mini|Wappen der Herren von Hagenau, nach Siebmachers Wappenbuch mini|Schloss Hagenau (Michael Wening, 1721) mini|Schloss Hagenau, links im Baumbestand des Parks die Schlosskapelle Hagenau, im Vordergrund die Mattig mini|Schlosskapelle Hagenau mini|Schloss Hagenau mit Wappen derer von Handel über dem Eingangstor

Die Herren von Hagenau (auch Hagenowe, Hagenower, Hagenauer) waren ein altes bayerisch / Erzherzogtum Österreichisches Adelsgeschlecht, das nachweisbar ab dem 10. Jahrhundert existierte und u. a. zum Niederösterreichischen landständischen Adel gehörte.

Geschichte Herkunft und Besitztümer Verbreitung in Bayern, Ober- und Niederösterreich Die Herren von Hagenau sind eines der ältesten österreichischen Geschlechter. Erstmals urkundlich erwähnt wurden sie mit dem Freisinger Bischof Gottschalk von Hagenau im Jahre 993 als nobilis de Hagenau. Der Name unterlag im Laufe der Jahrhunderte einem Wandel und so findet man das Geschlecht in verschiedenen Urkunden auch unter dem Namen Hagenowe, Hagenower und schließlich als Hagenauer wieder. Ursprünglich aus der Gegend bei Freising, waren sie im Herzogtum Bayern, sowie Ober- und Niederösterreich ansässig.

Hagenauer aus der Sippe der Housierer und Andechser mit deren von Tauer und Hohenwart Die Hagenauer waren ein vielverzweigtes und weitverbreitetes Geschlecht. Sie werden von dem Historiker Koch-Sternfeld zur großen Sippe der Huosi (Huosierer) und der Andex (Andechser), in näherer Beziehung derer von Tauer und Hohenwart gezählt. Koch-Sternfeld konnte anhand der frühesten Leitnamen (Reginbert, Erchenbert, Hartwich etc.) und nach der Lage der Erbgüter, die Abstammung des Geschlechts der Herren von Hagenau bis in das 8. Jahrhundert zu dem 764 urkundlich erwähnten Reginbert und dessen Bruder Irminfried zurückführen. Jener Reginbert (Reginperht) wurde als Stifter und erster Abt des Klosters Scharnitz des Bistums Freising 764 beurkundet. Der Historiker Johannes Fried sieht in den Hagenauern eine Seitenlinie der Grafen von Ottenburg-Grögling (Kreglingen).

Edelsitz Hagenau und Besitz in Neuburg am Inn Wir finden als ältesten Edelsitz der Hagenauer einen Weiler Hagenau, ein „Dorff sampt eim Vorst oberhalb Schrobenhausen“. Gumpoldus nobilis de Hagenowe (Guntpold von Hagenau) lebte um 1080/1090, besaß laut einer alten österreichischen Chronik ein Lehen in der Grafschaft Neuburg und gilt als Ahnherr aller weiteren Linien der Herren von Hagenau / Hagenauer.

Schloss Hagenau und Burg Hagenau mit Kirche zu St. Peter Alle drei Linien stammen von Guntpold von Hagenau (um 1078) ab. Später werden das Schloss Hagenau bei Braunau sowie die „Burg Hagenau“ (heute nur noch kleine Fragmente) in Niederösterreich mit einer Kirche zu St. Peter im Wiener Wald bei Kasten und Böheimkirchen genannt. Bereits im 12. Jahrhundert war das Geschlecht in drei Linien verzweigt. Zwei Linien siedelten südöstlich, sodass wir gleichzeitig drei Stamm- und Burggebiete Hagenau vorfinden. Ein oberbayerisches, eines weiter südlich am Inn und ein Drittes in Niederösterreich.

Stammsitze der Hagenauer Die drei Stammsitze waren Hagenau bei Schrobenhausen (Erbbegräbnis zu Weihenstephan bei Freising), Hagenau rechts der Perschling (Grenze zum Wienerwald) (Erbbegräbnis ad Sanctum Hippolytum (St. Pölten) an der Traisen) sowie Hagenau bei Rott am Inn (Braunau) (Erbbegräbnis Kloster Reichersberg).

Obwohl die Informationen über die Hagenauer spärlich sind, können ihnen folgende Besitzungen eindeutig zugeordnet werden: Sandelzhausen, Natz bei Brixen, Seeon, Pellhausen und „Studesacker“, Olzenbach und in Bergistrien, Maisbach, Puch, Eggenberg, Hagenau (lehenbare Vogtei über den Neustifter Klosterhof und den Ortskirchenbesitz), Schroßlach (lehnbare Vogtei über den Neustifter Klosterhof), Salmading (Vogtei) und Praitenwiesen.

