Fahr (bis 1978 Fahr am Main) ist ein Gemeindeteil der Stadt Volkach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Fahr hat eine Fläche von 4,117 km². Sie ist in 1529 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2692,59 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Elgersheim.
Fahr war bis zum Zusammenschluss mit Volkach am 1. Mai 1978 eine selbstständige Gemeinde. Der ursprüngliche Zusatz „am Main“ rührt aus der Vergangenheit her, denn dort bestand bereits in vorgeschichtlicher Zeit die Furt des damaligen Könighofs Prosselsheim. Später etablierte sich eine Fährverbindung, die noch heute besteht und dem Ort den Namen gab.
Seine verkehrswichtige Bedeutung verlor Fahr erst mit dem Bau der Volkacher Mainbrücke im Jahr 1892. Neben der Fähre ist für Fahr vor allem der Wein- und Obstbau charakteristisch. Die typische Bebauung der Hauptachse des Dorfes, der Blütenstraße, weist Fahr als Häckerhaufendorf aus. Die Lage am Beginn der sogenannten Mainschleife führte zu einer frühen touristischen Erschließung des Dorfes.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Gliederung Das Pfarrdorf Fahr liegt im äußersten Nordwesten des Volkacher Gemeindegebietes. Das Dorf bildet den Abschluss des unterfränkischen Landkreises Kitzingen, grenzt im Norden an das Gemeindegebiet von Kolitzheim im Landkreis Schweinfurt – der Gemeindeteil Stammheim liegt Fahr am nächsten – und im Westen an Kaltenhausen, Gemeindeteil von Eisenheim im Landkreis Würzburg. Im Osten liegt die Kernstadt Volkach, während sich im Süden, durch den Main getrennt, die Vogelsburg befindet.
Nächstgelegene größere Städte sind Würzburg mit einer Distanz von etwa 19 Kilometern und Schweinfurt, circa 19,4 Kilometer entfernt.
Naturräumlich liegt Fahr im Gebiet der Volkacher Mainschleife, die als Untereinheit zum Mittleren Maintal der Mainfränkischen Platten gezählt wird.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 10. Januar 2019.
Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten in Deutschland zählt. Dies erklärt auch den Weinbau im Ort. Der Main bei Fahr bildet den Beginn der sogenannten Volkacher Mainschleife. Der Fluss umfließt, von Stammheim kommend, den Ort im Westen und macht im Südwesten der Gemarkung einen großen Bogen, um im Süden von Fahr in Richtung Volkach weiterzufließen. Die geologische Zusammensetzung der Umgebung wurde durch die Eintiefung der Flussrinne aufgeschlossen. Im Pleistozän wurden dort Steine des Oberen Muschelkalks und des Unteren Keupers abgelagert.Egert, Gerhard: Stadt und Pfarrei Volkach am Main. S. 3.
Dorfgliederung mini|hochkant|Das Naturschutzgebiet Sandgrasheiden am Elgersheimer Hof (April 2015)
Die Fahrer Gemarkung nimmt eine Fläche von etwa 2,5 km² ein und wird neben dem Dorf Fahr, im Westen der Gemarkung gelegen, von der Einöde Elgersheim gebildet. Zentral befindet sich dort das alte Häckerhaufendorf, im Osten schließt sich als Neubaugebiet nach dem Zweiten Weltkrieg die Siedlung Am Gries an. Am Rande der bebauten Fläche liegt der Friedhof. Das Neubaugebiet soll im Jahr 2017 erweitert werden.infranken: Nein des FC Fahr zu vergrößertem Baugebiet, abgerufen am 19. März 2017. Der Ort ist von drei Seiten vom Main umgeben. Am Fluss (Flusskilometer 309) ist auch die Umschlagstelle der Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid zu finden.
Mehrere benannte Fluren umgeben das frühmittelalterliche Dorf. Während die meisten dieser Flurlagen auf Weinbergs- oder Obstbauflächen verweisen, existiert das Auholz als einzige Waldabteilung, das sich entlang der Kreisstraße KT 34 hinzieht. Weitere, größere Flurlagen sind der Mönchsberg im Nordosten, der Würmberg und der Kammerberg im Südosten. Im östlichen Teil der Gemarkung befand sich, erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt, der Wald Urlaß (auch Orles), der heute vollständig gerodet ist. Vier Baggerseen umgeben den Ort, mehrere haben einen Mainzugang, darunter der etwa acht Hektar große Elgersheimsee. Außerdem liegt dort das Naturschutzgebiet Sandgrasheiden am Elgersheimer Hof, das durch aufgetragene Sandschichten aus den benachbarten Seen stetig erweitert wird.LZR: LZR Broschüre Renaturierung, PDF-Datei, S. 11, abgerufen am 8. März 2019.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte (bis 1188) mini|hochkant|Steinkeil der Bandkeramiker aus dem Main bei Fahr Fahr weist eine sehr lange Siedlungsgeschichte auf. Bereits in prähistorischer Zeit war die Landschaft, in der sich heute das Dorf befindet, zumindest zeitweise besiedelt. Bei Ausgrabungen entdeckte man Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit. So wurden ein Mammutzahn und bearbeitete Zähne von Wildpferden freigelegt. Aus der Zeit der Bandkeramiker stammen mehrere Gefäße und Geräte, außerdem konnte auf der heutigen Gemarkung von Fahr eine Siedlung dieser Kultur lokalisiert werden.Treutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 70.
