Die Geschichte Grönlands umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Insel Grönland von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie begann mit der Einwanderung der ersten Inuit auf die größte Insel der Erde vor etwa 4400 Jahren. Später kamen die Nordmänner, die man „Grænlendingar“ nannte und die um 1550 aus bisher ungeklärten Gründen wieder verschwanden. Im 18. Jahrhundert folgte die Kolonisierung durch Dänemark. Seit dem 1. Mai 1979 genießt Grönland, ebenso wie die Färöer, eine weitgehende Autonomie innerhalb des dänischen Königreichs.

Ur- und Frühgeschichte (bis 9. Jahrhundert) mini|Besiedlung Grönlands von 900 bis 1500 Grönland wurde um etwa 2400 v. Chr. erstmals besiedelt. Die ersten Siedler entstammten der Denbigh-Kultur, die mit Ausgangspunkt Alaska in der nordamerikanischen Arktis lebten. Sie erreichten Grönland über Ellesmere Island und trennten sich in Grönland in zwei Gruppen. Ein Teil zog über die grönländische Nordküste nach Nordostgrönland und bildete dort die Independence-I-Kultur, deren Mitglieder als Moschusochsenjäger lebten. Die Independence-I-Kultur verschwand bereits um 2000 v. Chr. wieder, was auf die harten Lebensbedingungen zurückgeführt wurde, welche die kleine Bevölkerung durch eine kleine Verschlechterung der klimatischen Verhältnisse rasch vernichten konnte. Der andere Teil besiedelte Westgrönland und in kleinerer Zahl auch Ost- und Nordwestgrönland und bildete die Saqqaq-Kultur, deren Angehörige von der Robben- und Rentierjagd lebten. Am weitesten verbreitet war sie wohl in der Diskobucht. Die Saqqaq-Kultur verschwand um 800 v. Chr., was ebenfalls auf eine Klimaänderung und die damit veränderte Verfügbarkeit von Jagdtieren zurückgeführt wird.

In der folgenden Zeit war Grönland vermutlich wieder unbewohnt. Um 600 v. Chr. kam eine neue Besiedelungswelle aus Kanada, die die Dorset-Kultur bildete. Sie bewegte sich ähnlich wie die vorherige Kultur, sodass sich in Nordgrönland die Independence-II-Kultur abspaltete, während die eigentliche Dorset-Kultur sich in West-, Nordwest- und Ostgrönland niederließ. Die Independence-II-Kultur lässt sich letztmals 450 v. Chr. nachweisen, während die Dorsetkultur bis etwa Christi Geburt nachweisbar ist, ab dem 7. Jahrhundert jedoch erneut auftrat.Asta Mønsted, Hans Christian Gulløv: Grønlands forhistorie. Danmarks Nationalleksikon.

Mittelalter (9. bis 15. Jahrhundert) mini|Die Kirche von Hvalsey in Qaqortukulooq (2014) Vermutlich im späten 9. oder frühen 10. Jahrhundert entdeckten erstmals Europäer Grönland. Den Isländersagas zufolge sah der Wikinger Gunnbjǫrn Úlfsson kráku, der wahrscheinlich aus dem heutigen Norwegen stammte, Land westlich von Island, das als Gunnbjarnarsker („Gunnbjörnsschäre“) bekannt wurde und bei dem man davon ausgeht, dass es sich um die grönländische Ostküste handelte. Der genaue Zeitpunkt der Entdeckung ist unbekannt, muss aber in Zusammenhang mit der Landnahme Islands gestanden haben und kann deswegen ungefähr datiert werden.

982 musste Erik der Rote (Eiríkr inn rauði) aus Island fliehen und fuhr westwärts, um das von Gunnbjǫrn gesehene Land zu finden, und landete schließlich im Südwesten Grönlands. Er gab der Insel ihren Namen Grænland (altnordisch für „Grünland“), was wahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass aufgrund der mittelalterlichen Warmzeit im Küstengebiet eine üppigere Vegetation entstehen konnte, aber möglicherweise auch nur ein Euphemismus war, um potentielle Siedler zu motivieren. 986 erreichte Erik mit 14 Schiffen Südgrönland und begann dort eine Landnahme im Gebiet um Brattahlíð. In den folgenden Jahren zogen einige von ihnen weiter nach Norden, wo sie sich im Fjordkomplex des Nuup Kangerlua bei Nuuk niederließen. Die südliche Besiedelung wurde Eystribyggð genannt, die nördliche Vestribyggð.

