mini|Silberner Tetradrachme mit dem Bild von Artavasdes II. Artavasdes II. (, auch Artabazes genannt; † 30 v. Chr.) aus der Dynastie der Artaxiden war ein Sohn Tigranes’ II. des GroßenStrabon, Geographika 11, p. 530; Flavius Josephus, Jüdische Altertümer 15,104; Cassius Dio, Römische Geschichte 40,16; u. a. und als dessen Nachfolger ab ca. 55 v. Chr. König von Armenien. Im Partherkrieg des römischen Triumvirn Marcus Licinius Crassus (54/53 v. Chr.) bot er diesem Militärhilfe an. Er wurde dann vom Partherkönig Orodes II. bekriegt und schloss schließlich mit ihm Frieden. 36 v. Chr. versprach er dem Triumvirn Marcus Antonius Unterstützung bei dessen Partherkrieg. Nach der Zerstörung des römischen Belagerungsgeräts erschien indessen Antonius’ Sieg sehr unsicher, und Artavasdes kehrte in sein Reich zurück. Deshalb machte Antonius ihn für das Scheitern seines Feldzugs verantwortlich, nahm in 34 v. Chr. gefangen und besetzte Armenien. Artavasdes wurde in Antonius’ dionysischem Triumph in Alexandria aufgeführt und nach der Niederlage gegen Octavian (den späteren Kaiser Augustus) auf Befehl Kleopatras hingerichtet.
Leben Rolle im Partherkrieg des Marcus Licinius Crassus Eventuell war Artavasdes ein Sohn des Tigranes II. aus dessen Ehe mit Kleopatra, einer Tochter des bekannten romfeindlichen pontischen Königs Mithridates VI. Als armenischer Herrscher bezeichnete er sich als König der Könige, wie aus seinen Münzen ersichtlich ist.M. Rahim Shayegan: Arsacids and Sasanians: Political Ideology in Post-Hellenistic and Late Antique Persia, 2011, ISBN 9780521766418, S. 245.
Nach der Schlacht von Tigranokerta (69 v. Chr.) wurde Artavasdes von seinem Vater Tigranes zum Mitregenten erhoben.Memnon von Herakleia bei C. Müller, Fragmenta Historicorum Graecorum (FHG) III 556. Nach dem Tod des Tigranes wurde er Alleinherrscher. Am Beginn des römischen Partherkriegs (54 v. Chr.) erschien er mit 6.000 Reitern im Lager des Triumvirn Marcus Licinius Crassus in Syrien und bot sich ihm als Bündnispartner an. Er versprach, den römischen Feldherrn mit 10.000 gepanzerten Reitern und 30.000 Fußsoldaten, die er auf eigene Kosten bezahlen werde, zu unterstützen. Ferner riet er ihm, von Armenien aus die Offensive gegen die Parther zu beginnen; der Marsch durch Armenien sei nämlich sicher, da die Parther dort wegen der gebirgigen Landschaft nicht ihre kampfstarke Reiterei entfalten könnten. Crassus war mit dem Hilfsangebot des Armenierkönigs zufrieden, verwarf aber dessen Angriffsplan gegen die Parther; stattdessen wollte er von Syrien auf direktem Weg nach Mesopotamien ziehen. Daraufhin ritt Artavasdes in sein Land zurück.Plutarch, Crassus 19,1-3.