Während der Latènezeit kam es überall in der Mainschleifenregion zur Bevölkerungsüberlagerung: Die zugezogenen Kelten verdrängten die ursprüngliche Bevölkerung. Das heutige Dorf Fahr entstand wohl bereits im ersten vorchristlichen Jahrhundert durch die Elbgermanen und ist damit neben Volkach einer der ältesten Orte an der Mainschleife. Die Elbgermanen benötigten einen Mainübergang zwischen der befestigten Vogelsburg, dem weltlichen und geistlichen Zentrum der Region, und der Siedlung Prosselsheim.Egert, Gerhard: Stadt und Pfarrei Volkach am Main. S. 9.
Fahr war der Rastplatz und Fährort am Beginn der Mainschleife. Die Siedlungsstelle bot sich für diese Nutzung an, weil die Ufer leicht zugänglich waren. Im 6. und 7. Jahrhundert kolonisierten die fränkischen Merowinger die Region und brachten neben dem Christentum auch erste Verwaltungsstrukturen mit. Um die großen, neubesiedelten Gebiete zu organisieren, orientierten sich die Franken nicht mehr länger am Main. Die kleineren Bäche Volkach und Weidach rückten in den Mittelpunkt und Fahr geriet in eine Abseitsposition.
Trotz des hohen Alters des Ortes wurde Fahr im 8. Jahrhundert noch nicht namentlich genannt. Im 10. Jahrhundert wurde das fränkische Königsland langsam aufgelöst, die Dörfer wurden an unterschiedliche Herrschaften verschenkt. Die Vogelsburg und ihre Umgebung war im 9. Jahrhundert bereits verschenkt worden, 906 wurde diese Schenkung bestätigt. Bis zum Jahr 900 kamen die Orte um Eisenheim an adelige Großgrundbesitzer.Egert, Gerhard: Fahr am Main. S. 248.
Wechselnde Herrschaften (bis um 1400) Im Jahr 1188 verkaufte der Propst Theoderich von Heidenfeld mehrere Weingärten an Lenthero de Fahr (Lenthero von Fahr), im Namen des Ministerialen tauchte das Dorf erstmals auf. In Fahr bestand wohl eine Burg, der Straßenname Schloßberg gibt noch Hinweise darauf.Krauß, Rudi: Die Burgen- und Schlösserlandschaft. S. 203. Inzwischen hatten unter anderem die Grafen zu Castell das Erbe der fränkischen Könige angetreten, daneben traten die Abtei Ebrach, die Propstei Heidenfeld bei Schweinfurt und das Würzburger Kollegiatstift Haug. Dorfherren von Fahr waren damals die Grafen zu Castell.
Auch andere Herren waren in Fahr begütert. Im Jahr 1205 verkaufte das Stift Haug mehrere Weingärten und Ackerland an die Zisterze Ebrach. Im Jahr 1222 besaß Otto von Kaltenhausen und Elgersheim diese Weingärten. 1238 tauchten die Casteller Ministerialen von Fahr nochmals auf. Am 23. Mai 1223 verzichtete Graf Rupert II. zu Castell auf alle Rechte in Fahr, über die zuvor mit dem Kloster Ebrach gestritten worden war.
Im Casteller Teilungsvertrag von 1265/1267 erhielt Heinrich II. zu Castell das Dorf. Er gestattete am 1. Mai 1282 den Verkauf eines Waldes an das Ebracher Kloster. Friedrich II. zu Castell und seine Frau Willibirg tätigten am 10. Juni 1301 einen weiteren Waldverkauf, wiederum an das Kloster. Der Einfluss der Grafen zu Castell schwand weiter, als Heinrich II. und Friedrich II. zu Castell am 13. August 1303 Weinberge an Ebrach verkauften.Egert, Gerhard: Fahr am Main. S. 249.
