Die FrieslandCampina Germany GmbH (ehemals Campina GmbH & Co. KG) mit Sitz in Düsseldorf ist ein Vertriebsunternehmen für Milchprodukte. Das Unternehmen ging 1996 aus der ehemaligen Südmilch AG vor. Mutterkonzern ist das Unternehmen Royal FrieslandCampina N.V. mit Hauptsitz in Amersfoort in den Niederlanden.

Geschichte Ursprünge Milchversorgung Stuttgart GmbH Die Geschichte des Unternehmens beginnt im Jahre 1917 mit der Gründung der Milchversorgung Stuttgart GmbH durch die Stadt Stuttgart. Die Gesellschaft sollte die Milchversorgung für die Stadt Stuttgart sicherstellen.

Die Versorgung großer Städte mit frischer, unverdorbener Milch war im 19. Jahrhundert und noch im beginnenden 20. Jahrhundert ein weitgehend ungelöstes Problem. Besondere Schwierigkeiten bereitete der Transport der Milch in die Großstädte. Die leicht verderbliche Milch musste mit Pferde- und Ochsenfuhrgespannen in Kannen und Bottichen auf oft langen Wegen vom Dorf in die Stadt transportiert werden. Vor allem im Sommerhalbjahr bestand die Gefahr, dass die Milch sauer und ungenießbar beim Kunden ankam. Viele Händler versuchten, das Sauerwerden und Gerinnen der Milch durch Zusatz von Natron, phosphorsaurem Kalk oder anderen Stoffen zu verhindern, in der Regel ohne Erfolg. War die Milch angesäuert, nahm man häufig Zucker, um den Geschmack zu verbessern. Ein ungelöstes Problem war auch die weitverbreitete Milchpanschei. Zunächst begegneten Ende des 19. Jahrhunderts private Unternehmer diesem Problem, indem sie die Milcherzeugung in die Stadt verlegten und dort Kuhställe unterhielten, von denen sie die Milch direkt an die städtische Bevölkerung auslieferten. Dies reichte jedoch nicht aus, den Bedarf in den Städten zu decken.

In Stuttgart nahm sich die Stadtverwaltung dieses Problems im Jahr 1917 an. Sie gründete die Milchversorgung Stuttgart GmbH und sorgte dafür, dass Milch, die in Stuttgart ankam, gereinigt und tiefgekühlt wurde. Damit wurde zunächst ein Privatunternehmen, die Neue Stuttgarter Milchzentrale in der Lindenspürstraße beauftragt. Erst im Jahre 1926 wurde diese Aufgabe von der Milchversorgung Stuttgart GmbH selbst übernommen.

Württembergische Milchversorgung AG Am 13. August 1930 wurde die Württembergische Milchversorgung AG mit einem Kapital von 450.000 Reichsmark gegründet. An ihr war die Stadt Stuttgart, der Milchhandel und die Landwirtschaft zu je einem Drittel beteiligt. Die Milchversorgung Stuttgart GmbH wurde liquidiert. Die Württembergische Milchversorgung AG gewann in den 1930er Jahren an großer Bedeutung, denn es gab zwischenzeitlich das Verbot einer direkten Abgabe von Milch durch die Bauern an die Verbraucher. Den Molkereien wurde jetzt die Versorgung der Bevölkerung mit Milch und Milcherzeugnissen auferlegt.

Die Marke Südmilch mini|hochkant|Südmilch AG LogoWährend des Zweiten Weltkrieges und den ersten Jahren der Nachkriegszeit war Milch eine Mangelware und musste mit Lebensmittelmarken bewirtschaftet werden. Erst im Jahre 1950 wurde wieder so viel Milch erzeugt, dass alle Wünsche der Verbraucher erfüllt werden konnten und in steigendem Maße Qualität gefragt wurde. Dies führte dazu, dass die Württembergische Milchverwertung AG sich im Jahre 1950 verpflichtete, die von 50 Molkereibetrieben gelieferten Erzeugnisse unter der Marke Südmilch zu vertreiben. Mit einer schlagkräftigen Marke sollten die Erträge für die Landwirte gesteigert werden. Auslieferungslager wurden ausgebaut und das Angebot an Milchprodukten um Kakaotrunk, Schlag- und Sauerrahm, Joghurt, Butter, Speisequark, Hart- und Weichkäse, sowie Milchpulver erweitert.

Die Württembergische Milchverwertung AG baute ihre Marktposition ständig aus, erhielt im Jahre 1954 den Namenszusatz „Südmilch“ und firmierte seitdem als Württembergische Milchverwertung Südmilch AG. Die größere Marktpräsenz führte zu der Notwendigkeit, Mitte der 1960er Jahre die Produktionsbetriebe in Stuttgart auszubauen.

