mini|175px|Symbol des Sternbilds Löwe

Als Symbol (altgriechisch σύμβολον sýmbolon ‚Erkennungszeichen‘) werden allgemein bedeutungstragende Darstellungen wie Zeichen, Wörter, Gegenstände oder Vorgänge bezeichnet, die mit einer bestimmten Vorstellung verbunden sind (von etwas, das nicht gegenwärtig zu sein braucht). Welche Art von Vorstellungen mit dem Wort „Symbol“ gemeint ist, kann je nach Anwendungsgebiet sehr unterschiedlich definiert sein (zum Beispiel Zahlzeichen oder ritualisierte Handlungen). Symbole bildähnlichen Charakters werden auch Sinnbild genannt.

Wortherkunft Das Wort Symbol wurde im 15. Jahrhundert aus dem Lateinischen symbolum entlehnt. Dies geht zurück auf griechisch σύμβολον sýmbolon mit der Bedeutung ‚Erkennungszeichen, Kennzeichen oder Merkmal‘ (zu συμβάλλειν symbállein ‚zusammenbringen, vergleichen‘). Das sýmbolon war ein Erkennungsmerkmal, mit dem zwei Parteien (Gastfreunde, Vertragspartner) sicherstellen wollten, dass sie einander oder jeweils Vertreter der anderen Partei wiedererkennen. Dazu wurde ein Knochen oder ein Tongegenstand in zwei Teile gebrochen, und jeder der beiden Partner erhielt ein Bruchstück. Bei einem erneuten Zusammentreffen konnte die Legitimität der Beteiligten überprüft werden, indem die Teile passend zusammengebracht wurden. Daraus entwickelten sich die Bedeutungen „Kennzeichen“, „Beweis“, „Vertrag“, „Ausweis“, „Passwort“, „Code“.

Für die Wortgeschichte besonders bedeutsam war der Beginn des aristotelischen Traktats De interpretatione, wo die Schrift als „sýmbolon“ der gesprochenen Sprache sowie „das zur Sprache Gekommene“ als „sýmbolon“ der „Vorgänge in der Seele“ bestimmt wird.Ἔστι μὲν οὖν τὰ ἐν τῇ φωνῇ τῶν ἐν τῇ ψυχῇ παθημάτων σύμβολα, καὶ τὰ γραφόμενα τῶν ἐν τῇ φωνῇ (16 a 3-4).

Über das lateinische symbolum, das „(Kenn-)Zeichen“, „Emblem“, „Sinnbild“, „Bild“ bedeutete, gelangte das Wort in die deutsche Sprache.

Lateinisch symbolum ist auch eine Bezeichnung für das christliche Glaubensbekenntnis.

Symbolbegriff Der Ausdruck Symbol wird mehrdeutig und uneinheitlich verwendet. Die Symbolbegriffe verschiedener Autoren, wie Ernst Cassirer, Jean PiagetLiteratur zu Piagets Symbol-Begriff: Hans G. Furth: Intelligenz und Erkennen. Die Grundlagen der genetischen Erkenntnistheorie Piagets. Suhrkamp 1986, ISBN 3-518-07760-0. oder Charles S. Peirce und verschiedener Wissenschaften bzw. Wissenschaftsrichtungen unterscheiden sich stark voneinander. Die Begriffsverwendung ist mitunter gegensätzlich: Bei Peirce etwa steht der Begriff „Symbol“ synonym für ein konventionelles Zeichen, das mit dem Symbolisierten keinen Ähnlichkeitsbezug teilt. Bei Ferdinand de Saussure dagegen ist genau diese Ähnlichkeitsrelation entscheidend für den Begriff des Symbols.

Während zum Beispiel in der Kunstdidaktik der Symbolbegriff eher von Symbolverständnis abgeleitet wird, hat sich in der Ausbildung der Kommunikations-Designer (Kommunikationsdesign, das der Semiotik näher steht) der Peirce’sche Symbolbegriff etabliert.

Bestimmungen in Lexika In allgemeinen Lexika wird Symbol definiert als „einen tieferen Sinn andeutendes Zeichen, Sinnbild; bildhaftes, anschauliches, wirkungsvolles Zeichen für einen Begriff oder Vorgang, oft ohne erkennbaren Zusammenhang mit diesem“; Beispiel: Blaue Blume (Wahrig)Wahrig, Deutsches Wörterbuch, Stichwort Symbol. „Sinnbild“; Beispiele: christliche Symbole; weiße Taube als Symbol des Friedens (Duden)Duden, Deutsches Universalwörterbuch, Stichwort Symbol. „Sinnbild, das in seiner Ausdruckskraft den Inhalt eines vorgestellten Gegenstandes zum Ausdruck bringt“; im engeren Sinn religiöse oder kultische Symbole (dtv-Lexikon)dtv-Lexikon, Stichwort Symbol. allgemein „ein wahrnehmbares Zeichen bzw. Sinnbild (Gegenstand, Handlung, Vorgang), das stellvertretend für etwas nicht Wahrnehmbares (auch Gedachtes bzw. Geglaubtes) steht“; in einem engeren Sinn „jedes Schriftzeichen oder Bildzeichen mit verabredeter oder unmittelbar einsichtiger Bedeutung, das zur verkürzten oder bildhaften Kennzeichnung und Darstellung zum Beispiel eines Begriffs, Objekts, Verfahrens, Sachverhalts verwendet wird“ (Schülerduden Philosophie)Schülerduden, Philosophie. 2. Auflage. 2002, Stichwort Symbol.

