mini|hochkant=1.2|Weltkarte mit farblich dargestelltem Immigrantenanteil pro Staat im Jahr 2005 mini|hochkant=1.2|Europäische Einwanderer kommen in Argentinien an

Menschen, die einzeln oder in Gruppen ihre bisherigen Wohnorte verlassen, um sich an anderen Orten dauerhaft oder zumindest für längere Zeit niederzulassen, werden als Migranten bezeichnet. Pendler, Touristen und andere Kurzzeitaufenthalte fallen nicht unter die Definition von Migration, saisonale Arbeitsmigration wird manchmal mit einbezogen.

Überschreiten Menschen im Zuge ihrer Migration Ländergrenzen, werden sie aus der Perspektive des Landes, das sie betreten, Einwanderer oder Immigranten (von lateinisch , „wandern“) genannt. (Aus der Perspektive des Landes, das sie verlassen, heißen sie Auswanderer oder Emigranten.) Die Soziologie bezeichnet Immigration in der Regel als Zuwanderung (sowie Emigration entsprechend Abwanderung).

Weltweit wird die Anzahl der Immigranten (d. h. derer, die im Laufe ihres Lebens ihren dauernden Wohnsitz vom Ausland ins Bezugsland verlegt haben) für das Jahr 2024 auf rund 304 Millionen geschätzt. das sind 3,7 % der Weltbevölkerung. Migration ist eine bedeutende Änderung im Leben eines Menschen und mit großen, zum Teil lebensbedrohlichen Risiken verbunden (siehe unerlaubte Migration), und zerreißt oft Familienverbände und soziale Strukturen.

Das moderne Bild der Immigration ist im Zusammenhang mit den Begriffen Nationalstaaten und Nationalitäten sowie Pässen, Grenzen mit Grenzkontrollen und Staatsbürgerschaftsrecht zu sehen. In vielen Staaten haben Immigranten als Nicht-Staatsbürger im Verhältnis zu Staatsbürgern eingeschränkte Rechte, besonders das Recht auf Niederlassung wird zum Teil streng durch Immigrationsgesetze beschränkt (siehe auch Ausländerrecht). Immigration ohne gesetzliche Erlaubnis oder Verstoß gegen die durch die Form der Aufenthaltserlaubnis gesetzten Grenzen – sogenannte illegale Immigration – kann strafbar sein und führt gewöhnlich zu Festnahme und Verurteilung und/oder zur Abschiebung durch Staatsorgane.

Immigranten unterscheiden sich, sofern es sich nicht um Rückwanderer handelt, mitunter von den Einwohnern eines Staates. Dies kann zu Problemen und Spannungen zwischen Immigranten und den alteingesessenen Landesbewohnern führen. Dies ist auch von Kultur, Mentalität und Traditionen (z. B. Gastfreundschaft, Xenophobie), Wirtschaftslage bzw. -aussichten und vielen anderen Faktoren abhängig. Manchmal nehmen Immigranten und Einheimische den gleichen Spannungs- bzw. Problemfall sehr unterschiedlich wahr. In vielen Ländern gibt es seit Jahrzehnten Debatten um Integration bzw. Assimilation und die Effekte von Multikulturalität.

Begrifflichkeiten Obwohl das aus dem Lateinischen stammende Wort „Migrant“ wörtlich „Wandernder“ bedeutet, werden auch Zugewanderte, deren Migrationsvorgang abgeschlossen ist, als „Migranten“ bezeichnet, bis aus ihnen sprachlich „Menschen mit Migrationshintergrund“ werden. Auch ihre im Zuwanderungsland geborenen Abkömmlinge werden, vor allem im Zusammenhang von Bevölkerungsstatistiken, als „Menschen mit Migrationshintergrund“ bezeichnet, auch wenn sie selbst an keinem Migrationsvorgang teilgenommen haben. Um sprachlich präziser darzustellen, welche Vorfahren den Migrationsvorgang durchgemacht haben, werden Migranten in Generationen klassifiziert. Migranten, die am Migrationsvorgang teilgenommen haben, werden als Migranten „der ersten Generation“ bezeichnet.

Die Begriffe Ausländer und Migrationshintergrund werden in der Bevölkerung oft synonym verwendet, obwohl beide Begriffe zu unterscheiden sind. Migranten, die die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen, gelten vom Zeitpunkt der Einbürgerung an nicht mehr als Ausländer, aber als Personen mit Migrationshintergrund.

