Schneppenhausen (mundartlich: Schneppehause)Darmstädter Echo, Mittwoch, 8. Oktober 2014, S. 20: ist ein Stadtteil der Stadt Weiterstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geografie Schneppenhausen liegt etwa acht Kilometer nordwestlich von Darmstadt. Im Norden liegt Mörfelden (Kreis Groß-Gerau), im Osten der Stadtteil Gräfenhausen, im Süden der Stadtteil Braunshardt und im Westen der Ortsteil Worfelden der Gemeinde Büttelborn (Kreis Groß-Gerau).
Geschichte mini|Ehemaliges Rathaus Schneppenhausen (Gräfenhäuser Straße 2)
Ortsgeschichte In Schneppenhausen wurden Gegenstände aus der Altsteinzeit bis hin zur jüngeren Eisenzeit gefunden.
1211 war die schriftliche Ersterwähnung von Schneppenhausen im Güterbuch (Oculus Memoriae) des Klosters Eberbach („Alberand von Gerau uns im Tausch eine Wiese in der Nähe von Schneppenhausen gegeben und im Gegenzug von uns eine Wiese, welche Betwiese genannt wird, erhalten.“)Der Oculus Memorie : ein Güterverzeichnis von 1211 aus Kloster Eberbach im Rheingau. Teil 2. Edition
Der Ort wurde am 21. November 1225 mit Gräfenhausen in einer Urkunde erwähnt. Dort trat ein Schultheiß von Schneppenhausen als Zeuge vor einem Schiedsgericht auf. Im 13. Jahrhundert hatten die Grafen von Katzenelnbogen die landesherrliche Gewalt über Schneppenhausen. Am 14. August 1618 klagte Schneppenhausen gegen Braunshardt wegen des Weidegangs der Pferde auf der Gemarkung Braunshardt. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurden in Schneppenhausen zahlreiche Häuser niedergebrannt. 1640 waren nur noch elf Familien und zehn Häuser vorhanden. Ein Jahr später wurden nur noch etwa 20 Bewohner verzeichnet und es standen nur noch zehn von zuvor 25 Häusern. Ab 1705 wurde das 1605 gebaute Rathaus als Schule genutzt, bis 1890 ein Schulhaus eingerichtet wurde; das nicht mehr benötigte Rathaus wurde in Privatbesitz verkauft.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Ort in historischen Dokumenten mit wechselnden Ortsnamen genannt. Von Sneppenhusen im Jahr 1211 über Sneppinhusin (1318), Schneppenhusen (1506) bis Schneppenhawsen im Jahr 1516.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Schneppenhausen:
1881 oder 1888 wurde die Straße zwischen Schneppenhausen und Gräfenhausen gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1952, wurde die Trink- und Brauchwasserversorgung auf öffentliche Tiefbrunnen mit Pumpstationen umgestellt und 1964 die Kläranlage in Betrieb genommen.
Die Verwaltungszugehörigkeit von Schneppenhausen zum Amt Darmstadt ist 1783 belegt. Von 1820 bis 1821 gehörte der Ort dann zum Oberamt Darmstadt, von 1821 bis 1832 zum Landratsbezirk Langen, von 1832 bis 1848 zum Kreis Groß-Gerau, von 1848 bis 1852 während der kurzen Zeit der Regierungsbezirke in der Provinz Starkenburg zum Regierungsbezirk Darmstadt und ab 1852 mit der Neueinführung von Kreisen zum Kreis Darmstadt. Dieser ging dann 1977 im neuen Landkreis Darmstadt-Dieburg auf.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Am 1. Januar 1977 wurde Schneppenhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen zusammen mit Gräfenhausen kraft Landesgesetz in die Gemeinde Weiterstadt eingemeindet. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schneppenhausen angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1783: zum Amt Darmstadt; 1787: Oberamt Darmstadt, Cent Arheiligen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Darmstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk LangenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Langen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Darmstadt ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Weiterstadt
Gerichtszugehörigkeit Schneppenhausen gehörte zur Zent Arheilgen. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Die Zentgerichte verloren dabei ihre Funktion. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war das Amt Darmstadt zuständig. Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Langen das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II (Landgerichte wurden durch funktionsgleiche Amtsgerichte ersetzt); zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt
Einwohnerentwicklung • 1641: circa 20Chronik der Gemeinde Weiterstadt von Dr. Günther Hoch, herausgegeben vom Gemeindevorstand Weiterstadt, 1988 • 1770: circa 160 • 1806: 199 Einwohner, 34 Häuser • 1829: 210 Einwohner, 37 Häuser • 1867: 299 Einwohner, 44 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 208 lutheranische (= 99,05 %) und 2 katholische (= 0,95 %) Einwohner • 1961: 737 evangelische (= 74,29 %), 220 katholische (= 22,18 %) Einwohner
Politik Bis zur Eingliederung in die damalige Gemeinde Weiterstadt im Jahr 1977 wurde die kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde Schneppenhausen durch die von den Bürgern direkt gewählte Gemeindevertretung einerseits und den Gemeindevorstand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters andererseits wahrgenommen. Nach der Eingliederung wurde für den Ortsteil Schneppenhausen davon abgesehen, einen Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher zu bilden.
Bürgermeister bis 1976 Von 1945 bis 1976 wurde die Gemeindeverwaltung von folgenden Bürgermeistern geleitet: Amtszeit Name 1945–1949 Jakob Schmidt 1949–1968 Georg Bender 1968–1976 Karlheinz Uhlig
Wappen links|100px
Blasonierung: „In silber ein rotes Herz, in ihm ein grauer Schragen, dessen linker Balken oben nach links zu einem Haken umgebogen ist.“Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 143.
Das Wappen wurde der Gemeinde Schneppenhausen im damaligen Landkreis Darmstadt am 31. März 1949 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Heraldiker Georg Massoth.
Es basiert auf einem alten Gerichtssiegel aus dem Jahr 1622. Die Bedeutung der Elemente ist unbekannt.
Regelmäßige Veranstaltungen September: KerbDarmstädter Echo, Dienstag, 8. September 2015, S. 17
Sonstiges Schneppenhausen verfügt über eine eigene Freiwillige Feuerwehr. Der Fußballspieler und -trainer Bruno Labbadia hat in Schneppenhausen seine Kindheit verbracht und beim FSV 1962 Schneppenhausen seine ersten Punktspiele in der Jugend gespielt.
Literatur Chronik der Gemeinde Weiterstadt und ihrer Ortsteile Braunshardt, Gräfenhausen, Riedbahn, Schneppenhausen. Günther Hoch. 1988, ISBN 978-3-924803-08-7
Weblinks
Stadtteil Schneppenhausen. In: Webauftritt der Stadt Weiterstadt.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Geographie (Weiterstadt) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung 1211 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977