mini|Parade 2004 in São Paulo, Photo:Rose Brasil – ABr Die Parada do Orgulho LGBT (deutsch: „Parade des LGBT-Stolzes“) ist die inzwischen weltgrößte Gay-Pride-Parade. Sie findet seit 1997 jährlich am ersten Sonntag nach Pfingsten in São Paulo, Brasilien statt.

Veranstaltungen

Die Parade findet jeweils am Sonntag nach Fronleichnam auf der Avenida Paulista im Bankenviertel São Paulos statt. Seit 2002 ist sie die weltweit größte ihrer Art. Rund um die Parade, die auf den Titelseiten der großen Tageszeitungen aufscheint und in der Fernsehberichterstattung im gesamten Land erwähnt wird, finden während des „Pride Month“ im Juni zum Nutzen aller Bürger verschiedenste Veranstaltungen statt und verschiedene Partner beleuchten Belange, die für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transvestiten und Transsexuelle wichtig sind. Die Aktivitäten umfassen die Bereiche Sichtbarkeit, Unterhaltung, Diskussionen, Kultur, Gesundheit und Sport. Es finden auch eine Serie von Workshops und Diskussionen in entlegenen Arbeiterbezirken von São Paulo statt, welche Wissen um Menschenrechte für LGBTs und über STD/AIDS-Prävention zu Menschen bringt, welche vorher keinen Zugang zu solchen Informationen hatten.

Geschichte

Die erste Parade am 28. Juni 1997 zog lediglich 2000 Menschenv-brazil.com: São Paulo Gay Parade - Past Events, Stand 2005, gesehen am 10. März 2007 an. Musik spielte ein einziger Kleinbus, eine Gefälligkeit der São Paulo Seamstresses Union. Zur zweiten Parade kamen 7000 Menschen und es wurde der Verein APOGLBT (Associação da Parada do Orgulho GLBT de São Paulo – São Paulo LGBT Pride Parade Association) gegründet. 1999 wurde erstmals das Acronym GLBT verwendet, um die soziale und politische Sichtbarkeit von Bisexuellen, Transvestiten und Transsexuellen zu fördern. Ab 2008 entschied sich das Organisationskomitee lesbischen Frauen mehr Sichtbarkeit zu verschaffen und änderten den Namen in Parada do Orgulho LGBT de São Paulo.Parada SP - Quem Somos Parada SP - Wer wir sind. Seite auf Portugiesisch ohne Datum. Zuletzt abgerufen am 24. Juni 2019. Im Jahr 2000 erhielt die Parade erstmals staatliche Unterstützung durch das Gesundheitsministerium und Hilfestellung durch die Stadtverwaltung. Die Besucherzahl sprang auf 120.000 und sie erreichte landesweite Aufmerksamkeit.

Nachdem bisher ein Sonntag um den 27. Juni (→Stonewall) gewählt wurde und es im Jahre 2000 zufällig auf den Sonntag nach Fronleichnam fiel, wurde das Veranstaltungsdatum ab dem Jahre 2001 um den Tourismus zu fördern auch auf jenen Sonntag verlegt. In diesem Jahr begann auch die Tradition der Homo-Tage in den Freizeitparks und des jährlichen „Cultural Fair“ mit Ausstellungen sowie Drag- und Cross-Dressing-Shows. Im Jahre 2002 fuhren 25 Musikwagen auf der Avenida Paulista im Bankenviertel von São Paulo und es kamen eine halbe Million Menschen. Die Parade wurde damit zur weltweit größten ihrer Art. Auch die Sichtbarkeit der Lesben wurde gesteigert, indem lesbische Motorradfahrerinnen den Festzug anführten und Percussionistinnen, Sängerinnen und Frauenbands die Menge unterhielten. Bei der achten Parade im Jahre 2004 wurde die Familie in den Mittelpunkt gestellt und die Parade fand trotz großer finanzieller Probleme statt. Seit 2004 ist sie als größte Gay-Pride-Parade der Welt im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet.Gay-Pride - Die größte Schwulenparade der Welt, welt.de, 26. Mai 2008 Die Zivilehe wurde im Jahre 2005 als Thema ausgerufen, nachdem die Gesetzgeber 10 Jahre lang nach der ersten Initiative untätig geblieben waren.

