Winterthur (, , umgangssprachlich kurz Winti genannt) ist mit Einwohnern () die sechstgrösste Stadt der Schweiz und die zweitgrösste des Kantons Zürich. Die Stadt ist als politische Gemeinde auch Hauptort des Bezirks Winterthur. Winterthur war früher eine bedeutende Industriestadt und ist heute als Dienstleistungs-, Bildungs-, Kultur- und Freizeitzentrum mit 16 Museen bekannt. Der Bahnhof Winterthur bewältigt als Knotenpunkt die vierthöchste Passagierfrequenz der Schweiz; 15 Kilometer südwestlich liegt der Flughafen Zürich.

Winterthur liegt in der Nordostschweiz an der Eulach und wird oft als Tor zur Ostschweiz bezeichnet. Winterthur und benachbarte Gemeinden bilden trotz der Nähe zu Zürich, das 20 Kilometer südwestlich liegt, eine eigene Agglomeration mit 149'376 Einwohnern (Stand 2022). Das spinnenförmig zwischen sieben bewaldeten Hügeln liegende Stadtgebiet wird im Süden von der Töss umflossen. Richtung Südosten erstreckt sich das als Erholungsgebiet beliebte obere Tösstal, während gegen Norden das teilweise noch stark landwirtschaftlich geprägte Zürcher Weinland anschliesst.

Winterthur erhielt 1264 das Stadtrecht durch die Habsburger, jedoch waren die Grafen von Kyburg die eigentlichen Stadtgründer. In der ehemaligen Industriestadt sind die Unternehmen Sulzer, SLM und Rieter oder ihre Nachfolgeorganisationen bis heute tätig, jedoch nicht mehr in ihrer einstigen Grösse. Die Stadt ist heute auf den Dienstleistungssektor ausgerichtet und Sitz der AXA.

Geographie Winterthur liegt in der Nordostschweiz nordöstlich von Zürich am Ausgang des (oberen) Tösstals und damit am Rande des Zürcher Oberlandes, das im Südosten liegt. Im Norden liegt das Weinland, das sich bis an den Rhein und nach Schaffhausen erstreckt.

Das Stadtgebiet wird von den Flüssen Eulach, Töss und dem Mattenbach durchflossen; die Eulach und der Mattenbach sind über weite Strecken kanalisiert. Weil in Winterthur, abgesehen von wenigen Teichen, kein See vorhanden ist, beträgt der Gewässeranteil auf Gemeindegebiet gerade mal 0,9 Prozent. Die grosse Eulachschotterebene, in der die Stadt liegt, ist von mehreren bewaldeten Hügeln umgeben, die die Kernstadt von fast allen Seiten einrahmen (Eschenberg, Brüelberg, Wolfensberg, Lindberg). Im südlich des Stadtzentrums gelegenen Stadtwald Eschenberg befinden sich, auf zwei Lichtungen, eine Sternwarte und der Wildpark Bruderhaus. Am südlichen Rand des Lindbergwaldes liegt der Goldenberg, an dessen Hang Weinbau betrieben wird.

Der höchste Punkt der Stadt ist der Hulmen in Richtung Schauenberg auf der Hörnlikette mit 687 Metern, der tiefste liegt an der Grenze zu Pfungen unterhalb der Kläranlage Hard mit 393 Metern. Die Stadt hat eine Waldfläche von 2766 Hektar, was 40,6 Prozent der Stadtfläche entspricht. Damit hat Winterthur im Vergleich zu anderen Schweizer Städten den höchsten Waldanteil. Aufgrund des grossen Gemeindegebiets ausserhalb des bebauten Gebiets beträgt der Anteil an Acker, Wiesen und Weiden 23,8 Prozent. Das tatsächlich bebaute Stadtgebiet beträgt lediglich 25,5 Prozent des Gemeindegebiets, die Verkehrsfläche 9,1 Prozent. 0,2 Prozent sind unproduktive Flächen (Stand 2018).Gemeindeporträts. Winterthur. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018.

Stadtkreise

mini|Karte der Stadtkreise und Quartiere

Winterthur besteht aus sieben Stadtkreisen: Stadt (Kreis 1), Oberwinterthur (Kreis 2), Seen (Kreis 3), Töss (Kreis 4), Veltheim (Kreis 5), Wülflingen (Kreis 6) und Mattenbach (Kreis 7).

Der Kreis Stadt trennt die Gemeinde Winterthur von Nord nach Süd. Neben der Altstadt umfasst er den Heiligberg und die Hälfte des Eschenberg-Waldes im Süden und des Lindbergs im Norden sowie weitere Quartiere wie das Tössfeld oder Neuwiesen.

