Die Tiroler Versicherung (Eigenschreibweise: TIROLER VERSICHERUNG) ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (V. a. G.) mit Sitz in Innsbruck (Österreich). Der Verein wurde im Jahr 1821 als Tirolisch-Vorarlberg’sche Feuer-Versicherungsanstalt gegründet.

2025 lag die Anzahl der verwalteten Versicherungsverträge bei 634.624 und die Bilanzsumme belief sich auf 441,2 Millionen Euro.

Geschichte Gründung und Etablierung Die Tiroler Versicherung wurde 1821 als Tirolisch-Vorarlberg’sche Feuer-Versicherungsanstalt gegründet. Sie entstand auf Initiative von Gouverneur Karl Graf von Chotek, um der Bevölkerung nach Bränden finanziellen Schutz zu bieten.

Der Gründung ging ein längerer Entstehungsprozess voraus. Nach der Wiedervereinigung Tirols mit Österreich im Jahr 1814 und der Auflösung der bayerischen Staats-Versicherungsanstalt befasste sich der Landständische Kongress 1820 mit der Errichtung einer eigenen Brandschutzinstitution. Ein erster Statutenentwurf wurde an die Hofkanzlei in Wien übermittelt, die ihn jedoch ablehnte, da er nicht dem kaiserlichen Wunsch nach privatwirtschaftlichen Unternehmungen entsprach. Die Tiroler Stände wandten sich daraufhin 1821 direkt an den Kaiser und betonten die Prinzipien des freiwilligen Beitritts, der Gegenseitigkeit und der Vereinsform, ohne staatliche Haftung oder finanzielle Beteiligung der öffentlichen Hand. Im Februar 1823 genehmigte der Kaiser die Statuten. Die Mittel für den Gründungsfonds wurden anschließend durch Beitrittserklärungen aufgebracht, obwohl zunächst noch kein Versicherungsschutz bestand.

Am 1. Februar 1825 nahm die Versicherung offiziell ihren Betrieb auf,200 Jahre Tiroler Versicherung: 1825 erstes volles Wirtschaftsjahr. In: Österreichische Bauernzeitung. 27. Februar 2025, S. 34. basierend auf den Prinzipien der Gegenseitigkeit und Freiwilligkeit. Zu diesem Zeitpunkt verfügte sie bereits über mehr als 16.000 Mitglieder im historischen Tirol mit einem gezeichneten Versicherungskapital von nahezu zehn Millionen Gulden.

Kurz nach Aufnahme des Geschäftsbetriebs ereignete sich ein Großbrand in Lienz, bei dem 72 Gebäude, darunter zahlreiche Wohnhäuser, zerstört wurden.Es begann mit einem Großbrand. In: Dolomiten. 18. März 2015, S. 10. Die Schadensumme belief sich auf 67.121 Gulden.

Im Zuge einer allmählichen Konsolidierung der wirtschaftlichen Grundlagen und einer wachsenden Mitgliederzahl erweiterte die Tiroler Versicherung ihren Tätigkeitsbereich. 1864 führte sie eine Klassifizierung der versicherten Objekte in Risikogruppen ein. Dadurch wurde eine differenzierte Prämienkalkulation möglich, was sowohl die finanzielle Stabilität der Versicherungseinrichtung stärkte als auch eine gerechtere Belastungsverteilung unter den Mitgliedern ermöglichte.

1875 erfolgte die Gründung der Tirolisch-Vorarlbergischen Wechselseitigen Mobilien-Brandschaden-Versicherungsanstalt. Durch diese Erweiterung konnte erstmals auch bewegliches Vermögen versichert werden, insbesondere Einrichtungsgegenstände und Waren. Damit trug das Unternehmen der veränderten Wirtschaftsstruktur Rechnung, in der auch Privat- und Geschäftsvermögen zunehmender Bedeutung unterlagen.

Erster und Zweiter Weltkrieg Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Versicherung infolge der Abtrennung Süd- und Welschtirols an Italien rund die Hälfte ihrer Mitglieder. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Gebietsverluste wurden durch die schwere Inflation der Nachkriegsjahre zusätzlich verschärft, in deren Verlauf die Krone auf den 15.000sten Teil ihres Wertes sank. Zudem trennte sich Vorarlberg nach dem Krieg von Tirol und gründete eine eigene Landesversicherung. Um den neuen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, erfolgte 1924 eine Satzungsänderung, bei der Gebäude- und Mobilienversicherung zu einem Unternehmen zusammengeführt und die Tiroler Landes-Brandschaden-Versicherungsanstalt geschaffen wurde.

Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 unterlag auch die Tiroler Landes-Brandschaden-Versicherungsanstalt Veränderungen. Die nationalsozialistische Verwaltung intervenierte in die Unternehmensführung und der damalige Direktor Josef Dobin wurde seiner Funktion enthoben, ebenso wie weitere leitende Mitarbeiter. Anstelle von Dobin wurde Ekkehard Pesendorfer, Nationalsozialist und ein Mitglied der SA, als neuer Leiter eingesetzt.Emanuel Lampert: Tiroler Versicherung arbeitete NS-Zeit auf. In: Versicherungsjournal. 20. November 2020.

Die Geschichte der Tiroler während des NS-Regimes wurde vom Historiker Nikolaus Bliem erforscht und im Jahr 2020 in der Studie Betriebsführer und Gefolgschaft veröffentlicht.

Wiederaufbau und Ausweitung des Versicherungsangebots Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Ekkehard Pesendorfer von seiner Position enthoben. Josef Dobin kehrte in die Unternehmensführung zurück und war maßgeblich am Wiederaufbau und an der Reorganisation des Unternehmens in der Nachkriegszeit beteiligt.

In den folgenden Jahren, insbesondere ab den 1950er-Jahren, begann die Tiroler Landes-Brandschaden-Versicherungsanstalt mit einer Erweiterung ihres Versicherungsangebotes. Hinzu kamen unter anderem Elementarschaden-, Haushalts- und Unfallversicherungen. In den 1960er-Jahren wurde das Angebot um weitere Sparten ausgebaut, darunter Einbruchdiebstahl-, Glasbruch-, Leitungswasserschaden- und Haftpflichtversicherungen. Parallel dazu begann ab Mitte der 1960er-Jahre die Einführung elektronischer Datenverarbeitung.

Auch in der Beitragsabwicklung wurden Neuerungen eingeführt; ab 1971 wurde das bisherige Inkassosystem durch ein Einzahlungsverfahren mittels standardisierter Erlagscheine ersetzt.

Wiedereintritt nach Südtirol und Trentino 2006 Im Jahr 2006 nahm die Tiroler Versicherung ihre Geschäftstätigkeit in Südtirol wieder auf.Tiroler Versicherung geht nach Südtirol. In: Medianet. 29. September 2006, S. 38. Nach der Abtretung Süd- und Welschtirols an Italien infolge des Ersten Weltkriegs war eine aktive Tätigkeit in dieser Region lange Zeit nicht möglich gewesen. Durch die Errichtung einer Landesdirektion in Bozen und den späteren Bezug von Büroräumlichkeiten im City Tower Bozen wurde die strukturelle Grundlage für die Geschäftstätigkeit in Südtirol und Trentino gelegt. Die Tiroler Landesversicherungs-Anstalt firmierte zudem zur Tiroler Versicherung um.

Neuere Entwicklungen Nach einer Bauzeit von zwei Jahren bezog die Tiroler Versicherung 2024 einen Neubau an ihrem Standort in der Innenstadt von Innsbruck; ein Bürogebäude aus Holz. Das Gebäude ist das erste Holzhochhaus mit zwei Untergeschoßen und 8 Obergeschoßen in Innsbruck und wurde mit dem Klimaaktiv Gold-Standard ausgezeichnet. Es verfügt über eine begrünte Fassade, 625 Quadratmeter Dachgarten und Photovoltaik-Paneele.

Verein Die Tiroler Versicherung V.a.G. mit Sitz in Innsbruck ist als Verein auf Gegenseitigkeit organisiert. Die Mitglieder des Vereins sind zugleich Versicherungsnehmer. Der Verein bietet seinen Mitgliedern auf Grundlage des Gegenseitigkeitsprinzips Versicherungsschutz und ist nicht auf die Erzielung von Gewinnen für externe Anteilseigner ausgerichtet. Dem Vorstand der Tiroler gehören Stand 2025 Franz Mair (Vorstandsmitglied seit 2000) und Isolde Stieg (seit 2021) an.Emanuel Lampert: Tiroler: Schieferer übergibt Vorstandsvorsitz. In: VersicherungsJournal. 12. Mai 2022.