Während der zehnten Parade 2006 verteilten 200 „community agents“ Kondome. In diesem Jahr wurden die Organisatoren auch erstmals durch einen Rechtsstreit angegriffen. Im Jahre 2007 musste durch die APOGLBT Zeit und Ressourcen aufgewendet werden um das Recht wiederzuerlangen die Avenida Paulista für die Parade zu nutzen, wobei die Regierung unterstützte. Die Organisatoren beauftragte auch die Eventagentur Funprime um das Fundraising und die Unterstützungsbemühungen zu erweitern und zu professionalisieren. Unter den 3 Millionen Menschen befanden sich auch 300.000 Touristen aus aller Welt.Gary Duffy: Sao Paulo prepares for Gay Pride, bbc.co.uk, 10. Juni 2007 Durch die Eventagentur gibt es im Jahre 2008 auch einige Veränderungen und eine adäquate Logistik soll sicherstellen, dass die Millionenveranstaltung weiterhin sicher bleibt. Auch wurde die Organisationsstruktur erstmals in elf eigenständige Bereiche mit jeweils einem verantwortlichen Leiter aufgeteilt.

Vom Tourismusbüro der Stadt wird geschätzt, dass 2008 wegen der Veranstaltungen etwa 330.000 Touristen in die Stadt kommen, davon mindestens 5 % aus dem Ausland. Es wird erwartet, dass sie etwa 73 Millionen Euro ausgeben und direkt oder indirekt etwa 13.500 Arbeitsplätze sichern. Großer Veranstaltungssponsor war die Erdölgesellschaft Petrobras mit rund 300.000 Euro.

2009 wurde in der Nacht nach der Parade in einer Straße mit mehreren Nachtclubs, die von Schwulen und Lesben frequentiert werden, aus einem Fenster eine selbstgebastelte Bombe in die Menge geworfen. Es gab 21 Verletzte, von denen fünf ins Spital gebracht wurden.

Wachsende Kritik durch Evangelikale Seit 2002 sehen sich Homosexuelle in Brasilien vermehrtem Druck durch fundamentalistische Christen (sog. Evangelikale) ausgesetzt. Diese christlichen Gruppierungen brachten ihre Ablehnung der homosexuellen Lebensweise 2007 mit einem „Jesus-Marsch“ im Vorfeld der Parada do orgulho LGBT zum Ausdruck, an dem etwa 1 Million Personen teilnahmen. Das Motto lautete: „Vade retro [weiche zurück], Satanismus, vade retro, Homosexualität!“ Hintergrund war die gesellschaftliche Debatte um die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Brasilien.

