mini|Unternehmenszentrale in Tuttlingen
Die Karl Storz SE & Co. KG ist ein international tätiges Familienunternehmen mit Hauptsitz in Tuttlingen, Baden-Württemberg. Das Unternehmen wurde im Jahr 1945 gegründet und ist in der Produktion und dem Vertrieb von medizinischen Instrumenten und Geräten tätig. In den vergangenen Jahren hat es sich vom reinen Produktanbieter zum Medizintechniksystemanbieter entwickelt. Karl Storz zählt zu den führenden Endoskop-Anbietern im Bereich der minimalinvasiven Human- und Veterinärmedizin.Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2. Das Unternehmen wurde seit dem Tod des Gründers Karl Storz im Jahr 1996 von dessen Tochter Sybill Storz geleitet. Anfang des Jahres 2019 übernahm ihr Sohn, Karl-Christian Storz, die Geschäftsführung in der dritten Familiengeneration.
Geschichte
Gründung und Anfänge Der Chirurgiemechaniker Karl Storz (1911–1996) gründete das Unternehmen 1945 in Tuttlingen und begann zunächst mit der Herstellung von Instrumenten, Stirnlampen und Binokularlupen für den Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.Karl Storz baut Firmen- und Mitmachmuseum. In: Schwäbische Zeitung. 23. Juli 2019. Anfang der 1950er Jahre entwickelte und produzierte Karl Storz die ersten Endoskope mit traditionellem Linsensystem, was den Beginn der Endoskopie im Unternehmen markierte.Karl Storz: Der Weg zur modernen Endoskopie. In: Schwäbische Zeitung. 26. Mai 2012. 1956 erfand er zudem das erste extrakorporale Elektronenblitzsystem für die endoskopische Fotografie, das Licht mithilfe von Quarzstäben in den Körper einspiegelte, womit die Qualität von endoskopischen Fotos verbessert wurde. Zudem wurde in den 1950er-Jahren die mit einem konkaven Reflektor und einer Wolfram-Glühbirne ausgestattete Clar 55 Stirnlampe auf den Markt gebracht.
Weitere Produkteinführungen und Expansion 1960 erfand der Unternehmensgründer Karl Storz die Kaltlichtquelle,Vom Schwertschlucker zum Hightech-Endoskop. In: Management & Krankenhaus. 6. November 2023. eine Lichtquelle, die getrennt vom Endoskop und außerhalb des Körpers angeordnet war und eine höhere Lichtstärke als die bisher verwendeten Glühbirnen erzeugte. Gemeinsam mit Harold H. Hopkins entwickelte er das Stablinsensystem für die endoskopische Bildübertragung, das 1965 auf den Markt gebracht wurde.Raumfahrt im menschlichen Körper: Hightech-Geräte von Karl Storz bringen Licht ans Ende des Tunnels. In: Südkurier. 16. April 2005. Der Vorteil des Hopkinssystems liegt in helleren Bildern, einer besseren Abbildungsleistung (Bildschärfe), einem größeren Abbildungswinkel, einer höheren Objektivauflösung, einem besseren Kontrast und einer verbesserten Farbwiedergabe. Außerdem ermöglicht es eine stereoskopische Darstellung. Walter Messerklinger, ein österreichischer Hals-Nasen-Ohren-Arzt, war einer der ersten Anwender des Storz-Hopkins-Endoskops. Er erkannte die Notwendigkeit von Winkelfernrohren, da die direkte Frontalansicht des Endoskops nicht ausreichte, um die Fissuren der verschiedenen Nasengänge gut zu sehen. Auf seine Anfrage hin entwickelte Karl Storz eine Reihe von Winkeloptiken, die die Untersuchung der Nase und der Nasennebenhöhlen verbesserten. Ab 1967 kam das Teleskopsystem auch in der Urologie bei Blasenspiegelungen zum Einsatz. Eine Miniaturblitzbirne, die nahe dem Okular am Teleskop angebracht ist, sorgt seitdem für eine gut beleuchtete und farbkorrigierte Sicht auf den Innenraum der Blase.
Im Jahr 1969 brachte Karl Storz gemeinsam mit Harold H. Hopkins das erste Arthroskop mit Stablinsensystem auf den Markt.
1970 stellte das Unternehmen einen Ultraschall-Lithotriptor vor, mit dem Steine im harnableitenden System schonend zertrümmert werden konnten. Eine Studie aus dem Jahr 1971 zeigte, dass das Verfahren der elektrohydraulische Lithotripsie in der Urologischen Universitätsklinik Mainz bei 7 Patienten innerhalb von 15 bis 35 Minuten zur Zertrümmerung der Uratsteine führte.
