rechts|150px mini|hochkant=1.8|Höchst am Main mit Schloss, Justinuskirche und Stadtbefestigung im Jahr 1625. Stich von Daniel Meisner aus dem „Thesaurus philopoliticus“ Die Stadt Höchst am Main, heute der Frankfurter Stadtteil Höchst, hat eine über zwölfhundertjährige Geschichte. Lange Zeit war Höchst eine eigenständige Stadt und Vorposten des Kurmainzer Gebiets vor den Toren Frankfurts. Erst 1928 erfolgte die Eingemeindung nach Frankfurt.
Geografische Einordnung Höchst entstand an der Kreuzung frühgeschichtlicher Verkehrswege. Unmittelbar nach der Mündung der Nidda in den Main, zweier damals schiffbarer Flüsse, schiebt sich eine Hangkante fast bis ans Flussufer heran. Das Plateau ist hochwassersicher und war gut zu verteidigen. Am Fuße des Hangs führte eine Furt durch den Main, oben verlief eine vorrömische Altstraße, die Antsanvia oder Hohe Straße, ein Vorläufer der späteren Elisabethenstraße, die von der Mainmündung bei Kastel über Höchst bis in den Vogelsberg führte. Ausgehend von der Niddamündung strebte der Lindenweg (auch Linienweg genannt), eine vor-römische, geradlinige Verbindung über den Taunus-Übergang bei der heutigen Saalburg ins Lahngebiet. Nördlich von Sossenheim zweigte von diesem die alte Handelsstraße, die hessische Weinstraße (Wagenstraße) in die Wetterau ab.
Vor- und Frühgeschichte Einzelne Funde von Werkzeugen und von bearbeiteten Geweihstücken vom Ende des Jungpaläolithikums im Bereich der Höchster Altstadt lassen den Schluss zu, dass das Höchster Gebiet zu dieser Zeit bereits gelegentlich von Menschen bewohnt war. Eine dauerhafte Besiedelung ist jedoch nicht nachweisbar.
Erst mit Beginn der Jungsteinzeit lässt sich eine ständige menschliche Ansiedelung im Raum der Altstadt, der Höchster Neustadt und des Oberfeldes feststellen. Bei Bauarbeiten und Ausgrabungen wurden Siedlungsreste und Gefäßscherben aus der Bandkeramikzeit und der Michelsberger Kultur gefunden.
Hügelgräber und Urnenfelder aus der Bronzezeit geben Aufschluss über eine fortdauernde menschliche Besiedlung des Höchster Raums. Ebenfalls bei Bauarbeiten gefunden wurden eisenzeitliche Gräber aus der Hallstatt- und La-Tène-Zeit, die auf keltische Bewohner hinweisen. Ein Oppidum lässt sich jedoch nicht nachweisen, wie auch noch von keiner festen Ortsstruktur im Sinne eines Dorfes ausgegangen werden kann.
Römische und vorfränkische Zeit
Kurz nach der Zeitenwende errichteten die Römer auf dem Hochufer über dem Main ein Kastell. Nicht genau nachgewiesen, aber möglich ist, dass in Höhe der Wörthspitze bei der Niddamündung eine Brücke den flachen Main überspannte und die römische Ansiedlung mit den südmainischen Gebieten um die heutigen Orte Kelsterbach und Groß-Gerau verband.
Die Römer bauten bestehende keltische Altstraßen aus und legten zahlreiche neue Verbindungen an: Zur Saalburg bzw. dem dortigen Taunus-Übergang den Linden- oder Linienweg, über diesen nach dem Elisabethenstraßen-Übergang zur Wetterau die Weinstrasse, auf der Wasserscheide Main / Nidda die Hohe Straße zum Vogelsberg und nach Thüringen. In nordwestlicher Richtung zum Feldberg zieht heute noch die Königsteiner Straße, und die Strecke entlang dem Mainlauf findet sich nach der Niddabrücke als Verbindung über Griesheim und den Gutleuthof nach Frankfurt. Dies sind heute der Nieder Kirchweg sowie die Stroofstraße.
In der geschützten Niddamündung wurde ein Flusshafen eingerichtet, am nördlichen Niddaufer entstand eine Militärziegelei im Bereich der heutigen Nieder Gemarkung.Wolfgang Metternich: Ende gut, alles grün. Die lange Geschichte der Häfen in Höchst. In: Vereinsring Frankfurt (M)-Höchst e.V (Hrsg.): Festschrift zum Höchster Schloßfest 2007. Frankfurt am Main 2007, S. 24–30. infraserv.com (PDF 1 MB). Die Legio XXII Primigenia stellte hier zwischen den Jahren 85 und 120 Ziegel her. Mit Weiterbau des Limes zur Mitte des 2. Jahrhunderts wurde die zeitweilig eingestellte Ziegelproduktion wieder aufgenommen. Erhalten sind mehr als 200 verschiedene Ziegelstempel, die meisten von der XXII. Legion.
