Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) ist eine US-amerikanische Filmproduktions- und Filmverleihgesellschaft, die 1924 durch die Fusion von Metro Pictures Corporation, Goldwyn Picture Corporation und Louis B. Mayer Pictures entstand. Seit 2022 ist sie eine Tochtergesellschaft von Amazon MGM Studios, die wiederum eine Tochtergesellschaft von Amazon ist. Das Unternehmen hatte seine künstlerische und wirtschaftliche Blütezeit bis zum Ende der 1940er-Jahre, geriet dann aber vermehrt in Insolvenzgefahr. Im Mai 2021 gaben Amazon und MGM bekannt, dass der Onlinekonzern das Filmstudio für 8,45 Milliarden US-Dollar übernehmen wolle. Dies wurde im März 2022 abgeschlossen.
Geschichte Gründung Metro-Goldwyn-Mayer entstand 1924 als Zusammenschluss der Filmproduktionsgesellschaften Metro Pictures Corporation, Goldwyn Picture Corporation und Louis B. Mayer Pictures in Los Angeles. Die Metro Pictures trugen zu dem Zusammenschluss vor allem Stars und Regisseure bei, die Goldwyn Pictures das Löwen-Logo sowie ihre bedeutenden Studioanlagen und die Mayer Pictures ihren geschäftstüchtigen Topmanager, Louis B. Mayer. Die MGM, die sich in Culver City niederließ, war ein Tochterunternehmen der seit 1904 bestehenden Kinokette Loew’s, Inc. Offizielles Gründungsdatum der MGM war der 17. Mai 1924; Louis B. Mayer weihte sein Studio allerdings schon am 26. April 1924 ein.John Douglas Eames: The MGM Story. The Complete History of Fifty-four Roaring Years. London (Octopus/Sundial) 1979, ISBN 0-904230-23-6, S. 5. Mayer selbst kam mit Nicholas Schenck, dem Chef der New Yorker Muttergesellschaft Loew’s, Inc. nicht aus, und der Streit eskalierte 1928, als Schenck versuchte, an Mayer vorbei die MGM an William Fox zu verkaufen.
Die Gründung der MGM im Jahre 1924 war eines der Ereignisse, die den Beginn des klassischen Studiosystems markieren. Paramount erfuhr durch MGM dauerhafte Konkurrenz, nachdem die Versuche von First National am fehlenden Kontingent von Stars gescheitert waren. Neben der bereits lange existierenden Gesellschaft Universal kam Warner Bros., ab 1928 verstärkt um First National, und die Fox hinzu (die allerdings 1933 bankrott ging und Ende 1934 mit 20th Century Pictures zu 20th Century Fox fusionierte). RKO verschmolz erst zu Beginn der Tonfilm-Ära zur abschließenden Struktur und United Artists spielte stets eine Sonderrolle, da diese Firma sich als Vertriebsstätte für unabhängige Produzenten verstand.Joel W. Finler: The Hollywood Story. New York (Crown Publishers Inc.) 1988. ISBN 0-517-56576-5, S. 114.
Die MGM unter Louis B. Mayer (1924–1951) mini|Das Symboltier der MGM:„Leo der Löwe“hier als Skulptur vor dem Casino-Hotel MGM Grand in Las Vegas Management Louis B. Mayer stand der MGM als Studiochef (studio head) vor. Produktionschef wurde der erst 24-jährige Irving Thalberg, dessen besonderes Talent darin bestand, bei der Auswahl von Drehbüchern, Besetzung und Drehstab gute Entscheidungen zu fällen. Die Zusammenarbeit von Mayer und Thalberg erwies sich zunächst als sehr effektiv, und unter ihrem Management wurde die MGM schnell zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Branche. Thalberg überwachte die Filmproduktion und beauftragte stets einen Supervisor wie Albert Lewin, Bernard Hyman, Lawrence Weingarten oder Hunt Stromberg mit der Ausführung. Diese Supervisors achteten auf das Drehbuch, beaufsichtigten das Budget und koordinierten die Dreharbeiten.
