mini|links|Habitus Der Gewöhnliche Feldrittersporn (Consolida regalis , Synonym: Delphinium consolida ), auch Acker-Rittersporn oder einfach Feldrittersporn bzw. nur RitterspornVgl. etwa Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 34 (Consolida regalis „rittern sporn“).Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 174 („Consolida regalis – ritters blomen oder ritters sporn“). genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Feldrittersporne (Consolida) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Der Gewöhnliche Feldrittersporn wurde in Deutschland zur Blume des Jahres 2026 ernannt.Blume des Jahres 2026: Der Feldrittersporn. In: loki-schmidt-stiftung.de. Abgerufen am 23. Oktober 2025.

Beschreibung

mini|Illustration aus Flora Batava, Band 9 mini|Zygomorphe Blüten mini|Früchte und Samen mini|Consolida regalis subsp. paniculata Vegetative Merkmale Der Gewöhnliche Feldrittersporn ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern erreicht. Die wechselständigen Laubblätter sind ein- bis mehrfach dreiteilig in 1 Millimeter breite, lineale Zipfel geteilt.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Mai bis August. In einem traubigen Blütenstand stehen fünf bis acht Blüten jeweils über Tragblättern, die kürzer als Blütenstiele sind. Die zwittrige Blüte ist zygomorph. Die blauviolette Blüte besitzt einen einfachen, etwa 2 bis 4 Zentimeter langen waagrechten oder nach oben zeigenden Sporn, der aus zwei miteinander verwachsenen Nektarblättern gebildet wird. Es ist nur ein Fruchtblatt vorhanden.

Die einzelne kahle Balgfrucht weist eine Länge von etwa 2 Zentimeter auf und enthält viele Samen.

Die Chromosomenzahl für beide europäische Unterarten beträgt 2n = 16.

Ökologie Der Gewöhnliche Feldrittersporn ist sommer- oder winterannuell und in letzterem Fall dann als Rosettenpflanze überdauernd. Er wurzelt bis 50 Zentimeter tief.

Blütenbiologisch handelt es sich um vormännliche „Glockenblumen mit klebrigem Pollen“. Der Nektartrichter hat einen hummelkopfgroßen Eingang. Der Nektar ist nur langrüsseligen Hummeln und anderen Insekten mit mindestens 15 Millimeter langem Rüssel zugänglich. Griffel und Staubblätter biegen sich zur Reife nach oben. Die Blaufärbung der Blüten wird durch das Anthocyan Delphinidin hervorgerufen.

Die Fruchtreife erfolgt von August bis September. Diese bewirkt Selbstausbreitung der Samen als Austrocknungsstreuer, daneben ist sie ein Windstreuer. Die Samen sind Kältekeimer.

Vorkommen Der Gewöhnliche Feldrittersporn kommt ursprünglich von Europa bis Westsibirien vor. Er war in Mitteleuropa weit verbreitet, ist aber durch vermehrten Herbizideinsatz und intensive Bodenkultivierung selten geworden. In Deutschland ist er in der Roten Liste gefährdeter Arten als gefährdet eingestuft.

Der Gewöhnliche Feldrittersporn benötigt nährstoffreiche Getreideäcker, Wegsäume, Trockenplätze. Er gedeiht auch auf warmen, mäßig trockenen bis frischen, nährstoffreichen und basenreichen, neutral-milden, humosen lockeren Lehmböden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Caucalidion lappulae.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Systematik Die erste Veröffentlichung erfolgte 1753 als Delphinium consolida durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 530–531. Als Erstbeschreibung in der Gattungh Consolida gilt Consolida regalis durch Samuel Frederick Gray in A Natural Arrangement of British Plants, Band 2, 1821, Seite 711.

Je nach Autor gibt es etwa drei Unterarten:Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8: Nymphaeaceae to Ranunculaceae. S. 72–73, Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6. Consolida regalis subsp. paniculata (Syn.: Delphinium paniculatum ): Sie kommt in der Slowakei, in Ungarn, auf der Balkanhalbinsel, in Italien, Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien, in der Ukraine, im südlichen Russland, im Kaukasusraum, in der Türkei und in Georgien vor. Consolida regalis subsp. divaricata : Sie kommt in Griechenland, im europäischen Teil der Türkei, im Iran, im Kaukasusraum, im Kasachstan und im südlichen Russland vor. Consolida regalis subsp. regalis: Sie kommt von Europa, dem Kaukasusraum und der Türkei bis zum westlichen Sibirien vor.

Giftigkeit

Alle Pflanzenteile sind giftig, insbesondere die Samen. Die Samen enthalten bis zu 1,4 % Alkaloide, hauptsächlich Lycoctonin, Delcosin und Delsonin.

Die Wirkung ist ähnlich dem Aconitin, aber schwächer. Früher sind bei der Aufnahme größerer Mengen Vergiftungserscheinungen bei Rindern aufgetreten.

Verwendung

Früher wurden die alkaloidarmen Blüten als Heilmittel eingesetzt, etwa bei Augenleiden, oder als magisches Mittel.Vgl. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 174 (zu Consolida regalis). Da Belege für die Wirksamkeit fehlen, ist die Droge als Arznei nicht mehr gebräuchlich.

Häufig findet man getrocknete Blüten wegen ihrer schönen blauen Farbe aber noch als Schmuckdroge, besonders in Blasen- und Nierentees und auch in Teemischungen für andere Indikationen.

