mini|Jules Verreaux Jules Pierre Verreaux (* 24. August 1807 in Paris; † 7. September 1873 in Paris im 3. Arrondissement) war ein französischer Pflanzensammler und Ornithologe.
Leben und Wirken Im Jahr 1803 eröffnete der Vater Pierre-Jacques Verreaux den ersten Naturalienhandel am Place de Vosges in Paris, ein Geschäft, das später als Maison Verreaux bekannt wurde.Miquel Molina, 2002, S. 30. Der Vater heiratete Joséphine Delalande, eine Schwester von Pierre Antoine Delalande (1787–1823), der zu dieser Zeit als Präparator für Étienne Geoffroy Saint-Hilaire (1772–1844) am Muséum national d’histoire naturelle diente. Als Delalande 1818 im Auftrag des Pariser Museums auf eine dreijährige Expedition nach Südafrika geschickt wurde, durfte ihn der erst zwölfjährige Junge Jules in die Ferne begleiten. Dieses Erlebnis galt als Initialzündung für sein Interesse an der Naturkunde.Erwin Stresemann, 1996, S. 391. Von der Reise brachten sie mehr als 130.000 gesammelte Naturalien mit. Die Großzahl der Exemplare bestand aus Pflanzen, aber beinhaltete auch fast 300 Säugetiere, 2000 Vogelbälge und mehr als 4000 Muscheln.Valerie Chansigaud, 2009, S. 152.
Nach der Rückkehr aus Südafrika studierte er unter der Anleitung von Georges Cuvier (1769–1832) am Pariser Museum. Nach dem Tode seines Mentors Delalande kehrte er 1825 abermals ins Kapland zurück. Von 1829 bis 1838 wirkte er als Kurator in Kapstadt am Museum des South African Literary and Scientific Institution von Andrew Smith (1797–1872). Die Sammlung des Museums setze sich aus den Sammlungen des Barons Carl von Ludwig (1784–1847), Andrew Smith, den Verreaux und des staatseigenen Institutes zusammen. Die Verreaux-Sammlung blieb stets in Privateigentum und stand dem Museum nur auf Leihbasis zur Verfügung.Saul Dubow, 2006, S. 37. Zunächst kaufte er in Südafrika für seinen Vater große Tiersammlungen zusammen und bat 1830 seinen jüngeren Bruder Édouard Verreaux (1810–1868), nach Kapstadt zu kommen, um die Präparate sicher nach Paris zu befördern. Getrieben von den Geschäftserfolgen kehrte Édouard zusammen mit Bruder Joseph Alexis Verreaux (?-1868) im Jahr 1831 nach Südafrika zurück. mini|Ausgestopfter Mensch Einen später zweifelhaften Ruhm erlangte er durch die Häutung und Ausstopfung des 1831 verstorbenen und von ihm ausgegrabenen Schwarzafrikaners „El Negro“, der 1888 auf der Weltausstellung in Barcelona präsentiert und am Ende bis 1997 in Banyoles ausgestellt wurde.
Im Jahr 1833 begann Édouard alleine eine Reise von Südafrika nach Südostasien, die ihn über Sumatra, Java, die Philippinen, Cochinchina bis nach China führte. Jules und Alexis blieben in Südafrika zurück. Während Jules sich seinen Unterhalt als Tierpräparator und Schausteller zoologischer Merkwürdigkeiten verdiente, betrieb Alexis, der bis zu seinem Tod in Südafrika lebte, einen Schießpulverladen. Jules erwarb die Vogelsammlung, die der Offizier und Naturforscher Victor Sganzins (1799–1841) von 1831 bis 1832 an der Ostküste Madagaskars gesammelt hatte. Bei seiner Rückkehr nach Paris im Jahre 1838 verlor er seine gesamte Sammlung, als das Schiff Lucullus mit der wertvollen Ladung vor La Rochelle an der Ostküste Frankreichs kenterte. Verreaux schwamm noch an Land.Paul Lawrence Farber, 2000, S. 26.
Im Jahr 1842 trat er im Auftrag des Pariser Museums seine dritte und letzte Reise in die Ferne an. So sammelte er fünf Jahre lang in Australien und Tasmanien. Von der Expedition brachte er ca. 11.500 naturhistorische Sammlerstücke mit nach Hause.
