Abraham Wolfgang Küfner (* 3. Februar 1760 in Betzenstein;Taufbuch des Pfarramts Betzenstein aus dem Jahr 1760, siehe Foto rechts im Hause der BadestubeGeorg Kolbmann: Betzensteiner Geschichtsbilder. Verlag Korn und Berg, Nürnberg 1973.; † 5. Oktober 1817 in Ingolstadt; auch Küffner geschrieben) war ein deutscher Kupferstecher, Kunsthändler und Verleger. Der Kunsthistoriker Andreas AndresenAndreas Andresen: Nürnberger Künstlerlexikon. Manuskript in der Bibliothek Ulrich Thieme, Leipzig, fol. 679v. bezeichnete ihn wegen seiner Kunstfertigkeit im Kupferstechen als „der nürnbergische Chodowiecki“. mini|Abraham Wolfgang Küfner im Alter von 31 Jahren

Leben mini|Taufbucheintrag für Abraham Wolfgang Küfner Abraham Wolfgang Küfner war Sohn des Baders, Chirurgen und Accoucheurs (= Geburtshelfer) Conrad Küfner geboren. 1773 wurde der junge Küfner nach Nürnberg zu einem Kaufmann in die Lehre geschickt. Danach studierte er an zwei Universitäten. Am 24. November 1779 schrieb Küfner sich an der Universität Altdorf ein. Seine Immatrikulation erfolgte mit dem Zusatz: „ob commendationem gratis inscriptus“ (von der Zahlung der Immatrikulationsgebühr wird er durch eine Empfehlung eines Gönners befreit). In Altdorf bewarb er sich um die freigewordene Stelle des Zeichenlehrers.Werner Wilhelm Schnabel (Hrsg.): Athena Norica: Bilder und Daten zur Geschichte der Universität Altdorf. Ges. für Familienforschung in Franken, Nürnberg 2012, S. ?. 1780 verließ er Altdorf. Indem er Porträts der Mitglieder angesehener Nürnberger Familien zeichnete, konnte er als nunmehr Zwanzigjähriger bereits seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren. Am 14. April 1781 immatrikulierte sich Küfner an der Universität ErlangenPersonalstand der Friedrich-Alexanders Universität Erlangen in ihrem ersten Jahrhundert (1743–1843). Erlangen 1843, S. ?.. Seine Begabung in der Kunst des Zeichnens weitete er aus und er begann mit der Kunst des Kupferstechens. „In kurzer Zeit so, dass er einer der ersten Künstler in diesem Fache wurde“, wie der Erlanger Professor Johann Georg Meusel in seinem Teutschen Künstlerlexikon schrieb.Johann Georg Meusel: Teutsches Künstlerlexikon oder Verzeichnis der jetztlebenden teutschen Künstler. 1778. Mit diesem Talent gelang es ihm, am 23. Mai 1786 er in der Reichsstadt Nürnberg das Bürgerrecht zu erwerben.Wolfgang Wagner, Ewald Wirl: 800 Jahre Betzenstein. 1987, S. 70

Am 1. August 1786 wurde er mit Anna Maria (getauft 5. März 1759; † 16. Oktober 1817), Tochter des Baders und Wundarztes Johann Carl Friedrich Aichele (Aicher) getraut, der auch Feldscher in der Bürger-Cavallerie war. Aus der Ehe mit Anna Maria gingen sechs Kinder hervor.Abschrift aus dem Ehebuch der Pfarrei St. Sebald in Nürnberg 1786, S. 916. In den Matrikeln der Nürnberger Pfarreien St. Sebald und St. Lorenz sind die Taufen und Geburten dieser Kinder eingetragen.

Den Wohnort Nürnberg verlegte er mit dem Kauf des Zeidelmuttergutes im Carthäuserweiher (heute Zeidlerschloss genannt) am 23. August 1791 nach Feucht bei Nürnberg.Wilhelm Schwemmer, Markt Feucht (Hrsg.): „Alt Feucht“. Aus der Geschichte einer Marktgemeinde am Lorenzer Reichswald. 1977, S. ?. Das Gut, bestehend aus Schloss und Herrensitz erwarb er zum Preis von 9000 Gulden (fl.) bei 600 fl. Anzahlung und Hypotheken in Höhe von 8400 fl. vom Vorbesitzer Johann Philipp Strobel. Die „Steuerreichnisse“ betrugen jährlich 32 Maß Honig oder 3 fl. 3 Kreuzer (Krz.) und außerdem drei Hennen à 15 Krz Schon am 1. August 1792 verkaufte er das Zeidelmuttergut an Johann Christian Kunze, einem Advokaten in Nürnberg für 9600 fl. und 36 Karolin und zog wieder nach Nürnberg.

