Schöllkrippen ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Schöllkrippen.
Geographie mini|links|Gemeindegebiet von Schöllkrippen mini|Gemeindeteile und Gemarkungen von Schöllkrippen mini|Das Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft Schöllkrippen im ehemaligen Schloss
Lage Schöllkrippen liegt am westlichen Rand des Spessarts im oberen Kahlgrund. Ende 2004 wurde Schöllkrippen zur lebenswertesten Gemeinde am Bayerischen Untermain gewählt. Der Markt ist Verwaltungssitz der Verwaltungsgemeinschaft Schöllkrippen, der außer Schöllkrippen die Gemeinden Blankenbach, Kleinkahl, Krombach, Sommerkahl, Westerngrund und Wiesen angehören. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich nördlich von Hofstädten am Ziegelberg mit , der niedrigste liegt an der Kahl bei Langenborn auf .
Das Dorf Schöllkrippen liegt an der Kahl zwischen Kleinlaudenbach und Blankenbach. Nördlich von Schöllkrippen befindet sich das Dorf Schneppenbach. In Schöllkrippen mündet der Westerbach in die Kahl. Der höchste Punkt der Dorfgemarkung befindet sich zwischen Schabernack und Vormwald auf , der niedrigste entspricht der der gesamten Gemeinde. Durch Schöllkrippen führen der Kahltal-Spessart-Radweg und der Fränkische Marienweg.
Gemeindegliederung Auf dem Gemeindegebiet gibt es drei Gemarkungen, die den ehemaligen Gemeinden entsprechen: Markt Schöllkrippen | Zahlen & Fakten & Ortsrecht | Einwohner (Stand: 19. August 2014) Gemarkung Einwohner Fläche (ha) Hofstädten 519 315 Schneppenbach 1201 300 Schöllkrippen 2386 645 Markt Schöllkrippen 4106 1260
Die Gemarkung Schöllkrippen hat 6,555 km². Sie ist in 2297 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2853,62 m² haben (Stand: 2026).
Es gibt acht Gemeindeteile: Gemeindeteil Siedlungstyp Höhe (m u. NHN) Gemarkung Ernstkirchen Weiler 206 Schöllkrippen Hofstädten Dorf 245 Hofstädten Langenborn Dorf 200 Schöllkrippen Reuschberg Kloster 290 Schöllkrippen Röderhof Weiler 325 Schöllkrippen Schabernack Einöde 325 Schöllkrippen Schneppenbach Pfarrdorf 217 Schneppenbach Schöllkrippen Hauptort 206 Schöllkrippen
Die früheren Orte Waag, Gasse und Hofgut sind heute mit Schöllkrippen baulich zusammengewachsen.
Nachbargemeinden
Name Etymologie Der Name Schöllkrippen leitet sich von den mittelhochdeutschen Wörtern schële, was Zuchthengst bedeutet, und kripfe, ein in Wasser gebautes Holzwerk, ab. Der ursprüngliche Name geht somit auf einen Futtertrog für Pferde zurück. Im Kahlgründer Dialekt wird der Ort Schöllkröbbe genannt.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1255 Schelecreppen 1282 Schreilecrůppen 1290 Schelkrippen 1306 Schelkruppen 1312 Schelecrephe 1317 Schelencruppe 1332 Schellekripphen 1349 Schellecreppen 1380 Schiltkrippe 1400 Schelkripfen 1437 Schelkrippen 1516 Schelkropfen 1530 Schoellkrippen 1540 Schellkrippen 1562 Schöllkrippen
Geschichte mini|Schöllkrippen um 1800
Gemeindefusion Am 1. Januar 1811 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Dörfer Waag, rechts des Westerbaches, Schellkrippen links der Kahl, Gasse, an der Straße nach Großlaudenbach, Ernstkirchen, Langenborn und Hofgut zur Gemeinde Schöllkrippen zusammen. Diese bewohnten damals etwa 750 Einwohner. Die Gemeinde ging an Bayern über. 1858 bis 1943 bestand das Land- bzw. Amtsgericht Schöllkrippen.
