mini|Başı Bozuk auf einer osmanischen Postkarte mini|Ein Anführer der 'Başı Bozuk', Ölgemälde von Jean-Léon Gérôme aus dem Jahr 1881

Die (, auch , Baschi-Bosuks) waren irreguläre Truppen des Osmanischen Reiches, die sich aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen zusammensetzten. Der Begriff bedeutet sinngemäß übersetzt so viel wie „Führerlos“, „irreguläre (Truppen)“, „Freischärler“, wörtlich jedoch „kaputter Kopf“, „Gestörter“, „Verwirrter“. Die Başı Bozuk, in der italienischen Schreibweise Basci Buzuk, auch Basci-Buzuk, basci buzuk oder basci-buzuk, wurden 1885 zu Beginn der italienischen Kolonialexpansion in Ostafrika auch vom Königreich Italien angeworben und bildeten die Keimzelle für die italienischen Ascari.

In der osmanischen Armee Die Başı Bozuk waren die irregulären Soldaten des osmanischen Sultans, die keiner militärischen Regelung oder Vorschrift der osmanischen Armee unterlagen und somit frei nach ihrem eigenen Ermessen bestrafen und töten durften. Sie hatten daher weder offizielle Uniformen noch sonstige spezielle Abzeichen. Diese Truppen wurden häufig eingesetzt, um Aufstände niederzuschlagen; infolgedessen waren sie bei der (aufständischen) Zivilbevölkerung verhasst, da sie gegen diese oft mit extremer Brutalität vorgingen, etwa durch Misshandlungen und Plünderungen. Die mangelnde Disziplin und ihr auflehnendes Temperament machte es manchmal nötig, sie durch die regulären osmanischen Truppen zu entwaffnen.

Başı Bozuk begingen 1876 während des Aprilaufstandes das Massaker von Batak. In der westlichen Öffentlichkeit wurde das Vorgehen der osmanischen Truppen scharf kritisiert. Das Russische Kaiserreich nutzte die Ereignisse von Batak anlässlich des Russisch-Osmanischen Krieges für seine Kriegspropaganda.

Unter den mit rund 65.000 Mann bezifferten Kriegern befanden sich unter anderem Tataren aus der Dobrudscha, Albaner, Tscherkessen aus dem Kaukasus oder auch Turkmenen und Kurden aus Ostanatolien.Stanford J. Shaw, Ezel Kural Shaw: Reform, Revolution, and Republic: The Rise of Modern Turkey, 1808-1975. In: Stanford Jay Shaw: History of the Ottoman Empire and Modern Turkey. Band 2, Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1977, ISBN 0-521-21449-1, S. I-XXV + 1-518 und ISBN 0-521-29166-6, S. 86, 472. Die Baschi-Bosuks waren Freibeuter: Vom Staat bekamen sie Waffen und Proviant, jedoch keinen Sold. Sie versorgten sich über Raub, Plünderung und Brandschatzung, wozu sie vom Sultan legitimiert waren.

Eine ähnliche Erscheinung findet sich bei den indischen Pindari, die ebenfalls keinen Sold erhielten und von Plünderungen lebten.

In der italienischen Armee mini|In italienischen Diensten stehende Basci Buzuk in Eritrea Aufstellung Die italienische Armee war zu Beginn der italienischen Kolonialexpansion unzureichend auf diese von der Regierung in Rom beschlossene Aufgabe vorbereitet. Als das erste größere Truppenkontingent unter dem Kommando von Oberst Tancredi Saletta am 5. Februar 1885 in Massaua an der ostafrikanischen Küste des Roten Meeres landete, verfügte man nur über sehr lückenhafte Kenntnisse über Land und Leute. Man litt unter der Hitze und an bald ausbrechenden Krankheiten. Es fehlte zudem an geeigneten Material und Ausrüstung. Die Moral der erst im Aufbaustadium befindlichen italienischen Kolonialtruppen war bald angegriffen.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 10.

