mini|hochkant=1.4|Ivenacker Schloss

Das Schloss (eigentlich: Herrenhaus) in Ivenack zehn Kilometer östlich von der Reuterstadt Stavenhagen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte geht auf ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster aus dem 13. Jahrhundert zurück, das im Zuge der Reformation aufgehoben und zu einem herzoglich mecklenburgischen Amt mit Fürstensitz wurde. Nach der Zerstörung der Anlage im Dreißigjährigen Krieg und Besitzerwechsel durch Gütertausch 1709 wurde im 18. Jahrhundert ein neues Herrenhaus errichtet, das im frühen 19. Jahrhundert im Wesentlichen zu seiner heutigen Gestalt erweitert wurde. Ivenack gehörte wegen seines ausgedehnten Schlossparks mit jahrhundertealten Eichen und der berühmten Vollblutzucht der Grafen von Plessen auf Ivenack zu den bekanntesten Gütern in Mecklenburg.Vgl. Hubertus Neuschäfer: Mecklenburgs Schlösser und Herrenhäuser. 2. Auflage, Husum 1991, S. 119. ISBN 978-3-88042-534-7.

Geschichte mini|hochkant|Ivenacker Kirche Gründung als Zisterzienserinnenkloster Auf dem Gelände des jetzigen Ivenacker Schlosses befand sich ursprünglich ein Nonnenkloster des Zisterzienserordens, der in der Kolonisationszeit für die Mecklenburgische Landwirtschaft Bedeutung erlangt hatte. Dieses wurde im Jahr 1252 von dem Stavenhagener Stadtgründer, dem Ritter Reimbern von Stove, gestiftet. Davon zeugte später noch eine erhaltene lateinische Inschrift der großen Glocke in der Ivenacker Kirche: „Anno post Christum natum MCCLII fundatur monasterium iuenack a remberno de stouen inhabitatore castri (in) stouenhagen.“ Die Gründungsurkunde des Klosters war auf den 15. Mai 1252 datiert, und es wurde von dem Bischof Conrad von Cammin geweiht. Im Jahr 1401 bestätigten die Brüder Nikolaus V. und Christoph von Werle die Rechte und Privilegien des Klosters. Zu dieser Zeit war die Nonne Wendula Wilde dessen Priorin. Über die weitere Geschichte des Klosters wurde in der Geschichtsschreibung wenig berichtet.Vgl. Georg Christian Friedrich Lisch: Album Mecklenburgischer Schlösser und Landgüter. Band 1. 1860–1862. Der Klosterbesitz war sehr groß und durch zahlreiche Schenkungen der Herzöge von Pommern und der Landesritterschaften Mecklenburgs und Pommerns immer weiter angewachsen.Hubertus Neuschäfer: Mecklenburgs Schlösser und Herrenhäuser. Husum 1991, S. 118.

Säkularisation Im Zuge der Reformation wurde das Kloster zwischen 1550 und 1560 auf Bestreben von Herzog Johann Albrecht I. säkularisiert. Eine zweite Inschrift an der großen Kirchenglocke der Ivenacker Kirche bezeugte, dass bereits 1555 der amtierenden Äbtissin Anna Kamptz zwei weltliche Beamte des Herzogs, der Präfekt Claus Pentz und der Quästor Otto Schröder, sowie ein evangelischer Geistlicher zur Seite standen. Die vollständige Auflösung vollzog sich in den nachfolgenden Jahren. Im Jahr 1557 lebten aber noch Klosterfrauen in der Anlage.

Nachdem Herzog Johann Albrecht I. im Juni 1549 auf dem Sternberger Landtag den lutherischen Glauben für die vereinten Landstände durchgesetzt und damit landesgesetzlich die Reformation in Mecklenburg eingeführt hatte, löste er ab 1552 fast sämtliche mecklenburgischen Klöster auf und verleibte sie den herzoglichen Domänen ein. Aus dem vormaligen Klosterbesitz wurde mit der Säkularisation das sogenannte herzogliche Amt Ivenack gebildet. Johann Albrecht wollte seinen neuen räumlich arrondierten Besitz bei seinem Tod (1576) auch zeitlich dadurch festigen und zusammenhalten, indem er für seine Nachkommenschaft das Erstgeburtsrecht letztwillig verfügte. Demzufolge verordnete er, dass sein jüngerer Sohn, der Herzog Sigismund August von Mecklenburg, wegen Schwachsinns von der Erbteilung ausgeschlossen sein sollte und stattdessen mit verschiedenen Ämtern, darunter auch dem Amt Ivenack, jedoch ohne Landeshoheit, und mit einer jährlichen Zahlung von 6000 Gulden aus der Kammer, abgefunden werden sollte. Diese Regelung zielte zwar auf die Einführung der Primogenitur im Hause Mecklenburg, jedoch hatte sie keinen nachhaltigen Erfolg.Vgl. Der zwischen seiner Hochfürstl. Durchl. dem Herrn Herzog Friedrich Wilhelm, zu Mecklenburg-Schwerin und Güstrow, und des Herrn Herzogs Adolph Friedrichs zu Mecklenburg-Strelitz Durchl. errichtete Vergleich. Sub dato Hamburg, den 8. Mart. 1701.