1792 wurde Küfner Gründungsmitglied der Gesellschaft der Nürnberger Künstler und Kunstfreunde.Staatsarchiv Nürnberg, Rep. 225/1 Nr. 302. Im Jahr 1793 erhielt er einen Auftrag aus Wien für acht Kupferstiche zu Mozarts Oper Zauberflöte, die er in enger Anlehnung an die Regieanweisungen von Emanuel Schikaneder anfertigte.Apollo Mozzart, Die Zauberflöte, Paßau, bey Niklas Ambrosi 1793. Die Kupferstiche sind in der Originalausgabe von 1793 enthalten: „Die Zauberflöte – Eine grosse Opera in zwey Aufzügen / Nach Schikaneder für kleinere Theater frey, jedoch ohne mindesten Abbruch der Musik umgearbeitet – Die Musik ist von Apollo Mozzart.“ 1796 erwirbt A. W. Küfner in Nürnberg das ansehnliche Haus in der Oberen Krämersgasse 22.Davon steht nichts bei Georg Kaspar Nagler Neues allgemeines Künstler-Lexikon, 1835. Verlag Schwarzenberg & Schumann, Leipzig

Während der Ersten Koalitionskriegs rückten am späten Abend des 25. August 1796 Teile der bei Amberg geschlagenen französischen Armee nach Küfners Geburtsort Betzenstein ein und zogen am darauffolgenden Tag plündernd durch die Stadt. Es ist überliefert, dass der Betzensteiner Bürger Johann Lipfert ins Pflegamt gerufen wurde, um für die französischen Befehlshaber General Jourdan und Marschall Michel Ney ein Essen zuzubereiten. Währenddessen wurde das Haus Lipferts geplündert, sein ganzes Geld requiriert und er danach schwerstens misshandelt. A. W. Küfner illustrierte diese historischen Ereignisse mit mehreren Kupferstichen. mini|Falsches „Dürer-Selbstporträt“ von einem unbekannten Maler

Vertauschung des Dürer-Selbstbildnisses Nach der zweiten Besetzung Nürnbergs 1800 im Zweiten Koalitionskrieg hielt sich von Ende Januar bis Anfang März 1801 der aus Paris geschickte Kunstkommissar François-Marie Neveu in Nürnberg auf, um Kunstschätze zur Vervollständigung des im Aufbau befindlichen Louvre in Paris zu konfiszieren.Bénédicte Savoy: Kunstraub. Napoleons Konfiszierungen in Deutschland und die europäischen Folgen. Böhlau 2011, ISBN 978-3-205-78427-2, S. ?. Dabei requirierte der französische Kommissar François-Marie Neveu auch ein Gemälde nach dem Selbstbildnis von Albrecht Dürer aus dem Jahre 1500. Er bemerkte nicht, dass es sich dabei nicht um das Original handelte und schickte es mit anderen Bildern, Handschriften und Inkunabeln von beachtlichem Wert aus dem städtischen Besitz in den Louvre nach Paris.Hans Recknagel, Altnürnberger Landschaft e.V.: Französische Besetzungen Nürnbergs 1796–1806. Vortrag am 25. März 2006. Das Original war heimlich mit einer Dürer-Reproduktion eines unbekannten Malers aus dem Kunsthandel von Abraham Wolfgang Küfner vertauscht worden. Diese Aktion gegen die französische BesetzungHelmut Eichler: Nicht gestohlen! Eine Dokumentation 06.2015. München, S. 7. Dieses Werk ist in keiner deutschen Bibliotek nachweisbar. geschah in geheimer Zusammenarbeit mit dem Ratsconsulent der Reichsstadt Nürnberg Georg Gustav Petz von Lichtenhof, wie sich 1805 zeigte.

Angebotsbriefe an Goethe in Weimar Durch die Briefe an Johann Wolfgang von Goethe von Dezember 1803 bis Mai 1804 ist der Kunsthandel von Küfner ausführlich belegt. In diesen acht Briefen bot Küfner aus seinem Kunsthandel mehrfach Gemälde anderer Künstler zum Kauf an, wie bspw. fünf Gemälde aus dem Besitz des Herrn von Brandenstein.Gesamtausgabe in Regestform. Klassik Stiftung Weimar, Johann Wolfgang von Goethe – Archiv Am 7. Februar 1804 sogar eine Madonna mit dem Kind von Dürer und ein Original von Michelangelo, das einen Josephskopf darstellte.

Im Jahr 1804 suchte A. W. Küfner seinen Geburtsort Betzenstein auf, um dort die baufällige Windmühle zu kaufen. Dabei traf er auch den Stadtflaschner der Reichsstadt Nürnberg und Mundartdichter Konrad Grübel, der den Auftrag hatte, die Dachrinnen der Kirche in Betzenstein zu reparieren. Grübel wohnte dabei im Gasthof „Alte Post“ in Betzenstein und reimte über seinen Aufenthalt mehrere Gedichte.Grübel’s, Sämmtliche Werke. Achte Auflage. Heerdegen=Barbeck, Nürnberg 1897, S. ?.