Nachdem im 14. Jahrhundert weitere Güter insbesondere an das Kloster Ebrach übergegangen waren, das mittlerweile einen eigenen Amtshof im nahen Elgersheim errichtet hatte, war das Kloster wohl auch offiziell Grundherr über Fahr geworden. Am 20. August 1347 schenkten die Brüder Wolflin und Rüdiger Teufel dem Zisterzienserkloster weitere Güter in dem Dorf. Im Jahr 1376 wurde Cunz Lenther von Fahr von der Abtei mit den Kreuzäckern belehnt.
Etablierung des Hauger Stifts (bis um 1500) mini|hochkant|Der Humanist Gregor Heimburg hatte zeitweise das Mainzollrecht inne Das Kloster Ebrach verlor in der Folgezeit allerdings an Einfluss in der Mainschleifenregion. Zum neuen Dorfherren stieg das Kollegiatstift Haug in Würzburg auf. Fahr war weiterhin Teil des Hochstifts Würzburg und der neue Dorfherr, Propst Hermann von Orlamünde, begann im Jahr 1403 in einer Urkunde die überlieferten Rechte und Pflichten der Dorfbewohner zu dokumentieren. Dennoch kam es 1406 zum Streit, weil unberechtigterweise mehrere Güter verkauft worden waren.
Kurze Zeit vorher, um 1403, war Fahr bereits zu einer eigenen Pfarrei aufgestiegen. Mit Heinrich ist am 8. Juli dieses Jahres erstmals ein Pfarrherr in dem Dorf nachgewiesen. Am 14. Februar 1450 wurde die ganze Gemeinde von Dekan Peter Hofmann vom Jakobskloster in Bamberg gebannt. Die Fahrer hatten die Weinberge des Klosters Ebrach überfallen und ohne Erlaubnis abgeerntet. Über weitere Folgen für die Bewohnerschaft schweigen die Quellen.Egert, Gerhard: Fahr am Main. S. 252.
Dem Stift gelang es in der Folgezeit, das Dorfleben besser zu strukturieren. Im 15. Jahrhundert ist erstmals ein Fahrer Bürgermeister nachgewiesen. Das Dorf hatte mit der Fähre immer noch eine verkehrswichtige Lage, fortan wurde das Fährrecht an einen Bewohner verliehen. Das 16. Jahrhundert ist auch von Streitigkeiten mit den anderen Herrschaften der Umgebung geprägt. Mit der Kartause Astheim und der Stadt Volkach stritt man über Fischereirechte und Uferbauten am Main.
Der Main als Handelsstraße war für die Fahrer wichtig, weil hier der Mainzoll erhoben werden konnte. Lange Zeit hatten die Dorfherren diesen Zoll kassiert, im 15. Jahrhundert war allerdings der Humanist Gregor Heimburg an das Zollrecht gekommen. Erst nach seiner Exkommunikation, er war Anhänger der vom Papst verfolgten hussitischen Lehre, gelangte der Zoll 1472 an das Würzburger Hochstift, das ihn bis ins 19. Jahrhundert behielt. Das Stift Haug war endgültig als Dorfherr etabliert.
Bis zur Auflösung des Stifts (bis 1802) Zu Beginn des 16. Jahrhunderts begannen die Bauern in Württemberg und Franken gegen die drückenden Lasten aufzubegehren. Der Bauernkrieg erfasste bald auch die Bevölkerung am Maindreieck. Die Fahrer schlossen sich dem sogenannten Volkacher Fähnlein an und plünderten das Kloster auf der Vogelsburg und die Kartause im nahen Astheim. Anschließend besetzten die Bauern die Fährstelle. Bald hatte der Fürstbischof den Aufstand niedergeschlagen und die Fahrer unterwarfen sich in Volkach dem Bischof Konrad II. von Thüngen.
Anders als in vielen anderen Dörfern der Umgebung war der reformatorische Einfluss in Fahr nur sehr gering. Im Jahr 1576 kam es allerdings zu Widerstand gegen den Pfarrer: Die Fahrer fühlten sich nicht richtig seelsorgerisch betreut und besuchten den Gottesdienst in anderen Ortschaften. Kurze Zeit später verschwand sogar der Pfarrer mit den Geldern für das neue Pfarrhaus. Allerdings lehrte der Schulmeister weiterhin den Katechismus.Egert, Gerhard: Fahr am Main. S. 252.
Während des Dreißigjährigen Krieges hatte das Dorf unter den häufigen Kriegshandlungen zu leiden. Sowohl die protestantischen Schweden unter ihrem König Gustav II. Adolf als auch die eigentlich verbündeten katholischen Kaiserlichen zogen durch Fahr und richteten große Verwüstungen an. Zwischen 1631 und 1634 predigte der Feldprediger des schwedischen Regiments Roßstein, Johann Schwäger, zeitweise in Fahr.