mini|Jean-Michel Jarre (2016) Jean-Michel André Jarre [] (* 24. August 1948 in Lyon) ist ein französischer Musiker, Komponist und Musikproduzent. Unter dem Einfluss von Pierre Schaeffer erschuf er ab Anfang der 1970er Jahre Kompositionen für den Synthesizer, die als wegbereitend für die elektronische Musik gelten.

Biografie Ab 1948 Jean-Michel Jarre wurde 1948 in Lyon als Sohn des Komponisten Maurice Jarre (1924–2009) und von France Pejot (1914–2010) geboren. Seine Eltern ließen sich scheiden, als er fünf Jahre alt war. Kurz darauf begann sein Vater seine Karriere als Komponist von Filmmusik in Hollywood. Mit fünf Jahren lernte Jarre Klavier zu spielen, aber sein musikalisches Interesse wurde erst geweckt, als seine Mutter ihn zu seinem zehnten Geburtstag in den Pariser Jazz-Club Le Chat qui pêche mitnahm, wo ihm u. a. der Jazz-Trompeter Chet Baker ein Ständchen spielte.

In den 1960er Jahren gründete Jarre zwei Bands, Mystère IV und The Dustbins. Letztere spielte Stücke von The Shadows und The Spotnicks nach und war im Etienne-Perier-Film Des garçons et des filles zu sehen. Jarre spielte damals elektrische Gitarre. 1969 trat er der Groupe de Recherches Musicales bei, die sich unter der Leitung von Pierre Schaeffer mit der sogenannten Musique concrète befasste. Während des einen Jahres, das Jarre in der Groupe de Recherches Musicales verbrachte, nahm er seine erste Eigenkomposition namens Happiness Is a Sad Song auf.

Ab 1970 1971 durfte er sein Elektronik-Ballett Aor (hebräisch für „Licht“) in der Pariser Oper aufführen und war damit der jüngste Komponist, dessen Werk in diesen Hallen gespielt wurde. Mit Dorian nach Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde komponierte er ein weiteres Ballettstück. Im gleichen Jahr veröffentlichte Jarre außerdem über Francis Dreyfus’ Plattenlabel „Disques Motors“ seine erste Single La Cage und 1972 die erste LP Deserted Palace. In den folgenden Jahren entstanden kleinere Kompositionen für Radio, Fernsehen und Werbung sowie die 1973 erschienene Filmmusik des Jean-Chapot-Films Die Löwin und ihr Jäger (Originaltitel: Les granges brûlées). Daneben schrieb und produzierte er Stücke und ganze Alben für die französischen Musiker Christophe, Françoise Hardy, Patrick Juvet und Gérard Lenorman.

Seinen großen Durchbruch hatte Jarre mit dem 1976 erschienenen Album Oxygène, das – ab 1977 über Polygram weltweit vertrieben – zum Überraschungserfolg geriet und bis 2003 in weltweit 18 Millionen Exemplaren verkauft wurde. Dabei hatte Jarre zuvor große Probleme, überhaupt ein Label dafür zu finden, da Musik ohne Gesang und Schlagzeug zu dieser Zeit, in der auch der Synthiepop erste Bekanntheit erlangte, als nicht vermarktbar angesehen wurde. Manche Plattenfirmen gingen sogar davon aus, dass das Demomaterial defekt sei, da es mit Rauschen begann. Dies hatte jedoch eine einfache Ursache: Da das Aufnahmematerial, welches sich Jarre leisten konnte, deutliches Grundrauschen aufwies, kaschierte er dies durch den Einsatz von Rauschen aus seinem AKS-Synthesizer und wob es als musikalisches Element ein.

1978 erschien Equinoxe, das Nachfolgealbum von Oxygène. Das konzeptionell ähnlich aufgebaute Album verkaufte sich bisher ca. 10 Millionen Mal.

Am 14. Juli 1979 fand Jean-Michel Jarres erstes Konzert auf der Place de la Concorde in Paris statt. Von Lichteffekten, Projektionen und Feuerwerk begleitet spielte er Oxygène und Equinoxe. Über eine Million Zuschauer bei seinem ersten Live-Auftritt brachten Jarre einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für das zuschauerstärkste Konzert aller Zeiten.

