mini|Blick vom Kölner Dom mini|hochkant|Blick auf den Verlauf der Hohe Straße in Richtung des Kölner Domes
Die Hohe Straße (auf Kölsch: Huhstroß) ist eine 683 Meter lange Einkaufsstraße in der Kölner Innenstadt im Stadtteil Altstadt-Nord. Sie verläuft als Fußgängerzone in Nord-Süd-Richtung zwischen dem Wallrafplatz und der Straße Hohe Pforte mit Zugang zur Schildergasse. Der Straßenname wird mit Betonung auf „Hohe“ ausgesprochen und entgegen den Sprachgewohnheiten nicht gebeugt. 2023 lag die Hohe Straße auf Platz acht der meistfrequentierten Einkaufsstraßen in Deutschland.
Lage und Verkehrsanbindung Sie verbindet die Touristenlage rund um den Dom und den Hauptbahnhof mit der Schildergasse. Die Hohe Straße wird von der Stadtbahn Köln durch die naheliegenden Haltestellen U-Bahnhof Dom/Hauptbahnhof, U-Bahnhof Neumarkt, U-Bahnhof Appellhofplatz und seit Dezember 2012 U-Bahnhof Rathaus bedient.
Entstehungsgeschichte Der Ursprung der Hohe Straße liegt in der Römerzeit. Ihr heutiger Verlauf orientiert sich am ehemaligen römischen Cardo maximus (Nord-Süd-Achse), der Hauptstraße mit direkter Verbindung zum heutigen Decumanus maximus (Ost-West-Achse, in Köln die Schildergasse). Am Schnittpunkt beider lag das Forum, der zentrale römische Marktplatz. Der sieben bis acht Meter breite Cardo maximus ( ‚Scharnier‘ oder ‚Rückkante der Tür‘, ‚groß‘) verlief von der Severinstorburg über die Severinstraße, Hohe Pforte, Hohe Straße bis zur Eigelsteintorburg.
Die Hohe Straße lag zwischen der Porta praetoria (Nordtor) und der Porta decumana (Hohe Pforte), genau zwischen beiden Toren lag die Signalfahne „vier Winde“. „An den vier Winden“ war der Punkt, von dem aus 400 Meter nördlich das Nordtor und 400 Meter südlich die Porta decumana ‚Südtor‘ lag. Als Teil der Nord-Süd-Achse römischer Heerstraßen ist die Hohe Straße eine der geschichtsträchtigsten Straßen der Stadt Köln. Obwohl seit ihrer Entstehung fast zwei Jahrtausende vergangen sind, blieb ihr Verlauf sowie die Lage der in sie einmündenden oder kreuzenden Straßen im Wesentlichen erhalten. Lediglich Breiten und Niveaulagen des Straßenzuges erfuhren erhebliche Veränderungen.
Frühzeit und Mittelalter
Römerzeit Bei den Römern hieß sie Strata lapidea (lat. ‚Stein‘, also ‚gepflasterte Straße‘). Das hatte seine Berechtigung, denn sie war fast durchgängig gepflastert und damit die wohl die einzige befestigte Straße der Stadt.Paul Wietzorek: Das historische Köln. 2006, S. 244. Die Logistik des römischen Militärs war exzellent organisiert. So gab es entlang und im Umfeld der innerstädtischen Lagerstraße Mannschaftsquartiere, Lazarette, Großküchen, Thermen, Latrinen, Lagergebäude, Getreidespeicher, Verwaltungsgebäude, Schmieden für Waffen und Gerät sowie Stallungen für Pferde und Lasttiere. Einer Kampfgemeinschaft (Contubernium) aus acht Soldaten standen unter anderem jeweils ein Maultier und ein Futterspeicher zur Verfügung. Für die Soldaten gab es ein Stabsgebäude (Principia) und ein luxuriöses Wohngebäude des Kommandeurs (Praetorium).
Die vollen Speicher des Legionsstandortes am Cardo maximus gewährleisteten eine Notversorgung für zwei Jahre. Hinzu kam die römische Ingenieursleistung hinsichtlich der Trinkwasserversorgung ihres Standortes mittels einer Frischwasserzufuhr aus dem Vorgebirge und der Eifel sowie einer ausgeklügelten Abwasserentsorgung. Auf Grund dieser Anstrengungen kann man davon ausgehen, dass die Römer für die Region und die spätere Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) langfristig planten.
Mittelalter Im Mittelalter behielt sie 1189 ihren lateinischen Namen Super stratam lapideam, 1260 hieß sie In lapidea platea. Domherr Johann von Zülpich kaufte hier (heutige Hohe Straße 133) das Haus „Zur goldenen Waage“ und nebenan zwischen 1276 und 1290 das Haus „Zur bunten Feder“. Graf Wilhelm IV. von Jülich erwarb 1272 das später nach ihm benannte „Haus Jülich“ (Nr. 111) und baute es neu, nach seinem Tod erbte es seine Witwe Rikarda Gräfin von Jülich. Die Goldschmiede-Familie Glesch erwarb 1377 Haus Nr. 77–79 („Haus Glesch“) und ließ es mit Wandmalereien sowie einer wertvollen Holzdeckenkonstruktion aus 1390 ausstattendiese befindet sich in einer der Suiten des Hotels The Qvest Hideaway am Gereonskloster und besaß das Haus bis 1525. Danach hieß es „zur Mühle“, ab 1679 „zur Monstranz“; es ist 1896 abgebrannt. Der Aufstieg des Patriziers Johann Rinck lässt sich an seinen Hauskäufen im Bereich der Hohe Straße ablesen.
