mini|Logo der Stadt Bingen am Rhein mini|Bingen und Bingerbrück von der Elisenhöhe mini|Stadtteil Büdesheim
Bingen am Rhein ist eine große kreisangehörige Stadt im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Einwohner Bingens werden „Binger“ genannt, das Wort Bingener ist hingegen verpönt.
Der römische Name der Siedlung war Bingium. Bekannt ist Bingen unter anderem durch die Geschichte um den Binger Mäuseturm, in dem angeblich der Mainzer Erzbischof Hatto von Mäusen gefressen wurde. 2008 war Bingen Ausrichter der dritten rheinland-pfälzischen Landesgartenschau nach Kaiserslautern und Trier, 2029 wird es Teil der BUGA Bundesgartenschau werden.
Geographie Lage Bingen befindet sich unmittelbar südöstlich des Rheinknies am Binger Wald, der sich westlich der Stadt erhebt. Nördlich erhebt sich auf der anderen Rheinseite das Rheingaugebirge mit dem vorgelagerten Niederwald bei Rüdesheim als dem südwestlichen Ausläufer des Taunus. Die Nahemündung zwischen Bingen und dem Stadtteil Bingerbrück markiert die Grenze zwischen Oberrhein und Mittelrhein.
Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz liegt circa 25 Kilometer östlich von Bingen, Koblenz befindet sich circa 50 Kilometer nordwestlich der Stadt.
Das UNESCO-Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal schließt die gesamte Stadt Bingen mit ein, obwohl deren Hauptteil in Rheinhessen liegt. Der Rochusberg wird nahezu vollständig vom Stadtgebiet umschlossen.
Nachbargemeinden Rechtsrheinisch gegenüber von Bingen liegt die hessische Stadt Rüdesheim am Rhein im Rheingau-Taunus-Kreis. Folgende weitere Nachbarstädte und -gemeinden schließen sich – allesamt linksrheinisch – im Uhrzeigersinn an: Ingelheim, Gau-Algesheim, Ockenheim, Appenheim, Aspisheim, Horrweiler, Gensingen, Grolsheim, Laubenheim, Münster-Sarmsheim, Weiler, Trechtingshausen.
Stadtgliederung Bingen am Rhein gliedert sich in acht Stadtteile mit insgesamt 27.653 Einwohnern (Stand 1. Juli 2026): Stadtteil Fläche(km²) Einwohner Kernstadt 8,68 8.532 Bingerbrück 3,51 3.336 Büdesheim 9,12 7.680 Dietersheim 4,16 1.973 Dromersheim 3,23 1.463 Gaulsheim 2,92 1.121 Kempten am Rhein 3,20 1.912 Sponsheim 2,91 1.636 Bingen am Rhein 37,73 27.653
Klima Der mittlere Jahresniederschlag beträgt circa 500–550 mm. Damit liegt Bingen im unteren Fünftel der in Deutschland erfassten Werte – an 14 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert.Niederschläge: Mittelwerte 1981–2010, Deutscher Wetterdienst Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,5-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren damit nach deutschen Maßstäben nur minimal und sind extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt.Übersicht Jahreswerte Bingen, Deutscher Wetterdienst, auf wetterdienst.de
Geschichte
Urgeschichte und Antike mini|hochkant|Aetherius-Grabstein aus dem 5./6. Jahrhundert in der Kirche St. Martin Das Gebiet des heutigen Bingen wurde wegen seiner verkehrsgünstigen Lage am Zusammenfluss von Nahe und Rhein und am Eintritt des Rheins in das Engtal bereits in antiker Zeit besiedelt. Der Ortsname ist erstmals in der Form Bingium im Werk des römischen Schriftstellers Tacitus (Anfang des 2. Jahrhunderts) im Kontext des Bataveraufstandes bezeugt und wird auf die urindogermanische Wurzel „bhengo-m“ (Ort an der Brechung des Flusses) zurückgeführt.Dieter Krienke: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18,1: Kreis Mainz-Bingen: Städte Bingen und Ingelheim, Gemeinde Budenheim, Verbandsgemeinden Gau-Algesheim, Heidesheim, Rhein-Nahe und Sprendlingen-Gensingen (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2007, ISBN 978-3-88462-231-5, S. 62. Eine andere Erklärung führt den Ortsnamen auf eine keltische Bezeichnung für „Loch im Fels“ zurück, was sich auf das Binger Loch beziehen könnte, das zur keltischen Zeit noch ein Riff war.
