Das Phantasialand ist ein Freizeitpark in Brühl bei Köln, Nordrhein-Westfalen. Mit über zwei Millionen Besuchern im Jahr 2024 ist er der am zweithäufigsten besuchte Freizeitpark Deutschlands und einer der 15 besucherstärksten saisonalen Freizeitparks in Europa. In sechs Themenbereichen und zwei Themenwelten bietet das Phantasialand zahlreiche Fahrgeschäfte und Shows.

Mit einer Betriebsfläche von ungefähr 28 Hektar, von denen der eigentliche Park (ohne Parkplätze und Hotels) etwa 12 Hektargemessen mit Google-Earth-Polygonen belegt, gehört das Phantasialand flächenmäßig zu den kleineren Themenparks. Eine verdichtete Bauweise mit teilweise ineinander verflochtenen Attraktionen sowie ein vergleichsweise häufiger Abriss alter Attraktionen zugunsten neuer sind charakteristisch für den Park. Dem Phantasialand angegliedert sind drei Themenhotels sowie Veranstaltungs- und Konferenzräume.

Die Parksaison beginnt üblicherweise um den 1. April. Bereits seit 2002Weihnachts-Wiki auf weihnachten.fandom.com wird auf die Schließung Ende Oktober verzichtet und im laufenden Betrieb für ein mehrwöchiges Winterprogramm umgebaut, das bis Ende Januar stattfindet. Bis zur Saison 2019/20 trug das Programm verschiedene Namen; seitdem wird kontinuierlich mit dem Wintertraum auch im benachbarten Ausland (beispielsweise in Belgien auf den Stationen des Senders VRT) geworben. Die folgenden zwei Monate bleibt der Park geschlossen.

Lage Das Phantasialand liegt im Südwesten des Brühler Stadtteils Badorf auf dem Höhenrücken der Ville zwischen 115 und . Im Westen grenzt das Parkgelände an die Waldgebiete der Ville-Seenplatte, im Süden verläuft die Bundesautobahn 553, deren nahegelegene Anschlussstelle Brühl-Süd als Hauptzubringer zum Phantasialand dient. Im Nordosten des Parks entspringt der Lenterbach (Dickopsbach).

Geschichte

Eröffnung als Märchenwald 1967 mini|hochkant|Gottlieb Löffelhardt (2010) Das Phantasialand wurde am 30. April 1967https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-eroeffnung-phantasialand-100.html 30. April 1967 – Phantasialand bei Brühl eröffnet von dem Schausteller Gottlieb Löffelhardt (* 25. Dezember 1934; † 7. Juli 2011) und dem Puppenspieler Richard Schmidt (* 22. August 1926; † 16. Mai 2020) in der ehemaligen Grube Berggeist, einem Braunkohle-Tagebau im Süden Brühls, eröffnet und gehört damit zu den ältesten Freizeitparks Europas. Schmidt hatte zahlreiche Fernsehpuppenspiele betreut und wollte die Puppen und Kulissen aus seinem Fundus dauerhaft der Allgemeinheit zugänglich machen.Schmidt-Löffelhardt GmbH (Hrsg.): Phantasialand – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Parkmagazin, Brühl 1988. Zu diesem Zweck schloss er sich mit dem befreundeten Schausteller Gottlieb Löffelhardt zusammen und errichtete rund um einen See einen Märchenpark mit rund 40 verschiedenen Geschichten sowie einige weitere Attraktionen wie Oldtimerfahrt, Westerneisenbahn, Abenteuerspielplatz und Hawaii-Restaurant.

Bereits im ersten Jahr wurden 400.000 Besucher gezählt. Dieser Erfolg führte dazu, dass das Parkgelände in den Folgejahren mehrfach für neue Attraktionen erweitert wurde, die zudem stärker auch auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet waren. So eröffnete bereits in der zweiten Saison (1968) auf dem Märchensee die Seeräuberfahrt nach Carthagena, bei der man in Booten an verschiedenen Szenen am Seeufer, vorbei an einem Piratenschiff und durch eine Piratenhöhle auf dem See fuhr.

Expansion und Entwicklung zum Themenpark in den 1970er und 1980er Jahren mini|Wikinger-Bootsfahrt und Hawaii-Restaurant (1981) mini|Silver City mit Gebirgsbahn im Hintergrund (1984) mini|Neptunbrunnen in Alt-Berlin (2008) Im Jahr 1970 eröffnete unter dem Namen Alt-Berlin eine Nachbildung der Berliner Straße Unter den Linden im Stile der 1920er und 1930er Jahre, inklusive Neptunbrunnen und Brandenburger Tor im Maßstab 1:2. Der Straßenzug, der unter anderem das Show-Theater Wintergarten beherbergte, schloss sich unmittelbar an den ebenfalls neu errichteten Haupteingang des Parks an und war somit in seiner Anlage und Funktion vergleichbar mit der aus dem Disneyland Resort bekannten Main Street, U.S.A. Zweite Neueröffnung des Jahres war die Gondelbahn 1001 Nacht, die als erste stationäre Dark Ride Deutschlands gilt.

