Der Berliner Fussball Club Dynamo e. V., kurz BFC Dynamo, ist ein Fußballverein aus dem Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen im Bezirk Lichtenberg.
Der Verein war mit 10 Meistertiteln in Folge von 1979 bis 1988 einer der erfolgreichsten Fußballclubs der DDR und Rekordmeister der DDR-Oberliga.
Seit dem Aufstieg in der Saison 2013/14 spielt der BFC in der viertklassigen Regionalliga Nordost. Die erste Mannschaft trägt ihre Heimspiele im Sportforum Hohenschönhausen aus.
Geschichte mini|Die historischen Logos des Clubs von links nach rechts: als SC Dynamo Berlin (1954–1966), zwei Mal als FC Berlin (1990–1999 und März bis Mai 1990) sowie als BFC Dynamo (1966–1990, 1999–2009 und wieder ab der Saison 2023/24, allerdings mit kleinen Änderungen)
SG Dynamo und SC Dynamo Berlin – Vor Gründung des BFC (1949–1966) Saisondaten 1954–1966 Liga Saison Platz Punkte Tore OL 1954/55 7 26:26 43:46 OL 1955 (ÜR) 3 18:8 35:12 OL 1956 13 20:32 37:47 Liga 1957 1 41:11 80:28 OL 1958 6 26:26 37:34 OL 1959 3 33:19 46:26 OL 1960 2 32:20 44:27 OL 1961/62 3 45:33 72:64 OL 1962/63 10 23:29 37:32 OL 1963/64 8 24:28 35:34 OL 1964/65 12 22:30 27:37 OL 1965/66 9 25:27 42:32
Wie jeder Club und jede Sportgemeinschaft unter der Oberbezeichnung „Dynamo“ gehörte der BFC Dynamo bis 1989 der übergeordneten Sportvereinigung Dynamo an.
Der Ursprung des BFC Dynamo geht zurück auf die seit 1949 bestehende SG Volkspolizei Berlin, die 1951/52 in der drittklassigen Bezirksklasse Berlin mit einem zweiten Platz hinter dem Adlershofer BC den Aufstieg in die zweitklassige Liga sportlich knapp verpasste. Mit der Bildung der Sportvereinigung Dynamo im März 1953 wurde das Team der SG Volkspolizei Potsdam nach Berlin delegiert. Mit der Angliederung der Potsdamer erfolgte zugleich auch die Umbenennung in SG Dynamo Berlin.
Mit der Aufnahme der Potsdamer Volkspolizisten war zugleich die Übernahme deren Ligaplatzes verbunden, womit SG Dynamo Berlin als neuntplatzierter Zweitligist die Saison 1952/53 abschloss. Als Tabellenletzter 14. stieg die SG Dynamo Berlin sportlich 1953/54 eigentlich in die 3. Liga ab.
Der Sportclub (SC) SC Dynamo Berlin wurde am 1. Oktober 1954 gegründet. Dem plötzlichen Erfolg aus der Retorte lag letztlich die Versetzung eines Teils der Oberliga-Mannschaft von Dynamo Dresden nach Berlin im November 1954 zugrunde, mit der Dresden seinen Oberligaplatz verlor, und die 2. Mannschaft zur neuen 1. Mannschaft der Dresdner wurde.Die neue Fußballwoche (Fuwo), 1954, Nr. 47, S. 3: 3 neue Clubs: Dynamo, Rotation, Einheit, 23. November 1954, abgerufen am 25. August 2021
Dynamo Dresden war 1950 um das von der SG Volkspolizei Potsdam dorthin delegierte Trio Herbert Schoen, Günter Schröter und Johannes Matzen gebildet worden, um in Dresden den Oberligaplatz der SG Friedrichstadt,– zuvor Dresdner SC – einzunehmen, deren Spieler die DDR verlassen hatten. 1954 war es nunmehr der Wunsch der politischen Funktionäre, endlich eine spielstarke Mannschaft in Ost-Berlin zu etablieren.Jörn Luther/Frank Willmann, Der Meisterclub, 2. Auflage Berlin 2004, S. 18 ff.
In ihrer ersten Spielzeit unter dem Namen SC Dynamo Berlin belegte die Mannschaft den siebten Platz. Damit ließ man den anderen Hauptstadtklub ASK Vorwärts Berlin, der ein Jahr zuvor von Leipzig (ASG Vorwärts Leipzig) nach Berlin verlegt wurde, hinter sich. Vor dem Umzug der Mannschaft aus Dresden betrieb die SV Dynamo in Berlin mit der SG Dynamo Berlin bereits die ältere Wurzel des heutigen BFC Dynamo als Sportgemeinschaft, die zunächst nun als Dynamo Berlin-Mitte spielte und 1957 mit der zweiten Vertretung des SC Dynamo Berlin als SG Dynamo Hohenschönhausen zusammengefasst wurde. Als solche spielte man in der Folgezeit in der DDR-Liga. Bei der Bildung des BFC Dynamo 1966 wurde die parallele Existenz der beiden Dynamo-Stränge beendet, indem die Mannschaft der SG Dynamo Hohenschönhausen nun zur II. Mannschaft eines damit quasi fusionierten BFC Dynamo wurde.
