Jahr 2021 verfügt die Wache Süd über einen neuen Ausbildungsraum sowie über einen neuen Fitnessraum. Die vorhandene Infrastruktur der Wache wird ebenfalls komplett überholt. Im Einsatzdienst befinden sich für gewöhnlich zehn Feuerwehrleute auf dem Löschzug und zwei Notfallsanitäter sowie zwei Rettungssanitäter für den Rettungsdienst. Es stehen ein Einsatzleitwagen (ELW 1), ein HLF 20, eine DLA(K) 23/12 GL, ein Kleineinsatzfahrzeug (KEF) und diverse andere Fahrzeuge auf der Wache bereit.
Seit dem 1. Oktober 2019 stellt die Wache Süd auch das Personal für die neue Rettungswache 21 im Bielefelder Stadtteil Sennestadt.
Seit dem 1. Januar 2022 stellt die Wache Süd auch einen B-Dienst primär für den Brandschutzbezirk Süd; dieser ist eine der ersten Umsetzungen aus dem Brandschutzbedarfsplan 2021 der Stadt Bielefeld. Zu den weiteren Maßnahmen der Verstärkung und Dezentralisierung des Einsatzdienstes gehört die Verteilung der drei Führungsdienste A-Dienst, B-Dienst, Organisatorischer Leiter Rettungsdienst (OrgL RD) von der Hauptwache auf drei Standorte.
Feuerwache Nord Die Feuerwache Nord im nördlichen Stadtbereich an der Herforder Straße hat ihren Dienstbetrieb am 16. November 2009 aufgenommen. Hier verrichten zehn Feuerwehrleute im Löschzug und vier Fachkräfte im Rettungsdienst ihren Dienst. Es werden ein HLF 20, eine DLA(K) 23/12, ein Kleineinsatzfahrzeug (KEF) und zwei RTW ständig besetzt. Zusätzlich sind die Feuerlöscherwerkstatt und die Hauptatemschutzwerkstatt in diese Feuerwache integriert worden.
Feuerwache Ost Die Feuerwache Ost ist mit einem Standort an der Detmolder Straße geplant (Stand: Brandschutzbedarfsplan 2021).
Löschabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Brandschutzbezirk West Die Löschabteilung Gellershagen wurde 1903 gegründet und ist für die Stadtteile Gellershagen und Sudbrack verantwortlich, wozu auch das Universitätsgelände gehört. Die 25 aktiven Mitglieder rücken jährlich zu etwa 70 Einsätzen aus und stellen auch die Brandsicherheitswachen auf der Schüco-Arena sowie im Stadttheater. Ferner wird eine Bereitschaft auf der Hauptfeuerwache bei Großschadensereignissen gestellt. Fahrzeuge: LF 20, MTF
Die Löschabteilung Babenhausen verfügt über drei Fahrzeuge. Neben durchschnittlich 20 Einsätzen jährlich übernehmen die derzeit 23 Mitglieder auch den Brandsicherheitsdienst in der Rudolf-Oetker-Halle. Fahrzeuge: TLF 16/25, LF 20 KatS, MTF
Im Jahr 1881 wurde die Löschabteilung Großdornberg im damaligen Amt Dornberg gegründet. Heute betreuen 35 Mitglieder rund 50 Einsätze unter anderem auf dem Universitätsgelände. Dafür stehen ihnen fünf Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Fahrzeuge: HLF 16/12, LF 20 KatS. (MAN-TGM,Ziegler-2016), SW 2000, TLF 2000, MTF. Nebenbei ist die Abteilung in der Brandschutzerziehung tätig. Sie absolviert Brandsicherheitswachen in der Oetkerhalle Bielefeld. Das neue Feuerwehrhaus wurde Mitte 2014 offiziell eröffnet, damit das Fahrzeug aus der geschlossenen Abteilung Kirchdornberg umgestellt werden konnte, und der Brandschutz in Kirchdornberg sichergestellt ist. Des Weiteren ist die Jugendfeuerwehr West-Hoberge im Feuerwehrhaus der LA Großdornberg stationiert mit einem LF 16 (altes Fahrzeug der LA West).
Für die 16.000 Einwohner im Stadtteil Jöllenbeck ist die Löschabteilung Jöllenbeck zuständig. Die Feuerwehr hat heute 35 Mitglieder, die jährlich zu etwa 40 Einsätzen gerufen werden. Die LA Jöllenbeck stellt zusätzlich den Verpflegungszug der Feuerwehr Bielefeld dar. Fahrzeuge: HLF 10, LF 20 KatS. (MAN-TGM,Ziegler-2016), MTF, GW-Küche, 2 Stück FKH (Feldkochherd), 1 FwA-Verpflegung (Feuerwehranhänger Verpflegung)
Die Löschabteilung Niederdornberg-Deppendorf bestreitet ihre jährlich rund 15 Brand- und Hilfseinsätze mit drei Fahrzeugen. Gegründet wurde der Löschzug 1895. Fahrzeuge: LF 10, MTF
Im Stadtteil Theesen ist die mit einem Fahrzeug und 30 Mitglieder starke kleinere Löschabteilung Theesen zuständig. Fahrzeug: LF 10
Für den westlichen Innenstadtbereich zuständig ist die Löschabteilung West. Die 30 Mitglieder umfassende Truppe übernimmt jährlich gut 120 Einsätze. Über den Einsatzdienst hinaus beteiligt sich die LA West an den Brandsicherheitswachen auf der Schüco-Arena, dem Stadttheater und der Stadthalle. Außerdem kann die LA West bei Großschadensereignissen eine Bereitschaft auf der Hauptwache stellen. Dafür stehen ihnen zwei Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Fahrzeuge: LF 10, MTF
Die Löschabteilung Hoberge-Uerentrup verfügt über 17 Kameraden mit einem LF 10 als Einsatzfahrzeug und ein MTF. Regelmäßig übernehmen sie auch den Brandsicherheitsdienst in der Rudolf-Oetker-Halle. Fahrzeuge: LF 10, MTF
Ebenfalls mit zwei Fahrzeugen war die Löschabteilung Kirchdornberg, gegründet 1887 ausgestattet.