Der Symbolbegriff bei Goethe Für den romantischen Symbolbegriff (und den daraus resultierenden „Symbolstreit“) war Goethes Theorie des Symbols maßgeblich.Homberger, Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft (2000)/Symbol Goethe fasste das Symbol auf als „aufschließende Kraft“, „die im Besonderen das Allgemeine (und im Allgemeinen das Besondere) darzustellen vermag“ (Beispiel: Licht für Geist, Erkenntnis, das Göttliche), und grenzte es als in seiner unendlichen Bedeutungsfülle irreduzibles Zeichen von der rational aufschlüsselbaren Allegorie ab:

Symbol als nicht rein konventionelles Zeichen (de Saussure) In der Terminologie der Linguistik von Ferdinand de Saussure ist das Symbol ein „Typ von Bedeutungsträger“, bei dem zwischen der Form des Zeichens und dem, was es ausdrückt, noch ein gewisser Ähnlichkeitsbezug,Pelz: Linguistik. 1996, S. 41. ein „Rest einer natürlichen Verbindung“Mortéza Mahmoudian: Zeichen. In: André Martinet (Hrsg.): Linguistik. 1973, S. 258 f. besteht.F. de Saussure: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. 3. Auflage. Berlin / New York 2001, S. 80: „Beim Symbol ist es nämlich wesentlich, daß es niemals ganz beliebig ist; es ist nicht inhaltlos, sondern bei ihm besteht bis zu einem gewissen Grade eine natürliche Beziehung zwischen Bezeichnung und Bezeichnetem.“ Unter Betonung der Arbitrarität des sprachlichen Zeichens setzt er das Symbol vom rein konventionellen Zeichen im engeren Sinn ab.

Symbol als rein konventionelles Zeichen (Peirce) Nach der Terminologie des US-amerikanischen Semiotikers und Philosophen Charles Sanders Peirce ist ein Zeichen entweder ein Index, ein Ikon oder ein Symbol. Im Gegensatz zur kontinentaleuropäischen terminologischen Tradition wird der Ausdruck Symbol als rein konventionelles Zeichen definiert.

Damit bedeutet bei Peirce der Ausdruck Symbol etwa anderes als bei Saussure, der das Symbol vom rein konventionellen Zeichen abgrenzte. Saussures Symbol entspricht in etwa Peirce’ Ikon.

Die Terminologie von Peirce beeinflusste stark die US-amerikanische Linguistik und diese wiederum die europäische.

Symbol als formales Zeichen mit exakter Bedeutung In Fachgebieten wie Mathematik, Logik, Chemie und Physik ist ein Symbol ein abkürzendes, konventionelles Zeichen mit eindeutiger, präziser Bedeutung.

In formalen Beschreibungssprachen oder Kalkülen ist ein Symbol ein definiertes Formalzeichen, das keine inhaltliche Bedeutung hatHadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0 (Symbol: „Formalzeichen …, formale Vorschriften (zum Beispiel das einfache → Pfeil(symbol)) und Klammerkonventionen“). oder von dessen Bedeutung abgesehen wirdVgl. Carls: Zeichen. In: Ricken (Hrsg.): Lexikon der Erkenntnistheorie und Metaphysik. 1984, S. 241. oder werden kann.

Der Symbolbegriff bei Cassirer In der Philosophie von Ernst Cassirer hat der Symbolbegriff eine besondere Bedeutung. Der Mensch ist für Cassirer ein „animal symbolicum“, d. h. ein symbolbildendes und -verwendendes Wesen. Der Mensch habe nur über Symbole einen Wirklichkeitsbezug.

Bedeutungen in der Psychoanalyse

Das Symbol ist ein Schlüsselbegriff in der Psychoanalyse. Symbole, wie sie in Religion, Mythos oder Kunst vorkommen, lassen sich in ihrer Bedeutung oft nicht rein rational übersetzen oder interpretieren. Sie enthalten einen Bedeutungsüberschuss: Während die Bedeutung beispielsweise eines Verkehrszeichens genau definiert ist, übersteigt die Bedeutung eines religiösen, geträumten oder mythologischen Symbols die rationale Ebene und hat über den kulturellen Kontext hinaus eine für den Verwender oft intime psychische Bedeutung, die ohne fundierte Methode kaum eindeutig erkennbar ist. Deutungsversuche mit Hilfe beispielsweise der Traumdeutung ermöglichen es, diese Symbole besser zu verstehen.