Ab 1980 1981 führte Jarre auf seinem Album Magnetic Fields das Sampling ein, wenn zunächst auch nur in geringem Umfang. Nach der Veröffentlichung dieses Albums trat Jarre im Oktober 1981 als erster westlicher Musiker nach dem Tod von Mao Zedong in der Volksrepublik China auf. Der Tournee waren drei frühere Chinareisen Jarres vorausgegangen, zuletzt im Juli 1981, bei der er die Organisation abschloss. Die Zustimmung der chinesischen Stellen führte er auf die dabei geknüpften persönlichen Kontakte zurück. Bei einem der früheren Besuche hatte er dem Musikkonservatorium in Peking einen AKS-Synthesizer überlassen, woraufhin dort nach seiner Darstellung eine Forschungsgruppe eingerichtet wurde, die traditionelle und moderne Klänge verband. Im chinesischen Rundfunk liefen vor der Tournee Ausschnitte aus seinen Alben Oxygène, Equinoxe und Magnetic Fields.Michael Way: Jarre First For China. In: Billboard. 17. Oktober 1981, S. 3 und 69 (Fortsetzung dort unter dem Titel Jarre First Western Pop Artist In China). Die Reise kam im Rahmen französisch-chinesischer Kulturaustauschabkommen zustande; produziert wurde sie von Francis Dreyfus, dem Chef des Pariser Unternehmens Dreyfus Music. Für den zweiwöchigen Aufenthalt reisten rund 70 Mitarbeiter und zwölf Tonnen Material an. Neben Jarre waren die Keyboarder Frédéric Rousseau und Dominique Perrier beteiligt; für ein etwa 20-minütiges Stück kam ein 34-köpfiges klassisches chinesisches Orchester hinzu. Als eines der Kernstücke der Shows war eine in Frankreich entwickelte Laserharfe vorgesehen, deren Strahlen beim Anschlagen in den Himmel wanderten. Das britische Fernsehnetz ATV filmte die Tournee. Die fünf Konzerte – zwei in Peking, drei in Shanghai – wurden 1982 in Form einer (im Studio nachbearbeiteten) Doppel-LP namens The Concerts in China/Les concerts en Chine veröffentlicht.

1983 entstand das Album Music for Supermarkets. Als Reaktion auf die Kommerzialisierung der Musikszene nahm Jarre dieses Album auf, ließ genau eine LP pressen und diese dann am 6. Juli 1983 im Hôtel Drouot in Paris für 69.000 Francs versteigern. Das ganze Werk wurde einmal im französischsprachigen Radiosender RTL gespielt, anschließend wurden die Mastertapes vernichtet. Jarre rief damals seine Fans zum Mitschneiden der Übertragung auf („Pirate it!“). Da der Sender nur auf Langwelle sendete, sind die heute noch verfügbaren monauralen Aufnahmen nur von schlechter Qualität. Jarre verarbeitete einige Lieder jedoch auf nachfolgenden Alben erneut, sodass nicht alle Stücke verloren sind.

Auf seinem 1984er Album Zoolook dominieren Samples von menschlichen Stimmen aus über 20 Sprachen, die alle in bearbeitetem und verfremdetem Zustand als Klangquelle genutzt wurden. Es ging hierbei weder um den Sinn der Wörter noch um deren Bedeutung, sondern nur um deren musikalische Verwendbarkeit. Außerdem waren erstmals Gastmusiker an einem Jarre-Album beteiligt, zum Beispiel die Performance-Künstlerin Laurie Anderson, der Bassist Marcus Miller und der King-Crimson-Gitarrist Adrian Belew.

1986 wurde Jarre vom US-Bundesstaat Texas und der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zu einem Konzert nach Houston eingeladen. Anlass war das 150. Jubiläum der Gründung der Stadt und des Bundesstaates und das 25-jährige Bestehen des Lyndon B. Johnson Space Centers der NASA.Marilyn August: Frenchman turns Houston into giant stage, Pittsburgh Post-Gazette vom 18. April 1986, S. 29. Eigens für dieses Konzert nahm Jarre das Album Rendez-vous auf, wobei die Stücke Rendez-Vous 2 und 3 bereits in ähnlicher Form im Jahr 1975 für den Sänger Gérard Lenorman als La Belle et la Bête und La Mort du Cygne von Jean-Michel Jarre geschrieben worden waren. Auch wurde das Stück Music For Supermarkets Part 3 aus dem gleichnamigen Album als Rendez-Vous 5 Part III übernommen. Der Astronaut Bruce McCandless brachte Jarre auf die Idee, eines der Stücke von dem Astronauten Ronald Erwin McNair bei der Mission STS-51-L der Raumfähre Challenger mit dem Saxophon einspielen zu lassen. McNair war ein begeisterter Saxophonist, und es war geplant, dass er ein von ihm mitgeschriebenes Stück im All spielen sollte. Der Start der Challenger am 28. Januar wurde jedoch zur bis dahin größten Katastrophe in der US-amerikanischen Raumfahrtgeschichte, bei der alle Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Jarre wollte das Konzert absagen, Bruce McCandless und andere NASA-Astronauten bewogen ihn, es dennoch zu veranstalten. Rendez-vous Houston – A City In Concert fand statt und Jarre widmete es den verstorbenen Astronauten der Challenger. Die Skyline von Houston wurde in eine Licht- und Lasershow integriert. Mindestens 1,3 Millionen Zuschauer verfolgten das Spektakel. Jarre widmete McNair den Titel Last Rendez Vous / Dernier Rendez Vous „Ron’s Piece“ auf dem Album Rendez-Vous.