Daten und Themen Nr. Jahr Datum Menschenlt. Veranstalter Menschenlt. Polizei Motto 1 1997 28.06. 2.000 Somos muitos, estamos em todas as profissões.Wir sind viele, wir sind in jedem Beruf. 2 1998 28.06. 7.000 Os direitos de gays, lésbicas e travestis são direitos humanos.Die Rechte von Schwulen, Lesben und Transvestiten sind Menschenrechte. 3 1999 27.06. 35.000 Orgulho gay no Brasil, rumo ao ano 2000.Gay Pride in Brasilien, Gay Pride in Brazil, in Richtung Jahr 2000. 4 2000 25.06. 120.000 Celebrando o Orgulho de Viver a Diversidade.Die Parade des Lebens in Vielfältigkeit feiern. 5 2001 17.06. 250.000 Abraçando a Diversidade.Vielfältigkeit umarmen. 6 2002 02.06. 500.000 Educando para a Diversidade.Ausbilden für Verschiedenheit. 7 2003 22.06. 1.000.000 800.000 Construindo Políticas Homossexuais.Politik für Homosexuelle machen 8 2004 13.06. 1.800.000 Gay Parade 2004, v-brazil.com 1.500.000 Temos Família e Orgulho.Wir haben Familie und Stolz. 9 2005 29.05. 2.500.000 Keith McDonnell: , gay.com, 31. Mai 2005 2.000.000 Parceria civil, já. Direitos iguais! Nem mais nem menos.Zivilehe, jetzt. Gleiche Rechte! Nicht mehr, nicht weniger. 10 2006 17.06. 2.500.000 Homofobia é Crime! Direitos Sexuais são Direitos Humanos.Homophobie ist ein Verbrechen! Rechte der Sexualität sind Menschenrechte. 11 2007 10.06. Cezar Xavier: , paradasp.org.br, 21. Juni 20073.500.000 3.000.000 Por um mundo sem racismo, machismo e homofobia.Cezar Xavier: , paradasp.org.br, 2. Mai 2007Für eine Welt ohne Rassismus, Sexismus und Homophobie!Cezar Xavier: , paradasp.org.br, 6. Juni 2007 12 2008 25.05. AP: São Paulo - Fünf Millionen fordern bei Schwulenparade mehr Rechte für Homosexuelle, focus.de, 26. Mai 2008 < 5.000.000 „mehrere Millionen“ Homofobia mata! Por um Estado laico de fato!Kriz: , kriz.blog.br, 24. Februar 2008Homophobie tötet! Für einen tatsächlich laizistischen Staat!3 bis 5 Millionen bei CSD São Paulo, queer.de, 26. Mai 2008 13 2009 14.06. , Latin America Herald Tribune, Juni 2009~ 3.000.000 Sem Homofobia, Mais Cidadania – Pela Isonomia dos Direitos!Ohne Homophobie, mehr Bürgerrechte! - Für Gleichheit der Rechte!14201007.06.3.500.000Vote contra a Homofobia. Stimme gegen die Homophobie15201127.06.4.000.000Amai-vos uns aos outros: Basta de homofobia! Liebt Euch untereinander: Schluss mit der Homophobie!16201203.06.4.500.000Homofobia tem cura: educação e criminalização. Es gibt ein Mittel gegen Homophobie: Bildung und strafrechtliche Verfolgung.17201302.06.4.000.000600.000Para o armário nunca mais. União e conscientização na luta contra a homofobia. Nie wieder in den Schrank. Geschlossenheit und mit Bewusstsein im Kampf gegen die Homophobie.18201404.05.100.000País vencedor é país sem homolesbotransfobia. Ein entwickeltes Land ist ein Land ohne Homo-Lesbo-Transphobie.19201508.06.2.000.00020.000Eu nasci assim. Eu cresci assim. Vou ser sempre assim. Respeitem-me! Ich wurde so geboren. Ich bin so aufgewachsen. Ich werde immer so sein. Resepktiert mich!20201629.05.3.000.000190.000Lei de Identidade de Gênero já! Todas as pessoas juntas contra a transfobia. Für ein sofortiges Gesetz zur identitären Selbstbestimmung! Alle Menschen gemeinsam gegen die Transphobie.21201718.06.3.000.000 Independente de nossas crenças nenhuma religão é lei. Todas e todos por um Estado Laico. Ungeachtet unserer Überzeugungen ist keine Religion Gesetz. Jeder und jede für einen säkularen Staat.22201803.06.3.000.000 Poder para LGBTI+. Nosso Voto, Nossa Voz. LGBTI+ an die Macht. Unsere Wahlentscheidung, unsere Stimme.23201923.06.3.000.000 50 anos de Stonewall – Nossas conquistas, nosso orgulho de ser LGBT+. 50 Jahre Stonewall – unsere Erfolge, unser Stolz LGBT+ zu sein.

Siehe auch Christopher Street Day

Weblinks

Offizielle Website von Parada do orgulho GLBT 3 Millionen bei CSD São Paulo 2007, queer.de

Einzelnachweise

Kategorie:Pride-Parade Kategorie:Rekord Kategorie:Homosexualität in Brasilien