Die fünf Kreise Oberwinterthur im Nordosten, Seen im Südosten, Töss im Südwesten, Veltheim im Norden und Wülflingen im Nordwesten waren ehemals eigenständige Gemeinden, die alle am 1. Januar 1922 eingemeindet wurden. Diese Ortsteile haben bis heute ein ausgeprägtes Eigenleben. Der jüngste Stadtkreis Mattenbach hingegen wurde erst 1973 zum Stadtteil erklärt, als im Gebiet immer mehr neue Überbauungen entstanden. Er wurde zwischen den damaligen Kreisen Stadt und Seen geschaffen. zentriert|mini|753x753px|Panorama vom Goldenberg aus

Nachbargemeinden Winterthur grenzt an 14 Gemeinden in drei Bezirken (inklusive Bezirk Winterthur). Im Uhrzeigersinn: Im Norden hat Hettlingen oberhalb von Wülflingen einen kleinen gemeinsamen Grenzstreifen mit Winterthur, ihm folgt die Gemeinde Seuzach, die von Winterthur von Süden her etwa zur Hälfte umschlossen wird. Im Nordosten grenzen die Gemeinden Dinhard, Rickenbach, Wiesendangen und im Osten Elsau an den Stadtteil Oberwinterthur. Südöstlich an Seen grenzend liegen Schlatt und Zell. An der Südgrenze am Stadtwald Eschenberg berührt Winterthur die zum Bezirk Pfäffikon gehörende Gemeinde Illnau-Effretikon. Südwestlich grenzt es an Lindau (Bezirk Pfäffikon) und Brütten. Im Westen liegen Oberembrach (Bezirk Bülach) und Pfungen. Im Nordwesten grenzt der Stadtteil Wülflingen an die Gemeinde Neftenbach.

Geologie Winterthur liegt im Molassebecken des Mittellandes, das sich bis in eine Tiefe von etwa zwei bis drei Kilometern erstreckt. Die Molasseschicht ist heute grösstenteils durch Moränenmaterial verschüttet und nur noch an Hängen der Winterthur umgebenden Hügel einsehbar (etwa die Chöpfi über den Wülflinger Reben am Wolfensberg), wobei diese sichtbaren Schichten der Oberen Süsswassermolasse zugerechnet werden, die durch frühere alpine Seen und Gewässer entstanden ist. Oberhalb der Molasseschicht liegt in der Eulachschotterebene über der obersten Humusschicht eine Schotterschicht von 20 bis 30 Metern, danach folgt eine Lehmschicht («Pfungener Schicht») von unterschiedlicher Tiefe: Von der Altstadt bis Wülflingen umfasst diese etwa 60 Meter (beim Niederfeld mit einer Grube bis fast 100 Meter). Beim Schwimmbad Geiselweid ist diese Schicht nur noch zehn Meter tief und wird von einer Grundmoränenschicht, die im Gebiet um Wülflingen nicht nachweisbar ist, über- sowie auch unterlagert und verschwindet dann weiter Richtung Oberwinterthur und Seen gänzlich.

Klima mini|Klimadiagramm der Messstation Zürich-Kloten Winterthur liegt im Mittelland und im Bereich der gemässigten Klimazone. Prägend für das Klima von Winterthur sind einerseits die Winde aus westlichen Richtungen, die oft Niederschlag heranführen, andererseits die Bise (Ost- oder Nordostwind), welche meist mit Hochdrucklagen verbunden ist, aber in allen Jahreszeiten kühlere Witterungsphasen bringt als im Mittel zu erwarten wären. Der in den Alpentälern und am Alpenrand wichtige Föhn zeigt im Normalfall keine speziellen klimatischen Auswirkungen auf Winterthur.

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt laut Messstation Winterthur-Seen von MeteoSchweiz 1039 mm im Jahr – dies sind im Vergleich mit anderen Standorten normale Werte. Die Niederschlagsmenge im Sommer ist aufgrund von konvektiven Niederschlägen höher als im Winter. Eine eigene Temperaturmessstation gibt es in Winterthur nicht, die nächste befindet sich in Kloten (15 m tiefer als die Winterthurer Altstadt). Diese weist eine Jahresmitteltemperatur von 9,75 °C in den letzten 12 Jahren aus. Tiefstpunkt ist im Februar mit 1,9 °C, und der wärmste Monat ist der Juli mit 19,1 °C. Allgemein lässt sich über das 20. Jahrhundert hinweg im Kanton Zürich eine immer schneller werdende Klimaerwärmung feststellen.

Stadtbild mini|(Altstadt)Häuser an der Stadthausstrasse Den Ruf einer «Gartenstadt» verdankt Winterthur primär seiner Stadtplanung aus der Zwischenkriegszeit, daneben aber auch einem relativ grossen Bestand an Familiengärten – in Winterthur Pünten genannt, anderswo eher als Schrebergärten bekannt. Die Stadt Winterthur besitzt 2497 Pünten auf 4446 Aren Land (Stand 2024);Püntenwesen. Website der Stadt Winterthur, abgerufen am 26. Januar 2025. ihre Bewirtschafter sind in mehreren Püntenpächtervereinen organisiert.