Bilder

Trivialnamen Für den Gewöhnlichen Feldrittersporn bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Addersporn (mittelniederdeutsch), Adebarsnibben (Mecklenburg, Pommern), Hornkümmel (Schlesien), Kappelkraut, Kreienfot (Mecklenburg), Lerchenklau (Ostpreußen), St. Ottilienkraut, Rätterspuren (Siebenbürgen), Ridderblomen (niederdeutsch), Rittersblume, Ritterspiel, Ritterspörlein, Rittersporen (Eifel), Rittersporn, Rydderblomen (mittelniederdeutsch) und Sporlin (mittelhochdeutsch).Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 132.(online).

Geschichte Quellen Antike – Spätantike: Dioskurides 1. Jh.Pedanios Dioskurides. 1. Jh.: De Medicinali Materia libri quinque. Übersetzung. Julius Berendes. Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902, S. 310 (Buch III, Kapitel 77): Delphinion (Digitalisat) Lateinisches Mittelalter: Cpg 226 1459–1469Cpg 226, Elsass 1459–1469, Blatt 104v: Ritter sporn wasser ist gut in die augen getroffet (Digitalisat) – Cpg 545 1474Cpg 545, Nürnberg (?) 1474, Blatt 108r–108v: Ritter sporn Item ritter sporn wasser ist gut fur alle rotte der augen ein tuch yn dem wasser genetzt reinigt alle rotte von den augen so man es dar auff leget Vnd ist gut fur das zwanck ym leib vnd fur die darm sucht Vnd wer die speis nicht behaltenn mag der trinkt sein Vnd macht wol harmen Vnd treibt auch den stein von der plossen (Digitalisat) – Cpg 558 um 1470–1485Cpg 558, Nordbayern, um 1470–1485, Blatt 23r: Rittersporen vasser das ist gutt fur alle rotte in den augen vnd geswer : vnd ein tuch dar jnnen genetzet vnd auf dÿ augen geleget zuget alle rote auch das geswern vnd ist auch gutt fur alle gezwanck in dem leibe vnd fur alles gesucht dar jnne : vnd wer dÿ speÿß nit gehalten mag vnd machet sere harmen vnd treÿbt auß den poßen stain :- (Digitalisat) – Michael Puff 15. Jh.Michael Puff: Büchlein von den ausgebrannten Wässern. 15. Jh. Druck Augsburg (Johannes Bämler) 1478 (Digitalisat) – Gart der Gesundheit 1485Gart der Gesundheit. Mainz 1485, Kapitel 96: Consolida regalis. Ritters blomen oder ritters sporn (Digitalisat) – Hortus sanitatis 1491Hortus sanitatis 1491, Mainz 1491, Teil I, Kapitel 216: Granum culcul (Digitalisat) – Hieronymus Brunschwig 1500Hieronymus Brunschwig: Kleines Destillierbuch, Straßburg 1500, Blatt 95v–96r: Ritter sporn (Digitalisat) Neuzeit: Otto Brunfels 1532Otto Brunfels: Contrafayt Kreüterbůch. Johann Schott, Straßburg 1532, S. 19: Rittersporen (Digitalisat) – Sebastian Franck 1534Sebastian Franck: Weltbuch. Tübingen 1534, Blatt 51v: … An S. Johans tag (Sommersonnenwende) machen sye ein simetfeür (Sonnenwendfeuer) … (Digitalisat) – Hieronymus Bock 1539Hieronymus Bock: New Kreütter Bůch. Wendel Rihel, Straßburg 1539, Teil I, Kapitel 195: Ritter Sporn (Digitalisat) – Leonhart Fuchs 1543Leonhart Fuchs: New Kreütterbuch … Michael Isingrin, Basel 1543, Kapitel 8: Chamillen … Das dritt geschlecht … (Digitalisat) – Mattioli / Handsch / Camerarius 1586Pietro Andrea Mattioli: Commentarii, in libros sex Pedacii Dioscoridis Anazarbei, de medica materia. Übersetzung durch Georg Handsch, bearbeitet durch Joachim Camerarius den Jüngeren, Johan Feyerabend, Franckfurt am Mayn 1586, Blatt 330r–330v: Rittersporn (Digitalisat) – Nicolas Lémery 1699/1721Nicolas Lémery: Dictionnaire universel des drogues simples. Paris 1699, S. 256–257: Delphinium (Digitalisat); Übersetzung. Vollständiges Materialien-Lexicon. Zu erst in Frantzösischer Sprache entworffen, nunmehro aber nach der dritten, um ein grosses vermehreten Edition […] ins Hochteutsche übersetzt / Von Christoph Friedrich Richtern, […]. Leipzig: Johann Friedrich Braun, 1721, Sp. 396–397: Delphinium (Digitalisat) – Onomatologia medica completa 1755Albrecht von Haller (Herausgeber): Onomatologia medica completa oder Medicinisches Lexicon das alle Benennungen und Kunstwörter welche der Arzneywissenschaft und Apoteckerkunst eigen sind deutlich und vollständig erkläret […]. Gaumische Handlung, Ulm / Frankfurt am Main / Leipzig 1755, Sp. 259: Calcatrippa (Digitalisat)

Historische Abbildungen

Literatur Bruno P. Kremer: Steinbachs großer Pflanzenführer, Ulmer (Eugen), Stuttgart 2005, ISBN 3-8001-4903-6.

Roth/Daunderer/Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 4. Auflage. Ingrid Schönfelder und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen, Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft, 2011, ISBN 3-440-09387-5.

Einzelnachweise E. von Raab-Straube, Ralf Hand, E. Hörandl, E. Nardi (2014+): Ranunculaceae. Datenblatt In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Weblinks

Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Kategorie:Hahnenfußgewächse