Intermilch Am 21. Juni 1969 gründete die Württembergische Milchverwertung Südmilch AG zusammen mit vier weiteren Molkereien, der Landgold Milch GmH aus Künzelsau, Milchwerk Donau-Alb eG aus Riedlingen, Milchzentrale Nordbaden AG aus Mannheim und Moha und Zentra Vereinigte Milchwerke GmbH aus Hungen, die Intermilch, Interessengemeinschaft Milch. Dieser schlossen sich auch die Milchversorgung Heilbronn GmbH und das Dauermilchwerk Hohenlohe-Franken GmbH aus Künzelsau an. In den folgenden Jahren schlossen sich acht weitere Molkereien an.

Die Intermilch übernahm für alle Gesellschafter den Vertrieb von Frischprodukten, insbesondere auch der Trinkmilch. Die Intermilch gründete dafür eine eigene Absatzorganisation, die Frischdienst-Zentrale Süd GmbH und Co., die erfolgreich arbeitete und im Jahre 1992 einen Umsatz von 2,55 Milliarden DM erzielte. Intermilch hatte rund 1.400 Beschäftigte.

Fusion zur Südmilch AG Am 29. Juni 1972 fusionierte die Württembergische Milchverwertung Südmilch AG mit der Milchversorgung Heilbronn GmbH zur Südmilch AG. mini|Campina-Unternehmenssitz in Heilbronn (2006) Die Milchversorgung Heilbronn GmbH (MVH) wurde am 1. Juli 1924 in Heilbronn gegründet und ersetzte das seit 1914 bestehende städtische Milchamt. Gesellschafter der MVH waren zunächst die Stadt Heilbronn zu 60 % und die Ein- und Verkaufsgenossenschaft der Milchhändler zu 40 %. Am 21. Februar 1926 nahm die Milchversorgung den neu erbauten Heilbronner Milchhof in Betrieb.Eintrag Milchversorgung GmbH Heilbronn in der Datenbank HEUSS des Stadtarchivs Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur ZS-880 Bis 1933 entstanden Molkereibetriebe in Ilsfeld, Bretzfeld, Neuenstadt am Kocher und Mainhardt, die als Zweigbetriebe von der MVH übernommen wurden. 1933 kamen landwirtschaftliche Gesellschafter hinzu. Im Jahr 1968 wurde ein neues Milchwerk in Neckargartach errichtet, das damals zu den modernsten Anlagen dieser Art in Europa zählte. Nach Beginn des Betriebs in diesem Werk um die Jahreswende 1968/69 wurden der Heilbronner Milchhof, sämtliche bisherigen Zweigbetriebe und eine Zahl von Milchsammelstellen stillgelegt.

In Heilbronn wurden nach der Fusion in den Jahren 1973 bis 1975 ein Dessertwerk mit der Herstellung von Joghurt aufgebaut.

1988 erfolgte die Verschmelzung der Milchversorgung Pforzheim GmbH auf die Südmilch AG.

Südmilch AG mini|Vorzugsaktie über 100 DM der Südmilch AG vom Juni 1972

An der Börse Aus dem ständigen Wachstum der Südmilch AG ergab sich ein entsprechender Kapitalbedarf, den ihre bäuerlichen Gesellschafter nicht mehr aufbringen konnten. Der Vorstand beschloss deshalb im Juni 1987 eine Wandelanleihe in Höhe von 45 Millionen DM auszugeben, deren Inhaber berechtigt waren, diese in Vorzugsaktien umzuwandeln. Die seit Januar 1990 ausgegebenen Vorzugsaktien waren an der Börse Stuttgart und an der Börse Frankfurt amtlich notiert.

Von der Wandlung machten die meisten Inhaber der Anleihe Gebrauch, sodass der Umfang der Vorzugsaktien sich im Jahre 1993 auf 25,7 Millionen DM belief. Damit schaffte der Vorstand eine Konfliktlage zu den bäuerlichen Aktionären der Südmilch AG, die in erster Linie an einem hohen Milchpreis und nicht an der Dividende der AG interessiert waren. Die nicht bäuerlichen Vorzugsaktionäre dagegen wünschten eine hohe Dividende und ein niedriges Milchgeld.

Um dieses Spannungsfeld aufzulösen, beschloss der Vorstand der Südmilch AG im März 1991, die Südmilch-Landgold Holding AG in Künzelsau zu gründen. Diese Gesellschaft hatte zwei Aufgaben: Zum ersten sollten die Bauern ihre Milch nicht mehr an die Südmilch AG liefern, sondern an die Südmilch-Landgold-Holding AG. Zum zweiten sollten die Landwirte ihre Aktien an der Südmilch AG in Aktien der Südmilch-Landgold Holding AG tauschen. Diese Gesellschaft sollte die Interessen der Landwirte an der Südmilch AG allein vertreten. Damit sollte auch erreicht werden, dass in Hauptversammlungen der Südmilch AG die bäuerlichen Aktionäre und Börsianer nicht physisch aufeinandertreffen.

