Sardonismus bezeichnet eine beißende, höhnische oder zynische Art von Humor, bei der eine boshafte, herablassende oder bittere Haltung mitschwingt.; ; Im Gegensatz zu trockenem Humor oder Sarkasmus enthält der Sardonismus eine tiefere Ebene von Bitterkeit oder Verachtung, die oft hinter einem grimmigen, ironischen, feixenden („sardonischen“) Lächeln oder Lachen verborgen ist, und gilt als besonders scharfsinnige, aber kalte Form des Humors. Sardonismus drückt Geringschätzung, Ablehnung oder Kritik auf eine treffende, aber indirekte, subtil zersetzende Weise aus, wodurch eine Bemerkung nicht sofort als offene Beleidigung erscheint.

Sardonische Äußerungen zeichnen sich durch feine, aber schneidende Ironie aus und beinhalten oft unangenehme Wahrheiten. Dabei schwingt häufig eine gewisse Gefühlskälte oder Missachtung mit, was eine Bemerkung besonders verletzend machen kann. Anders als beim humorvollen Sarkasmus, bei dem die Ironie oft als Stilmittel genutzt wird, um eine lustige Wirkung zu erzielen, zielt der Sardonismus darauf ab, andere zu erniedrigen oder zu demütigen. Typischerweise zeigt sich dies in einer scheinbar überlegenen Haltung des Sprechers, der durch seine spitze Zunge und den unterschwelligen Spott auf Distanz zur Situation oder den beteiligten Personen bleibt. Oft wird Sardonismus in Situationen verwendet, in denen offene Kritik oder ein direkter Angriff unangebracht oder zu riskant wären. Seine Subtilität macht ihn zu einer effektiven Methode, um elegant Kritik oder Abneigung zu äußern, ohne dabei offen konfrontativ zu erscheinen.;

Ursprung mini|hochkant|Sardonisches Lachen einer Maske (antike Maske aus Sardinien) Bereits im antiken Griechenland kannte man den Ausdruck, meist als sardonisches Gelächter, oder später .Wilhelm Pape: Griechisch-Deutsches Wörterbuch. Braunschweig 1849. Belegstellen u. a. bei Homer, Platon, Polybios, Meleager und Sophokles. Online: Stichwort (), Zeno.org. Man unterschied zwischen kynisch (kynikós: ‚zur Weltsicht der Kyniker gehörig‘), sarkastisch (sarkastikós: ‚höhnender Spott, verletzende Rede‘) und sardonisch (: ‚das grimmige Hohngelächter eines Zornigen, bei eigenem Schaden oder eigenem Schmerz‘).

So lacht Odysseus als Bettler verkleidet bei Homer sardonisch in sich hinein, als er, endlich zurückgekehrt, einem Kuhfuß ausweicht, mit dem ihn ein Freier seiner Frau bewirft:Homer, Odyssee 20,302; Verse 299–302 griechisch und deutsch zitiert nach Navicula Bacchi, Homer: Odyssee 20. Die Ereignisse vor dem Freiermord (griechischer Originaltext und deutsche Übersetzung)

ὣς εἰπὼν ἔρριψε βοὸς πόδα χειρὶ παχείῃ, κείμενον ἐκ κανέοιο λαβών· ὁ δ’ ἀλεύατ’ Ὀδυσσεὺς ἦκα παρακλίνας κεφαλήν, μείδησε δὲ θυμῷ σαρδάνιον μάλα τοῖον· ὁ δ’ εὔδμητον βάλε τοῖχον. Also sprach er und warf mit nerviger Rechter den Kuhfuß, Welcher im Korbe lag, nach Odysseus. Aber Odysseus Wandte behende sein Haupt und barg mit schrecklichem Lächeln Seinen Zorn; und das Bein fuhr gegen die zierliche Mauer.

(Übersetzung von Johann Heinrich Voß)

Gustav Schwab übersetzt diese Stelle so: „mit einem gräßlichen Lächeln“.Schwab – Sagen: Der Festschmaus – Odysseus (Textlog.de) Wörtlich heißt „wahrlich sehr sardonisch“. Dies stellt den ersten Beleg für dar. Pape führt dieses Wort auf („Zähne fletschen, grinsen, hohnlachen“) zurück.

In deutschsprachigen Werken tritt der Ausdruck seit dem 16. Jahrhundert auf:

Die Herkunft des Wortes ist dabei unklar: einerseits soll bei den alten Sarden ( oder Sardi) die Sitte bestanden haben, die alten Leute zu töten; dabei sollte gelacht werden. Das war der berüchtigte , ein krampfartiges Lachen, an dem die Seele unbeteiligt ist.Karl Friedrich Wilhelm Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Brockhaus, Leipzig 1867, s. v. Gelächter Andererseits wird das krampfhafte Lächeln gelegentlich auf die Wirkung einer bitteren Pflanze (je nach Quelle auch oder, beispielsweise bei Vergil, , deutsch auch Lachkraut) aus Sardinien zurückgeführt, die das Gift Önanthotoxin enthalten soll und somit die Überlieferung von der Tötung der Alten erklären würde.Das Geheimnis des sardonischen Lachens. In: epoc. Heft 5. Spektrum, Heidelberg 2009, S. 9. So schreibt Meyers Enzyklopädie von 1888 dazu:

Auch neuere Werke beziehen den Ursprung des krampfhaften Lachens auf das Gewächs Sardonia.dtv-Lexikon. Band 16, München 1977, ISBN 3-423-03066-6. Häufig wurde als reale Pflanze hinter dem mythischen Kraut der Röhrige Wasserfenchel (botanisch Oenanthe fistulosa) identifiziert, dessen Pflanzenteile jedoch extrem bitter schmecken. Bereits im 18. Jahrhundert war Albrecht von Haller der Meinung, dass es sich bei dem Kraut um die auf Sardinien vorkommende Safranrebendolde (botanisch Oenanthe crocata) handeln müsse. In einer Studie von 2009 gelangte eine Gruppe unter Leitung von Giovanni AppendinoProfessor für Organische Chemie in der Pharmazeutischen Fakultät der Università del Piemonte Orientale: Docenti – Dipartimento di Scienze del Farmaco → Giovanni Battista Appendino zu derselben Ansicht wie Haller:

Sardonisches Grinsen Als Risus sardonicus oder „sardonisches Grinsen“ wird heute ein Symptom bezeichnet, das bei einer Tetanus-Erkrankung („Wundstarrkrampf“) und bei Vergiftung mit Strychnin auftritt.

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