Besitzwechsel und Bau des Schlosses im 16. Jahrhundert Zuvor sah sich Herzog Johann Albrecht I. wegen seiner Schulden 1572 jedoch genötigt, das Amt Ivenack an seinen Gläubiger zu verpfänden. Er übergab das Amt Ivenack dem mecklenburgischen Adligen Werner Hahn zu Basedow als Pfand zur Sicherheit für die Summe von 15.000 Talern, die er sich nach und nach von ihm geliehen hatte. Sein älterer Bruder, Herzog Ulrich, hatte als Vormund der Kinder Johann Albrechts für diese noch weitere 22.500 Taler von ihm geliehen, und der Gläubiger Hahn erhielt dafür 1578 den Ivenackschen Besitz als wiederkäufliches Pfand für neun Jahre. Diese Frist war noch nicht ganz abgelaufen, als ihm Ende 1586 durch die Vermittlung des Herzogs Adolf von Holstein, des künftigen Schwiegervaters des Herzogs Johann VII., Ivenack wieder abgekauft wurde, um mit dem Gut gemäß der testamentarischen Verfügung seines Vaters Johann Albrecht I. verfahren werden konnte. Nach erlangter Volljährigkeit nahm Herzog Sigismund August gemäß dem Vertrag Adolf von Holsteins von 1586 seinen Wohnsitz zu Ivenack, wo sein Bruder, Johann VII., für ihn um 1590 das Schloss hatte bauen lassen.

Nach einem Verzeichnis des Inventars von 1605 war das Gebäude drei Gemächer hoch und hatte zum Platz hin inwendig drei kleine und einen großen aufgezogenen steinernen Giebel, dazwischen stand ein großer Windelturm, der mit Blei gedeckt war und drei Schornsteine hatte. Es ist daher anzunehmen, dass das Haus von einem ähnlichen architektonischen Charakter gewesen ist, wie das Haus mit den Reliefziegeln auf dem herzoglichen Residenzschloss zu Schwerin. Hinsichtlich der Zeit der Erbauung lässt die kurze Regierungszeit des Herzogs Johann VII. (1585–1592) keinen weiten Spielraum. Darauf, dass das Schloss vor dem traurigen Ende des Fürsten vollendet gewesen ist, deutete die Nachricht, dass dieser am 4. März 1592 mit seiner jungen Gemahlin, Sophia von Holstein, von Stargard aus seinen Bruder Sigismund August in Ivenack besuchte.Georg Christian Friedrich Lisch: Album Mecklenburgischer Schlösser und Landgüter. Band 1. 1860–1862.

Herzog Sigismund August vermählte sich im nächsten Jahr mit der Prinzessin Clara Maria von Pommern-Barth und hielt mit ihr zu Ivenack Hof bis zu seinem Tod, der nach siebenjähriger kinderloser Ehe am 5. September 1600 im Alter von 40 Jahren zu Ivenack erfolgte.

Die Ivenacker Güter wurden daraufhin ab 1605 für 20 Jahre an den Oberst Nicolaus von Peccatel verpachtet, von 1621 bis 1632 waren sie an den Hauptmann Christoph von Neuenkirchen verpfändet.

Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde die gesamte Anlage weitgehend zerstört, und die zum Gut gehörenden Ortschaften hatten stark gelitten. Ein Visitationsbericht von 1649 machte das Ausmaß der Zerstörung für Ivenack und die dazugehörigen Nebengüter Basepohl, Fahrenholz, Goddin, Grischow, Klockow, Krummsee, Wackerow, Weitendorf und Zolkendorf deutlich. Hiernach lag Basepohl ganz öde und wüst, während bei guter Zeit 16 Bauern und 9 Kossaten darin gewohnt hatten. In Ivenack gab es vor dem Krieg acht Bauern und 17 Kossaten, nach dem Krieg zählte man nur acht Personen nebst dem Schmied und dem Müller. Krummsee lag wüst, in Grischow waren von zwölf Bauern und sechs Kossaten nur zwei Personen übrig geblieben, Klockow und Goddin waren ganz menschenleer. In Zolkendorf waren die drei Bauern geblieben, aber von den drei Kossatenfamilien fand sich keine Spur mehr. In Weitendorf, wo vor dem Krieg sechs Bauern und vier Kossaten gelebt hatten, gab es nur noch zwei bewohnte Bauernhöfe, während in Wackerow statt der früheren zwei Bauern und sechs Kossaten im Jahre 1649 drei Bauern und ein Kossate vorhanden waren. Die Fahrenholzer Gemeinde, sonst aus zwölf Bauern und sieben Kossaten bestehend, zählte nur sieben Personen. Von insgesamt 59 Bauern und 52 Kossaten war die Bevölkerung der Güter auf acht Bauern und einen Kossaten heruntergegangen. Diese repräsentierten zusammen mit zwei Handwerkern und 17 Dienstleuten die ganze Einwohnerschaft des Güterkomplexes. Im Jahre 1703 lebten insgesamt schon wieder 404 Einwohner auf den Ivenacker Gütern und 1859 wurden dort bereits wieder 1876 Einwohner gezählt.