Es bestand wohl bereits eine keltische Siedlung am Ort. Nach der römischen Eroberung wurden römische Truppen am Ort stationiert, die ein Holz-Erde-Kastell errichteten. Es wurde eine hölzerne Brücke über die Nahe errichtet, über die die Römische Rheintalstraße führte und deren Reste dendrochronologisch auf das Jahr 77 n. Chr. datiert wurden. Bingen war Ausgangspunkt der Ausoniusstraße, einer römischen Militärstraße, welche die Stadt mit Trier verband.
Die christliche Gemeinde von Bingen ist für das 4. oder 5. Jahrhundert sicher nachgewiesen; aus der damals errichteten Kirche dürfte später die Kirche St. Martin hervorgegangen sein. Zwei christliche Grabsteine aus dem 5. und 6. Jahrhundert sind erhalten, der einer Mauricia (eingemauert in die Krypta von St. Martin) und der eines Priesters namens Aetherius (gefunden östlich der Stadt im antiken Gräberfeld, heute in der Kirche St. Martin).Kurt Böhner: Bingen im frühen Mittelalter. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Band 12: Nördliches Rheinhessen. Ingelheim, Bingen, Bad Kreuznach, Alzey, Oppenheim. Philipp von Zabern, Mainz 1969, S. 130–135, hier S. 130–132.
Mittelalter mini|Burg Klopp Nach dem Fall des Obergermanisch-Raetischen Limes wurde die Stadt im fünften Jahrhundert fränkisches Königsgut und ging 983 durch die Veroneser Schenkung von Otto II. an den Erzbischof Willigis von Mainz.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 224. Unter Otto III. kam der Binger Kammerforst dazu. Unter Willigis entstand ein Stück naheaufwärts die steinerne Drususbrücke.
mini|Gottfried Mascop: Stadtplan von 1577 mini|Bingen – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655 Die Binger strebten immer wieder nach Unabhängigkeit, was 1165 bei Streitigkeiten zwischen dem Erzbischof von Mainz und dem Kaiser zur Zerstörung führte. Im 13. Jahrhundert war Bingen Mitglied des Rheinischen Städtebundes. Der Bau der Burg Klopp Mitte des 13. Jahrhunderts kann wohl auch in diesem Zusammenhang gesehen werden. Ein letzter Versuch war die erfolglose Teilnahme am Bauernkrieg 1525. Vom Erzbischof erwarb das Mainzer Domkapitel 1424 und 1438 in zwei Hälften die Stadt. Bis Ende des 18. Jahrhunderts blieb Bingen unter dessen Verwaltung. Wie viele Städte im Tal litt Bingen durch mehrere Stadtbrände und Kriege.
Neuzeit Mit dem linksrheinischen Teil von Kurzmainz gehörte Bingen zur kurzlebigen Mainzer Republik. Nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen wurde die Region 1793 von Frankreich annektiert.
Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert, Bingen gehörte ab 1798 zum Département du Mont-Tonnerre und war Hauptort (Chef-lieu) des Kantons Bingen. Gerichtlich war im Bereich des Kantons für die Zivilgerichtsbarkeit das Friedensgericht Bingen zuständig, für die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit bestanden Notariate.Friedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik. Pfeiffer, Mainz 1801, S. 174. ("pages":,"panX":0.465,"panY":0.889,"view":„info“,"zoom":0.309%7D Digitalisat).
Aufgrund 1815 auf dem Wiener Kongress getroffener Vereinbarungen und eines 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen, und damit auch Bingen, zum Großherzogtum Hessen, das dieses neu erworbene Gebiet als Provinz Rheinhessen organisierte. Nach der Auflösung der Kantone in der Provinz wurde Bingen 1835 Sitz des Kreisrates des neu errichteten Kreises Bingen.