Nachdem er sich in Norwegen zum Christentum hatte bekehren lassen, verbreitete Eriks Sohn Leif Eriksson (Leifr Eiríksson) im Jahr 1000 auch das Christentum in Grönland, woraufhin Kirchengebäude errichtet und in Garðar ein Bischof eingesetzt wurde. Leif hatte auf seiner Reise zufällig das nordamerikanische Festland entdeckt, das er Vinland nannte. Es entstand ein Handelsverkehr, der bis ins 14. Jahrhundert andauerte.

Vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts kam eine neue eskimoische Besiedelungswelle aus Alaska nach Grönland, die sich erneut sowohl im Westen als auch im Osten niederließ. Diese Siedler gehörten der Thule-Kultur an und waren vor allem Walfänger, jagten jedoch auch Robben, fischten, fingen Vögel und jagten Rentiere und Moschusochsen. Der in Westgrönland lebende Teil bildete die Inussuk-Kultur. Es wird davon ausgegangen, dass sie in Grönland Kontakt mit der Dorset-Kultur hatten, deren Angehörige in Sagen als Torngit/Tornit bekannt sind, und diese letztendlich verdrängten. Ebenso ist der Kulturkontakt zwischen Inuit und Grænlendingarn bewiesen.

Während in den ersten Jahrhunderten noch Handelsverkehr zwischen Grönland und Norwegen stattfand, zu dem sich die Grænlendingar 1261 zugehörig erklärt hatten, hörte dieser im 14. Jahrhundert auf. Mitte des 14. Jahrhunderts berichtete Ívarr Bárðarson, dass die Vestribyggð nicht mehr von Grænlendingarn bewohnt war und er stattdessen dort Inuit vorgefunden hatte. Um 1500 verschwanden die Grænlendingar, die im Laufe ihrer 500-jährigen Geschichte wohl maximal 2000 bis 3000 Personen umfasst hatten. Die Ursachen hierfür sind umstritten und werden in der aktuellen Forschung in zahlreichen Theorien diskutiert.Jette Arneborg: Det norrøne Grønland. Danmarks Nationalleksikon.

Beginn der Walfängerzeit (16. Jahrhundert bis 1721) Nachdem der Kontakt Europas mit den Siedlern auf Grönland 1408 abgerissen war, blieb die Insel wegen ihrer Unwirtlichkeit 300 Jahre lang wenig beachtet. Der englische Seefahrer John Davis landete 1585 auf der Suche nach der Nordwestpassage in der Nähe des heutigen Nuuk. Er nannte das Land Land of Desolation („Land der Trostlosigkeit“). Er umschiffte die Südspitze der Insel und gab dem Kap Farvel seinen Namen. In den folgenden zwei Jahren unternahm er zwei weitere Reisen nach Grönland. Daneben begann der Handel mit Waltran sich zu entwickeln, was das Interesse an den arktischen Meeresgebieten steigen ließ. Darüber hinaus hoffte man in Grönland Edelsteine, Gold und Silber zu finden. Unter dem dänisch-norwegischen König Christian IV. gab es 1605, 1606 und 1607 drei Grönlandexpeditionen. Bedeutendster Teilnehmer war Steuermann James Hall, der 1612 eine vierte Fahrt nach Grönland unternahm, dort jedoch von den Inuit aus Rache über die Entführung ihrer Verwandten ermordet wurde. 1614 fuhr der Holländer Joris Carolus nach Grönland, da auch die Holländer am Walfang interessiert waren.

Obwohl Elisabeth I. schon 1583 die dänische Oberhoheit über Grönland anerkannt hatte, begannen ab dem frühen 17. Jahrhundert holländische, hamburgische und englische Walfänger vor Grönland zu fischen und Tauschhandel mit den Inuit zu betreiben. Dänemark-Norwegen war durch den Dreißigjährigen Krieg wirtschaftlich geschwächt und konnte keine bedeutende Rolle im grönländischen Walfang einnehmen. Der europäische Walfang in Grönland intensivierte sich mit dem abnehmenden Walfang vor Spitzbergen ab etwa 1700 und setzte sich bis weit in die Kolonialzeit bis etwa 1800 fort und sollte für Konflikte zwischen englischen und holländischen Walfängern und den Interessen der dänischen Kaufmänner in Grönland sorgen.

