mini|Raphael Löwenfeld Raphael Löwenfeld (* 11. Februar 1854 in Posen, Königreich Preußen; † 28. Dezember 1910 in Charlottenburg) war ein bedeutender Publizist, Theaterdirektor und Übersetzer. Er gründete mit dem Schiller-Theater die erste Spielstätte der Freien Volksbühne in Berlin, war Initiator der Gründung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und trug zur Verbreitung der russischen Literatur im deutschen Sprachraum bei.
Leben Sein Vater Viktor Löwenfeld war Rabbiner und leitete ein Jungenpensionat in Posen, seine Mutter war Henriette geborene Zadek.Lexikon deutsch-jüdischer Autoren, 16, 2008, S. 110 Der Zwillingsbruder Samuel Löwenfeld wurde Historiker, die Schwester Ida Löwenfeld (1848–1931) Lehrerin. Raphael Löwenfeld studierte seit 1872 Philologie in Berlin, Warschau und Breslau und promovierte 1877. Danach war er als Lektor für russische Sprache und Literatur an der Universität Breslau angestellt. Anschließend war er in St. Petersburg Korrespondent des Berliner Tageblatts.
Nachdem er dort ausgewiesen wurde, war er seit 1888 als Redakteur für mehrere Berliner Theater- und Literaturzeitschriften tätig. In seinem Haus war die jüdische Lesehalle untergebracht. Seine 1893 veröffentlichte Schrift Schutzjuden oder Staatsbürger. Von einem jüdischen Staatsbürger vom Standpunkt des liberalen Judentums als Reaktion gegen den wachsenden Antisemitismus war der Hauptanstoß zur Gründung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV), der wichtigsten jüdischen Vereinigung in Deutschland in dieser Zeit, dessen Vorstand er mehrere Jahre angehörte.
1894 gründete Raphael Löwenfeld mit anderen die gemeinnützige Schiller-Theater-Aktiengesellschaft in Charlottenburg mit dem Ziel, Geringverdienenden Zugang zur Bühnenkunst zu verschaffen.; auch Adele Schreiber: Das Berliner Schiller-Theater als Sozialinstitution. In: Zentralblatt für Volksbildungswesen, 3/12, 1903, S. 177–184 Sie führten das Schiller-Theater Ost und das Schiller-Theater Nord und gründeten 1907 das neu erbaute Schillertheater (West) in der Bismarckstraße.
Raphael Löwenfeld war vor allem als Publizist und Übersetzer aus dem Russischen und Polnischen tätig¿. Er hat sich große Verdienste um die Verbreitung der Werke von Leo Tolstoi im deutschen Sprachraum erworben, er verfasste dessen erste Biographie und übersetzte seine gesammelten Werke., mit Zitat
Ehe und Nachkommen Raphael Löwenfeld war mit Ida, geborene Rothstein verheiratet. Drei Kinder gingen aus der Ehe hervor: Eva Löwenfeld (* 1895), Sängerin Otto Löwenfeld (* 1898), Rechtsanwalt Heinrich Löwenfeld (* 1900), Psychoanalytiker
Die Ärztin Rahel Straus war die Tochter von seiner Schwester Ida Löwenfeld.
Schriften Verfasser Raphael Löwenfeld veröffentlichte zahlreiche Artikel zur russischen und polnischen Literatur sowie zu theatergeschichtlichen Themen in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen. Er war Redakteur der Dramaturgischen Blätter, der Bühnen-Rundschau und der Literaturzeitschrift Nord und Süd (jeweils ab 1888) und Herausgeber der Zeitschrift Volks-Unterhaltung (1898–1906).
Johann Kochanowski und seine lateinischen Dichtungen, 1877, Dissertation Lukasz Gornicki. Sein Leben und seine Werke. Ein Beitrag zur Geschichte des Humanismus in Polen, Breslau 1884 Unser heutiges Judentum. Eine Selbstkritik, 1890 Gespräche über und mit Tolstoj, 1891, dritte überarbeitete Auflage 1901 ()
Leo N. Tolstoj. Sein Leben, seine Werke, seine Weltanschauung, 1892, 2. Auflage 1901 (), erste deutschsprachige Biographie über Tolstoi
Schutzjuden oder Staatsbürger? Von einem jüdischen Staatsbürger. 3. Auflage, vermehrt um Stimmen der Presse und Zuschriften aus dem Publikum. Schweitzer & Mohr, Berlin W. 1893, () (anonym veröffentlicht)
Übersetzer Aus dem Russischen Iwan Turgeniew Tagebuch eines überflüssigen Menschen, 1882 Gedichte in Prosa, 3. Auflage, 1884 Leo N. Tolstoj Gesammelte Werke, 8 Bände, Diederichs, Leipzig 1891–1893 Gesammelte Werke, 33 Bände, Diederichs, Leipzig 1901–1911Werke von Lew Tolstoi Tolstoi-Friedensbibliothek, mit einigen neu herausgegebenen Ausgaben als Digitalisate
Aus dem Polnischen Kantecki, Die neapolitanischen Summen, 1882 Kraszewski, Auf Irrwegen, 1884
Henryk Sienkiewicz Mit Feuer und Schwert, 1887 Der kleine Ritter, 1887
Literatur Deutschsprachige Literatur
Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 16: Lewi–Mehr. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2008, ISBN 978-3-598-22696-0, S. 110–119, mit Bibliographie Konrad Feilchenfeldt (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Saur, München/Leipzig 1996, Band 6.
Salomon Wininger: Große Jüdische National-Biographie. Band 4. Cernăuţi 1929. S. 165–166 Julius Bab: Löwenfeld, Raphael. In: Jüdisches Lexikon. Begründet von G. Herlitz und B. Kirschner. Jüdischer Verlag, Berlin 1929, Band III, Sp. 1233.
Fremdsprachige Literatur Peter G. Crane: Raphael Löwenfeld: Leo Tolstoy’s First Biographer. Remarks Presented at Iasnaia Poliana, September 30, 1998. In: Tolstoy Studies Journal. Volume X, 1998, S. 1–19.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Person des Judentums (Berlin) Kategorie:Theaterleiter Kategorie:Übersetzer aus dem Russischen Kategorie:Übersetzer aus dem Polnischen Kategorie:Publizist Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1854 Kategorie:Gestorben 1910 Kategorie:Mann