Sigmund Freud begründete die Auffassung der Psychoanalyse, dass sich Symbole hauptsächlich im Unbewussten strukturieren und unter anderem in Träumen auftauchen. In der Traumdeutung, nach Freud der „Königsweg in das Unbewusste“, können sie entschlüsselt werden. Freud deutete die Traumsymbolik im Zusammenhang mit seinem Strukturmodell der Psyche und seiner Triebtheorie.

In der Terminologie von Jacques Lacan wird das Psychische durch drei Register organisiert: „das Symbolische“, „das Imaginäre“ und „das Reale“. Diese drei Register seien wie drei borromäische Ringe miteinander verbunden. Im Zentrum der drei Ringe sah Lacan eine Instanz, die er „Sinthom“ nannte. Lacan hat auch eine Reihe weiterer Theoreme im Zusammenhang mit der Organisation von Zeichen, Symbol und Diskurs entwickelt, die neben der Psychoanalyse vor allem für die Kulturwissenschaft relevant sind.

Symbole in verschiedenen Gebieten Philosophie In der Philosophie beziehungsweise der Ästhetik ein Erkennungszeichen, einfach in der Form, reich und tief im Sinn. Auf Denk- und Grabmälern nicht unüblich. Beispiel: Der „Lindenbaum“ im Lied Am Brunnen vor dem Tore von Franz Schubert/Wilhelm Müller. Nach Dietrich Ritschl sind Symbole „Produkte bewusster, reifer Erkenntnisleistung durch Repräsentanzen in Form von Worten, Handlungen oder Gesten. Symbole vermitteln, was anders nicht artikuliert werden kann.“Dietrich Ritschl: Zur Logik der Theologie. München 1984, S. 22.

Ernst Cassirer legte als sein Hauptwerk eine Philosophie der symbolischen Formen vor.

Walter Benjamin bestimmt das Symbol als die „Identität von Besonderem und Allgemeinem“ und setzt es im Gegensatz zur Allegorie: die Allegorie markiere hingegen die Differenz zwischen Besonderem und Allgemeinem.Walter Benjamin: Gesammelte Schriften. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1987, Bd. 1, ISBN 3-518-09832-2, S. 352.

Religion Alle Religionen drücken Kerngedanken in Symbolen aus. Beispiele sind das Rad als Symbol der ewigen Wiederkehr oder der Weg als Symbol der Lebensgeschichte oder der Lebensführung. Religiöse Symbole sind konstitutive Elemente religiöser Identifikation, Sprache und Handlungen. Paul Tillich hat darauf hingewiesen, dass jede „religiöse Sprache“ im Wesentlichen symbolisch sei, weil die Religion sich meist auf etwas bezieht, was alles Vordergründige übersteigt (Transzendenz).

Christliche Symbole

mini|Symbole in neun Religionen. Erste Reihe: christliches Kreuz, Davidstern, hinduistisches Om. Zweite Reihe: Halbmond mit Stern (Islam), Rad des Dharma (Buddhismus), Torii (Shintō). Dritte Reihe: Khanda (Sikhismus), Bahai-Stern, Ahimsa-Symbol (Jainismus).

Zu den bekannten christlichen Symbolen zählen das Kreuz, das Christusmonogramm, das Lamm Gottes (Agnus Dei), der Fisch und das Buchstabenpaar Alpha und Omega. Darüber hinaus gibt es eine biblische bzw. christliche Zahlensymbolik. Eine besondere Bedeutung haben unter anderem die Drei als Zahl der Dreieinigkeit, die Vier (z. B. vier Paradiesflüsse, vier große Propheten, vier Evangelisten) und die Zwölf (zwölf Stämme Israels, zwölf Jünger Jesu). Siehe dazu Zahlensymbolik in der Bibel.

Für einige Christen sind Taufe und Abendmahl symbolische Handlungen, die auf das Tun Gottes hinweisen. Nach traditioneller theologischer Auffassung sind sie aber Momente des „wirklichen“ Handelns Gottes: Auf geheimnisvolle Weise wird in den Sakramenten das Heilshandeln Gottes vergegenwärtigt (siehe Geheimnis des Glaubens).

Symbole in anderen Religionen Beispiele: Bahaitum: der neunzackige Stern Buddhismus: das achtspeichige Rad der Lehre, Internationale Buddhistische Flagge, die Swastika als Symbol des Glücks Hinduismus: Om, Swastika Islam: Hilal (Mondsichel), der sogenannte Halbmond Judentum: Davidstern, Menora (siebenarmiger Leuchter)

Mythologie