Ab 1972 wurde sukzessive weiteres Gelände jenseits des Lenterbachswegs erschlossen. Es entstand die Westernstadt Silver City mit der ersten Wildwasserbahn Deutschlands sowie zwei Achterbahnen, die aus Lärmschutzgründen mit einem künstlichen Gebirgsmassiv umbaut wurden. Zunächst eröffnete 1975 unter dem Namen Bobbahn 1 die später zur Gebirgsbahn umbenannte erste Achterbahn des Parks. Auf deren Bodenfläche wurde 1978 der Powered-Coaster Bobbahn 2 integriert, der später zur Grand-Canyon-Bahn umbenannt wurde.

Mit der Hacienda de Mexiko, einem Restaurant im mexikanischen Stil, wurde 1973 der Grundstein für einen mexikanischen Themenbereich gelegt. Ab 1974 fuhr die Einschienenbahn Phantasialand-Jet auf einem Rundkurs über das Parkgelände. (Die Idee, die Strecke bis zum Brühler Bahnhof zu verlängern, um den Jet als Nahverkehrsmittel zu nutzen, wurde nicht umgesetzt.)

Auf einer Fläche in unmittelbarer Nähe zur Wildwasserbahn und zum Bahnhof des Phantasialand-Jets wurde im Jahr 1975 das Rundfahrgeschäft Polyp eröffnet, das bis 1983 in Betrieb war und im Jahr 1984 durch den sehr ähnlichen Spider ersetzt wurde, der jedoch nur bis 1985 betrieben wurde.

Nach einem starken Sturm im Jahr 1978 war die Seeräuberfahrt nach Carthagena so stark beschädigt, dass sie 1979 umgestaltet zur Wikinger-Bootsfahrt wieder eröffnet wurde. Viele Dekoelemente konnten jedoch übernommen werden.

Im Jahr 1981 wurde mit China Town und der Geisterbahn Geister Rikscha ein weiterer neuer Themenbereich eröffnet. Für eine möglichst authentische Umsetzung hatte man 1,3 Millionen Bauteile in Taiwan fertigen lassen und chinesische Facharbeiter nach Brühl geholt. Das Ergebnis gilt als größte Ansammlung chinesischer Gebäude außerhalb Asiens. Schmidt und Löffelhardt wurden für die Verbreitung der chinesischen Kultur als erste Europäer mit der taiwanischen Kulturmedaille ausgezeichnet.

Im Jahr 1984 wurde in Silver City mit der Silbermine der bis dato größte und aufwendigste Darkride des Parks eröffnet. Die Besucher erlebten in einem Endlos-Minenzug zunächst einen Einbruch der Mine, bevor sie an verschiedenen, mit Animatronics ausgestatteten, Szenen vorbeifuhren, die unter anderem ein mexikanisches Dorf zeigten. Höhepunkt war eine Szene, die einen Angriff auf ein Fort zeigte.

Modernisierung mit schnellen Fahrgeschäften ab 1988 Mit der Errichtung von China Town erreichte die Betriebsfläche des Parks ihre heutige Größe. Um den Besuchern auch in der Folgezeit neue Attraktionen bieten zu können, wurde einerseits das Parkgelände nachverdichtet, und andererseits wurden bestehende Attraktionen wieder zurückgebaut. Dabei erhöhten die Betreiber den Anteil schneller und aufregender Fahrgeschäfte.

mini|hochkant|Condor (2005) Auf der Fläche, die zuvor Polyp und später Spider beherbergte, wurde im Jahr 1986 das Hoch-Rundfahrgeschäft Condor eröffnet, das bis zur Saison 2006 betrieben wurde und einen Rundblick über das gesamte Parkgelände ermöglichte.

Im Jahr 1988 eröffnete das Space Center als, zum Zeitpunkt der Eröffnung, längste Dunkelachterbahn der Welt in einer neuen Halle am bisherigen Standort der Kinder-Fahrgeschäfte aus dem Gründungsjahr des Parks. Im Jahr 1990 wurde in der unteren Etage des Space-Center der Darkride Hollywood Tour eröffnet, in dem die Besucher an (mit Animatronics ausgestatteten) Szenen aus berühmten Filmklassikern fuhren. Im selben Jahr wurde im selben Komplex auch das Restaurant Petit Paris eröffnet, das einen nostalgischen Platz in Paris mit verschiedenen Gebäuden und Bäumen darstellte. Die Weltraumthematik des Space Centers erfuhr 1994 ihre Fortführung im Bau der Simulatorfahrt Galaxy, deren goldfarbene Kuppel bis zu ihrem Abriss 2016 eines der markantesten Gebäude des Phantasialands war.

