Der Herforder EV (vollständiger Name: Herforder Eishockey Verein e. V.) ist ein Eishockeyverein in Herford. Der Verein wurde 2004 gegründet und hat die Vereinsfarben Schwarz und Rot. Die als „Ice Dragons“ (engl.: Eisdrachen) bekannten Spieler stiegen im Jahre 2020 in die drittklassige Oberliga Nord auf. Bereits von 2011 bis 2013 spielten die Herforder in der Oberliga West. Heimspielstätte ist das Eisstadion „Im Kleinen Felde“.

Die Vorgängervereine Herforder EG und Herforder EC spielten einige Jahre in der drittklassigen Oberliga. Die Herforder EG war 1991 deutscher Regionalliga-Vizemeister und erreichte 1994 die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Größter Erfolg des Herforder EC war der Aufstieg in die Oberliga Nord im Jahre 2000.

Geschichte Herforder EG (1980–1994) Anfangsjahre und Eishockeyboom Die Region Ostwestfalen-Lippe ist in erster Linie durch seine Fußball- und Handballvereine wie Arminia Bielefeld, GWD Minden und TBV Lemgo bekannt. Eishockey wurde bis in die späten 1970er Jahre ausschließlich beim Bielefelder RSC gespielt. Im Jahre 1980 wurde neben dem Freibad an der Diebrocker Straße das Eisstadion „Im Kleinen Felde“ gebaut. Noch bevor die Bauarbeiten beendet waren, wurde die Herforder Eislauf-Gemeinschaft (kurz: HEG) unter dem Vorstand Egbert Aschoff (1. Vorsitzender), Peter Thilker (2. Vorsitzender und Geschäftsführer) und Horst Opitz (Schatzmeister) gegründet. Nachdem die Mannschaft einige Zeit trainiert hatte, trat die Mannschaft zu einem Freundschaftsspiel gegen eine Mannschaft von Arminia Bielefeld an und verlor mit 2:22.

In den ersten drei Jahren der Vereinsgeschichte stellte die HEG lediglich eine Hobbymannschaft, die Freundschaftsspiele in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen austrug. Der in Espelkamp wohnende Pole Stanislav Bruno war der erste Trainer. 1983 führte der Landeseissport-Verband Nordrhein-Westfalen die Bezirksliga als unterste Spielklasse ein. Die mittlerweile von Karl Kemner trainierte Mannschaft konnte sich mit Spielern der aufgelösten Eishockeymannschaft der Bielefelder Arminia verstärken und belegte den zweiten Platz. Ein Jahr später wurde die Mannschaft in die NRW-Liga eingeteilt und belegte den vierten Platz. In der von Bernd Haake trainierten Mannschaft spielten mit Brad Haugen und Steven Shea erstmals ausländische Spieler.„Höhenflug, Absturz, Neuanfang: Der Eishockey-Boom!“. In: Herforder Kurier aus dem Jahre 1989, genaues Datum unbekannt Die anschließende Qualifikationsrunde zur Regionalliga West verlief erfolgreich.

Spielzeiten 1983–1994 Saison Liga Vorrunde Endrunde 1983/84 BzL 2. Platz – 1984/85 NRW 4. Platz 5. Platz ↑ 1985/86 RL 4. Platz 4. Platz ↑ 1986/87 RL 2. Platz 3. Platz ↑ 1987/88 OL 7. Platz 4. Platz ↓ 1988/89 RL 3. Platz 1. Platz ↓ 1989/90 RL 4. Platz 4. Platz ↓ 1990/91 RL 1. Platz 3. Platz ↑ 1991/92 OL 10. Platz 7. Platz ↓ 1992/93 OL 8. Platz 8. Platz ↑ 1993/94 OL 7. Platz 7. Platz ↑ ↑ = Aufstiegsrunde↓ = Abstiegsrunde

mini|hochkant|links|Bernd Haake Als Aufsteiger belegte die Mannschaft in der Saison 1985/86 auf Anhieb Platz vier und durfte an der Qualifikationsrunde zur Oberliga teilnehmen. Dort wurde die HEG Vorletzter. Die nächste Spielzeit sorgte für den bisherigen Höhepunkt der Eishockeybegeisterung in Herford. Die Spiele gegen den ERC Westfalen Dortmund und dem EC Nordhorn wurden jeweils von über 4000 Zuschauern verfolgt. Deutschlandweit gehörte die Herforder EG damit zu den zehn Eishockeyvereinen mit dem höchsten Zuschauerschnitt. Angeführt von den Torjägern Jeff Job und Pat Brodeur wurden die Herforder Vizemeister der Regionalliga West und belegte in der Qualifikation zur Oberliga Nord den dritten Platz. Da der Berliner Schlittschuhclub seine Mannschaft für die kommende Saison zurückzog, rückte die HEG in die Oberliga nach.