Beginn der Kolonialzeit (1721 bis 1782) mini|hochkant|„Apostel der Grönländer“: Hans Egede (1686–1758) 1721 erhielt der norwegische Pastor Hans Egede vom dänischen König Friedrich IV. die Erlaubnis in Grönland eine Missionsstation zu errichten, um die dort lebenden Grænlendingar evangelisch zu missionieren. Man ging davon aus, dass sie vom Glauben abgefallen oder noch katholisch waren. Hans Egede gründete mit seiner Familie die Kolonie Haabets Ø in der Nähe von Kangeq und begann gemeinsam mit seinen Söhnen Poul und Niels mit der Mission der dortigen Inuit, nachdem er festgestellt hatte, dass die Grænlendingar verschwunden waren. Ein zweiter Stützpunkt in Nipisat wurde 1724 begründet, aber im Folgejahr von holländischen Walfängern zerstört. Die wirtschaftliche Lage des Projekts war anfangs katastrophal und führte 1727 zum Bankrott von Det Bergen Grønlandske Compagnie, der zuständigen Handelskompanie. Sie wurde durch Det Kongelige Grønlandske Dessein ersetzt, das die Versetzung der Kolonie, die Ausweitung auf andere Orte und eine militärische Verteidigung gegen die holländischen Walfänger anging. 1728 wurde Haabets Ø nach Nuuk versetzt und in Godthaab umbenannt. Nipisat wurde wieder aufgebaut und Claus Paarss mit der militärischen Verwaltung beauftragt. Der dänische Walfang in Grönland war völlig erfolglos und die Anwesenheit von Soldaten ohne Effekt, sodass man 1730 die Aufgabe von Nipisat beschloss, dessen Überreste im Jahr darauf erneut von holländischen Walfängern niedergebrannt wurden. Nach dem Tod von König Friedrich IV. im selben Jahr beschloss sein Nachfolger Christian VI. die vollständige Abwicklung des Kolonieprojekts, ließ es den Kolonisten jedoch frei, in Grönland zu bleiben. Hans Egede und seine Familie sowie eine Handvoll Walfänger machten von dem Recht Gebrauch.

1733 begann auch die Herrnhuter Brüdergemeine in Grönland tätig zu werden und in direkter Nachbarschaft zu Hans Egede zu missionieren. Die Herrnhuter Mission war zahlenmäßig deutlich erfolgreicher als Hans Egedes, weil dieser sehr zurückhaltend taufte. Im selben Jahr fiel ein Großteil der in der Gegend lebenden Inuit – laut Hans Egede 170 von 200 Familien – einer aus Europa eingeschleppten Pockenepidemie zum Opfer. Nachdem auch seine Frau Gertrud Rask gestorben war, kehrte Hans Egede 1736 nach Dänemark zurück.

Christian VI. ließ sich derweil von der Sinnhaftigkeit der Kolonisierung Grönlands überzeugen und genehmigte dem Kaufmann Jacob Severin 1734 die Übernahme des Handels. Dieser gründete im selben Jahr die Kolonie Christianshaab in Qasigiannguit. Sie lag in der Diskobucht, in der die Holländer äußerst erfolgreich Walfang betrieben. Die Konkurrenz entwickelte sich rasch zu einem Konflikt, bei dem Dänemark den Niederlanden verbieten wollte, weiter mit der Bevölkerung Tauschhandel zu betreiben. Der Streit eskalierte 1739, als es zu einem kleinen Seegefecht in der Diskobucht kam, das die Dänen gewinnen konnten. Zur Ausweitung der Aktitiväten wurden 1741 die Kolonie Jakobshavn in Ilulissat und die Loge Claushavn in Ilimanaq gegründet sowie in Südgrönland im Jahr darauf die Kolonie Frederikshaab in Paamiut.

1750 wurde Jacob Severins Handelsmonopol an Det Almindelige Handelskompagni übergeben, die fortan mit dem Handel in Grönland beauftragt wurde. Die Kompanie setzte auf eine weitere Ausweitung der Handelsaktivitäten in Grönland, um die Erträge effektivieren zu können und somit mit den wirtschaftlich überlegenen holländischen Walfängern konkurrieren zu können. Innerhalb weniger Jahre wurden weitere Kolonien und andere Handelsstützpunkte errichtet: 1754 wurde die Loge Fiskenæsset in Qeqertarsuatsiaat errichtet, 1755 die Kolonie Ritenbenk in Saqqaq (1781 nach Appat versetzt) und die Kolonie Sukkertoppen in Kangaamiut (1781 nach Maniitsoq versetzt), 1756 die Kolonie Holsteinsborg in Ukiivik (1764 nach Sisimiut versetzt), 1758 die Kolonie Nordsuack (Nuussuaq) (1763 nach Uummannaq versetzt), 1759 die Kolonie Egedesminde in Illuerunnerit (1763 nach Aasiaat versetzt), 1772 die Kolonie Upernavik, 1773 die Loge Godhavn in Qeqertarsuaq und 1774 die Kolonie Julianehaab in Qaqortoq. Damit waren alle westgrönländischen Kolonien gegründet.