Sponsoring des VfB Stuttgart Von 1987 bis 1996 war die Südmilch AG offizieller Sponsor des VfB Stuttgart. Während dieser Zeit war auf den Spielertrikots vorne in der Mitte das Südmilch-Logo zu sehen.Artikel und Fotoserie der Stuttgarter Zeitung: Von Adidas bis Jako – so haben sich die VfB-Trikots verändert Neben dem VfB Stuttgart stand Mitte 1992 kurzzeitig auch ein Sponsoring des Hamburger SV unter dem Namen „Nordmilch AG“ im Raum, das aber nie umgesetzt wurde.

Der finanzielle Niedergang Zum finanziellen Niedergang der Südmilch AG führte nach der Wiedervereinigung Deutschlands ihr Engagement bei der Sachsenmilch AG. Südmilch folgte dem Aufruf des Landes Baden-Württemberg zur Zusammenarbeit mit dem Freistaat Sachsen. Nachdem die Kombinate in Sachsen aufgelöst wurden, sollte die Milchverarbeitung dort nach dem Vorbild der Organisation der Südmilch AG gestaltet werden. Die Südmilch AG ging deshalb nach der Wiedervereinigung bereits am 30. März 1990 eine Kooperation mit der Dresdner Milchversorgungs-Anstalt in Dresden-Plauen ein.

Nachdem das Kombinat aufgelöst worden war, beschloss der Vorstand, eine Sachsenmilch AG zu gründen, die Molkerei und Vertrieb übernahm. Auch die Sachsenmilch AG sollte wie die Südmilch AG teilweise über die Börse finanziert werden. Es wurde deshalb nur bis zu 49 Prozent des Kapitals an der Börse gebracht, 51 Prozent des Kapitals hielt eine milchwirtschaftliche Genossenschaft, an der die Landwirte in Sachsen mit 50,5 Prozent und die Südmilch AG mit 49,5 Prozent beteiligt ist. Das Unternehmen notierte als erstes in Ostdeutschland mit der ISIN DE000A0DRXC4 an der Deutschen Börse.DGAP-DD: Sachsenmilch AG

Molkereineubau in Leppersdorf in der Nähe von Dresden Im April 1992 erfolgte durch die Sachsenmilch AG der erste Spatenstich und im August 1992 die Grundsteinlegung für einen der größten Molkerei-Neubauten in Deutschland durch die Sachsenmilch AG in Leppersdorf in der Nähe von Dresden. Das Milchwerk wurde mit einer Investitionssumme von rund 260 Millionen DM geplant. Die jährlich zu verarbeitende Milchmenge wurde mit 550 Mio. kg Milch ausgewiesen.

Für das Projekt erhielt die Sachsenmilch öffentliche Fördermittel in Höhe von rund 100 Mio. DM. Im Verlauf der Realisierung des Projektes wurde deutlich, dass die geplanten Herstellungskosten weit überschritten wurden. Im Juli 1993 wurden die Kosten der Fertigstellung auf 350 Mio. DM geschätzt. Die Banken waren nicht mehr bereit, nachzufinanzieren. Die Sachsenmilch AG musste deshalb am 23. Juli 1993 Antrag auf Eröffnung des Gesamtvollstreckungsverfahrens, ein Konkursverfahren der ehemaligen DDR, stellen. Zum Sequester (Verwalter) wurde der Ulmer Rechtsanwalt Hans-Jörg Derra bestellt.

Derra verkaufte die Sachsenmilch AG an die Unternehmensgruppe Theo Müller, die unter den Markennamen Sachsenmilch und Käsemeister weiterhin produziert.

Die gerichtlichen Vergleichsverfahren der Südmilch-Unternehmen Die Deutsche Bank, die den Börsengang der Sachsenmilch AG begleitete, hätte gerne deren Insolvenz vermieden. Die Südmilch AG hatte jedoch seit dem 1. September 1992 mit Frank A. Staudacher einen neuen Vorstandsvorsitzenden, der den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Weber ablöste. Staudacher war der Auffassung, sich über ein Gesamtvollstreckungsverfahren der Sachsenmilch AG von den finanziellen Verpflichtungen, die die Südmilch AG in Sachsen eingegangen war, befreien zu können und verweigerte seine Hilfe für die Sachsenmilch AG.

Die Insolvenz der Sachsenmilch AG hatte zur Folge, dass auch die Südmilch AG zahlungsunfähig wurde. Deshalb stellte sowohl die Südmilch AG am 27. Juli 1993 als auch die Südmilch-Langold Holding GmbH einen Tag später beim Amtsgericht in Stuttgart Antrag auf Eröffnung eines gerichtlichen Vergleichsverfahrens zur Abwendung des Konkurses. Beide Gesellschaften wurden zahlungsunfähig, weil die bei der Sachsenmilch geschädigte Deutsche Bank AG und der Bauunternehmer Roland Ernst aus Heidelberg ihre Forderungen nunmehr auch bei der Südmilch AG geltend machten.