In der Folge widmete er sich in Paris zusammen mit Édouard der fachlichen Leitung des Maison Verreaux, das sich inzwischen am Place Royale 9 in Paris befand. Als Kenner exotischer Vögel erwarb sich insbesondere Jules einen ausgezeichneten Ruf unter den Experten. Das Haus hatte inzwischen einen so guten Ruf, dass sich die Firma zahlreiche Ausbeuten erfolgreicher Reisender sichern konnte. Jules bearbeitete die Exponate selbst und es hieß, dass er Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1803–1857) bei der Abfassung des zweiten Bandes seines Conspectus generum avium wesentlich geholfen habe. Im Jahr 1864 wurde er als Nachfolger von Florent Prévost (1794–1870) naturwissenschaftlicher Assistent (aide-naturaliste) des Museums. Als Mitarbeiter von Alphonse Milne-Edwards (1835–1900) kümmerte er sich um die Novitäten, die der Lazaristenpater Armand David (1826–1900) seit 1862 von West- und Zentralchina an das Museum schickte.Erwin Stresemann, 1996, S. 392. Später erreichten das Museum weitere Präparate aus Tibet, die Verreaux unter Titeln wie Notes sur quelques oiseaux considérés comme nouveaux: provenant du voyage de l’Abbé Armand David dans le Thibet oriental in der Museumszeitschrift Nouvelles archives du Muséum d’histoire naturelle beschrieb.
Als sich 1870 die deutschen Truppen im Deutsch-Französischen Krieg Paris näherten, floh Verreaux nach London. Hier lernte er den jungen Richard Bowdler Sharpe (1847–1909) kennen, der über ihn schrieb:
mini|zentriert|hochkant=4|Eintrag seines Todes im 3. Arrondissement von Paris Nach seinem Tod übernahm Émile Oustalet (1844–1905) sein Amt am Museum, der zusammen mit Pater Armand schließlich mit dem Buch Les oiseaux de la Chine das Werk Verreaux’ vollendet.
Der Wissenschaftler Jules Verreaux Sowohl Jules als auch Édouard beschränkten ihre Aktivitäten nicht nur auf den Naturalienhandel. So publizierten sie im Jahr 1832 ein Buch zur Geographie und Geschichte Australiens. Zusammen mit Marc Athanase Parfait Œillet Des Murs (1804–1894) schrieb er über die Vögel Neukaledoniens. Überhaupt verband ihn eine sehr freundschaftliche Beziehung zu Œillet Des Murs. Zunächst stellte er Œillet Des Murs 1840 der Société cuviérienne vor, und im Jahre 1842 schrieb dieser einen Artikel über Verreaux mit dem Titel Voyage de M. Jules Verreaux à la Nouvelle-Hollande, in dem er den bisherigen Werdegang Verreauxs in Südafrika skizzierte und dessen Regierungsauftrag für eine Reise nach Australien beschrieb. Œillet Des Murs war es auch, der im Bulletin de la Société nationale d'acclimatation de France einen Nachruf auf Jules Verreaux schrieb. In seinen Publikationen arbeitete er neben seinem Bruder Édouard und Œillet Des Murs, u. a. mit Étienne Mulsant (1797–1880) und Paul Gervais (1816–1879) zusammen. Zusätzlich edierte er zahlreiche Werke wie Jean-Charles Chenus (1808–1879) Leçons élémentaires sur l’histoire naturelle des oiseaux. Auch der Baron Frédéric de Lafresnaye (1783–1861) griff 1847 in seinen Artikeln Observation sur les mœurs d’un grand nombre d’espèces d’oiseaux d’Australie et de la Tasmanie, faites par M. J. Verreaux pendant un séjour de cinq années dans ces contrées, et suvies de quelques réflextion scientifique und Observation sur les mœurs d’un grand nombre d’oiseaux; par M. J. Verreaux; suivies de quelques réflexions in der französischen Fachzeitschrift Revue zoologique auf die Expertise und die Schilderungen Verreauxs zurück. Seine letzte Publikation erschien postum, da Alphonse Milne-Edwards das Manuskript erst sehr spät in den Unterlagen von Verreaux entdeckt hatte.
Trotz des guten Rufes des Maison Verreaux schienen die Brüder zumindest was die Oologie betraf nicht die beste Adresse. So beklagte Thomas Powys, 4. Baron Lilford (1833–1896), dass er von den Brüdern Eier und Vogelbälge erworben hatte und diese mangelhaft und falsch gekennzeichnet waren. Oft fehlten essentielle wissenschaftliche Daten wie Ort und Zeit der Entdeckung.Thomas Lyttleton Powys, S. 263. Diese Tatsache ist umso verwunderlicher, da Verreaux 1862 in Revue et magasin de zoologie pure et appliquée eine französische Übersetzung von Alfred Newtons (1829–1907) Suggestions for forming Collections of Birds’ Eggs lieferte.