mini|Pokalsieger 1959: Dynamo Berlin Seinen ersten Titel errang der Hauptstadt-Klub noch als SC Dynamo 1959. Im Finale des DDR-Fußballpokal-Wettbewerbs bezwang Dynamo den in Aue beheimateten SC Wismut Karl-Marx-Stadt – nach einem 0:0 n. V. im ersten Spiel – im Wiederholungsspiel mit 3:2. Zum erstmalig ausgetragenen Europapokal der Pokalsieger in der Saison 1960/61 entsandte der Fußballverband der DDR jedoch den Vizemeister der Saison 1959 ASK Vorwärts Berlin, weil dieser als geeigneterer Vertreter der DDR angesehen wurde. Bei der nächsten Finalteilnahme 1962 musste sich Dynamo dem SC Chemie Halle geschlagen geben.
Bis zur Winterpause der Saison 1965/66 traten die Fußballer als SC Dynamo Berlin an.Holger Stark: Mielkes Lieblinge und die graue Maus: BFC und CFC werden 50. In: n-tv.de. 15. Januar 2016, abgerufen am 25. März 2017.
Aufstieg des BFC Dynamo (1966–1989) Saisondaten 1966–1978 Liga Saison Platz Punkte Tore OL 1966/67 13 21:31 28:40 Liga 1967/68 1 47:13 64:24 OL 1968/69 10 25:27 26:37 OL 1969/70 6 28:24 29:32 OL 1970/71 9 25:27 31:29 OL 1971/72 2 35:17 45:20 OL 1972/73 6 26:26 41:42 OL 1973/74 6 27:25 42:41 OL 1974/75 4 30:22 47:29 OL 1975/76 2 37:15 67:24 OL 1976/77 4 32:20 43:27 OL 1977/78 3 35:17 54:25
Im Zuge der landesweiten Herauslösung der Fußballsektionen aus den Sportklubs wurde der BFC Dynamo als Fußballclub (FC) gegründet. Zeitgleich wurde die SG Dynamo Hohenschönhausen, die sich vorrangig aus ausgemusterten Spielern und jungen Talenten des SC Dynamo Berlin zusammensetzte, als zweite Mannschaft des BFC Dynamo geführt. Der BFC Dynamo wurde am 15. Januar 1966 in einer Zeremonie in der Dynamo-Sporthalle in Berlin-Hohenschönhausen offiziell gegründet. Der Vorsitzende der SV Dynamo Erich Mielke überreichte die Clubfahne und erklärte damit den Club für gegründet. Dem ersten Präsidium gehörten der Präsident der Volkspolizei in Ost-Berlin Horst Ende, der Intendant des Metropol-Theaters Hans Pitra, der ehemalige DDR-Oberligaspieler Johannes Matzen und der Chefredakteur der Die neue Fußballwoche (FuWo) Klaus Schlegel an. Manfred Kirste wurde zum ersten Clubvorsitzenden gewählt und Erich Mielke zum Ehrenpräsidenten ernannt. Manfred Kirste stammte aus Berlin und war ein Diplom-Sportlehrer.
Der BFC Dynamo war ein Club des Ministeriums des Innern. Träger war die Volkspolizei. Aufgrund der Unterstützung durch seinen Ehrenvorsitzenden, den Vorsitzenden der SV Dynamo und Stasi-Chef Erich Mielke, galt der Club jedoch als „Stasi-Club“. Offiziell waren 31 Angehörige des Innenministeriums und zehn Mitarbeiter der Staatssicherheit bei dem Club tätig. Um aber stets über den Club informiert zu sein, ließ die Stasi in allen relevanten Bereichen Informanten einsetzen: acht inoffizielle Mitarbeiter (IM) und sieben Offiziere im besonderen Einsatz (OibE) sind in den Stasi-Unterlagen verzeichnet. Der BFC Dynamo erhielt später personelle, organisatorische und finanzielle Unterstützung durch die Stasi. 96 Prozent der 7260 fördernden Vereinsmitglieder gehörten der Staatssicherheit an.In einer Kritik des Dokumentarfilms Stasi FC in Die Zeit im Jahr 2025 schreibt der Autor und Journalist Frank Willmann jedoch, dass die im Dokumentarfilm aufgestellte Behauptung, 96 der "Mitglieder" des BFC Dynamo hätten der Stasi angehört, falsch sei.