Nach der Einführung des Tonfilms kam es zwischen Mayer und Thalberg jedoch allmählich zu Spannungen. Mayer, der von einer Gruppe loyaler Assistenten wie Eddie Mannix und Benny Thau unterstützt wurde, versuchte zu beweisen, dass er das Studio eigentlich auch ohne Thalberg leiten könne. Thalberg bereitete die Gründung eines eigenen Produktionsunternehmens vor und schloss mit vielen MGM-Stars, die er übernehmen wollte, persönliche Verträge. Der Plan scheiterte jedoch, weil Thalberg 1932 ernstlich krank wurde. 1933 stufte Mayer ihn in seiner Abwesenheit vom Produktionschef zum „Produzenten“ herab; 1936 starb Thalberg. Einen Nachfolger setzte Mayer erst 16 Jahre später ein: neuer Produktionschef wurde 1948 der Autor und Produzent Dore Schary.
Der typische MGM-Look Das Studio MGM, das praktisch von 1926 bis 1943 regelmäßig die höchsten Gewinne aller Studios einfuhr, war bekannt für einen gleichmäßig hohen handwerklichen Standard der Filme sowie für den Wiedererkennungswert seiner Produktionen. Für den visuellen Wiedererkennungswert sorgten vor allem die Artdirectors unter Führung von Cedric Gibbons und Kostümdesigner, die unter Leitung von Gilbert Adrian so talentierte Köpfe wie Dolly Tree beschäftigten. Besonders signifikant für die typische MGM-Produktion waren die Kameraleute und Beleuchter, die strikte Anweisungen hatten, jede Szene möglichst hell auszuleuchten. Schatten und harte Kontraste waren meist unerwünscht. Der ideale Kameramann war aus diesem Grunde auch William H. Daniels, der es wie kaum ein anderer verstand, die Stars gut aussehen zu lassen.
Einen Spitzenstandard hatte ebenfalls die Make-up-Abteilung, die Hairstylisten unter Leitung von Sydney Guilaroff sowie die Tonabteilung unter Douglas Shearer, die über Jahrzehnte Maßstäbe für die gesamte Branche setzten.
Stars Zu den materiellen und menschlichen „Vermögenswerten“ der MGM zählten neben den Studioanlagen in Culver City hervorragende technische Mitarbeiter und eine exquisite Auswahl von Stars. Bei Gründung des Studios konnte es auf Namen wie Mae Murray, Lillian Gish, John Gilbert, Ramón Novarro, Alice Terry, Viola Dana und William Haines zählen. MGM hatte zu Beginn der 1930er so viele namhafte Schauspieler unter Vertrag, dass das Studio mit dem Slogan: „More Stars than there are in Heaven“ (zu Deutsch: Mehr Sterne als es im Himmel gibt) warb. Nachdem spitzfindige Kritiker darauf hinwiesen, dass damit Bezug auf die bereits Verstorbenen genommen werden könnte, wurde der Slogan wieder fallengelassen. Im Konkurrenzkampf, den die MGM gegen die anderen großen Hollywood-Studios – und später gegen das Fernsehen – führte, behielt sie mit ihren vielen Stars jedoch einen wichtigen Trumpf in der Hand.
Seit den frühen 1930er-Jahren nutzte sie diesen Vorsprung auch zur Verwendung von Starbesetzungen, also zur Produktion von Filmen, in denen alle Hauptrollen mit namhaften Stars besetzt waren. Der erste Film dieser Art war Menschen im Hotel aus dem Jahr 1932, in dem neben Greta Garbo und Joan Crawford etliche weitere Topstars mitwirkten. MGM trotzte der Wirtschaftskrise vor allem dank seines großen Staraufgebots. Mit Marie Dressler, Helen Hayes, Norma Shearer, Greta Garbo, Marion Davies, Joan Crawford, Jean Harlow, Ramón Novarro, John Gilbert und den drei Barrymore-Geschwistern Ethel, John und Lionel, standen einige der größten Kassenmagneten überhaupt unter Vertrag. Mit dem Aufstieg von Clark Gable bekam das Studio, das wegen des überproportional hohen Anteils von weiblichen Stars immer auch als Matriarchat bezeichnet wurde, einen dringend benötigten neuen männlichen Liebhaber, nachdem John Gilberts Karriere seit dem Tonfilm im Schwinden war.
Im Studio war Irving Thalberg eher noch als Mayer der Entdecker von neuen Talenten beziehungsweise der Revitalisierung von Ex-Stars. Er war verantwortlich für den Aufstieg seiner Ehefrau Norma Shearer, betreute Marie Dressler und verhalf Myrna Loy zu ihrer Karriere. Doch auch Thalberg machte Fehler und seine mit viel Tamtam angekündigte Entdeckung Eva von Berne verließ das Studio schon nach einem Film wieder.
