mini|Max Christiansen-Clausen in einer Aufnahme aus einem Buch mini|1969: Max Christiansen-Clausen und seine Frau Anna enthüllen eine Gedenktafel für Richard Sorge in der Richard-Sorge-Straße in Berlin-Friedrichshain mini|Hier befindet sich auch eine Gedenktafel für das Ehepaar Christiansen-Clausen Max Christiansen-Clausen (* 27. Februar 1899 auf der Insel Nordstrand; † 15. September 1979 in Ost-Berlin) – bis 1946: Max Gottfried Friedrich Clausen – war ein deutscher Kommunist, Unternehmer in Japan und Funker der Hauptverwaltung für Aufklärung (GRU) im Generalstab der Roten Armee.

Leben Jugend, Ausbildung und Rekrutierung

Als Sohn eines Maurers, der eine enge Bindung an die Kirche hatte, wuchs er auf der nordfriesischen Insel Nordstrand auf. 1914 wollte er nach der Schule eine Lehre als Maschinenschlosser beginnen. Da aber die Familie mittellos war, konnte sie noch nicht einmal das monatliche Lehrgeld von 30 Mark aufbringen. So war er gezwungen, als Knecht bei einem Bauern zu arbeiten.

Ein Jahr später konnte er doch bei einem Freund seines Vaters eine Lehre als Schlosser beginnen. Doch 1917 musste er als Soldat Kriegsdienst leisten, so dass er seine Ausbildung nicht fortsetzen konnte. Er wurde zu einer Einheit in Mecklenburg-Neustrelitz eingezogen, die Aufgaben der Nachrichtenverbindungen ausführte. Dort wurde er in Grundlagen der Elektrotechnik ausgebildet. Anschließend baute er Funkmasten in Würzburg, Nürnberg, Dresden, Zeithain und in Neustrelitz auf.

Während dieser Montagearbeiten, die ihn auch aus logistischen Gründen nach Berlin-Schöneberg auf den dortigen Bahnhof führten, hatte er erstmals Kontakt zu Sozialdemokraten, die ihn politisch beeinflussten. Nach einem Heimaturlaub wurde er wegen Überschreiten der Urlaubsdauer zu fünf Tagen Arrest verurteilt. In der Haft hatte er einen engen Kontakt zu einem Kommunisten, der ihm von der russischen sozialistischen Bewegung berichtete.

Fronteinsatz in Frankreich

Nach einer Ausbildung als Funker wurde er nach Frankreich in der Umgebung von Metz an die Front kommandiert. Dabei wurde er in die Angriffshandlungen bei Compiègne eingesetzt. Danach kam er an den Frontabschnitt bei Château-Thierry, wo er erlebte, dass seine Division in der Schlacht aufgerieben wurde. Bei einem deutschen Artillerieangriff, bei der Gasgranaten mit Blaukreuz verschossen wurden, drehte sich die Windrichtung und er atmete etwas Gas ein, worauf er wochenlang Blut ausspucken musste. Danach wurde er an die Somme verlegt, wo er den Waffenstillstand erlebte.

Seine Einheit wurde über Cambrai nach Koblenz verlegt. Als er erfuhr, dass sein Jahrgang nicht demobilisiert wurde, desertierte er. In Heide bei Husum wurde er aufgegriffen und nach Verbüßung eines einwöchigen Arrests nach Itzehoe kommandiert, wo er bei einer Einheit der Artillerie eingesetzt wurde. Als er mit seiner Einheit nach Zossen verlegt wurde, um bei Unruhen in Berlin eingesetzt zu werden, beantragte der die Entlassung wegen einer Erkrankung seines Vaters.

Nachkriegsprobleme und kommunistische Kontakte

Sein Vater starb 1919. Seine Mutter war schon 1902 verstorben, und sein Bruder fiel an der Front eine Woche vor Ende des Krieges. Somit hatte er seine ganze Familie verloren. Wegen einer Erkrankung seiner Atemwege musste er die wieder aufgenommene Lehre als Schlosser unterbrechen und kam nach Kiel ins Krankenhaus. Einer angekündigten Operation entzog er sich durch die Flucht zurück zu seinem Lehrherrn. Dort aber fand er keine passende Beschäftigung und bewarb sich bei Neumünster als Erziehungsgehilfe in einer Fürsorgeeinrichtung in Rickling. Mit seinem Jugendfreund Marcus Thun verbrachte er dort ein Jahr, um dann nach Hamburg zu gehen. Dort konnte er als Seemann eine Beschäftigung finden, wobei sein Onkel August Weist ihm half. Auf den anschließenden Seefahrten lernte er viele Häfen Europas, Nordafrikas und Asiens kennen. Unter dem Eindruck der angespannten politischen Entwicklungen trat er 1922 in die Rote Gewerkschaft ein. In Stettin beteiligte er sich im Juli 1922 an einem Streik der Seeleute, worauf er zu drei Monaten Haft verurteilt wurde.