1926 schuf der Stadtplaner Albert Bodmer einen Zonenplan, der nach dem Vorbild der englischen Gartenstadt aufgebaut war. Dadurch entstanden bei den vielen Neubauten kleine private Gärten, die Grünflächen in der Stadt bewahrten. Jedoch blieb Bodmer weniger als zehn Jahre im Amt, da die Stadt dem neuen Zeitgeist in der Stadtplanung folgen wollte. 1964 verschwand die Idee einer Gartenstadt dann völlig mit einem neuen, «modernen» Zonenplan. Eine Folge waren unter anderem grosse Überbauungen im Gebiet Mattenbach, das 1973 zum Stadtteil erklärt wurde. Erst nach der Rezession der 1970er-Jahre besann sich die Stadt auf die alten Werte zurück und revidierte den Zonenplan wieder. 1999 erhielt Winterthur den Wakker-Preis des Schweizerischen Heimatschutzes als Auszeichnung für die Erhaltung der traditionellen Wohnformen.

Die zwei höchsten Gebäude der Stadt sind das Sulzer-Hochhaus und der Rote Turm. Das Sulzer-Hochhaus war von 1966 bis 1978 mit damals 92,4 Metern Höhe das höchste Hochhaus der Schweiz. 2007 wurde es um zwei zusätzliche Stockwerke aufgestockt und hat nun eine Höhe von 99,7 Metern. (Zum Vergleich: Der Roche-Turm (Bau 2) in Basel, seit 2022 das höchste Hochhaus der Schweiz, ist 205 Meter hoch.) Zusammen mit den beiden Türmen der Stadtkirche, die immer wieder Sujet auf Ansichtskarten und Bildern der Stadt sind, prägen das Sulzer-Hochhaus und der Rote Turm das Winterthurer Stadtbild. Ein weiteres hohes Gebäude, das KSW-Hochhaus des Kantonsspitals Winterthur, wurde 2022 rückgebaut.

Geschichte Frühzeit und Ortsname Die archäologisch nachweisbare Geschichte Winterthurs geht bis in die Bronzezeit zurück, von der allerdings nur spärliche Funde zeugen. Auf frühmittelalterliche Spuren stiess man 1986 bei Rettungsgrabungen im westlichen Teil der Kernstadt, an der Spitalgasse 1: ein Grubenhaus, das schräg zur jüngeren Parzellierung ausgerichtet war. Ein kleiner Komplex Keramik erlaubte die Datierung ins 7. Jahrhundert. Verschiedene Fundmeldungen derselben Zeit des 6./7. Jahrhunderts betreffen 38 Bestattungen in der Altstadt. Besonders aussagekräftig ist ein Frauengrab an der Marktgasse 68 mit Perlenarmband, Eisen-Armring und Spinnwirtel, Grabbeigaben, wie sie für Romaninnen typisch waren. Ein Männer-Kammergrab an der Schmidgasse/Stadthausstrasse mit fränkischen Elementen wie Spatha, Sax und Pferdegeschirr zeugt von der hohen Stellung des Bestatteten. Der Name der späteren römischen Siedlung VitudurumAndré Perler: Von «Uitoduro» zu «Winti»: Wie sich Ortsnamen wandeln Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 23. Mai 2023 in Oberwinterthur gibt einen Hinweis auf eine keltische Ansiedlung, da der Name dem Keltischen entstammt: Er ist wahrscheinlich eine Zusammensetzung aus keltisch uito- «Weide» und keltisch durōn «Tor, Tür» und bedeutet damit vermutlich «Weidentor, Weidenhof, mit Weidenzweigen geflochtene Einfriedung», vielleicht aber auch «Marktflecken des Uito».Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Neuenburg 2005, S. 971 f.Oberwinterthur im Zürcher Siedlungsnamenbuch (2022) auf ortsnamen.ch. Jedoch sind bis heute keine eindeutig keltischen Siedlungsspuren auf Stadtgebiet überliefert. Man vermutet, dass auf dem Kirchhügel in Oberwinterthur, mit wenigen Unterbrüchen, seit der Jungsteinzeit gesiedelt wurde – jedoch kann man dies trotz umfassenden Ausgrabungen in der Region nicht nachweisen. Nachgewiesen sind prähistorische Spuren in Wülflingen sowie Seen.

Römische Siedlung Vitudurum (Antike)

mini|Inschriftentafel der römischen Befestigungsmauer, 294 n. Chr. (heute im Rathaus ausgestellt)