Nach dem Tode Lafresnayes stand dessen Sammlung zum Verkauf. Der Katalog für die Auktion der ornithologischen Sammlung wurde durch Jules Verreaux erstellt, der sich für seine Arbeiten ganze 3 Monate auf das Schloss in Falaise begab.Thomas Edward Penard, S. 233. Der Katalog und die Sammlung ging noch vor Auktionsbeginn an Henry Bryant (1820–1867), der die Sammlung für die Boston Society of Natural History erworben hatte.
Dedikationsnamen Ausschließlich für Jules Verreaux René Primevère Lesson (1794–1849) beschrieb 1831 erstmals den Kaffernadler (Aquila verreauxii).Laut Bibliographie de la France erschien Lessons Werk in 16 Lieferungen. Lieferung 1 erschien am 20. März 1830, Lieferung 2 am 2. Oktober 1830, Lieferung 3 am 29. Januar 1831, Lieferung 6-8 am 9. Juli 1831, Lieferung 13-16 am 19 May 1832. Der Kaffernadler war Teil der Lieferung 8, die im März 1831 erschien. Genauere Erläuterungen zu den Publikationsdaten finden sich in Edward Clive Dickinson u. a., S. 81 Tabelle 1. In seiner Beschreibung hieß es:
Der Weltenbummler und Naturforscher Alfred Grandidier (1836–1921) zollte ihm 1867 mit den wissenschaftlichen Namen für den Larvensifaka (Propithecus verreauxi) und den Breitschopf-Seidenkuckuck (Coua verreauxi) seine Anerkennung. So schrieb er in einem Brief, der in Revue et magasin de zoologie pure et appliquée veröffentlicht wurde:
Später bei der Beschreibung der Vögel hieß es:
1854 ehrte ihn Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte im Namen des Gelbbrusttinamu (Nothocercus julius).Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, S. 663.
Der englische Zoologe Richard Bowdler Sharpe (1847–1909) nannte 1883 Goldstirn-Papageimeise (Paradoxornis verreauxi), ein Vogel, der bereits 1870 von Verreaux unter dem Namen Suthora gularis beschrieben wurde. Sharpe schlug diesen Namen vor, da Suthora gularis bereits 1845 von George Robert Gray (1808–1872) für den Graukopf-Papageischnabel (Paradoxornis gularis) verwendet wurde und dies laut den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur einen Namenskonflikt darstellte.Richard Bowdler Sharpe, S. 488 & 492 J. de la Berge nannte 1851 Alcedo VerreauxiiJ. de la Berge, S. 306. nach ihm, der heute als Unterart des Menintingeisvogel (Alcedo meninting verreauxi) geführt wird.
Daniel Giraud Elliot (1835–1915) beschrieb 1870 eine Unterart des Kräuselhauben-Perlhuhns, dass heute als Guttera pucherani verreauxi geführt wird. Auch wenn Édouard das Exemplar erledigt hatte,Daniel Giraud Elliot, S. 300. widmete er den Namen seinem guten Freund Jules Verreaux.Daniel Giraud Elliot, S. 301.
Mit Conger verreauxi widmete Johann Jakob Kaup (1803–1873) ihm im Jahr 1856 das Binomen einer zu der Familie der Meeraale gehörenden Fischart. Er begründete dies wie folgt:
Auch im Artepitheton eines Gekkos findet sich sein Name wieder. So nannte Robert Christopher Tytler (1818–1872) im Jahr 1865 eine Gekkoart Gekko verreauxi. Zur Begründung des Namens schrieb er:
Da Jules Verreaux zwischen 1829 und 1838 als Kurator am South African Literary and Scientific Institution tätig war und somit in engem Kontakt mit Andrew Smith stand, wurde ihm zu Ehren auch die Verreaux-Wiesenratte (Myomyscus verreauxii) gewidmet. Smith beschrieb sie 1834 im South African quarterly journal unter dem Namen Mus Verroxii (Verreaux’s Mouse).Andrew Smith, S. 156.
Für die Brüder Die Blauringtaube (Leptotila verreauxi), die Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1803–1857) im Jahr 1857 beschrieb, ist nicht ausschließlich Jules, sondern wahrscheinlich auch seinem Bruder Édouard gewidmet. So schrieb Bonaparte:
Eine Unterart des Gelbflankenspecht (Celeus grammicus verreauxii), die Alfred Malherbe (1804–1865) unter dem Namen Celeopicus Verrauxii beschrieb, ist ebenfalls den Brüdern gewidmet. Als Begründung für den Namen diente Malherbe:
Hermann Schlegel (1804–1884) zeigte 1854 in einer Analyse des Musophaga Persa (heute Guinea-Turako Tauraco persa), dass die heutige Unterart des Blaurückenturakos Tauraco macrorhynchus verreauxii, die die Gebrüder Verreaux als Guinea-Turako klassifiziert hatten, sich deutlich unterscheidet. So schrieb er in seiner Analyse:
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