mini|hochkant=2|Konzert in Houston am 5. April 1986 Am 5. Oktober 1986 trat Jarre in seiner Heimatstadt Lyon anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. auf. Nachdem der Papst seinen Segen über die Stadt gesprochen hatte, begann das Konzert, dem 800.000 Menschen beiwohnten. Den beiden Rendez-vous-Konzerten wurde das Live-Album In Concert Houston-Lyon bzw. dessen längere Ausgabe Cities In Concert Houston-Lyon gewidmet.

Das nächste Album Revolutions wurde am 8. und 9. Oktober 1988 in den Londoner Queen-Victoria-Docks uraufgeführt. Das Konzert Destination Docklands fand auf einer schwimmenden Bühne statt. Trotz des strömenden Regens kamen 80.000 zahlende Besucher und weitere 200.000 Zaungäste. Auch von diesem Konzert wurde ein Live-Album angefertigt: Jarre Live, das in den 1990er Jahren umbenannt wurde in Destination Docklands.

1989 sollte zum 200. Jubiläum der Französischen Revolution ein außergewöhnlich großes Konzert stattfinden. Aufgrund von Terminstreitigkeiten sowie Sicherheitsbedenken wurde es aber auf das Jahr 1990 verschoben, was eine bessere Planung ermöglichte. Stattdessen fand vom 7. Juli bis 17. September 1989 die Foto-Ausstellung Concert d'Images statt, die Jarres bisherige Konzerte und auch Instrumente darstellte.

Ab 1990 Ungewohnte Klänge ertönen auf Jarres 1990 erschienenem, Jacques-Yves Cousteau gewidmetem Album Waiting for Cousteau, dem die Steeldrum-Gruppe „Amoco Renegades“ in einigen Stücken einen Hauch von Karibik verlieh. Auch das am 14. Juli 1990 aufgeführte Konzert Paris La Défense – Une Ville En Concert widmete Jarre dem französischen Meeresforscher. Mit diesem Konzert, das im Pariser Hochhausviertel La Défense stattfand und die gesamte Architektur einschließlich der Grande Arche mit in die Lichtshow einbezog, überbot Jarre seinen eigenen Rekord – im Guinness-Buch der Rekorde wurde die Zahl von 2.000.000 Zuschauern eingetragen, manche Schätzungen sprechen gar von 2.500.000. Der Platz, den das Publikum einnahm, reichte zurück bis zum Pariser Triumphbogen.

Am 11. Juli 1991 war zur Mittagszeit in Teotihuacán in Mexiko eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Zu diesem Ereignis sollte vor Ort ein Konzert stattfinden. Jarre hatte zu diesem Anlass auch neue Stücke komponiert. Das Schiff, das die Bühne nach Mexiko bringen sollte, versank aber im Atlantik und finanziell gab es ebenfalls Probleme, woraufhin das Konzert abgesagt werden musste. Die Stücke fanden Einzug in das Album Images – The Best of Jean Michel Jarre. Zwei Songs des Jahrgangs 1991 wurden hingegen nie veröffentlicht. Jarre schrieb sie für Cousteaus Film Palawan – Das letzte Paradies.

1992 feierte der Uhrenhersteller Swatch die Produktion seiner 100-millionsten Armbanduhr. Aus diesem Anlass wurde zum einen ein neues Modell namens MusiCall vorgestellt, dessen Alarmtöne nach und nach von verschiedenen Musikern komponiert wurden; die Melodie des ersten Jahrgangs schrieb Jean-Michel Jarre (sein Zweiton-MusiCall findet sich als Sample im Titel Chronologie 4). Zum anderen veranstaltete er am 25. und 26. September in Zermatt die Multimedia-Show Swatch The World, die sich von seinen Konzerten dadurch unterschied, dass die Musik nicht live gespielt wurde. Im selben Jahr wurde in Bophuthatswana die Luxushotelanlage Sun City mit der ähnlich konzipierten Show Legends of the Lost City am 1., 2. und 3. Dezember eröffnet.