Jorge Álvaro Sarmientos (* 19. Februar 1931 in San Antonio Suchitepéquez; † 26. September 2012 in Guatemala-Stadt) war ein guatemaltekischer Komponist, Dirigent und Schlagzeuger. Seine u. a. vom französischen Impressionismus beeinflusste Musik zeigt deutlich indigene Züge. Zu seinen beliebtesten Werken zählte das Konzert für Marimba und Orchester, das 1958 mit Vida Chenoweth, die es angeregt hatte, als Solistin uraufgeführt wurde., abgerufen am 16. Mai 2012

Leben

Sarmientos kommt von der populären und Jazz-Musik her. Als Sohn eines armen Landarbeiters wuchs er mit der Marimba auf und lernte viele bekannte Spieler schon als Junge kennen. Zudem verfügte er über die Gabe des absoluten Gehörs., abgerufen am 16. Mai 2012 Von 1947 bis 1953/54 studierte er am Conservatorio Nacional de Música in Guatemala-Stadt Klavier, Klarinette und Saxophon, u. a. bei Franz Ippisch. Er gewann mehrere Preise und gründete eine Bigband. Von 1955 bis 1971 ernährte er sich als Solopauker und Erster Schlagzeuger im nationalen Sinfonieorchester. Er vervollständigte seine Ausbildung an der École normale de musique de Paris (1955/56) und schließlich am lateinamerikanischen Zentrum des Instituto Torcuato di Tella in Buenos Aires (1965/66). Hier setzte er sich erstmals mit der Zwölftonmusik auseinander. Zu Sarmientos Lehrern zählten, an verschiedenen Orten, Ricardo Castillo, José Arévalo Guerra, Alberto Ginastera, Nadia Boulanger und Darius Milhaud, außerdem nahm er Kurse in Orchesterleitung bei Pierre Boulez (1969) und Sergiu Celibidache (1972).

Von 1972 bis 1991 amtierte Sarmientos, neben dem Chefdirigenten Ricardo del Carmen, als musikalischer und künstlerischer Leiter des Orquesta Sinfónica Nacional von Guatemala. Hinzu kamen Verpflichtungen in Mexiko (1980/81), verschiedene Lehraufträge und etliche Gastspiele als Dirigent in Übersee, darunter Japan, wo er eine Sinfonische Dichtung über Hiroshima schrieb. Das Amt im nationalen Sinfonieorchester hatte er nach einer „Verständigung“ mit den herrschenden Generälen erlangt, die ihn streckenweise verfolgt und 1962 für drei Monate inhaftiert hatten. Sarmientos ist von Hause aus sozialkritisch eingestellt, was sich auch in einigen seiner Librettis niederschlug. Als seine erfolgreichsten und international populärsten Werke nennt er neben dem Marimbakonzert jene Sinfonische Dichtung El Destello de Hiroshima von 1994. Er habe sich selber stets „in der Rolle des komponierenden Kämpfers für die Menschenrechte, gegen soziale Ungerechtigkeit und gegen den offenen Rassismus in Guatemala, in der Rolle eines Mahners der Menschenwürde“ gesehen, schreibt Ponader. Sarmientos „Lieblingskomponist“, von dem er auch oft Werke aufführte, sei Maurice Ravel.

Sarmientos war Gründungsmitglied des Colegio de Compositores Latinoamericanos und ab 2000 Mitglied der spanischen Sociedad General de Autores y Editores. 1999 organisierte er zusammen mit seinen Kollegen Enrique Anleu Díaz, Dieter Lehnhoff, Igor Sarmientos und Manuel de Jesús Toribio das X Foro de compositores del Caribe (10. Forum der karibischen Komponisten).

Sarmientos ging in seinem Leben zwei Ehen ein, zuletzt 1960 mit Matilde. 2001 nahm er seinen 70. Geburtstag zum Anlass, sich aus dem Konzertleben zurückzuziehen. Bis 2004 lebte er in Guatemala-Stadt, seitdem außerhalb der Hauptstadt in einem eigenen Haus. Er war zeitlebens immer wieder im Jazz aktiv, darunter 1958 als Pianist in einem Trio mit elektrischer Gitarre und Bass. 2005 dirigierte er die Mosaico Jazz Big Band bei einem Fest in der Hauptstadt.