Übergang vom Domanium zur Ritterschaft mini|hochkant|Porträt des Schloss-Erbauers Ernst Christoph von Koppelow auf seinem Epitaph in der Kirche

Nachdem die Güter im Laufe des 17. Jahrhunderts als Teil des Domaniums des Herzogs immer von der herzoglichen Kammer verpachtet gewesen waren, trat im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts eine grundlegende Veränderung in den Besitzverhältnissen ein, durch welche das vormalige „Domanial-Amt Ivenack“ zu einem ritterschaftlichen Gut im Zuständigkeitsbereich des ungefähr 150 km weit entfernten ritterschaftlichen Amtes Wittenburg wurde.

Herzog Friedrich Wilhelm I. von Mecklenburg-Schwerin wollte sein Jagdrevier um die Güter Bakendorf und die angrenzenden Güter der Hagenower Gegend im ritterschaftlichen Amt Wittenburg erweitern, die zu seinem bevorzugten Jagdrevier nahe seiner Residenz zählten. Die Güter standen im Besitz des Geheimen Rats Ernst Christoph von Koppelow, den er im Jahre 1709 zu einem Tauschvertrag drängte, mittels dessen Koppelow im Tausch für seine bisherigen Besitztümer das bis dahin herzogliche Amt Ivenack mit den zugehörigen Nebengütern erhielt.

Koppelow erhielt das Amt Ivenack, also den ganzen ehemaligen Klosterbesitz, als ein freies Allodium, jedoch mit dem Vorbehalt der landesfürstlichen Hoheiten und Gerechtigkeiten und auch der Reichs-, Kreis- und gemeinen Landbesteuerung. Außerdem erhielt er dazu noch 5000 Taler zum Bau eines neuen Wohnhauses – der Tauschvertrag besagte, dass „zu Ivenack keine tüchtige Wohnung“ vorhanden war. Friedrich Wilhelm I. ließ den Tausch von seinen jüngeren Brüdern Karl Leopold und Christian Ludwig II. von Mecklenburg-Schwerin, dem Herzog Adolf Friedrich III. von Mecklenburg-Strelitz bestätigen und holte dazu eine kaiserliche Konfirmation ein. In den Urkunden ist bezeugt, dass sich Koppelow nur schweren Herzens auf den Tauschhandel einließ. Der dänische Gutsbesitzer Friedrich von Buchwald berichtete nach einem Besuch über Ivenack:

„Ivenack gehörte bis 1709 zu den herzoglichen Domainen, und war damals unter dem Namen des Mecklenburgischen Siberiens bekannt, weil der wenigste Teil angebaut, und das Meiste Wald und Morast war. Es war daher auch nur zu 2.000 Reichstaler jährlicher Einkünfte angeschlagen. In dem angeführten Jahre ward es gegen ein anderes Gut, welches der Koplovschen Familie zugehörte, und mitten in der herzoglichen Wildbahn lag, vertauscht.“Friedrich von Buchwald (aus dem dänischen übersetzt von Valentin August Heinze): Ökonomische und statistische Reise durch Mecklenburg, Pommern, Brandenburg und Holstein. Kopenhagen 1786.

Erst durch Koppelow und seine Nachfolger habe sich die Situation in Ivenack geändert:

„Seit dieser Zeit sind die Besitzer desselben fleissige und vermögende Landleute gewesen. Durch Abgrabung und Ausrottung der Moräste, welche nicht torfartig, sondern fett und lehmig waren, ist ein Meierhof nach dem andern angelegt worden: so dass hier nun zusammen 700 Kühe gehalten werden, welche das Stück zu 10 Reichstaler verpachtet sind. Auf den Feldern stand der Weizen sehr gut; aber vornämlich fiel mir Roggen in die Augen, welcher ganz ohne Unkraut, ja wo nicht ein Grashälmchen in der Erde, zu sehen war. Die Ähren waren lang und glatt, und die Körner fast so groß und gelb, wie Weizenkörner.“

Der Name „Amt Ivenack“ bezeichnete fortan das Hauptgut zu den zugehörigen neun Nebengütern, das seit dem Tausch im Jahr 1709 zur Besteuerung dem ritterschaftlichen Amt Wittenburg auf dem Gebiet der Ritterschaft im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin zugelegt worden war.