Küffner wirkte im 1804 als Herausgeber der wöchentlich erscheinenden Zeitung Eudora. Ein Tagblatt für Geschmack, Kultur und Kunst. Eudora veröffentlichte literarische Nachrichten, aber auch Ankündigungen von neuen Lehrbüchern, z. B. über Blitzableiterbau oder eine Landschaftszeichnungs-Schule und Bücheranzeigen und ein Verzeichnis neuer Kupferstiche und Verlagswerke für Kunst- und Buchhandlungen. Hier bietet Küffner auch seine eigenen Kupferstiche an, z. B. den Seyfried Schweppermann zum Preis von 3 fl. 36 kr. oder 2 Thlr. 2 ggr. Die Zeitschrift wurde jedoch nach nur wenigen Nummern wieder eingestellt.

mini|Abschrift des Angebotsschreibens

Verkauf Dürer-Selbstbildnis nach München Am 15. Juli 1805 wurde ein Angebotsschreiben von Küfner und Georg Gustav Petz von Lichtenhof an die kurfürstliche Galerie in München zum Ankauf des „Selbstbildnis aus dem Jahr 1500“ von Albrecht Dürer für 600 Gulden geschickt. Das Original des Angebotsschreibens wird heute im Archiv der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen aufbewahrt, Fach IX, lit. A, Nr. 1, Convolut 1. Der Generaldirektor Johann Christian von Mannlich kaufte das Original Dürer-Selbstbildnis an. Unterstützt wurde der Verkauf durch den Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm, der den Wechsel über 600 Gulden in München entgegennahm und nach Nürnberg mitbrachte. Den Empfang und zugleich die Bezahlung des Wechsels bestätigte A. W. Küfner sogleich in einem Empfangsbrief am 12. August 1805.Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Archiv, Inventarabteilung: »Korrespondenz verschiedener Personen mit Mannlich bzw. Dillis. Schachtel: Absender mit Anfangsbuchstaben „K“«

Dadurch ist heute Albrecht Dürers Selbstbildnis in der Alten Pinakothek in München. A. W. Küfner war beim Verkauf der Kunstsachverständige. Mit dem Verkauf wurde gleichzeitig das „Beweismittel“ für die lebensgefährliche Vertauschung mit einer Reproduktion im Jahr 1801 „beseitigt“ und so die Gefahr einer Bestrafung durch die Franzosen gebannt.Helmut Eichler: Nicht gestohlen! Eine Dokumentation 06.2015. München, S. 6 Johann Philipp Palm wurde ein Jahr später wegen des unerlaubten Verkaufs einer Protestschrift Johann Philipp Palm, Abbildung Protestschrift: »Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung« gegen die französische Besetzung auf Befehl Napoleons in Braunau am Inn (Österreich) erschossen. „Erschossen auf Napoleons Befehl – der Buchhändler Johann Philipp Palm“, Vortrag von Karl Heinz Fietta am »Tag der Franken«, am Sonntag, 5. Juli 2015 in Erlangen.

Noch während der dritten französischen Besetzung der Reichsstadt Nürnberg eröffnete am 9. Juni 1806 Küfner gemeinsam mit einem Händler namens Florer einen Spezereiladen in Nürnberg, dessen Betriebserlaubnis alsbald vom Rat aber wieder entzogen wurde. Vorher hatte Küfner die Windmühle in Betzenstein verkauft.Georg Kolbmann: Betzensteiner Geschichtsbilder. Verlag Korn und Berg, Nürnberg 1973, S. ?.

Am 5. Oktober 1817 starb Küfner in Ingolstadt an Schlagfluss.Todesanzeige: Ingolstädter Wochenblatt vom 12. Oktober 1817: Bevölkerungsanzeige der Stadtpfarrei St. Moritz. Seine Frau Anna Maria starb wenige Tage später, am 16. Oktober 1817 in Nürnberg in der Schlotfegergasse 7/9.

Familie und Nachkommen Küfners Eltern, Conrad und Barbara haben 1759 in Betzenstein geheiratet.Trauungsbuch des Pfarramts Betzenstein. Er hatte noch einen jüngeren Bruder; so ist es dem Taufbuch des Pfarramtes Betzenstein zu entnehmen. Dieser wurde am 21. Oktober 1762 in Betzenstein geboren und auf den Namen Lorenz noch am selben Tag getauft.

Mit seiner Ehefrau Anna Maria hatte er sechs Kinder:Abschrift aus dem Taufbuch der Pfarrei St. Sebald in Nürnberg 1786, S. 916. Wolfgang, * 13. Mai 1790, 〰 14. Mai 1790 in der Lorenzkirche Nürnberg Johann Friedrich Carl, * 21. Nov. 1792, 〰 22. November in der Lorenzkirche Margareta Ulrica, 〰 17. Juni 1794 in der Lorenzkirche Georg Friedrich, 〰 30. Juni 1795 in der Sebalduskirche Nürnberg Johann Balthasar, 〰 7. Dezember 1796 in der Sebalduskirche Lorenz Albrecht, 〰 16. Juni 1800 in der Sebalduskirche

Werke (Auswahl) mini|hochkant|Hans Hermann Kattes Hinrichtung vor dem Fenster des Kronprinzen. Kupferstich von Abraham Wolfgang Küfner Kupferstiche Hans Hermann Kattes Hinrichtung vor dem Fenster des Kronprinzen (Nürnberg), 1789 Sweppermann, Chevalier = Seyfried Schweppermann, (Nürnberg), 1791