Am 27. April 1430 kaufte Rinck „Haus Nideggen“ (Nr. 135), 1435 erwarb er das Nachbarhaus „Heimbach“ (Nr. 137), das er 1435 mit „Haus Nideggen“ verband und selbst bewohnte.Ludwig Röhrscheid: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. Bände 192–194, 1990, S. 23. Die Hälfte des Hauses „zur (neuen) goldenen Waage“ scheint Ehefrau Geirtgin in die Ehe mitgebracht zu haben, denn nach ihrem Tod konnte Rinck am 25. Juli 1439 die andere Hälfte erwerben und 1445 lastenfrei stellen. Durch Zusammenlegung entstand das namensgebende Haus „zur goldenen Waage“ (Nr. 133). Auf dem Mercatorplan sind die 4 Häuser deutlich zu erkennen. Neffe Hermann Rinck setzte die familiäre Immobilienexpansion fort und erwarb zwischen 1448 und 1464 die Häuser „zum großen Atfang“ und „Haus Lewenstein“ in der Hohe Straße.Hermann M. Wollschläger: Hansestadt Köln: Die Geschichte einer europäischen Handelsmetropole. 1988, S. 77.
„Zur goldenen Waage“ gelangte später in den Besitz von Ratsherr und Apotheker Johann Bruckmann (um 1674) und gehörte danach dem Apotheker Johann von Wiedenbrück (Wydenbrucge; † 1678). In deutscher Sprache tauchte der Straßenname erstmals vor 1300 als Up deme st(e)ynwege ‚Auf dem Steinweg‘ auf. Dieser Name findet sich in einem Antwortschreiben des Erzbischofs Heinrich I. von Köln auf die von der Stadt Köln gegen ihn vorgebrachte Kritik aus 1238. Heydenrich Groene erwarb 1334 zwei Reihenhäuser („unter einem Dache“) up deme steynwege, am 15. Mai 1397 wird das Haus zum roden Lebarde (zum roten Leopard) an Obenmarspforten 1/Ecke Hohe Straße erwähnt, das am 29. April 1411 vom Maler Wilhelm von Bergerhausen erworben wird. Everhard Treynkin kaufte am 11. August 1446 die beiden Häuser „Graloch“ (Nr. 87) und „Gryne“ (Nr. 89). Das dem Pastor Sebastian von Duisberg gehörende „Haus Duisberg“ lag im Mai 1447 noch „Auf dem Steinweg“.
Altes Universitätsviertel mini|hochkant|Siegel der Universität zu Köln Der nördliche, domnahe Abschnitt der Hohe Straße tangierte das ab dem Ende des 14. Jahrhunderts entstehende Viertel der alten Universität zu Köln, die im Jahre 1388 auf Initiative der Stadt gegründet worden war. Die Gebäude waren dezentral in den westlich gelegenen Nebenstraßen verteilt – zunächst wurden kirchliche oder klösterliche Gebäude für erste kleinere Lehranstalten genutzt.
Am Domkreuzgang lag die Aula theologica,Von 1442 bis 1798 waren die Pfarrer der Parochie St. Kolumba, in deren Einzugsbereich die neugegründete Universität lag, durchgehend mit einem Kanonikat zur Professur an der theologischen Fakultät der Universität versehen. Sie hatten als Gegenleistung Vorlesungspflicht in der Stolkgasse das Gebäude der Artistenfakultät.Die Artistische Fakultät war unter den im Mittelalter üblichen Universitätsfakultäten für Theologie, Recht und Medizin vom Rang her die niedrigste, gemessen an der Zahl der Absolventen aber die größte und somit für den Bestand der Universität die wichtigste. Die Studenten, die sich in der Regel im Alter von 16 oder 17 Jahren immatrikulieren ließen, mussten sie zuerst absolvieren, was je nach Vorbildung etwa drei bis vier Jahre in Anspruch nahm. Erst dann konnten sie in eine der höheren Fakultäten aufsteigen (Vgl. Erich Meuthen: Die alte Universität Köln. Köln/Wien 1988, 16, 20 f., 113–116.) In der Nähe der Universität ließen sich Lehrer und Gelehrte nieder. Studentenbursen, wie die der Juristen und der Theologen, entstanden. Im Bereich „an der Rechtschule“, der „Minoritenstraße“ und der „Mariagartengasse“ wohnten viele Domherren. „Auf der Burgmauer“ wiederum ließen sich viele Doktoren und Lizentiaten nieder. So lagen etwa an der später „An der Rechtschule“ genannten, in die Hohe Straße beim Teilstück „An der hohen Schmiede“ einmündenden Straße zunächst zwei kleinere Kollegs für die Rechtswissenschaft. Eines war die Kronenburse, die sich im Vorderhaus vor der Rechtsschule befand.