Die Wanderung zwischen EU-Staaten wird häufig nicht als Migration, sondern als Mobilität bezeichnet. Wird von Migranten gesprochen, werden demnach vor allem Personen, die eine Wanderung zwischen Nicht-EU-Staaten und der Europäischen Union vollzogen haben, in den Fokus genommen.

Statistiken zur weltweiten Immigration

Nach einem Bericht des Generalsekretariats der Vereinten Nationen zur internationalen Migration gibt es weltweit etwa 304 Millionen internationale Migranten. Die UNO definiert einen internationalen Migranten als eine Person, die ihren Ort des gewöhnlichen Aufenthalts – verstanden als jener Ort, wo sie die tägliche bzw. wöchentliche Ruhe- und Freizeit verbringt – verlässt und sich in einem anderen Ort in einem anderen Staat niederlässt, so dass dieser der neue Ort des gewöhnlichen Aufenthalts wird.

Nach dieser UNO-Definition war der Prozentsatz der Immigranten in ausgewählten Mitgliedstaaten der Europäischen Union laut Eurostat im Jahr 2025 wie folgt:

Hier ist die aktualisierte Übersicht:

Land Anteil an der Gesamtbevölkerung Hauptherkunftsländer 51,5 % Portugal, Frankreich, Italien 22,5 % Deutschland, Bosnien und Herzegowina, Türkei 20,5 % 19,3 % Marokko, Kolumbien, Venezuela 20,2 % Marokko, Frankreich, Niederlande 14,0 % 11,8 % Rumänien, Albanien, Marokko 16,8 % Türkei, Polen, Suriname 20,8 % Syrien, Irak, Finnland 2,6 %

Wanderungsbewegungen im 20. Jahrhundert Religiöse, kulturelle und politische Verfolgung in vielen Ländern vor allem Europas und des Nahen Ostens führte im 20. Jahrhundert, vor allem in den 1930er Jahren, dazu, dass z. B. Liberale und Juden in offenere Gesellschaften auswanderten, etwa in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Kanada oder Australien. Etwa 12 bis 14 Millionen Deutsche und deutschstämmige Angehörige verschiedener Staaten waren zwischen 1944/45 und 1950 von Flucht und Vertreibung betroffen.Vgl. dazu Statistisches Bundesamt: Die deutschen Vertreibungsverluste. Wiesbaden 1958. Das Ende der Kolonialzeit führte dazu, dass aus überseeischen Kolonien viele Menschen in die (Noch- oder Nicht-mehr-)Kolonialländer kamen, speziell in Metropolen wie London, Paris und Brüssel. Der jahrzehntelange deutsche Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg führte dazu, dass aus Ländern wie z. B. Türkei, Italien, Spanien, Griechenland, Marokko oder Jugoslawien sogenannte Gastarbeiter angeworben wurden (Arbeitsmigration). Durch Familiennachzug nahm die Zahl an Immigranten weiter zu. Gastarbeiter hatten in der Regel befristete Verträge und es war vorgesehen, dass sie nur eine Zeit lang in Deutschland bleiben. Die Mehrheit kehrte daher letztendlich wieder in ihre Herkunftsländer zurück, ein kleiner Teil blieb aber in Deutschland. Dies führte dazu, dass auch nach dem Anwerbestopp 1973 Millionen von Menschen aus den ehemaligen Gastarbeiterländern den Gastarbeitern folgten. Sie suchten in Deutschland Arbeit oder migrierten aus anderen Gründen und blieben in der Regel im Land. Andere westeuropäische Länder schlossen ähnliche Verträge ab. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und bis zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989 flüchteten viele Menschen vor politischer Verfolgung aus den Ländern des damaligen Ostblocks in den Westen Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kamen viele osteuropäische Migranten nach Westeuropa. Nach der Kapitulation Südvietnams 1975 flüchteten in den 20 Jahren darauf über 1,6 Millionen Südvietnamesen auf Booten aus dem Land (sogenannte Boatpeople). Vielen von ihnen gelang es, direkt oder auf Zwischenstationen in ein westliches Land einzuwandern. Infolge des Zerfalls der Sowjetunion kamen Anfang der 1990er Jahre Spätaussiedler nach Deutschland. Aufgrund politischer Ursachen wie Krieg, Umstürze oder politischer Verfolgung beantragten vor allem in den 1980er und 1990er Jahren zahlreiche Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika unter anderem auch in Deutschland Asyl. Aus Kriegsgebieten wie dem zerfallenden Jugoslawien kamen in den 1990er Jahren Hunderttausende Menschen aus den Balkanländern nach Westeuropa, meist in den deutschsprachigen Raum. Bis zur Gegenwart haben Fluchtbewegungen aus dysfunktionalen oder von Kriegen und Bürgerkriegen betroffenen Ländern Afrikas und des Nahen Ostens (inkl. Afghanistan) in den globalen Norden stark zugenommen, gipfelnd in der Flüchtlingskrise in Europa ab 2015.