Das Friedensgericht Bingen wurde 1879 aufgelöst und durch das Amtsgericht Bingen ersetzt.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
mini|Bingen mit Drususbrücke um 1900 mini|Bingen am Rhein um 1912
Im Jahre 1929 wurde Büdesheim durch Eingemeindung ein Stadtteil von Bingen; Gaulsheim und Kempten folgten 1939.
mini|hochkant|Luftangriff auf Bingen am 29. Dezember 1944
Am 10. November 1938 wurde die 1905 erbaute Neue Synagoge von SA-Männern und Nazianhängern angezündet. Sie brannte bis auf die Umfassungsmauern ab.
Am 20. März 1942 wurden 76 jüdische Bürger gezwungen, in am Rheinufer geparkte LKW einzusteigen. So begann ihre Deportation in Vernichtungslager.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Bingen wiederholt Ziel von Luftangriffen der United States Army Air Forces. Dabei wurde vor allem der Rangierbahnhof im Stadtteil Bingerbrück angegriffen. Am 13. September 1944 wurde ein Besatzungsmitglied eines zuvor abgeschossenen amerikanischen Bombers von einem Mitglied der SA auf offener Straße erschossen. Bei Kriegsende 1945 rückten Truppen der United States Army in die Stadt ein.
Am 1. August 1960 wurde Dietersheim in die Kreisstadt Bingen eingemeindet.Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Ausgabe 1961. W. Kohlhammer, Stuttgart 1963, S. 747 (Digitalisat).
Am 7. Juni 1969 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Bingerbrück mit 3655 Einwohnern durch eine Gebietsreform eingemeindet. Am 1. Januar 1970 wurde Bingen auf ihren Antrag von der Landesregierung zur Großen kreisangehörigen Stadt erhoben.. Am 22. April 1972 folgte die Eingemeindung der Gemeinden Dromersheim (1221 Einwohner) und Sponsheim (665 Einwohner). Den Namenszusatz „am Rhein“ trägt die Stadt seit dem 1. Juli 1982.
Zur Landesgartenschau 2008 wurden die Rheinanlagen neu gestaltet.
Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl bezogen auf das heutige Stadtgebiet von Bingen am Rhein; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten.
Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung in Deutschland 2022 waren 37,8 % der Einwohner katholisch, 18,0 % evangelisch und 44,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2022 Religion Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand Juni 2026 waren von den Einwohnern 31,1 % katholisch, 15,2 % evangelisch und 53,7 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Stadt Bingen am Rhein, abgerufen am 8. Juli 2026.
Politik
Stadtrat Der Stadtrat in Bingen am Rhein besteht aus 36 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Oberbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU GRÜNE AfD FDP FWG LINKE ÖDP Gesamt 2024 10 12 5 3 2 3 – 1 36 Sitze 2019 11 11 6 – 3 3 2 – 36 SitzeWahlband Kommunalwahlen 2019 – Verbandsgemeindeebene – Endgültige Ergebnisse auf wahlen.rlp.de 2014 12 16 4 – 2 2 – – 36 Sitze 2009 10 16 4 – 4 2 – – 36 Sitze 2004 10 18 3 – 3 2 – – 36 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Bingen e. V.
Oberbürgermeister und Stadtvorstand Bei den Oberbürgermeisterwahlen am 22. April 2012 erzielte Thomas Feser (CDU) mit 51,78 % die absolute Mehrheit der Stimmen. Er wurde am 29. Mai im Rahmen einer Stadtratssitzung vereidigt. Am 24. November 2019 wurde Feser in einer Stichwahl mit 51,4 % für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.Thomas Feser bleibt Oberbürgermeister in Bingen
Neben dem Oberbürgermeister gehören dem Binger Stadtvorstand sowohl der Bürgermeister Ulrich Mönch (CDU) als auch der Beigeordnete Sebastian Hamann (SPD) an.
Wappen mini|hochkant|Siegelmarke Stadt Bingen aus der Zeit des Großherzogtums Hessen
Städtepartnerschaften Hitchin, Vereinigtes Königreich, seit 1958 Nuits-Saint-Georges, Frankreich, seit 1960 Prizren, Kosovo, seit 1968 Venarey-les-Laumes, Frankreich, seit 1967 (ursprünglich mit Bingerbrück, 1969 von Bingen übernommen) Anamur, Türkei, seit 2011 Kutná Hora, Tschechien, seit 2011
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