Straßenbenennungen mini|Hohe Straße auf der Kölner Stadtansicht von 1570 von Arnold Mercator mini|Hohe Straße/Ecke Brückenstraße („An den vier Winden“; um 1850) mini|Hohe Straße „An den vier Winden“ (Holzschnitt von Richard Brend’amour, um 1880) mini|Hohe Straße/Ecke Brückenstraße, Königin-Augusta-Passage (1883) 1449 wurde ein Teil der Hohe Straße erstmals Under spermecheren, ab 1545 Under spermecher genannt, weil sich hier Waffenschmieden ansiedelten. Aber auch die Maler – zu denen auch die Wappensticker gehörten – hatten ihr Gaffelhaus 1402/03 „zum Turni“ auf „Unter Wappensticker“, seit 1452 jedoch im „Haus Rosenbaum“ in der schon früher nach ihnen benannten Schildergasse.Andrea Korte-Böger, Gisela Hellenkemper-Salies: Eine Siegburger Töpferwerkstatt der Familie Knütgen. 1991, S. 104. Dieser Abschnitt zwischen Schildergasse und Glockengasse gehörte im Mittelalter noch nicht zur Hohe Straße und war der Standort des Wappenstickergewerbes, das am 14. April 1397 seinen Amtsbrief erhielt und dadurch als Zunft anerkannt wurde. Das Zunfthaus der Harnischmacher (in Köln Sarwörter genannt; Helmschläger) befand sich in Nr. 125, nachdem auch sie am 14. April 1397 ihre Anerkennung als Zunft erreicht hatten. Die Zunft der Harnischmacher war die einzige metallverarbeitende Zunft, welche die Frauenarbeit ausdrücklich untersagte.
Ein Teil der Hohe Straße, der ab der Brückenstraße domwärts führte, hieß zunächst inter hastila(rios) ‚Zwischen den Wellen‘, ab 6. Oktober 1404 übersetzte man dies mit Under Schechtmecheren, ab 28. November 1425 mit Under Scheychtmecheren ‚Schaftmacher‘.Johann Jakob Merlo: Kunst und Künstler in Köln. 1852, S. 44 () „Vor den Augustinern“ hieß der Teilabschnitt zwischen der heutigen Cäcilienstraße und der Gürzenichstraße, wo sich ab 12. Juni 1408 eine Zunft im „Schwarzenhaus“ (Swartzen hüs; Nr. 11) befand,Heinrich von Loesch: Die Kölner Zunfturkunden nebst anderen Kölner Gewerbeurkunden bis zum Jahre 1500. Band 2, 1907, S. 415. die als Sammelzunft aller nicht zunftmäßig gebundenen Kaufleute und Notare, Ärzte oder Apotheker fungierte. 1440 lag in der Straße das Brauhaus „Vogtshaus“. Hier stand in Höhe des heutigen Augustinerplatzes von 1264 bis zum Jahr 1802 ein Kloster der Augustinereremiten.
Das „Schwarzenhaus“ erwarb 1629 der Buchdrucker Peter Metternich. Der Straßenname Onder Pannenslegeren ist für diesen Teilabschnitt in einer Urkunde vom 11. Juni 1461 belegt, worin die Rauchbelästigung durch Schmelzwerke beklagt wird (von dem smelssen Onder Pannenslegeren des Kupfer- und Bleischmelzers Thomas von Venrath). Mit ihren vielen Namensänderungen exemplifiziert die Hohe Straße die Praxis des Mittelalters, Veränderungen des Straßennamens aufgrund gewandelter Wahrnehmungen, bis man zu einem – nicht endgültigen – Konsens gelangte.Hieronimus Marc: Historische Quellen im DaF-Unterricht. 2012, S. 157 ()
Zu den wichtigsten Quellen der Namensforschung gehört neben den Schreinsbüchern auch der älteste Stadtplan, den der Kartograf Arnold Mercator 1570 im Auftrag des Stadtrates anfertigte.Jürgen Eichhoff, Wilfried Seibicke, Michael Wolffsohn: Name und Gesellschaft. Soziale und historische Aspekte der Namensgebung und Namensentwicklung. 2001, S. 290 f. In seiner Kölner Stadtansicht von 1570 gliedert Arnold Mercator domwärts gesehen den Verlauf der Hohe Straße präzise ab der „Schildergaß“ in die Teilabschnitte Onder Wappensticker (bis Brückenstraße), Onder Spoirmecheren (bis Minoritenstraße), An der gülder Wagen (bis Wallrafplatz; benannt nach dem einstmals hier stehenden Haus „zur goldenen Waage“) und „An der hohen Schmiede“ (Wallrafplatz bis Unter Fettenhennen).