Trotz des sportlichen Erfolges kam es zu Querelen im Vereinsumfeld. Anwohner des Stadions beklagte sich über die von den Zuschauern verursachten Lärm und erzwangen vor Gericht eine Beschränkung der Zuschauerzahl auf 800. Der Verein wiederum beklagte mangelnde Trainingszeiten. Auch im Vorstand gab es Ärger. Trainer Bernd Haake wechselte ins Betreuerteam der deutschen Nationalmannschaft. Sein Nachfolger wurde Mike Wenner. Die Oberligasaison 1987/88 beendete die HEG auf Platz sieben mit zehn Punkten Rückstand auf den EC Nordhorn. Zwar schaffte die Mannschaft mit Platz vier in der Qualifikationsrunde den Klassenerhalt, jedoch verzichtete die Vereinsführung auf ein weiteres Jahr in der Oberliga.

Konsolidierung und Wiederaufstieg Mit dem US-amerikanischen Trainer Jerry Morrissey strebte der Verein in der Regionalligasaison 1988/89 die finanzielle Konsolidierung an. Die Zuschauerbeschränkung wurde auf 1000 Zuschauer erhöht. Mit Peter Derksen und Frank Burchot verpflichtete der Verein zwei Spieler, die noch für viele Jahre das Vereinsgeschehen als Spieler und Trainer prägen sollten. Mit einem Punkt Rückstand auf den EHC Unna wurde die HEG nur Dritter und verpasste die Qualifikationsrunde zur Oberliga. Die anschließende Qualifikationsrunde zur Regionalliga wurde ohne Punktverlust beendet. Auch in der Saison 1989/90 verpasste die Mannschaft als Vierter den Wiederaufstieg.

Erst in der Saison 1990/91 schaffte die HEG die Rückkehr in die Oberliga. Überlegen wurde die Mannschaft Meister der Regionalliga West. Von 27 Spielen gewann das Team 25 und erzielte dabei 353 Tore. Als Dritter der Oberligaqualifikation machte die Mannschaft die Rückkehr in die Oberliga perfekt. Im Halbfinale um die deutsche Regionalligameisterschaft traf die HEG auf den Nordmeister ESC Wedemark. Nach einem 10:10-Unentschieden im Hinspiel erreichten die Ostwestfalen durch einen 11:5-Auswärtssieg das Finale gegen den 1. EV Weiden. Die Oberpfälzer konnten durch einen 12:5-Sieg zu Hause und einen 9:7-Sieg in Herford die Meisterschaft feiern.

In der Oberliga-Saison 1991/92 musste die Mannschaft lange um den Klassenerhalt zittern. Die Vorrunde schloss die HEG als punktschlechteste Mannschaft ab. In der Qualifikation zur Oberliga reichte ein siebter Platz zum Klassenerhalt, da die Oberliga von zehn auf 14 Mannschaften aufgestockt wurde. Sportlich verbesserte sich die Mannschaft in der nächsten Saison. Mit einem Punkt Vorsprung auf den Herner EV wurde die HEG Achter und qualifizierte sich die Mannschaft für die Finalrunde, in der nur der letzte Platz erreicht wurde.

Den größten Erfolg der HEG-Ära wurde in der Saison 1993/94 erreicht. Sowohl nach der Vorrunde als auch in der Meisterrunde der Oberliga Nord belegten die Herforder den siebten Platz. Die Mannschaft qualifizierte sich für die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Gegner im Achtelfinale war der Vizemeister der Oberliga Süd, der EC Bad Tölz. Das erste Spiel konnten die Tölzer auf eigenem Eis knapp mit 3:2 gewinnen. Die Bayern konnten auch die Spiele zwei und drei (4:1 und 6:2) für sich entscheiden. Während Bad Tölz später Meister der Oberliga wurde, musste die Herforder EG Insolvenz anmelden.

Herforder EC (1994–2004) Spielzeiten 1994–2004 Saison Liga Vorrunde Endrunde 1994/95 NRW ? 8. Platz ↑ 1995/96 2. L 10. Platz 4. Platz ↓ 1996/97 NRW 2. Platz 3. Platz ↑ 1997/98 RL 4. Platz – 1998/99 RL 2. Platz 8. Platz ↑ 1999/2000 RL 1. Platz 1. Platz ↑ 2000/01 OL 5. Platz – 2001/02 RL 7. Platz – 2002/03 RL 6. Platz – 2003/04 RL Insolvenz ↑ = Aufstiegsrunde↓ = Abstiegsrunde Mit dem Herforder Eishockeyclub (kurz: HEC) wurde ein Nachfolgeverein gegründet, der in der viertklassigen NRW-Liga starten durfte. Von nun an war die Mannschaft auch als die „Ostwestfalenteufel“ bekannt. Auf Anhieb schaffte der HEC den Sprung in die Qualifikationsrunde zur 2. Liga Nord. Am Ende waren die Ostwestfalenteufel punktgleich mit dem EC Lünen 89. Da die Herforder jedoch das bessere Torverhältnis aufwiesen schaffte der HEC den Aufstieg in die 2. Liga Nord. Dort platzierte sich die Mannschaft in der Saison 1995/96 auf dem zehnten Platz. In der folgenden Qualifikationsrunde wurden die Herforder Vierter und traf im Play-off-Viertelfinale auf den EC Lünen. Nach einem 6:2-Auswärtssieg im Hinspiel lagen die Herforder im Rückspiel zwischenzeitlich mit 0:5 zurück, was den Abstieg bedeutet hätte. Vier Tore im Schlussdrittel brachten jedoch die Wende und den sportlichen Klassenerhalt. Der DEB verweigerte den Herfordern jedoch die Lizenz für die neue Saison.