Die Siedlung verlor mit dem Bau der Elisabethenstraße über Hofheim und der Anlage des Limes an wirtschaftlicher und militärischer Bedeutung. Sie entwickelte sich zu einer zivilen Siedlung. Als die Alamannen ab 260 den Limes überwanden und in römisches Gebiet einfielen, zogen sich die Römer in ihre linksrheinischen Gebiete zurück und gaben ihre Besitzungen rechts des Rheins auf. Die Siedlung an der Niddamündung wurde zur Wüstung, Überlieferungen und Berichte über eine Wiederbesiedelung des Höchster Gebietes nach dem Rückzug der Römer gibt es nicht. Lediglich einige Indizien weisen auf ein alemannisches Gehöft im 4. Jahrhundert und einen merowingischen Königshof am Rande der heutigen Altstadt im 5. Jahrhundert hin.
Unter dem Krummstab: Die mainzische Zeit – 790 bis 1803 Das Dorf Höchst im Früh- und Hochmittelalter mini|links|Ersterwähnung des villa hostat. Ausschnitt aus dem Lorscher Codex (12. Jahrhundert) mit dem Urkundstext von 790. mini|Die Höchster Justinuskirche in ihrer heutigen Gestalt mit karolingischer Basilika und gotischem Chor mini|Das karolingische Mittelschiff der Justinuskirche mini|Der Höchster Ochsenturm aus dem 13. Jahrhundert Erst aus dem 8. Jahrhundert gibt es wieder Hinweise auf eine Besiedelung des Hochplateaus über der Nidda mit Gehöften. Von einem Dorf im heutigen Sinn kann dabei allerdings keine Rede sein, es handelte sich vielmehr um eine lockere Ansammlung von Einzelgehöften. Die erste urkundliche Erwähnung dieser Ansiedlung erfolgte am 5. August 790 im Lorscher Codex, als der fränkische Gutsherr Thiotmann dem Kloster Lorsch ein Anwesen in villa hostat in Nitahgowe schenkte, im „Dorf auf der hohen Stätte im Niddagau“. Zu späteren Zeiten schrieb der Renaissancelyriker Georg Calaminus die Hostato-Sage in Versform auf, nach der der Knappe Hostato als einziger die Schlacht von Roncesvalles überlebte und deswegen von Karl dem Großen als Dank für seine Tapferkeit zum Ritter geschlagen und zum Vogt der hohen Stätte ernannt wurde.
Spätestens ab dem frühen 9. Jahrhundert hatte das Erzbistum Mainz, das nach Ausbau seiner Territorialherrschaft strebte, so viele Einzelprivilegien nach fränkischem Recht in den Gebieten entlang des Mains von Mainz bis Frankfurt auf sich vereinigt, dass Höchst Teil des Mainzer Besitzes war und nicht mehr zum Niddagau gehörte. Annalen des Klosters Fulda aus dem Jahr 849 berichten vom „Hofgut Höchst im Gebiet von Mainz“.villa hohstedui quae es territorio mogontiaco – Annales Fuldenses sive Annales regni Francorum orientalis ab Einhardo, Ruodolfo, Meginhardo fuldensibus, Seligenstadi, Fuldae, Mogontiaci conscripti cum continuationibus Ratisbonensi et Althanensibus. Hrsg. von Friedrich Kurze. Monumenta Germaniae Historica. Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi (SS rer. Germ. u. S.) 7. Hannover 1891, unveränderter Nachdruck Hannover 1993, ISBN 3-7752-5303-3, S. 39 Z. 10–11. Online-Edition: daten.digitale-sammlungen.de – Deutsche Übersetzung: Jahrbücher von Fulda. In: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte 3. Unter Benutzung der Übersetzungen von C. Rehdantz, E. Dümmler und W. Wattenbach neu bearbeitet von R. Rau (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe 7). Darmstadt 1982, ISBN 3-534-06965-X, S. 19–177, hier S. 39. Die Mainzer Herrschaft dauerte fast tausend Jahre bis zum Jahr 1803, noch heute erinnert das Mainzer Rad im Höchster Wappen daran.
