Bobenhausen II (früher Babinhusin) ist ein Ortsteil der Stadt Ulrichstein im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geografische Lage Der Ortsteil liegt circa vier Kilometer westlich des Kernorts Ulrichstein am Lauf des Gilgbaches. Mit dem Kernort verbindet ihn die Landesstraße 3073.

Geschichte Ersterwähnung Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung als Babenhusen stammt vom 13. Dezember 1294. Die Urkunde bezeugt eine Schenkung der Einkünfte aus Gütern „in jurisdictione Babenhusen“ (im Gericht Bobenhausen) durch „Gertrudis de Lynden“ (von Linden) an das Kloster Arnsburg. Gertrud war die Witwe des Ritters Johannes von Grunenberg, für dessen Seelenheil sie die Einkünfte schenkt. Ihr Sohn Mengot, ebenfalls Ritter in Grünberg, stimmt zu.Ludwig Baur: Hessische Urkunden I. Nr. 1303, S. 879. Der Ortsname soll sich von dem Personennamen Babo ableiten.Lutz Reinhardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Göppingen 1973. S. 61. In einer Urkunde des Klosters Arnsburg aus dem Jahre 1368 wird die Lage des Ortes angegeben: „de Babinhusen prope castrum Ulrichstein“ (von Bobenhausen nahe der Burg Ulrichstein).Ludwig Baur: Arnsburger Urkundenbuch. Nr. 974, S. 591. 1306 heißt es „villarum Babinhusen ..., Pedirsheyn, Aldenheyn“.Valentin Ferdinand Gudenus: Codex diplomaticus anecdotorum res Moguntinas, Trevirenses, Franconicas, Palatinas, finitmarumque regionum nec non jus germanicum et S. R. I. historiam vel maxime illustratium (Vol. 1–5), Vol, S. 996, Nr. 119

Grafschaft Isenburg Die Burg Ulrichstein, die Gerichte Bobenhausen und Felda sowie das Gericht Schotten befanden sich ursprünglich im Besitz der Grafschaft Isenburg-Büdingen. Obwohl das Gebiet in den Besitz der Landgrafschaft Hessen kam, blieben die Grafen von Isenburg im Besitz des Zehnten des Gerichts Bobenhausen und des Kirchensatzes Bobenhausen. Nachweislich wurde die Grünberger Familie von Sassen seit 1353 mit dem Zehnten des Gerichts Bobenhausen belehnt.Kuchenbecker, Anal. Hass. Coll. VII, 106.

Gericht Bobenhausen Die Gerichte Bobenhusen und Felda finden 1337 Erwähnung: „... dy gerichte czu Babenhusen vnd tzu Velle ...“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 768, S. 532. Volpracht von „Sassin“ und seine Frau Bechte, bekennen am 15. Juli 1364, dass sie ihren Teil des Zehnten zu „Babenhusen, zu abern Sifeharterode (Ober-Seibertenrod), zu LangenwaßereTeilwüstung, Hof zwischen Ulrichstein und Lauterbach., zu Feltkrucken (Feldkrücken), zu Kulzenhan (Kölzenhain), czu Lynscheit, zu Albinshan, zu Wanefelde (Wohnfeld), czu Selinrodrode (Sellnrod), czu Heckirstorf (Höckersdorf), czu Pedirshan (Petershainer Hof), czu Falkenandischan und zu Selginstad“ verkauft haben. Käufer sind „Clase von Sassen“, Schöffe zu „Grunenberg“, dessen Frau Hildeburg, deren Töchter und Söhne, die dafür 150 „phunt heller“ zahlen. Volpracht und Clase von Sassen sind Brüder. Zeuge ist u. a. Johann von Kestrich, Schöffe in Grünberg.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Bobenhausen II:

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständige Gemeinde Bobenhausen II und weitere Gemeinde zum 31. Dezember 1971 freiwillig mit der Stadt Ulrichstein zur erweiterten Stadt Ulrichstein. Für Bobenhausen wurde ein Ortsbezirk errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Bobenhausen II angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Ulrichstein ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Amt Ulrichstein (Söhne der Margarethe von der Saale) ab 1570: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Ulrichstein, Gericht Bobenhausen 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Ulrichstein, Gericht Bobenhausen 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Ulrichstein, Gericht Bobenhausen ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Oberamt Alsfeld, Amt (und Gericht ab 1803) Ulrichstein ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Ulrichstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk SchottenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Schotten) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1838: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg (und Landgericht Ulrichstein) ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen (seit 1946), Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt UlrichsteinAm 31. Dezember 1971 wurde Bobenhausen mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Stadtgemeinde Ulrichstein zusammengeschlossen. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Ulrichstein

