Als eine bedrohte Sprache wird eine Sprache bezeichnet, die von immer weniger Sprechern als Muttersprache erlernt wird und die innerhalb weniger Generationen auszusterben droht.
Gemäß dem Atlas der gefährdeten Sprachen der UNESCO werden hier Sprachen gelistet, die „potentiell gefährdet“ (vulnerable), „gefährdet“ (definitely endangered), „ernsthaft gefährdet“ (severely endangered) oder „moribund“moribund, von lateinisch mors für Tod, bedeutet todgeweiht, sterbend. (critically endangered) sind. Sprachen, die vom Ethnologue als nearly extinct gelistet werden, Website des Ethnologue. Abgerufen am 21. Oktober 2012. werden ebenso als „moribund“ gelistet; Sprachen, die der Ethnologue als ausgestorben listet, während der Atlas der gefährdeten Sprachen sie noch aufführt, werden anhand der jeweiligen Quellenlage zugeordnet.
Afrika Anfillo (Äthiopien, Oromiyaa) Animere (Ghana) Amba (Uganda, Demokratische Republik Kongo), 40.000 Sprecher Bedik (Senegal) Bete (Nigeria, Region Taraba), möglicherweise bereits ausgestorben Bikya (Kamerun), wahrscheinlich bereits ausgestorben Bom (Sierra Leone) Bullom So (Guinea, Sierra Leone) Bussa (Äthiopien, Region Südäthiopien) Burunge (Tansania), 28.000 Sprecher Dahalo (Kenia) Defaka (Nigeria, Rivers State) Dhaiso (Tansania) Hadza (Tansania), 1.000 Sprecher Hijuk (Kamerun), 400 Sprecher Icetot (Uganda), 7.500 Sprecher Jalaa (Nigeria, Region Bauchi) Kami (Tansania) Karon (Senegal, Gambia) Koptisch (Ägypten) Laal (Tschad) Lufu (Nigeria, Region Taraba) Nkoroo (Nigeria, Rivers State) Ogiek (Kenia, Tansania), unter 500 Sprecher Ongamo (Tansania) Ongota (Äthiopien, Region Südäthiopien) Segeju (Tansania) Sherbro (Sierra Leone) Shua (Botswana) Soo (Uganda), 50 Sprecher Suba (Kenia, Tansania) Tunesisches Tamazight (Tunesien) Terik (Kenia) Vidunda (Tansania), 32.000 Sprecher im Jahr 1987 Xiri (Namibia, Südafrika), etwa 190 Sprecher Zaramo (Tansania), Sprecherzahl unbekannt Zenaga (Mauretanien, Senegal), etwa 200 Sprecher
Asien
Abduyi, bei Kazerun im südwestlichen Iran Adihe: 300 Sprecher (Sibirien) Ainu (Hokkaidō, Japan), etwa 1000 Sprecher, aber nur noch 13 Muttersprachler, vom Aussterben bedroht Aramäisch (Stammgebiet: Syrien, Irak, Türkei, Kurdistan, Palästina, Israel, Iran und Libanon, in der Diaspora: Europa, Amerika und Australien) – Das historische Aramäisch war die Sprache Jesu von Nazaret und wird hauptsächlich von Christen in verschiedenen Dialekten aus Nahost gesprochen. Das Stammgebiet deckt sich mit dem alten Mesopotamien. Äynu Bathari (Oman) Caviteño Chabacano (Cavite City, Philippinen), weniger als 500 Sprecher Chintang (Nepal) 5000–6000 SprecherBalthasar Bickel, Goma Banjade, Martin Gaenszle, Elena Lieven, Netra Paudyal, Purna Rai, Ichka Purna u. a.: Free prefix ordering in Chintang. In: Language. Journal of the Linguistic Society of America, Jg. 83 (2007), Heft 1, S. 43–73, . Chong (Kambodscha und Thailand), rund 5500 Sprecher (laut Ethnologue) Davani, bei Kazerun im südwestlichen Iran Dolganisch Harsusi (Oman) Ili Turki Jagnobisch (Tadschikistan) Kadazan (Sabah, Malaysia) Kalasha-mum (Chitral, Pakistan) Ketisch (Gebiet Krasnojarsk, Russland), die letzte jennisseische Sprache; vom Aussterben bedroht Kristang (Cristão) (portugiesisches Kreol in Malakka, Malaysia) Lasisch (Georgien und Türkei entlang der Schwarzmeerküste) Macanesisch (Patuá, Macaista) (Macau) Mehri (Jemen und Oman) verschiedene Sprachen der indigenen Völker des russischen Nordens Ormuri Nuristani-Sprachen Pamir-Sprachen (Yidgha, Shughni, Munji, Wanji, Wakhi, Sarikoli usw.; jeweils etwa 1000-18.000 Sprecher) (Afghanistan, Tadschikistan, China) Puma (Nepal) 4.300–10.000 SprecherNarayan P. Sharma, Balthasar Bickel, Martin Gaenszle, Arjun Rai, Vishnu S. Rai: Personal and possessive pronouns in Puma (Southern Kiranti). In: Yogendra P. Yadava (Hrsg.): Contemporary issues in Nepalese linguistics. Linguistic Society of Nepal, Kathmandu 2005, ISBN 99946-57-69-0, S. 225–231. Ratagnon (Mindoro, Philippinen) Sanskrit (Nordindien und Nepal) – Sprache der klassischen indischen Literatur, z. B. der Veden, und Stammform aller modernen indoarischen Sprachen Shehri (Oman) Soqotri (Socotra, Jemen) die meisten Sprachen der Urbevölkerung Taiwans Tofalarisch Tschulymisch (Sibirien), etwa 100 Sprecher Tschuktschisch (nordöstliches Sibirien), etwa 10.400 Sprecher (2001) Ulchisch (Russland), 1000 Sprecher oder weniger Yazgulami (Tadschikistan), etwa 3000 Sprecher West-Yugurisch zahlreiche Sprachen Indonesiens
Sprache Bedrohungsgrad Anzahl der Sprecher Verbreitung ISO 639-3 BemerkungenEwenischstark gefährdet ca. 7000Föderationskreis Ferner Osten, Russlandevenord-tungusische SpracheMandschumoribund ca. 100Mandschurei, Volksrepublik Chinamncwichtige Sprache in der Qing-Dynastie
Europa
Stufe 1: potentiell gefährdet Baskisch Hochdeutsche Mundarten: Alemannisch Bairisch Ostfränkisch Rheinfränkisch Niederdeutsch oder Plattdeutsch Walisisch Westfriesisch
Stufe 2: gefährdet Aragonesisch (Spanien) Aromunisch (Griechenland und andere Balkanländer) Burgenlandkroatisch (Österreich) Dalmål (Alternativbezeichnung: Dalekarlisch), ein Zweig der skandinavischen Sprachen, gesprochen in der schwedischen Provinz Dalarna (Dalekarlien) Älvdalisch, bekannteste Sprache der Sprachgruppe Dalmål, gesprochen in der Gemeinde Älvdalen Emilianisch-Romagnolisch (Italien) Frankoprovenzalisch (Arpitan) (Frankreich/Savoyen, Westschweiz, Italien/Aostatal) Faetar, frankoprovenzalischer Dialekt in Apulien Gardiol, frankoprovenzalischer Dialekt von Guardia Piemontese in Kalabrien Friaulisch oder Furlanisch (Nordostitalien/Friaul) Gallo-Sizilianisch (Italien) Irisch (Irland), noch etwa 80.000 Muttersprachler, trotz intensiver Förderung (u. a. Pflichtfach an Schulen) und Status als Amtssprache gefährdet Istriotisch (Istrien, Kroatien) Istrorumänisch (Istrien, Kroatien), 500 Sprecher, stark im Rückgang, nur noch wenige hundert Sprecher Jenischhttps://en.wal.unesco.org/search?keys=yen&f%5B0%5D=content_type%3Alanguage_in_country&f%5B1%5D=content_type%3Alanguage_profile Jiddisch Korsisch (Korsika, Frankreich) Ladinisch (Italien) Leonesisch (Nordspanien) Ligurisch (Italien) Mordwinisch (Russland) Ersjanisch Mokschanisch Obersorbisch (Sachsen, Deutschland) Piemontesisch (Italien) Romani (Osteuropa, v. a. Rumänien) Rätoromanisch, Rumantsch oder Bündnerromanisch (Graubünden, Schweiz), die meisten Sprecher sind älter, durch Abwanderung der jüngeren Generation in (deutschsprachige) Großstädte und Ausbreitung des Deutschen bedroht; trotz Status als 4. Amtssprache der