Verwaltungsgeschichte Am 1. Juli 1862 wurde das Bezirksamt Alzenau gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Schöllkrippen lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Schöllkrippen war nun eine Gemeinde im Landkreis Alzenau in Unterfranken. Mit Auflösung des Landkreises Alzenau im Jahre 1972 kam Schöllkrippen in den neu gebildeten Landkreis Aschaffenburg.
Eingemeindungen Die Gemeinde Schneppenbach wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern am 1. Januar 1972 nach Schöllkrippen eingegliedert. Seit dem 1. Mai 1978 ist Hofstädten ebenfalls ein Gemeindeteil von Schöllkrippen.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 3287 auf 4241 um 954 Einwohner bzw. um 29 %, dem neben Mainaschaff höchsten prozentualen Zuwachs im Landkreis im genannten Zeitraum. Quelle: BayLfStat
Politik
Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat von Schöllkrippen hat (ohne Bürgermeister) 16 Mitglieder. Die vergangenen Kommunalwahlen ergaben folgende Sitzverteilung: CSU SPD GRÜNE FWG Gesamt2008 7 — 2 7 16 Sitze2014 6 — 2 8 16 Sitze 2020 8 — 3 5 16 Sitze
Bürgermeister 1972 bis 1984: Otto Elsässer II (CSU)
1984 bis 1996: Karl-Peter Seitz (CSU)
1996 bis 2020: Reiner Pistner (FWG)
Seit 1. Mai 2020: Marc Babo (CSU). Bei der Kommunalwahl 2020 wurde er (bei zwei Mitbewerbern) im ersten Wahlgang mit 68,0 % der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister des Marktes Schöllkrippen gewählt.
Wappen
Gemeindepartnerschaften : Partnergemeinde von Schöllkrippen ist seit 2009 Kochanowice.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche St. Katharina in Ernstkirchen mini|Kapelle St. Lukas im Zentrum von Schöllkrippen
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Kirchen und Kapellen Herz Mariä (Schneppenbach), katholisch St. Katharina (Ernstkirchen), katholisch St. Lukas (Schöllkrippen), im Eigentum der politischen Gemeinde St. Markus (Schöllkrippen), evangelisch-lutherisch St. Michael (Schneppenbach), im Eigentum der politischen Gemeinde
Naturerlebnisbad Bei einem Umbau des in den 1970er Jahren erbauten Freibades entstand im Jahr 2003 das Naturerlebnisbad Schöllkrippen. Es befindet sich östlich von Schöllkrippen am Höllenbach und bietet 2.350 m² Wasserfläche in dem an einen Badesee erinnernden Schwimmbereich mit ungechlortem Wasser. Kernstück des Bades ist die biologische Reinigung des Badewassers in zwei separat angelegten Regenerationsteichen (2.200 m²).
Hier werden in einem naturnahen Selbstreinigungsverfahren die Verunreinigungen des Badewassers auf rein biologischem Wege in mineralische Salze umgewandelt. Wasserpflanzen in den Regenerationsteichen, wie Schilf und Seerosen, nutzen diese Nährstoffe und geben auf diese Weise dem Bad sein ganz besonderes Ambiente. Das Wasser ist durch den gänzlichen Verzicht auf Chemikalien für Jung und Alt sehr gut verträglich. Die Wasserqualität steht durch die Gesundheitsbehörden unter ständiger Kontrolle.Markt Schöllkrippen: NaturerlebnisbadFörderverein Naturerlebnisbad "Oberer Kahlgrund" e. V.:
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Durch die zentrale Lage Schöllkrippens hat sich der Markt seit Mitte der 1990er Jahre zum Einkaufszentrum im Kahlgrund entwickelt. Die zahlreichen Discounter erschließen den Spessart von Wiesen über Heigenbrücken bis Heinrichsthal, den oberen Kahlgrund von Geiselbach bis Blankenbach, den mittleren Kahlgrund von Königshofen über Mömbris bis Niedersteinbach, wie auch Eichenberg, Rottenberg und Feldkahl.