Louis B. Mayer entdeckte Stars wie Greta Garbo, Hedy Lamarr und Greer Garson. Er hatte viel Respekt vor talentierten Künstlern und auf ihn geht der Ausspruch zurück: I’ll kneel down and kiss the ground, where talent walks. Wo das Talent geht, werde ich niederknien und den Boden küssen.
Nach 1932 übernahm immer mehr Mayer und dessen konservativer Geschmack die Entscheidung über die Produktionspalette von MGM und damit rückten immer mehr harmlos-heitere Familienfilme wie Andy Hardy in den Mittelpunkt der Produktion. Daneben mochte Mayer opulente Operetten und verpflichtete wohl auch deshalb persönlich Jeanette MacDonald für das Studio, die nach dem Erfolg von Naughty Marietta in einer ganzen Anzahl von aufwändig produzierten Singstücken auftrat. Zu seinen persönlichen Lieblingsfilmen gehörte nicht ohne Grund The Great Waltz von 1938, der das Leben von Johann Strauss mit dem größtmöglichen Aufwand auf die Leinwand brachte und von nicht wenigen Kritikern als The Great Schmaltz eingestuft wurde.
Weitere Stars, die ihre Karriere bei MGM begannen bzw. fortsetzten, waren die Marx Brothers, Buster Keaton, Fred Astaire, Spencer Tracy, Nelson Eddy, Walter Pidgeon, Rosalind Russell, James Stewart, George Murphy, Gene Kelly, Lana Turner, Van Johnson, Red Skelton, Esther Williams, Frank Sinatra, Cyd Charisse, Deborah Kerr, Judy Garland, Ava Gardner, Grace Kelly, Leslie Caron, Debbie Reynolds, Jane Powell, June Allyson, Roger Moore, Mickey Rooney, Johnny Weissmüller, Eleanor Parker, Ricardo Montalbán, Robert Montgomery und Janet Leigh.
Bedeutende Kinderdarsteller, die bei MGM unter Vertrag standen, waren Jackie Cooper, Freddie Bartholomew, Roddy McDowall, Claude Jarman Jr., Margaret O’Brien und Jackie „Butch“ Jenkins.
Eine „große, glückliche Familie“ mini|Louis B. Mayer (rechts) auf einem Publicity-Foto mit seinen Stars Judy Garland und Mickey Rooney (um 1940) Mayer produzierte nicht nur Filme für ein Familienpublikum, er konzipierte auch das Unternehmen selbst als „große glückliche Familie“; die Rolle des Patriarchen spielte er darin selbst. Obwohl Mayer, der die Interessen des Unternehmens zu schützen versuchte, seine Befugnisse dabei manchmal sehr großzügig auslegte, empfanden viele Stars und Techniker der MGM gegenüber tatsächlich weitaus größere Loyalität, als in der Branche sonst üblich war. Viele der Mitarbeiter blieben dem Unternehmen jahrzehntelang treu. So hatte Lionel Barrymore, der persönliche Lieblingsdarsteller von Mayer, einen lebenslangen Vertrag mit dem Studio. Robert Taylor, Lana Turner, Clark Gable oder Greer Garson, sie alle wirkten jeweils weit über zehn Jahre beim Studio, das erheblich bessere Arbeitsbedingungen aufwies als beispielsweise Warner Brothers, die den Beinamen „San Quentin of Burbank“ hatten.
Besonders Joan Crawford, die Mayer als seine persönliche Entdeckung ansah, und 18 Jahre lang unter Vertrag bei MGM stand, kam gut mit der väterlichen Art des Studiochefs aus. Mayer konnte jedoch auch ganz anders, so im Fall von Luise Rainer, die er nicht mochte und die er trotz zweier Oscar-Gewinne nach nur drei Jahren hinauswarf.
Etliche Stars stritten sich mit ihm um Geld und mehr Einfluss. Zu den wenigen Niederlagen, die Mayer einstecken musste, gehörte der Streik von Greta Garbo, die 1927 einfach verkündete: „Ich denke, ich werde jetzt heimgehen“ und solange wartete, bis MGM ihre Gage von 500 $ auf 5.000 $ erhöhte. 1932 war Garbo der erste Vertragsstar, dem die Gründung einer eigenen Produktionsfirma zugebilligt wurde. Ähnliches wurde vorher nur Marion Davies zugestanden, die jedoch ihre Firma gleich mit zu MGM gebracht hatte.
Drehstäbe