Im Jahr 1971 wurde die Tochtergesellschaft Karl Storz Endoscopy-America, Inc. in Los Angeles gegründet. Mitte der 1970er-Jahre entwickelte Harold R. Eikelaar in Zusammenarbeit mit Karl Storz das erste Arthroskop mit einem Sichtbereich von 30°.
1982 führte Karl Storz ein automatisch geregeltes Hochfrequenz-Chirurgiegerät ein, das fortan bei der transurethralen Resektion zum Einsatz kam. Ebenfalls Anfang der 1980er-Jahre entwickelte Karl Storz ein Bronchofiberskop.
In den 1980ern markierte die erste laparoskopische Appendektomie, gefolgt von der laparoskopischen Entfernung einer Gallenblase im Jahr 1987, den Beginn der minimalinvasiven Chirurgie. Für diese Eingriffe wurden Endoskope von Karl Storz verwendet, wodurch sich ein neues Einsatzgebiet der Endoskopie ergab. In den 1990er Jahren entwickelte das Unternehmen ein System zur photodynamischen Diagnostik. Nach dem Tod des Gründers Karl Storz 1996 übernahm dessen Tochter Sybill die Unternehmensführung und trieb die internationale Expansion des Unternehmens voran. Unter der Führung von Sybill Storz wurden in den folgenden Jahren 100 neue Patente registriert und jährliche Umsatzzuwachsraten zwischen 15 und 20 Prozent verzeichnet.
1998 wurde auf der Medica der vernetzte Operationssaal OR1 präsentiert,Kollektiv. In: Schwäbische Zeitung. 26. Mai 2012. im Jahr darauf eröffnete das Unternehmen in der Region Tuttlingen ein Logistik- und Schulungszentrum. Die Einführung des ersten mobilen Dokumentationssystems für die technische Nutzung der Endoskopie erfolgte im Jahr 2000. Ein Jahr später brachte die Firma das Videolaryngoskop C-Mac auf den Markt,Florian Munz: Modernste Endoskopiekonzepte aus einer Hand Mobil prüfen. In: Quality Engineering. 1. Dezember 2001. gefolgt von einer flexiblen Erweiterung im Jahr 2003.Video Endoskop für kleine Öffnungen. In: Quality Engineering. 1. Oktober 2003. 2007 führte das Unternehmen mit dem C-Mac ein Videolaryngoskop für die Notfallmedizin ein. Mittlerweile ist die vierte Generation des C-Mac Videolaryngoskops auf dem Markt erhältlich (Stand: März 2022).Videolaryngoskope jetzt auch in HD. In: Kuhn Fachverlag Online. 2. März 2022.
In den Jahren nach 2000 erhielt Sybill Storz eine Reihe von Auszeichnungen für ihre unternehmerischen Leistungen und ihr soziales Engagement. 2007 brachte Karl Storz eine medizinische Full-HD-Kamera mit dem Namen Image1 auf den Markt, die eine präzise Darstellung von Gewebe- und Gefäßstrukturen ermöglichte.
Die Einführung eines extrakorporalen Visualisierungssystems mit einer High-Definition-Kamera für die minimalinvasive offene Chirurgie erfolgte 2010.Karl Storz auf der Medica 2010. In: Das Krankenhaus. 1. November 2010.
Im Februar 2011 wurde auf einer Ausstellungsfläche von 1.400 Quadratmetern das Besucherzentrum von Karl Storz in Tuttlingen eröffnet, in dem Besuchern Produkte verschiedener humanmedizinischer Disziplinen sowie der OP-Saal OR1 und das vernetzte Behandlungszimmer Office1 vorgestellt werden.Yvonne Havenstein: Besucherzentrum fasziniert die Branche. In: Schwäbische Zeitung. 20. Januar 2012.Alles über die Endoskopie. In: Südwest Presse. 23. April 2013.Karl Storz gibt Kindern Einblicke in die Medizintechnik. In: Schwäbische Zeitung. 3. September 2022. Im Jahr 2013 eröffnete das Unternehmen ein neues Logistikzentrum in Neuhausen ob Eck für 300 Mitarbeitende.Verkehrsexperten informieren sich über Daimler-Zentrum. In: Gränzbote. 18. Juli 2015. Zudem wurde in der neu geschaffenen Niederlassung in Berlin, die sich in dem ehemaligen Kaiserin-Augusta-Krankenhaus befindet, das Besucher- und Schulungszentrum eingeweiht.Ludger Möllers: Storz netzwerkt nun in Berlin-Mitte. In: Schwäbische Zeitung. 11. Oktober 2013. Auf der Medica präsentierte das Unternehmen im selben Jahr eine Kameratechnologie mit endoskopischer Bildgebung für die Full-HD-Kamera Image1.Karl Storz präsentiert seine neuste Entwicklung in der endoskopischen Bildgebung. In: Das Krankenhaus. 1. November 2013.