In den folgenden Jahren mischte der HEC in der Spitzengruppe der Regionalliga NRW mit, ohne jedoch in die Nähe der Aufstiegsrunde zu kommen. Erst 1999 wurde der HEC hinter dem Herner EV Vizemeister der Regionalliga NRW. In der Qualifikationsrunde schaffte die Mannschaft zwar als Achter sportlich den Aufstieg, verzichtete jedoch aus finanziellen Gründen auf die Oberligateilnahme. Ein Jahr später wurde der Aufstieg nachgeholt. Zunächst gewann der HEC mit sieben Punkten Vorsprung auf den EJ Dorsten die Meisterschaft der Regionalliga NRW. Danach mussten die Ostwestfalenteufel in der gemeinsamen Endrunde der Regionalligen NRW, Nord und Ost antreten. Trotz einer 1:2-Niederlage nach Verlängerung beim Rostocker EC wurde der HEC mit einem Punkt Vorsprung auf die Mecklenburger Sieger der Endrunde und stieg in die Oberliga auf.

Als Abstiegskandidat Nummer eins ging die Mannschaft in die Oberligasaison 2000/01. Doch das Team hielt gut mit und belegte am Ende der Vorrunde völlig überraschend den fünften Platz. Esbjörn Hofverberg wurde zum besten Verteidiger der Oberliga Nord gewählt. Im Play-off-Achtelfinale kam nach drei Niederlagen jedoch das Aus gegen den ERC Selb. Nach der Saison wurde die Oberliga Nord mangels Vereinen aufgelöst. Während die Dresdner Eislöwen und die Ratinger Ice Aliens weiterhin in der Oberliga verblieben zogen sich neben dem HEC weitere Vereine in die Regionalliga zurück.

Nach einer verkorksten Saison belegten die Ostwestfalenteufel nur den Siebten von neun Plätzen. In den Play-offs erreichte die Mannschaft noch den fünften Rang. Die Saison 2002/03 beendete der HEC trotz einer eklatanten Heimschwäche als Sechster und schied im Play-off-Viertelfinale gegen die Herner EG aus. Der Tiefpunkt wurde jedoch ein Jahr später erreicht, als die Mannschaft während der Saison zurückgezogen werden musste. Der Herforder EC meldete im Dezember 2003 Insolvenz an und wurde aufgelöst.

Herforder EV (seit 2004) Spielzeiten seit 2005 Saison Liga Vorrunde Endrunde 2005/06 Landesliga NRW 2. Platz 2. Platz ↑ 2006/07 Verbandsliga NRW 3. Platz 3. Platz ↓ 2007/08 Verbandsliga NRW 4. Platz 2. Platz ↓ 2008/09 Verbandsliga NRW 4. Platz 2. Platz ↓ 2009/10 Verbandsliga NRW 3. Platz 2. Platz ↑ 2010/11 Regionalliga West 4. Platz Halbfinale ↓ 2011/12 Oberliga West 10. Platz 4. Platz ↓ 2012/13 Oberliga West 10. Platz 2. Platz ↓ 2013/14 NRW-Liga 5. Platz 1. Platz ↓ 2014/15 NRW-Liga 1. Platz 1. Platz ↑ 2015/16 Regionalliga West 1. Platz 1. Platz ↑ 2016/17 Regionalliga West 8. Platz Halbfinale ↑ 2017/18 Regionalliga West 2. Platz Meister ↑ 2018/19 Regionalliga West 2. Platz Meister ↑ 2019/20 Regionalliga West 2. Platz 3. Platz PPO 2020/21 Oberliga Nord 11. Platz Pre–Playoff 2021/22 Oberliga Nord 11. Platz – 2022/23 Oberliga Nord 11. Platz – 2023/24 Oberliga Nord 12. Platz – 2024/25 Oberliga Nord 6. Platz Achtelfinale 2025/26 Oberliga Nord 8. Platz PO ↑ = Aufstiegsrunde; ↓ = Abstiegsrunde/Pokalrunde; PPO = Pre-Playoff Aufbaujahre