mini|Teil des ehemaligen Kinderparadies im Themenbereich Alt-Berlin Während es von 1977 bis 1990 im Themenbereich Alt-Berlin unweit des Brandenburger Tors einen kleinen Minigolfplatz gab, der zwischenzeitlich einer Grünfläche mit Blumenbeeten weichen musste, wurde dort 1993 ein Spielbereich für Kinder eröffnet, wo diverse, verschieden hohe, Türme labyrinth-artig durch Stege, Hängebrücken, Treppen, Röhren und Rutschen verbunden waren. Später wurden dann auch mehrere Kinderkarussells, die zuvor am Märchensee standen, nach Alt-Berlin verlegt und durch weitere Kinderfahrgeschäfte ergänzt, bevor 2009 / 2010 Karussells und Spielbereich der Umgestaltung Alt-Berlins weichen mussten und an mehreren anderen Stellen im Park Ersatz geschaffen wurde.

mini|Colorado Adventure (2003) Im Jahr 1996 wurde die Minenachterbahn Colorado Adventure eröffnet, die neben Außenbereichen auch einen Indoor-Teil enthält, in dem der Achterbahnzug durch Dunkelheit fährt. In der Nacht vor der Eröffnung verursachte ein bei Schweißarbeiten ausgelöster Brand einen Sachschaden in Millionenhöhe, bei dem fünf Arbeiter leicht verletzt wurden. Wenige Wochen nach der Eröffnung taufte der Popstar Michael Jackson die Bahn bei einem seiner Besuche. Wie bereits die beiden Achterbahnen aus den 1970er Jahren, musste auch Colorado Adventure nach Beschwerden von Anwohnern nachträglich mit Lärmschutzeinrichtungen versehen werden.

Ein weithin sichtbares Wahrzeichen erhielt der Park im Jahr 1998 mit dem 65 Meter hohen Mystery Castle, in dem sich eine Vertikalfahrt befindet. Im selben Jahr übernahm Robert Löffelhardt, Sohn des Parkgründers Gottlieb Löffelhardt, die alleinige Geschäftsführung des Phantasialands, nachdem er bereits 1995 die Anteile von Mitgründer Richard Schmidt übernommen hatte.

Großbrand 2001 und Folgen Am 1. Mai 2001 ereignete sich ein Großbrand, bei dem 63 Personen leicht verletzt wurden und Sach- und Ausfallschäden in Höhe von 38 Millionen Euro entstanden. Das Feuer brach infolge eines technischen Defekts in der Grand-Canyon-Bahn aus und griff auf das 25 Jahre alte künstliche Gebirgsmassiv über, das auch die Gebirgsbahn beherbergte und durch das die Schienen des Phantasialand-Jets führten. Darüber hinaus zerstörte das Feuer das Dach des angrenzenden Tanagra-Theaters und Teile der Westernstadt. Zum Zeitpunkt des Brandes befanden sich 150 Fahrgäste in den fünf Achterbahnzügen, etwa 1000 Personen im Wartebereich und 20.000 Gäste insgesamt im Park. Das Phantasialand blieb während der Abriss- und Aufräumarbeiten 15 Tage lang geschlossen. Als Konsequenz aus den Ereignissen verschärfte der Park seine Sicherheitsvorschriften und investierte knapp zwei Millionen Euro in den Brandschutz.

Die ursprünglich für 2001 vorgesehene Eröffnung des Wuze-Town-Komplexes, einer zweistöckigen Halle mit zwei Hallenachterbahnen und diversen Kinderattraktionen, wurde in der Folge auf 2002 verschoben. Im selben Jahr öffneten auch bereits die Ersatzbauten für die dem Feuer zum Opfer gefallenen Attraktionen: die Rafting-Anlage River Quest und das Mad House Feng Ju Palace. Die Bauarbeiten für das erste Themenhotel verzögerten sich durch die Ereignisse.

Entwicklung zum Kurzreiseziel und Veranstaltungsort sowie Parkerneuerung ab 2003 mini|Chiapas (2016) Mit der Eröffnung des Themenhotels PhantAsia (seit 2007 Ling Bao, → Hotels) im Jahr 2003 starteten die Bemühungen, das Phantasialand als Kurzreiseziel zu etablieren und neue Zielgruppen wie Geschäftskunden anzusprechen. Ein Jahr später erlebte die Dinner-Show Fantissima ihre Premiere, eine Kombination aus einem Gourmetmenü und einer Show mit Artistik, Livemusik und Tanz, die als separate abendliche Veranstaltung nach Parkschluss stattfindet.