Hagenau bei Rott am Inn (Braunau) Die Stammburg des oberösterreichischen Zweiges der Hagenauer (das „Schloss“ Hagenau bei Braunau), war Besitz des Hartwich (Hartwig) von Hagenau, dem jüngeren Bruder des Passauer Bischofs Reginbert von Hagenau. 1146 ernannte dieser seinen Bruder Hartwig zum Vogt des Hospitals in Vöcklabruck. Reginbert überzeugte den verheirateten aber kinderlosen Hartwig ein Testament zu Gunsten des Bistums Passau bezüglich seiner Besitzungen zu machen, bevor sich Hartwig auf den Zweiten Kreuzzug begab. Tatsächlich kam Hartwig 1149 im Kreuzzug um, Reginbert war bereits 1147 auf dem Kreuzzug gestorben.

Ein Streit um Hartwigs nachgelassene Güter zwischen dessen ältesten Bruder Werinhart von Hagenau (Begründer der um 1634 ausgestorbenen Linie der Zelkinger) mit dessen Söhnen und Hilltegarde von Hagenau, der Witwe Hartwichs, war die Folge. Das Bistum Passau, das bereits zu Lebzeiten Hartwigs einige Güter überschrieben bekommen hatte, meldete ebenfalls seine Ansprüche an. Es kam zum Streit und Herzog Heinrich hält einen Gerichtstag ab, wo er zu Gunsten des nunmehrigen Bischofs Konrad I. von Passau entschieden hatte. Hartwigs Neffen, die Söhne Werinharts von Hagenau, wurden ausbezahlt. Fälschlicherweise wurde Hartwig des Öfteren als Letzter aus dem Geschlecht der Herren von Hagenau bezeichnet, was aber durch Koch-Sternfeld widerlegt wurde. Tatsache ist, dass er nur der letzte Besitzer dieses Zweiges der Burg und des Lehens Hagenau bei Braunau war, das Lehen selbst aber als solches an die Hagenauer bald vergeben werden sollte.

Die Witwe Hilltegarde von Hagenau vollzog 1150 gezwungenermaßen das Vermächtnis, übergab das Lehen dem Passauer Bischof und zog sich in ein Kloster zurück. Das Bistum Passau vergab darauf 1152 dieses Lehen an die niederösterreichische Linie der Herren von Hagenau. Diese verloren es abermals um 1239/40 durch erneute Streitigkeiten mit dem Hochstift Passau und in Folge auch mit Herzog Otto II.

Ludwig von Hagenau Ludovicus der Hagenauer (Ludwig von Hagenau) nahm einige Hörige und Amtsmänner des Hochstifts Passau gefangen und vertrieb diese aus dem Hoheitsgebiet von Passau. Daraufhin wurden Ludwigs Besitzungen großteils beschlagnahmt. Nach dessen Tod wurden alle restlichen Besitzungen einerseits vom Hochstift Passau, vor allem aber von Herzog Otto II. von Bayern eingezogen. Ludwigs urkundlich erwähnte Söhne Gebehardus de Richstorf und Gebhartus junior de Hagenau verarmten somit.

Aham gegenüber Hagenau Um 1400 übernahm das Geschlecht derer von Aham die Burg (auch Ahamer, Aheimer, Ahaimer), das aus dem Dorf Aham bei St. Peter am Hart im heutigen Bezirk Braunau stammte. Da sich diese neuen Besitzer ebenfalls von Hagenau nach der Burg nannten, ist eine Verwechslung mit den Hagenauern leicht möglich. Hier lassen sich jedoch keine direkte verwandtschaftliche Beziehung zu dem Geschlecht der Edelfreien von Hagenau nachweisen, obwohl das Ahamer Geschlecht nach Bucelini „mit den Bannerherren v. Hagenau einen Ursprung hat“. Im 16. Jahrhundert wurde auf den Ruinen der ehemaligen Burg Hagenau bei Braunau das heutige Renaissanceschloss erbaut, welches mit den Hagenauern nur mehr der Namen verbindet. Heute ist das Schloss Hagenau (seit 1829) im Besitz der Freiherren von Handel-Mazzetti. Die Burg in Niederösterreich und der Stammsitz in Bayern wurden ebenfalls [Schleifung|geschleift] und sind heute nur mehr Ruinen bzw. Fragmente.

Erlöschen des oberösterreichischen sowie niederösterreichischen Zweiges Der Wandel der politischen und sozialen Verhältnisse seit dem Ende des 12. Jahrhunderts isolierte die Hagenauer zunehmend. Im 13. Jahrhundert erscheinen die Freien von Hagenau noch auf der gleichen Stufe mit den Reichsministerialen. Die Entstehung der Wittelsbacher in diesem Raum, als auch der Niedergang des Hochstifts Freising als Landesherrschaft, trug dazu bei, dass das Geschlecht seinen einstigen hohen gesellschaftlichen Stand verlor. Schließlich gingen die Herren von Hagenau, die sich zunehmend nur mehr Hagenauer nannten, im 14. Jahrhundert in der Ministerialität unter. Viele Familienmitglieder aus dem Geschlecht der Freien von Hagenau begaben sich auch in den Schutz aufstrebender Städte des Mittelalters, wie St. Pölten, Wien, Klosterneuburg und München, wo sie als Patrizier und Bürger bezeichnet wurden. Der oberösterreichische Zweig der Herren von Hagenau erlosch bereits im 13. Jahrhundert, der niederösterreichische in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Allershausener Linie und Abwanderung nach Salzburg