Im Geschäftsjahr 2024 beschäftigte die Tiroler Versicherung durchschnittlich 399 Mitarbeitende. Das Prämienvolumen belief sich 2024 auf 202,1 Millionen Euro, wovon 192,1 Millionen Euro auf die Schaden- und Unfallversicherungen entfielen. Die Anzahl der verwalteten Versicherungsverträge lag bei 617.229 und die Bilanzsumme belief sich auf 438,2 Millionen Euro.

Das Unternehmen betreibt Kundenbüros in allen Tiroler Bezirken sowie eine Niederlassung in Bozen, Südtirol.Mit Erfolg langweilig. In: Dolomiten. 10. Jänner 2018, S. 8.

Leistungen Die Tiroler Versicherung bietet Versicherungen für Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Institutionen an. Im Bereich der privaten Absicherung gehören Hausratversicherungen, Eigenheimversicherungen, Kraftfahrzeugversicherungen, Privathaftpflichtversicherungen, Rechtsschutzversicherungen sowie Unfall- und Lebensversicherungen zum Leistungsangebot.Tiroler Versicherung: Unternehmer-Risiken kennen und vorsorgen. In. Dolomiten. 25. Jänner 2017, S. 12. Dabei werden Risiken wie Feuer, Leitungswasserschäden, Sturmereignisse, Einbruchdiebstahl und persönliche Haftungsfälle abgedeckt.Betriebsunterbrechung nach einem Schadenfall – was nun? In: Dolomiten. 8. Februar 2017, S. 13.

Für Unternehmen umfasst das Angebot betriebliche Versicherungen wie Gebäude- und Inventarversicherungen, Betriebsunterbrechungsversicherungen, betriebliche Haftpflichtversicherungen sowie Fuhrpark- und Unfallversicherungen. In Reaktion auf technologische Entwicklungen wurden auch Produkte zur Absicherung gegen IT- und Cyberrisiken entwickelt.

Im Bereich der Naturkatastrophenversicherungen wurde ein spezieller Versicherungsschutz eingeführt, der Schäden durch Hochwasser, Lawinen, Erdrutsche und Muren abdeckt.

Für Gemeinden und öffentliche Einrichtungen werden gesonderte Versicherungen angeboten, die etwa die Absicherung von kommunalen Liegenschaften, Haftungsrisiken und Vermögensschäden umfassen.

Soziales Engagement Die Tiroler Versicherung engagiert sich in verschiedenen Bereichen, insbesondere in Kultur, Sport und bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen. Dazu gehört der Tiroler Kinderclub, ein Angebot der Tiroler Versicherung zur Förderung von Kindern.

Die Tiroler Versicherung engagiert sich auch im Bereich der digitalen Prävention und Medienkompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen. In Kooperation mit der österreichischen Informationsplattform Saferinternet.at unterstützt das Unternehmen Maßnahmen, die einen sicheren und bewussten Umgang mit digitalen Medien fördern sollen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden unter anderem Workshops an Schulen sowie Informationsveranstaltungen für Erziehungsberechtigte durchgeführt. Damit sollen Kinder und Jugendliche über Risiken wie Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming, Betrugsmaschen und problematische Online-Inhalte aufgeklärt werden.Sicher aufwachsen in einer digitalen Welt. In: Tiroler Tageszeitung. 25. Oktober 2024, S. 16.

Zum 200-Jahr-Jubiläum rief die Tiroler Versicherung die Initiative FrauTiroler in Leben. Diese vergab insgesamt 200.000 Euro an Frauen- und Kinderprojekte.Für echte Chancengleichheit. In: Kronen Zeitung. 5. September 2021, Seite 42. Die Projekte wurden dabei teils von der Bevölkerung und teils von einer Fachjury ausgesucht; die Höhe der dabei jeweils gespendeten Summe wurde anhand einer Online-Abstimmung festgelegt, wobei Projekte mit mehr Stimmen einen höheren Spendenbetrag erhielten.200 Jahre Tiroler Versicherung. 200.000 Euro für Frauen und Kinder. In: Tiroler Tageszeitung. 1. Oktober 2021, S. 20. 2025 wurde die Aktion erneut durchgeführt.

Darüber gilt die Tiroler Versicherung als offizieller PartnerSolidarität seit 190 Jahren: Die Tiroler Versicherung. In: Kronen Zeitung. 9. Oktober 2011, S. 6. und einer der größten Förderer der freiwilligen Feuerwehr in TirolEin großer Förderer der Feuerwehren. In: Dolomiten. 13. März 2002. sowie vom Verein RollOn Austria.

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