Da er seine Anstellung verlor, betätigte er sich beim Deutschen Seemannsbund der KPD als Propagandist und Anwerber für die Gewerkschaft. Als er 1924 die Gelegenheit fand, ein Segelschiff mit nach Murmansk zu überführen, verbrachte er eine Woche im Internationalen Seemannsklub in Petrograd. Im folgenden Jahr trat er dem Roten Frontkämpferbund und der Organisation Rote Hilfe bei. Mitglied der KPD wurde er 1927.

Bei seinen Fahrten in europäische Seehäfen hatte er die Aufgabe, die dort ansässigen Seemannsklubs mit politischer Literatur zu beliefern. Dabei musste er sehr geschickt vorgehen, um die Kontrollen des Zolls zu überwinden. Er meisterte diese und andere Aufgaben so gut, dass er im September 1928 eine Einladung nach Moskau erhielt. Dabei ging die Initiative von Karl Lesse aus, der in Hamburg als Funktionär der Komintern die dortige Gruppe der Internationalen Seeleute-Gewerkschaft leitete.

Funker der Roten Armee

Als er in die Sowjetunion einreiste, stimmten die Angaben in seinem Pass nicht, so dass er an der Grenze festgehalten wurde. Erst nach einiger Zeit gab er die Adresse an, die er in Moskau aufsuchen sollte: Große Fahnengasse 19. Er wurde sofort freigelassen und durfte weiterreisen, denn diese Adresse war den Grenzern bekannt: der Sitz des Stabes der Aufklärung der Roten Armee. Dort meldete er sich bei General Jan Karlowitsch Bersin, dem Leiter der Abteilung Aufklärung.

Er erhielt dort eine neue Identität und nannte sich jetzt Max Sckenk. Bei Nikolai Jablin, einem Bulgaren und Mitarbeiter von Georgi Dimitroff, wurde er in die Kenntnisse und Fertigkeiten des Funkens auf Kurzwelle eingewiesen. Im März 1929 endete seine Ausbildung. Sein erster Auftrag führte ihn nach Shanghai, wo er von einem GRU-Residenten geführt wurde, der in Shanghai einen Laden mit Haushaltsartikeln betrieb.

Aufträge in Shanghai, Harbin, Kanton und Mukden

Von der Wohnung des ehemaligen weißrussischen Offiziers Konstantin Mischin sendete er mit einem Sender der Leistung von 50 Watt Nachrichten nach Wladiwostok (Deckname Wiesbaden). Um flexibler arbeiten zu können, baute er sich einen Sender mit der Leistung von 7,5 Watt, der in einem Koffer transportiert werden konnte. Diese Konstruktion konnte er im Juli 1929 abschließen. In diesen Monaten kam es zum sowjetisch-chinesischen Grenzkrieg in der Mandschurei.

Über die diplomatische Post eines französischen Angestellten im diplomatischen Dienst gelang es ihm, den Sender nach Harbin zu transportieren. Von einem Hotel aus sendete er etwa sechs Wochen lang Nachrichten. Dann wechselte er in die Wohnung des US-amerikanischen Vizekonsuls Tycho Leonard Lilliestrom (* 3. August 1885 in Lahti; † 1943), dem die Vermietung an ihn mit großzügigen Geldleistungen vergolten wurde. Nach einiger Zeit übergab er den Sender an Hermann Siebler, der noch bis zum Ende der Amtszeit von Lilliestrom dort sendete.

Clausen ging nach Shanghai zurück, wo er mit Gurewitsch weiterhin arbeitete, bis dieser 1929 von Richard Sorge abgelöst wurde. Von Sorge erhielt er den Auftrag, als sein Vertreter nach Kanton zu gehen. Für diese neue Aufgabe musste er sich erneut einen Sender bauen, denn den vorhandenen gab er an seinen Nachfolger Seppel Weingart ab. Diesen kannte er sowohl aus der gemeinsamen Seefahrt aus Hamburg wie auch aus der Ausbildungszeit in Moskau.