Auch wenn bereits Ende 1881 in der Kolonie Assab ein erstes kleines Kontingent von einheimischen Wachmannschaften angeworben wurde, besaß Saletta zunächst keine Anweisungen bezüglich der Rekrutierung einheimischer Truppen.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 8, 11. Da die Italiener aufgrund von Krankheiten und der Hitze immer Ausfälle zu verzeichnen hatten, sah man sich jedoch gezwungen nach Alternativen umzusehen. Ins Augenmerk rückten die 500 in ägyptischen Diensten stehenden Başı Bozuk. Letztere stammten aus dem Sudan, aus den afrikanischen Anrainerstaaten des Roten Meeres und aus Abessinien.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 13–14.

In einem vom 8. April 1885 datierten Schreiben an das Kriegsministerium in Rom wurden die Basci Buzuk erstmals erwähnt. Tancredi Saletta beschreibt darin ausführlich die in ägyptischen Diensten stehende Miliz und welche Vorteile eine Anwerbung dieser Truppen für die Italiener in Massaua haben würde.Vito Zita: La nascita delle truppe coloniali italiane: Dai basci buzuk agli ascari. S. 67. Allerdings wurden auch Zweifel laut. Im Allgemeinen wurde ihnen keine große militärische Bedeutung beigemessen. Ebenso hegte man Zweifel an ihrer Disziplin. Aufgrund dessen, dass der Großteil der Bashi Buzuk Musulmane waren, hielt man sie zudem nicht für vertrauenswürdig. Zu ihrem fragwürdigen Ruf trug auch der Umstand bei, dass sie bei den Ägyptern von regulären Truppen flankiert wurden, die sich aus straffällig gewordenen Soldaten zusammensetzten.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 14–15.

Trotz dieser Vorurteile entschied man sich, auf die Basci-Buzuk zurückzugreifen. Für ihre Übernahme sprachen ihre Sprach- und Ortskenntnisse und weil sie mit den klimatischen Bedingungen vor Ort gut zurechtkamen. Nach Saletta sollten sie daher vor allem als Führer, Dolmetscher und Aufklärer eingesetzt werden.Vito Zita: La nascita delle truppe coloniali italiane: Dai basci buzuk agli ascari. S. 69–70. Es spielten aber auch noch andere Gründe eine Rolle. Zum einen war ihr Einsatz mit wesentlich geringeren Kosten verbunden, zum anderen hätten vermeintliche Verluste in der öffentlichen Meinung ein weit weniger großes Echo hervorgerufen, als italienische Gefallene.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 16.

Nachdem Rom einer Rekrutierung zugestimmt hatte, wurden am 30. April 1885 die ersten hundert Basci Buzuk übernommen und mit Remington-Gewehren aus ägyptischen Beständen ausgerüstet. Am 10. Mai wurde eine zweite Kompanie rekrutiert.

Eritreakrieg 1885–1886 Bereits wenige Tage nach ihrer Rekrutierung wurden sie erstmals eingesetzt. 50 von ihnen wurden am 9. Mai 1885 für die Besetzung des Dorfes Ambà etwa 50 km nordwestlich von Massaua abgestellt. Als am 11. Mai eine abessinische Bande unter dem Kommando von Adam Aga den Ort angriff, ergaben sich die Basci Buzuk ohne eine Gegenwehr geleistet zu haben.Vito Zita: La nascita delle truppe coloniali italiane: Dai basci buzuk agli ascari. S. 72–73. Nach dem Vorfall wurden zunächst weitere Rekrutierungen eingestellt, während die bereits angeworbenen Basci Buzuk für zweitrangige Wachaufgaben abgestellt wurden. Erst am 30. Juni 1885 wurden die Rekrutierungen mit der Übernahme von 38 Basci Buzuk der ägyptischen Besatzung von Saati wieder aufgenommen. Zum Kommandeur, dem Sangiak, wurde der Albaner Assam Oga Osman aus Ioannina ernannt.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 16–17.

Die Übernahme der Basci Buzuk von Saati war bereits Teil der von Italien eingeleiteten Politik, den Besitz in Massaua langsam auf das Landesinnere auszuweiten. Damit war es auch nötig alle Vorbehalte gegenüber den einheimischen Truppen aufzugeben und sie als vollwertige militärische Einheiten zu betrachten. Dazu trug auch, dass die koloniale Expansion der Italiener von mehreren Seiten in Frage gestellt wurde. So von den Abessiniern, vor allem in der Person von Ras Alula, von feindlich gesinnten Stämmen und Banden, von der zunehmend angespannten Koabitation mit den Ägyptern und nicht zuletzt von den Aufständischen des Mahdi.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 20–21.