Artavasdes galt dem Partherkönig Orodes II. als wichtiger römischer Bundesgenosse und wurde daher 53 v. Chr. von der parthischen Offensive getroffen. Er schickte Boten zu Crassus nach Mesopotamien, dass er von Orodes mit starken Streitkräften angegriffen werde und daher keine Hilfstruppen senden könne. Stattdessen solle der Triumvir mit seinen Truppen nach Armenien ziehen und gemeinsam mit ihm den Partherkönig bekämpfen. Crassus betrachtete Artavasdes aber als Verräter und drohte mit späterer Vergeltung.Plutarch, Crassus 22,2f. Der Armenienkönig schloss letztlich mit Orodes Frieden und vermählte eine seiner Schwestern mit dem parthischen Kronprinzen Pakoros. Inzwischen hatte Crassus in der Schlacht bei Carrhae (Juni 53 v. Chr.) eine entscheidende Niederlage gegen den parthischen Feldherrn Surenas erlitten und war kurz darauf getötet worden. Als Artavasdes und Orodes gerade nach ihrer Versöhnung der Aufführung der Tragödie Die Bakchen von Euripides zusahen, überbrachte der parthische Heerführer Silakes zusammen mit der Nachricht vom Sieg des Murenas auch den abgeschlagenen Kopf des Crassus und legte ihn Orodes zu Füßen.Plutarch, Crassus 33,1f.; Polyainos, Strategemata 7,41; dazu
Durch den Friedensschluss mit den Parthern konnte Artavasdes die Unabhängigkeit Armeniens bewahren, geriet aber in Gegensatz zu den Römern. Die Ehe zwischen seiner Schwester und Pakoros bestand nach CiceroCicero, Epistulae ad familiares 15,3,1. noch 51 v. Chr., als der römische Redner Statthalter von Kilikien war und befürchtete, dass Artavasdes dem Pakoros, der einen Feldzug über den Euphrat unternahm, durch einen Einfall in Kappadokien Hilfe leisten könnte.Vgl. Cicero, Epistulae ad familiares 15,2,2; Epistulae ad Atticum 5,20,2; 5,21,2. Der Armenierkönig führte einen solchen Vorstoß nicht durch und scheint sich generell nicht an Kampfhandlungen zwischen Römern und Parthern beteiligt zu haben. Vielmehr versuchte er wohl eine neutrale Haltung zwischen den beiden Großmächten einzunehmen. Vor 51 v. Chr. verlobte er eine seiner Töchter mit Deiotaros Philopator, dem gleichnamigen Sohn des galatischen Tetrarchen Deiotaros.Cicero, Epistulae ad Atticum 5,21,2.
Rolle im Partherfeldzug des Marcus Antonius Über Artavasdes berichten die Quellen erst wieder anlässlich des Partherfeldzugs des Marcus Antonius 36 v. Chr. In Vorbereitung dieser Militärexpedition unterwarf Antonius’ Feldherr Publius Canidius Crassus im Winter 37/36 v. Chr. die nordöstlich von Armenien wohnenden Kaukasus-Völker der Albaner und Iberer. Auch Armenien sollte wieder unter römische Hegemonie gelangen. Antonius’ Biograph Plutarch gibt im Gegensatz zu Cassius Dio und Strabon an, dass Canidius im Rahmen seiner Offensive nicht nur die Kaukasusvölker erfolgreich bekämpft, sondern auch einen Sieg über die Armenier errungen habe. Es ist aber unklar, ob es hierbei wirklich zu Kämpfen gegen Artavasdes kam.Plutarch, Antonius 34,10; Cassius Dio, Römische Geschichte 49,24,1; Strabon, Geographika 11,3,5 p. 500 f. Dieser fand sich jedenfalls zur Unterstützung des Triumvirn bereit, auch deshalb, weil er seinen mit den Parthern verbündeten gleichnamigen Nachbarn, den König von Media Atropatene, hasste.
Am Beginn von Antonius’ Feldzug stellte Artavasdes als wichtiger römischer Verbündeter 6000 gepanzerte armenische Reiter und 7000 Fußsoldaten als Auxiliartruppen zur Verfügung.Plutarch, Antonius 37, 3. Antonius wollte die strategischen Fehler des Crassus vermeiden und folgte Artavasdes’ erneut erteiltem Rat, nicht über den Euphrat direkt in östlicher Richtung in Mesopotamien einzudringen, sondern sich bei Erreichen des Flusses zuerst nördlich nach Armenien zu wenden. Nach dem Marsch durch dieses Land sollte er in Media Atropatene einfallen, von wo aus er das Partherreich von Norden her bedrohen konnte. So verband Artavasdes einen strategischen Vorteil für die Römer mit dem eigenen machtpolitischen Kalkül, seinen feindlichen gleichnamigen Nachbarn durch den römischen Einfall zu schwächen und vielleicht sogar dessen Gebiet als Dank für die den Römern geleistete Hilfe seinem Reich einverleiben zu können. Sein in den Quellen betonter großer Einfluss auf die Kriegsvorbereitungen des Antonius scheint aber zu übertrieben dargestellt.Cassius Dio, Römische Geschichte 49,25,1; Strabon, Geographika 11,13,4 S. 524 und 16,1,28 S. 748; dazu Helmut Halfmann, Marcus Antonius, S. 154 f.