Als er sich eine neue Wohnung in Shanghai suchte, lernte er die gleichaltrige Krankenschwester Anna Wallenius, geborene Schdankow, aus Nowonikolajewsk kennen, die durch eine Heirat die finnische Staatsbürgerschaft erworben hatte. In Semipalatinsk hatte sie den finnischen Kaufmann Wallenius geheiratet, und als die Revolution in Russland ausbrach, flüchteten sie nach Shanghai, wo ihr Mann 1927 verstarb. Sie wurde später die Frau von Max Clausen. Mit Anna und Mischin reiste Max nun nach Kanton und mietete sich zwei Häuser vom englischen Konsulat entfernt ein. Es stellte sich aber heraus, dass die Sendeleistung von 7,5 Watt für eine Entfernung nach Wladiwostok nicht ausreichte. So baute er sich einen neuen Sender mit einer Leistung von 50 Watt.

Nach einem Jahr war der Auftrag beendet und er kehrte 1931 nach Shanghai zurück. Inzwischen hatten die Japaner die Mandschurei besetzt. Er erhielt den Auftrag, nach Mukden zu gehen, wo der Stab der japanischen Armee Quartier genommen hatte. In Mukden mietete er eine Tankstelle mit angeschlossenem Laden, die er von einem chinesischen Mitarbeiter führen ließ. Die nächsten zwei Jahre konnte er dort seine Tätigkeit gegenüber den Japanern verbergen. Im August 1933 kehrte er nach Moskau zurück, um dann sechs Wochen Urlaub am Schwarzen Meer zu verbringen.

Weiterbildung bei Moskau

Mit einer neuen Identität, er war nun deutsch-ungarischer Nationalität, und einem Pass auf den Namen Goldberg, besuchte er die neue Funkerschule auf den Lenin-Bergen bei Moskau. Direktor dieser Einrichtung war sein Führungsoffizier aus Shanghai Gurewitsch. Danach ging er ab August 1933 nach Odessa. Weil er unbedingt darauf bestanden hatte, dass seine Frau mit ihm reiste, erfolgte eine Disziplinierung. 1934 wurde er nach Krasny Kut in die Wolgadeutsche Republik entsandt, diesmal mit der Identität mit dem Namen Rautmann und von lettischer Herkunft. Die Arbeit auf einer Maschinen-Traktoren-Station (MTS) war ungewohnt, doch bald fand er eine neue Beschäftigung.

Mit einer Anzahl von Telefon-Sendern und einem selbstgebauten Sender richtete er auf der MTS einen Sendebetrieb für die Feldbrigaden ein, die jetzt mit der Zentrale über Funk in Verbindung standen. Diese Entwicklung fand so großen Anklang, dass er den Auftrag erhielt, für die ganze Wolgarepublik solche Anlagen zu errichten. Im Sommer 1935 erhielt er aber von Kliment Jefremowitsch Woroschilow die Anweisung, mit seiner Frau nach Tokio zu gehen zusammen mit Richard Sorge.

Auftrag in Japan

Da Bersin inzwischen als Chef der GRU durch Semjon Petrowitsch Urizki abgelöst worden war, wurden sie mit einer kleinen Feier in dessen Wohnung nach Japan verabschiedet. Der Hauptauftrag bestand darin, alle Maßnahmen zu treffen, damit ein militärischer Konflikt der Sowjetunion mit Japan vermieden werden kann. Die unmittelbare Führung für den Auftrag in Japan übernahm Lew Alexandrowitsch Borowitsch.

Nachdem Clausen über zwei Monate damit verbrachte, seine bisherigen Identitäten zu überwinden, kam er am 28. November 1935 in Tokio an. Als Bürger des Deutschen Reiches benötigte er kein Visum für Japan, so dass die Einreise mit keinen Schwierigkeiten verbunden war. Am gleichen Tag traf er sich mit Richard Sorge im Hotel Sano. Dieses Treffen hatte den Charakter eines Zufalls, da die Übereinkunft bestand, dass eine Begegnung jeden Dienstag von 14 bis 16 Uhr dort vereinbart war. Clausen hatte wie alle Mitarbeiter einen Decknamen „Fritz“, mit dem er immer von den Mitarbeitern Sorges angeredet wurde.

Kontakte in Tokio

Durch eine kleine Feier lernte er den dortigen Blockwart der NSDAP kennen, dem er sich als Kaufmann vorstellte, der in Japan eine Niederlassung eröffnen wollte. Dabei kam es zu der beabsichtigten Begegnung, dass der Blockwart Clausen dem Sorge vorgestellt wurde. Die nächsten Begegnungen fanden bei dem deutschen Emigranten Bolke statt, der eine Bar betrieb, in der das Personal der deutschen Botschaft und deutsche Journalisten einkehrten.