Als am 2. Dezember 1885 die Ägypter aus Massaua abzogen, wurden die restlichen „ägyptischen“ Bashi Buzuk vom neuen Oberbefehlshaber der italienischen Kolonialtruppen in Eritrea, General Carlo Gené, übernommen.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 21. Die Basci Buzuk waren nun auf 927 Mann angestiegen und wurden in zwei sogenannte Horden aufgegliedert. In Massaua war die sogenannte 200 Mann starke interne Horde () stationiert und war mit Polizei- und Wachaufgaben betraut. Der Rest gehörte der externen Horde (ital. orda esterna) an und verteilte sich auf mehrere Stützpunkte im näheren und weiteren Umkreis von Massaua.Vito Zita: La nascita delle truppe coloniali italiane: Dai basci buzuk agli ascari. S. 85. Es handelte sich alles in allem um eine sehr rudimentäre Truppe, die allenfalls die Lücken des italienischen Kontingents schließen konnte, in die die Italiener nicht viel Vertrauen schenkten und die keine Begeisterung bei ihnen auslöste. Eine Eingliederung in die italienische Armee und die Aufstellung gemischter Einheiten, um ihre Disziplin und militärische Ausbildung zu verbessern, schloss man aus rassistischen Gründen aus.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 22–23.

1886 kam es zu einer einzigen bewaffneten Auseinandersetzung, bei denen die Basci Buzuk beteiligt waren. Am 1. September marschierten 125 Basci Buzuk auf den Küstenort Zula etwa 50 km südlich von Massaua zu. Dort wurden sie in ein Gefecht mit der Bande des abessinischen Führers Debeb verwickelt, bei dem 14 Basci Buzuk starben.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 24–25.

1887–1888 mini|hochkant|Oberst Giovanni Battista Begni, erster italienischer Kommandeur der Basci Buzuk Im Zuge der Belagerung von Saati am 25. Januar 1887 wurden erstmals Basci Buzuk an der Seite von italienischen Soldaten eingesetzt. In der erfolgreichen Abwehr des abessinischen Angriffs auf Saati waren sie maßgebend daran beteiligt, einen Einkesselungsversuch zu verhindern.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 32. Bei der anschließenden Schlacht bei Dogali, die mit einer vernichtenden italienischen Niederlage endete, versuchte man, obwohl sie zahlenmäßig nur eine untergeordnete Rolle spielten, sie als Sündenböcke hinzustellen und ordnete eine Untersuchung an.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 26. In Wahrheit hatten sich die Basci Buzuk auch bei Dogali als Aufklärer bewährt und hielten nach der Niederlage viele vor Massaua gelegene Stützpunkte besetzt, was den Vormarsch der Abessinier auf Massaua verhinderte. In der öffentlichen Meinung wurden nach Dogali allerdings bereits bestehende Vorurteile gegenüber den indigenen Truppen noch bekräftigt.

Nach der Ablösung von Carlo Gené als Oberbefehlshaber der italienischen Truppen in Eritrea im Frühjahr 1887 setzte sein Nachfolger Tancredi Saletta verstärkt auf den Einsatz einheimischer Truppen. Am 2. Mai 1887 wurde für die italienischen Truppen in Afrika der Kriegszustand ausgerufen.Marco Scardigli: Il braccio indigeno: Ascari, irregolari e bande nella conquista dell’Eritrea 1885–1911. S. 32–35. Im gleichen Monat teilte Saletta dem Kriegsministerium in Rom unter anderem mit, dass Oberst Giovanni Battista Begni das Kommando über die externe Horde anvertraut worden war. Im Juni des gleichen Jahres waren die Basci Buzuk bereits auf 2000 Mann angewachsen und im Juli wurden in Rom die ersten Anordnungen für die Aufstellung eines Korps aus einheimischen afrikanischen Truppen – dem Corpo speciale d’Africa – erlassen.Vito Zita: La nascita delle truppe coloniali italiane: Dai basci buzuk agli ascari. S. 108–111. mini|hochkant|Antonio Baldissera erkannte 1888 das Potential der indigenen Truppen