Ab ungefähr 830 ließ der Mainzer Erzbischof Otgar von Mainz auf dem hohen Ufer über dem Main die Justinuskirche errichten, die bis heute weitgehend erhalten ist. Sie ist eine der ältesten Kirchen Deutschlands und das älteste Bauwerk Frankfurts. Die für die Siedlung viel zu große Kirche war ein Machtsymbol des Mainzer Erzbischofs gegenüber dem Frankfurter Königshof. Zugleich diente sie im Rahmen kirchlicher Siedlungspolitik dazu, die Entstehung einer dörflichen Ansiedlung und Konzentration der bis dahin in verstreuten Einzelgehöften lebenden Bevölkerung um die Kirche zu fördern. Otgars Nachfolger Rabanus Maurus weihte den Bau nach seiner Fertigstellung im Jahr 850. Die Justinuskirche diente als Dorfkirche. In der Folgezeit entwickelte sich das Dorf Höchst entlang der Hauptstraße zwischen einem mainzischen Fronhof im Westen, der im Bereich der Wed gelegen war, und der Justinuskirche im Osten. Die westliche Grenze Höchsts bildet ein Mündungsarm des Liederbachs, der über den Bereich des heutigen Schloßplatzes zum Main floss. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts konnte von einem Dorf Höchst die Rede sein.Aribo von Mainz lud 1024 den Bischof Meginhard von Würzburg mit den Worten ‚convenire nos in unum in vigilia ascensionis Domini in loco vicino qui dictur Hosteti iuxta Moguntiam‘ zur Regionalsynode nach Höchst ein. Dabei bezeichnet der Begriff locus in der mittelalterlichen Urkundensprache ein Dorf, im Gegensatz zu villa, das auf ein Einzelgehöft bezogen ist. Zitiert nach Lit. Metternich: Die städtebauliche Entwicklung von Höchst am Main. und W. v. Giesebrecht: Die Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 2. München 1885, S. 706, Nr. 2a.
Aus dem 11. Jahrhundert ist die Entstehung eines weiteren erzbischöflichen Hofes westlich der Justinuskirche überliefert. Zusammen mit der Justinuskirche wurde er dem Kloster St. Alban in Mainz geschenkt. Die Kirche wurde in Schriften des Stifts gezielt als einsturzgefährdet bezeichnet; St. Alban erhielt auf diese Weise als Dreingabe weitere Ländereien und Privilegien in Höchst. Renovierungsarbeiten an der angeblich baufälligen Kirche fanden jedoch nicht statt. Die Höchster Niederlassung der Abtei St. Alban blieb bis zum Jahr 1419 in Höchst.
Im 12. Jahrhundert setzte das Bistum Mainz einen Burggrafen in Höchst ein; urkundlich erwähnt wird ein Graf Gotfried von der Wartburg, ein Verwandter des Erzbischofs Heinrich I.Codex diplomaticus nassoicus. Herausgegeben von W. Sauer und K. Menzel. Wiesbaden 1885. Band 1, Nrn. 202, 203, 220, 229, 230. Nach Lit. Metternich: Die Burg des 13. Jahrhunderts in Höchst am Main. Ein solcher Statthalter hatte üblicherweise seinen Sitz in einer Stadt oder einer Burg. Höchst war zu dieser Zeit noch keine Stadt, daher kann aus der nachgewiesenen Existenz eines Amtmanns geschlossen werden, dass bereits Mitte des 12. Jahrhunderts eine Burg als Vorgängerin des heutigen Höchster Schlosses existierte. Bei Schachtungsarbeiten auf der Schlossterrasse wurden 1981 Gräben gefunden, die aufgrund ihrer abweichenden Ausrichtung nicht zur – nachgewiesenen – späteren gotischen Zollburg gehören konnten.siehe Lit. Metternich: Die Burg des 13. Jahrhunderts in Höchst am Main.
Der in Höchst und anderen Orten des Untermains erhobene Mainzoll wurde von Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1157 aufgehoben und verboten. Lediglich an drei Orten, Frankfurt, Aschaffenburg und Neustadt durfte noch der Flusszoll erhoben werden.MGH Const. 1 Nr. 162, S. 225. Nach U. Maier, Cl. Bandur und R. Kubon: Der Zollturm zu Höchst am Main. HGH 34/35. Frankfurt-Höchst 1984: Verein für Geschichte und Altertumskunde e. V. Mit dem Verfall der kaiserlichen Macht im 13. Jahrhundert hatte Kurmainz die Möglichkeit, in Höchst wieder Zoll zu erheben. Es wurde eine neue und größere Burg errichtet, die nach der Landseite hin eine hohe und fast fünf Meter dicke Schildmauer besaß. Folge des Burgbaus war eine bescheidene Ausdehnung Höchsts nach Westen. Durch den Aushub des Burggrabens wurde der tief eingeschnittene Mündungsarm des Liederbachs zugeschüttet, der Schloßplatz weitgehend auf sein heutiges Niveau angehoben und das Wasser direkt in den Burggraben geleitet.
Im Norden und Osten des Burgplatzes entstand zwischen dem Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts eine neue Bebauung. Der Allmeygang, der bisher direkt zum Main geführt hatte, wurde auf den neuen Platz umgeleitet. Westlich der Burg stand der Ochsenturm als freistehender Wartturm, er wurde später in die im 15, Jahrhundert entstehende Stadtbefestigung einbezogen.