Die Fußballclubs wurden als Leistungszentren des DDR-Fußballs gegründet. Als Fußballclub und Schwerpunktclub in Ost-BerlinMit dem DFV-Fußballbeschluss von 1970 führte der DFV ein System mit Schwerpunktclubs ein. DTSB und DFV versuchten Anfang der 1970er Jahre, die besten Spieler an die neu geschaffenen Schwerpunktclubs zu delegieren. So sollten beispielsweise auch Spieler von Mannschaften, die aus der DDR-Oberliga abgestiegen waren, zu Schwerpunktclub wechseln. Der BFC Dynamo wurde schließlich zum Schwerpunktclub in Ost-Berlin. Mit dem DFV-Fußballbeschluss von 1976 durften die Schwerpunktclubs auch Nachwuchsspieler anderer Fußballclubs delegieren. Schwerpunktclubs im Jahr 1976 waren der 1. FC Lokomotive Leipzig, der 1. FC Magdeburg, der BFC Dynamo, die SG Dynamo Dresden, der FC Vorwärts Frankfurt und der FC Carl Zeiss Jena. profitierte der BFC Dynamo von den im DDR-Fußball üblichen Spielertransfers. Diese Transfers wurden nicht finanziert, sondern im Rahmen einer (sport-)politisch motivierten Leistungskonzentration abgewickelt. Allen Fußballclubs wurden bei ihrer Gründung ein bis zwei Bezirke als Einzugsgebiete zugewiesen. Dem BFC Dynamo wurden der Bezirk Cottbus und ein Drittel Ost-Berlins als Einzugsgebiete zugeteilt. Mit dem späteren Umzug von Vorwärts Berlin nach Frankfurt/Oder im Jahr 1971 durfte der BFC Dynamo auch das bis dahin zu Vorwärts Berlin gehörende Einzugsgebiet in Ost-Berlin übernehmen, darunter auch den Stadtbezirk Prenzlauer Berg.
mini|Die Clubfahne des BFC Dynamo, die dem Club vom SV Dynamo zur Gründung überreicht wurde. Darüber hinaus profitierte der BFC Dynamo ebenso wie Vorwärts Berlin/Frankfurt oder Dynamo Dresden davon, Leistungsschwerpunkt Fußball seines Sportvereinigung (SV) zu sein. Die meisten Sportvereinigungen lösten sich mit der Gründung des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) 1957 auf. Die Sportvereinigungen SV Dynamo und ASV Vorwärts durften jedoch weiterhin bestehen. Ein Beschluss des SED-Politbüros aus dem Jahr 1962 legte fest, dass SV Dynamo und ASV Vorwärts an allen Standorten, an denen sie Dienststellen betrieben, Sportgemeinschaften gründen durften. Dies ermöglichte es SV Dynamo und ASV Vorwärts, republikweit Sportgemeinschaften zu betreiben. Dies verschaffte dem BFC Dynamo, Vorwärts Berlin/Frankfurt und Dynamo Dresden einen strukturellen Vorteil gegenüber anderen Fußballclubs und Sportgemeinschaften im DDR-Fußball. (BFC Dynamo, Vorwärts Berlin/Frankfurt und Dynamo Dresden gewannen zwischen 1966 und 1990 18 der 25 Meistertitel in der DDR-Oberliga.) Der BFC Dynamo durfte talentierte Spieler aus den Nachwuchsabteilungen aller SV Dynamo-Sportgemeinschaften rekrutieren, mit Ausnahme der Sportgemeinschaften im Bezirk Dresden und einiger weiterer Sportgemeinschaften in den südlichen Bezirken. Diese weiter südlich gelegenen Sportgemeinschaften waren der „Südlinie“ unterstellt, während Dynamo Dresden Zugriff hatte.
Die Grundlage des Auswahl- und Sichtungssystems im Leistungssport der DDR sollten letztlich spezielle Trainingszentren (TZ) bilden. Die ersten Trainingszentren wurden Mitte der 1960er Jahre errichtet. Die Trainingszentren waren die erste Vorbereitungsstufe zur Förderung sportgeeigneter Kinder. Der SV Dynamo betrieb in der DDR flächendeckend Trainingszentren. Die Trainingszentren des SV Dynamo waren je nach Einzugsgebiet entweder dem BFC Dynamo oder der Dynamo Dresden zugeordnet (Nord bzw. Süd). Das Training in diesen Trainingszentren war besser als anderswo. Die Arbeit in den Trainingszentren wurde vom BFC Dynamo betreut und geleitet. Die besten jungen Talente der einzelnen Trainingszentren wurden dann zusammengeführt und in einem mehrtägigen Sichtungsverfahren ausgewählt. Der BFC Dynamo profitierte von einem republikweiten Sichtungssystem, das die Partnerschaft mit dem Bezirk Cottbus und 33 Trainingszentren des SV Dynamo umfasste. Insgesamt standen dem BFC Dynamo 38 Trainingszentren in der ganzen Republik zur Verfügung, um junge Talente für seine Nachwuchsabteilungen zu rekrutieren. Zum Vergleich: Union Berlin hatte nur Zugang zu sechs Trainingszentren, die sich alle im Raum Berlin befanden. Die Nachwuchsabteilung des BFC Dynamo hatte für jede Altersklasse hauptamtliche Trainer angestellt. Die Trainer des BFC Dynamo waren alle hochqualifiziert: alle hatten an der Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig studiert.
mini|Die Meistermannschaft von 1979