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Bobenhausen das Amt Ulrichstein zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Bobenhausen viel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“. Durch Verfügung des Großherzoglich Hessischen Ministerium des Innern und der Justiz wurden am 1. Dezember 1838 Bobenhausen an den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Ulrichstein abgetreten.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Ulrichstein“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.

1943 verlor das Amtsgericht Ulrichstein seine Selbständigkeit und wurde zur Zweigstelle des Amtsgerichts Schotten.Verfügung des Landgerichtspräsidenten in Gießen vom 16. Juni 1943 — 3200 — Betrifft: Errichtung der Zweigstelle Ulrichstein des Amtsgerichts Schotten Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten und Bobenhausen kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Alsfeld. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Kirchengeschichte mini|Evangel. Kirche, St. Gangolf

Der Turm der evangelischen Kirche St. Gangolf wird um das Jahr 1000 datiert.

Als Pfarrer in Bobenhausen wirkten bis zur Reformation: Henricus Camerius bis 1335 Nicolaus de Sassen Eckartius Hortlip, 1401 Johannes Ryche, 1460 Johannes de Sassen, seit 1460 Henricus Pistor, alias Cratz 1485 Henricus Bonecker Johannes Goldensthoeffe, 1490 Johannes Luchter, 1507C. F. Ayermanns diplomat. Nachricht ...in: Joh. Friedr. Conrad Retter, Hess. Nachricht, I, S. 2 f.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bobenhausen 378 Einwohner. Darunter waren 12 (3,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 51 Einwohner unter 18 Jahren, 132 zwischen 18 und 49, 99 zwischen 50 und 64 und 96 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 186 Haushalten. Davon waren 63 Singlehaushalte, 69 Paare ohne Kinder und 42 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 51 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 105 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1791: 578 Einwohner • 1800: 548 Einwohner • 1806: 586 Einwohner, 110 Häuser • 1829: 637 Einwohner, 119 Häuser • 1867: 595 Einwohner, 115 bewohnte Gebäude • 1875: 566 Einwohner, 113 bewohnte Gebäude

Religionszugehörigkeit • 1829: 591 evangelische (= 92,78 %), 2 katholische (= 0,31 %), 44 jüdische (= 6,91 %) Einwohner • 1961: 468 evangelische (= 91,76 %), und 32 katholische (= 6,27 %) Einwohner

Politik Für Bobenhausen II besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Bobenhausen II) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 52,23 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Bobenhausen“ an. Der Ortsbeirat wählte Karl-Heinz Rudi zum Ortsvorsteher.

Vereine In Bobenhausen II gibt es die folgenden Vereine: Männergesangverein 1921 Bobenhausen II Sportverein SV Germania Bobenhausen e. V. Freiwillige Feuerwehr Bobenhausen II e. V. Jugend- und Freizeitclub Bobenhausen II

Söhne und Töchter Bobenhausens Konstantin Reitz (1817–1853), österreichischer Konsul, Afrikaforscher

Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Bobenhausen II Jüdischer Friedhof (Bobenhausen)

Literatur Hans Heinrich Zimmermann: Bobenhausen. Selbstverlag, Ulrichstein-Bobenhausen II 1995. Christoph Friedrich Ayermanns diplomatische Nachricht von der Kirche zu Bobenhausen in Hessen. in: Johann Friedrich Conrad Retter, Hessische Nachrichten, darinnen allerhand zur Historie und Litteratur von Hessen und der Nachbahrschafft gehörige Anmerckungen, Urkunden und Untersuchungen. Erste Sammlung. Franckfurt am Mayn 1738, p. 1–33.

Weblinks

Stadtteil Bobenhausen. In: Webauftritt der Stadt Ulrichstein.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Die Zugehörigkeit des Amtes Ulrichstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und

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