Schweiz gefährdet Schottisch-Gälisch (Großbritannien), Gälisch wurde bisher nicht vom schottischen Parlament als gefährdet eingestuft, ist aber in Nordamerika akut bedroht Siebenbürgisch-Sächsisch, Sprache beziehungsweise Dialekt einer deutschsprachigen Volksgruppe in Siebenbürgen, Rumänien. Heute aufgrund der Emigration eines großen Teils der Siebenbürger Sachsen (hauptsächlich nach Deutschland) im Fortbestand bedroht. Südjütisch, dänischer Dialekt in Südschleswig, Deutschland Zimbrisch (Norditalien), bairischer Dialekt, der viele Eigenarten des Mittelhochdeutschen bewahrt hat; ca. 3000 Sprecher, nicht unmittelbar bedroht Mòcheno, Subdialekt des Zimbrischen, ca. 1000 Sprecher
Stufe 3: ernsthaft gefährdet Arvanitika (Griechenland), starker Rückgang, nur noch sehr wenige ältere Sprecher Bretonisch (Frankreich), starker Rückgang Bourguignon, französischer Dialekt (Langue d’oil) im Burgund Champenois, französischer Dialekt (Langue d’oil) in der Champagne Franc-Comtois, französischer Dialekt (Langue d’oil) in der Franche-Comté Gallo, französischer Dialekt (Langue d’oil) in der Bretagne Lorrain, französischer Dialekt (Langue d’oil) in Lothringen, darunter auch Welche im Elsass Picard, französischer Dialekt (Langue d’oil) in der Picardie Poitevin-Saintongeais, französischer Dialekt (Langue d’oil) in Poitou-Charentes Gagausisch (Moldau, Ukraine) Griko (süditalienisches Griechisch) von Salento, Apulien Griko von Reggio Calabria Karaimisch (Polen, Ukraine, Litauen) Kaschubisch oder Pomoranisch (Polen), starker Rückgang Krimtatarisch (Ukraine) Ladino (Judenspanisch) Livisch oder Livonisch (Estland und Lettland), der letzte Muttersprachler verstarb 2007, Versuche einer Wiederbelebung Molise-Kroatisch (Italien) Niedersorbisch (Brandenburg, Deutschland) Nordfriesisch (Schleswig-Holstein, Deutschland) Normannisch oder Nourmand (Nordfrankreich/Normandie und Kanalinseln), starker Rückgang Inselnormannisch (Jèrriais, Dgèrnésiais und Sercquiais) (Kanalinseln), stark im Rückgang, weniger als 5000 Sprecher (Sercquiais hat weniger als 20 Sprecher, die es fließend beherrschen) Okzitanisch (Südfrankreich), von der UNESCO werden dessen Subdialekte als eigenständige Sprachen geführt: Auvergnat in der Auvergne Gascon in der Gascogne Languedocien im Languedoc Limousin im Limousin Provencal in der Provence Vivaro-Alpin oder Provençal alpin in den französischen Alpen saterfriesische Sprache (Deutschland), wenige, meist ältere Sprecher, Versuche einer Wiederbelebung Töitschu, walserdeutscher Dialekt von Issime im oberen Aostatal, ca. 100 Sprecher Wymysörisch (Oberschlesien, Polen), weniger als 100 meist ältere Sprecher
Stufe 4: moribund Kornisch (Cornwall, Großbritannien), bereits seit längerem ausgestorben, Versuche zur Wiederbelebung haben eine kleine Gruppe Muttersprachler hervorgebracht Manx (Isle of Man), zuletzt nur noch als Zweitsprache gesprochen, Versuche zur Wiederbelebung haben eine Gruppe Muttersprachler hervorgebracht Nehrungskurisch (Deutschland, bis 1945 auf der Kurischen Nehrung in Ostpreußen), nur noch 7 Sprecher bekannthttps://texte.ruprecht.de/zeigartikel.php?id=701 – ? Tsakonisch (Griechenland), nur noch etwa 300 Sprecher Wotisch (Ingermanland, Russland) – ?
Nord- und Südamerika
Vereinigte Staaten und Kanada