Einwanderung in verschiedene Länder mini|Ausgewanderte deutsche Familie 1930 in den USA

Es gibt klassische Einwanderungsländer, vor allem die USA, Kanada, die Länder Südamerikas und Australien, in die ein großer Anteil der Bevölkerung erst in den letzten Jahrhunderten eingewandert ist und die bis heute relativ dünn besiedelt sind. Auch in Europa hat es seit jeher große Migrationsbewegungen gegeben, zum Beispiel zur Zeit der Völkerwanderung oder in nachkolonialer Zeit die Migration aus Nordafrika nach Frankreich (nachdem Frankreich 1962 den Algerienkrieg verloren hatte, gab es etwa 1,4 Millionen Pied-noirs; viele von ihnen siedelten 1962 oder bald darauf nach Frankreich um).

Andere globale Einwanderungsgebiete (vor allem Binnenmigration) sind die Ostregion Chinas um Shanghai, verschiedene Teile Indonesiens (Transmigrasi), die Kapregion Südafrikas, Israel (Zuwanderung v. a. russischer Juden), Saudi-Arabien und Russland (Rückwanderung ethnischer Russen aus GUS-Staaten).

Durch die Einwanderung in die USA hat sich die Zusammensetzung der dortigen Bevölkerung stark verändert. Nach einer Volkszählung von 1790 stammten von den weißen Einwohnern rund 60 Prozent aus England. Zwischen 1850 und 1930 kamen 5 Millionen Deutsche, zwischen 1876 und 1910 rund 3 Millionen Personen aus Österreich-Ungarn in die Vereinigten Staaten. Ab 1882 wurden chinesische Arbeiter von der Einwanderung ausgeschlossen.Immigration Worldwide: Policies, Practices, and Trends. Uma A. Segal, Doreen Elliott, Nazneen S. Mayadas (2010). Oxford University Press US. (englisch)

Einwanderungsrecht Einwanderungswillige sehen sich oft mit Einwanderungsgesetzen ihrer Zielländer konfrontiert, die ihr Vorhaben der Migration gesetzlich regeln. Siehe Artikel Ausländerrecht.

Einwanderung nach Deutschland

Geschichte Das Gebiet Deutschlands ist wegen seiner zentralen Lage in Europa seit Jahrhunderten sowohl Durchgangsland als auch Ziel verschiedener Einwanderergruppen. Das Edikt von Potsdam, auch Potsdamer Toleranzedikt genannt, war ein Toleranzedikt, das am vom preußischen Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlassen wurde. Der Kurfürst – im Gegensatz zur evangelisch-lutherischen Bevölkerungsmehrheit Brandenburgs selbst calvinistischen Glaubens – bot seinen in Frankreich wegen ihrer Religion verfolgten protestantischen Glaubensgenossen, den Hugenotten, freie und sichere Niederlassung in Brandenburg an. Den Flüchtlingen wurden großzügige Privilegien gewährt, unter anderem Befreiung von Steuern und Zöllen, Subventionen für Wirtschaftsunternehmen und Bezahlung der Pfarrer durch das Fürstentum. Viele von ihnen siedelten sich in Potsdam und Berlin an (siehe dazu Hugenotten in Berlin).

Als 1620 nach der Schlacht am Weißen Berg die Religionsfreiheit in Böhmen endete, gelangten in Mähren und Böhmen die Protestanten zunehmend unter den Druck der Gegenreformation. Ab 1722 wanderten nach einer Unterstützungszusage des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf eine große Zahl von Sympathisanten der Böhmischen Brüder zuerst aus Mähren kommend nach Sachsen ein. In deren Gepäck befand sich auch das theologische und philosophische Erbe Johann Amos Comenius. Die Exulanten blieben zunächst unter sich und gründeten in Herrnhut 1727 die noch heute bestehende Brüderunität. Konflikte mit und Misstrauen unter der damaligen angestammten Bevölkerung führten jedoch auch zu einer Fortsetzung der Wanderungsbewegung, wodurch sich Gruppen der Herrnhuter Brüdergemeine zunächst in Berlin und später an weiteren deutschen Orten ansiedelten.