Sarmientos fühlte sich nie einer „Schule“ angehörig oder auch nur „kompositorischen Richtlinien“ verpflichtet. Er nehme, was er für seine Vorstellung von Musik gebrauchen könne, sagte er einmal in einem Interview. So habe er in Destello Tonales, Bitonales, Polytonales und chromatische Klangblöcke verwendet, ohne Rücksicht auf Konventionen oder aktuelle Moden. Sarmientos erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Orden Andrés Bello (Venezuela, 1990), Soberana del Congreso Nacional (Guatemala, 1998) und Quetzal de Jade Maya (Guatemala, 1999).

2011 wurde ihm der japanische Orden der Aufgehenden Sonne, 4. Klasse verliehen.2011 Autumn Conferment of Decorations on Foreign Nationals, Internetseite des japanischen Außenministeriums (englisch)

Werke

Tres preludios für Klavier, 1949 Funeral y romance für Klavier, 1950 Tres bocetos, Homenaje a Debussy für Klavier, 1952 Tocatta für Klavier, 1952 Suite für Violine und Klavier, 1952 Cinco Estampas Cakchiqueles Descriptivas für Orchester, 1953 Doce preludios für Klavier, 1953–54 Concierto für Viola und Orchester, 1954–55 David y Betzabé Los Salmos, sinfonische Dichtung, 1954–55 Tres melodías en un recuerdo für Klavier, 1955 Música para el ballet – drama El vendedor de máscaras, 1955 Seis cantos de esperanza für Sopranstimme und Klavier, 1955 Sexteto No. 1 für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, 1955 Sonatina für Klavier, 1955–56 Cinco expresiones für Klavier, 1955–56 Primer concierto für Klavier und Orchester, 1956 Cuatro estados de ánimo für Klavier, 1956–57 El pájaro blanco, Ballett für Orchester, 1957 Concierto, für Marimba und Orchester, 1957Eine Aufnahme dieses Werkes mit Vida Chenoweth als Solistin ist auf einer in den USA produzierten CD erhältlich. Außerdem kursieren im Internet Musikvideos. Sämtliche verfügbaren Aufnahmen lassen allerdings hinsichtlich der Tontechnik sehr zu wünschen übrig. Tres estampas de Popol Vuh, Ballett-Drama für Theater, Tanz, Chöre und Sinfonieorchester, 1958 Música para la película El canto del barro, 1957–58 Homenaje a Rabil Achi für Sopran, gemischten achtstimmigen Chor und Instrumentalensemble, 1959 Plegaria tuneca für achtstimmigen Chor, 1959 Segundo concierto für Klavier und Orchester, 1960 Homenaje a Georgette Contoux de Castillo über drei Themen von Ricardo Castillo für Orchester und Klavier, 1960 Homenaje a Fauré, Nocturno für Klavier, 1960 Concierto für Oboe und Orchester, 1960 Oda a la libertad für Orchester, 1961 Concierto für fünf Pauken und Orchester, 1962 Obertura popular für Orchester, 1962 La conquista, Ballett-Drama für Chor, Theater, Tanz und Orchester, 1962–63 Tres cuadros corales sinfónicos für Chor, Rezitator und Orchester, 1964 Sinfonía Coreográfica für Orchester, 1965 Sexteto No. 2 für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, 1965 Preludio y danza orgiástica für Orchester, 1965 Cuarteto de cuerdas, 1966 Diferencias, Konzert für Cello und Orchester, 1967 Tercer concierto für Klavier und Orchester, 1968–79 Hommage, In memoriam Emilio Arenales Catalán für Orchester, 1969 Planetarium für Orchester, 1969 La muerte de un personaje für Orchester, 1970 Concierto für Violine und Orchester, 1971 Ofrenda y gratitud für Orchester, 1976 Responso Hommage II, In memoriam Mario López Larrave für Orchester, 1977 Improvisaciones für fünf Pauken und acht Perkussionisten, 1978 Concertante für Klarinette und Orchester, 1981 Nocturno für Klavier und Streichquartett, 1981 Preludio y danza rítmica für vier Gitarren, 1981 Bragarfonías für gemischten achtstimmigen Chor, Klavier, Pauken und Perkussion 1981 Coropoema sinfónico Bolívar für Chor, Rezitator und Orchester, 1982 Trío für Violine, Viola und Cello, 1984 Trío für Violine, Cello und Klavier, 1987 Homenaje a Ricardo Castillo für Orchester, 1991 El Destello de Hiroshima, 1994

Literatur Scores and Recordings at the Indiana University Latin America Music Center, 1995 Steven S. Gillick: Sarmientos de León, Jorge Álvaro, in: Latin American Lives, 1998

Siehe auch Musik in Guatemala

Einzelnachweise

Weblinks Portraitfoto & Biografie Sarmientos erzählt I Sarmientos erzählt II

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