Nach der Aufgabe des Schöllkrippener WashTec-Standorts durch den Mutterkonzern in Augsburg standen die weitläufigen Hallen und Grundstücke auf der Gemarkung Ernstkirchen (Ortsausgang Richtung Blankenbach) fast drei Jahre leer. Mitte 2006 gelang es der Gemeinde dann, den Industriepark Ernstkirchen an verschiedene Firmen zu verkaufen. Etwa zwei Drittel der Fläche ging an die Firma Ferratec aus Hösbach, die seither ihre Produktionsmaschinen hier unterbringt. Die restliche Fläche teilten sich 4 kleinere Firmen sowie der Markt Schöllkrippen, der dort einen neuen Bauhof errichtete.
Medien Der Heimatbote ist die örtliche Lokalzeitung.
Verkehr Kahlgrundbahn Schöllkrippen ist Sitz der Kahlgrund Verkehrs-GmbH (KVG), dem Infrastrukturbetreiber der Bahnstrecke Kahl–Schöllkrippen. Diese wird seit dem 13. Dezember 2015 von der Westfrankenbahn mit Zügen befahren, die überwiegend bis Hanau Hbf verkehren. In der KVG-Werkstatt am Bahnhofsgelände in Schöllkrippen werden die Triebwagen der Westfrankenbahn gewartet.
Buslinien Die KVG betreibt weiterhin ihr umfangreiches Omnibusnetz im Nordspessart bis nach Aschaffenburg und in das benachbarte Hessen: Neue Busverbindungen nach Gelnhausen, Freigericht/Somborn und Heigenbrücken nahmen am 10. Dezember 2006 ihren Betrieb auf, um die Region oberer Kahlgrund und deren zahlreiche Pendler besser an das benachbarte Bundesland anzubinden. Hierbei ist jedoch ein großes Problem, dass die Busse zu Zeiten in Gelnhausen ankommen, wenn die Züge Richtung Frankfurt gerade abgefahren sind.
Straßenanbindung Die Staatsstraße 2305 (Frammersbach–Schöllkrippen–Alzenau) und die 2306 (Schöllkrippen–Geiselbach–Gelnhausen) sorgen für eine verkehrstechnisch gute Anbindung und begünstigten die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe in Schöllkrippen.
Diese Autobahnen liegen mit Anschlüssen in der Nähe: Autobahn A 3 (über Anschluss Hösbach), von/nach Frankfurt (ca. 50 km entfernt) und Würzburg (ca. 80 km entfernt). A 45 (über Anschluss Alzenau), von/nach Gießen (90 km entfernt) und Frankfurt (ca. 50 km entfernt) A 66 (über Anschluss Gelnhausen/West), von/nach Fulda (ca. 75 km entfernt) und Gelnhausen/Hanau (ca. 15 bzw. 30 km entfernt)
Bildung Die Mittelschule Schöllkrippen hatte im Schuljahr 2016/2017 395 Schüler und 27 Lehrkräfte.Webseite des Bayerischen Kultusministeriums zur Schule, abgerufen am 19. Dezember 2017 Die Schüler kommen aus den Gemeinden Blankenbach, Geiselbach, Heigenbrücken, Heinrichsthal, Kleinkahl, Krombach, Schöllkrippen, Sommerkahl, Westerngrund und Wiesen.
Persönlichkeiten Josef Simon (1865–1949), Gewerkschafter und Politiker (SPD) Wilhelm Sturm (1889–1957), Politiker (BVP) Berthold Kihn (1895–1964), Psychiater und Neurologe, Professor und T4-Gutachter Georg Polomski (1920–2020), Verleger in Baden-Baden, Schauspieler und Schriftsteller, von 1945 bis 1949 Theaterintendant für die Junge Bühne SchöllkrippenWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 958. Stefan Winckler (* 1967), Zeithistoriker und Publizist Johannes Scherer (* 1973), Radio- und Fernsehmoderator und ComedianBiografie auf Homepage
Literatur
Weblinks
Homepage der Verwaltungsgemeinschaft Schöllkrippen Unser Kahlgrund Heimatjahrbuch für den ehemaligen Landkreis Alzenau
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Aschaffenburg Kategorie:Markt in Unterfranken Kategorie:Gemarkung im Landkreis Aschaffenburg