Als Antonius im Sommer 36 v. Chr. mit dem Hauptheer rasch gegen Phraaspa, die Hauptstadt von Media Atropatene, vorstieß, führte sein Legat Oppius Statianus unter dem Schutz von zwei Legionen den Tross mit den Belagerungsmaschinen langsamer hinterher. Er wurde aber von einem parthischen Reiterkontingent angegriffen und mit seiner gesamten Armee niedergemacht, ehe er Antonius erreichen konnte. Artavasdes befand sich anscheinend während der Attacke in der Nähe des Trosses; vielleicht hatte er sogar die Aufgabe, diesen ebenfalls zu verteidigen. Er griff nicht in den Kampf gegen den gefährlichen Gegner ein, sondern floh auf die Kunde von Oppius’ Katastrophe mit seiner starken Reiterarmee in sein Reich zurück.Plutarch, Antonius 38,2–39,1; Cassius Dio, Römische Geschichte 49,25,4f.
Antonius gab daher dem Artavasdes die Schuld an seiner bald darauf folgenden Niederlage gegen die Parther. Dies spiegelt sich an manchen Stellen der Werke erhaltener Quellenautoren. Laut Plutarch habe Artavasdes Verrat an Antonius geübt. Der Abzug der ähnlich wie jene der Parther gerüsteten armenischen Reiterei sei der entscheidende Faktor gewesen, dass Antonius’ angebliche wiederholte Siege nicht nachhaltig genug gewesen seien, um die Parther ausreichend zu schwächen. Strabon behauptet, Artavasdes habe das in ihn gesetzte Vertrauen des Triumvirn missbraucht und diesen absichtlich falsch beraten, um die römische Sache zum Scheitern zu bringen.Plutarch, Antonius 50,3-7, Strabon, Geographika 11,13,4 p. 524. Der Armenierkönig hatte aber vor allem im Interesse seines Reichs gehandelt und sich in dem Augenblick zurückgezogen, als durch die Vernichtung des Belagerungsgeräts der römische Sieg zweifelhaft wurde. Außerdem ist nicht bekannt, ob er sich zu einem direkten Kampf gegen die Parther außerhalb seines Territoriums bereiterklärt hatte.Helmut Halfmann, Marcus Antonius, S. 158; Christoph Schäfer, Kleopatra, S. 164.
Da Antonius nach seinem strapaziösen und verlustreichen Rückmarsch aus Media Atropatene den weiteren Rückzug mit seinem stark dezimierten Heer zur Winterzeit durch Armenien bewerkstelligen musste, war er trotz seines Verdrusses über Artavasdes gezwungen, diesen zunächst weiterhin freundlich wie einen Bundesgenossen zu behandeln. Artavasdes empfing den etwa im November 36 v. Chr. in Armenien eintreffenden Triumvirn zuvorkommend und sorgte für die Versorgung von dessen Truppen.Plutarch, Antonius 50,5; Cassius Dio, Römische Geschichte 49,31,2f. Antonius’ Gegner Octavian stand angeblich kurz danach heimlich in Kontakt mit Artavasdes, um Antonius zu schaden.Cassius Dio, Römische Geschichte 49,41,5; Helmut Halfmann (Marcus Antonius, S. 170) bezweifelt im Gegensatz zu Christoph Schäfer (Kleopatra, S. 176) den Wahrheitsgehalt dieser Angabe.
Gefangenschaft und Tod