2019 übernahm Karl-Christian Storz die Leitung des operativen Geschäfts, während seine Mutter Sybill Storz den Vorsitz im Verwaltungsrat übernahm.
Jüngere Entwicklungen Bereits seit 2014 veranstaltet das Unternehmen gemeinsam mit der Stadt Tuttlingen als Pate den Jugend-forscht-Regionalwettbewerb Donau-Hegau, um das Interesse junger Menschen an MINT-Fächern zu wecken. Der Wettbewerb hat sich mittlerweile zum teilnehmerstärksten Contest in Baden-Württemberg entwickelt.
2020 entwickelte das Unternehmen gemeinsam mit der Software-Firma T1V die Anwendung CollaboratOR, mit der sämtliche Daten und digitale Anwendungen auf einem großen Bildschirm im Operationssaal dargestellt werden können.App für Karl Storz Collaborator entwickelt. In: Schwäbische Zeitung. 16. März 2024.Karl Storz rüstet vier Operationssäle der Perituskliniken in Lund, Schweden, mit der neuesten OR1 Technologie aus. In: Das Krankenhaus. 1. Oktober 2020. Ebenfalls 2020 brachte Karl Storz die Technologie mit dem Namen Image1 S Rubina auf den Markt, die bei der Durchführung der intraoperativen Indocyaningrün (ICG)-Nahinfrarot-Fluoreszenz, z. B. während der laparoskopischen Cholezystektomie zur Anwendung kommt.
Ein Jahr später startete das Unternehmen ein umfassendes Bauvorhaben zur Erweiterung des Logistikzentrums am Standort in Neuhausen ob Eck. Karl Storz investiert hierbei einen dreistelligen Millionenbetrag, um zwei neue Produktionshallen sowie weitere Büros und Parkflächen zu errichten.Karl Storz verlagert Produktion. In: Schwäbische Zeitung. 23. Dezember 2021. Laut Angaben von Karl Storz handelt es sich hierbei um das größte Bauvorhaben der Firmengeschichte.
Die Gründung der Tochtergesellschaft Karl Storz VentureOne mit Hauptsitz in Singapur und einem weiteren Standort in München, die im Bereich der robotergestützten Chirurgie tätig ist, erfolgte im Februar 2023. Im selben Monat wurde das irische Medizintechnikunternehmen AventaMed übernommen. Im Juli 2023 eröffnete Karl Storz in Tuttlingen auf einer Fläche von 800 Quadratmetern das „Mach-Mit-Museum“ Tutorama, das mittlerweile von der im Oktober 2023 gegründeten Karl Storz Stiftung betrieben wird.Dorothea Hecht: Karl Storz eröffnet sein Mitmachmuseum. In: Gränzbote. 27. Juni 2023. Das Museum soll Kindern Naturwissenschaft und Technik näherbringen und die Attraktivität von Berufen in diesem Bereich steigern.
Im Januar 2024 verkündete Karl Storz die Übernahme des in London ansässigen Softwareherstellers Innersight Labs Ltd. (ISL). Im März desselben Jahres wurde die Augmented-Reality-Version der 2020 in Zusammenarbeit mit T1V entwickelten Anwendung CollaboratOR speziell für die Apple Vision Pro vorgestellt, die mit 3D-Inhalten Operationen auch außerhalb des Operationssaales darstellen kann.
Im August 2024 wurde das Robotik-Unternehmen Asensus Surgical mit Sitz im US-amerikanischen Raleigh, North Carolina, übernommen, um damit den Bereich der robotergestützten Chirurgie zu erweitern, insbesondere mithilfe von Performance-Guided Surgery.
Unternehmensstruktur Neben dem Stammsitz in Tuttlingen ist das familiengeführte Unternehmen Karl Storz in über 40 Ländern vertreten und betreibt mehr als 70 Niederlassungen. In Deutschland produziert das Unternehmen nicht nur in Tuttlingen, sondern auch in Stutensee bei Karlsruhe. Weitere Produktionsstandorte befinden sich in Tallinn (Estland), Schaffhausen und Widnau (Schweiz) sowie an den beiden US-amerikanischen Standorten Charlton und Goleta.Über Karl Storz. In: Schwäbische Zeitung. 18. November 2021.
Das Unternehmen beschäftigt weltweit 9.800 Mitarbeitende, davon rund 3.600 in der Region Tuttlingen. Im Jahr 2023 beschäftigte Karl Storz 175 Auszubildende und dual Studierende. Der Gesamtumsatz des Unternehmens betrug im Geschäftsjahr 2023 2,18 Milliarden Euro.
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