mini|Außenansicht der Pfarrkirche St. Jodok St. Jodok, auch Jodokskirche genannt, ist nach der Stadtpfarrkirche St. Martin die zweitälteste Pfarrkirche Landshuts. Neben der Martinskirche und Heilig-Geist-Kirche ist sie eine der drei großen gotischen Backsteinkirchen in der Landshuter Altstadt. Noch in der Hochgotik begonnen wurde der Bau wie mehrere andere Landshuter Kirchen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, also während der Spätgotik vollendet. Die heutige Ausstattung stammt größtenteils aus der Zeit der Neugotik im 19. Jahrhundert.

Lage mini|180px|St. Jodok (im Vordergrund) und die Stiftsbasilika St. Martin mini|180px|Turm der Jodokskirche vom Prantlgarten Die Pfarrkirche St. Jodok befindet sich im 1338 gegründeten Stadtteil Freyung in der Mitte des gleichnamigen Platzes. Diese dominante Stellung inmitten eines Straßenmarktes, die häufig bei Kirchenbauten des 19. Jahrhunderts anzutreffen ist, gilt für eine mittelalterliche Kirche in Bayern beinahe als einmalig. Der rund um die Kirche befindliche Friedhof, der laut Stadtmodell von Jakob Sandtner von 1570 von einer hohen Mauer umgeben war, wurde 1806 aufgelassen. In der Folge verwandelte man Marktplatz und Friedhof in einen Promenadeplatz im Stile des Biedermeier, der heute parkähnlich gestaltet ist und in der Adventszeit für den Landshuter Christkindlmarkt genutzt wird.Böllmann, Kaupe, Müller; S. 2f.

Patron der Kirche Der Name der Kirche geht auf Jodok zurück, der im 7. Jahrhundert in der Bretagne geboren und später in der Picardie gewirkt hat. Er wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt.

Die Gebeine Jodoks kamen nach dessen Tod um 669 zunächst nach Winchester in England, ab 977 aber wieder zurück nach Josse sul Mer. Dort hatte Jodok 665 eine Einsiedelei gegründet, die später in eine Benediktinerabtei überging. Herzog Heinrich XIV, der Gründer und Stifter der Kirche, besaß eine Reliquie des Heiligen, die er von Ludwig dem Bayern erhalten haben dürfte. Auf dessen Wunsch hin ließ er die Kirche diesem Heiligen weihen.

Das eher ungewöhnliche Patrozinium wird am 13. Dezember begangen.

Geschichte Der Kirchenbau wurde von Herzog Heinrich XIV. im Jahr 1338 als künftiger Mittelpunkt des neu gegründeten Stadtteils Freyung in Auftrag gegeben. Die Erhebung zur Pfarrei erfolgte 1369, als der Kirchenbau bereits vorläufig fertiggestellt war. Dieser hochgotische Bau, der stilistisch zwischen den schlichten Bettelordenskirchen des 13. und frühen 14. Jahrhunderts und den repräsentativen spätgotischen Backsteinkirchen einzuordnen ist, umfasste bereits den Chor mit Krypta, das basilikale Langhaus, wobei das Mittelschiff anstelle des Gewölbes lediglich eine Flachdecke besaß, und den unteren Teil des Turmes.Liedke, S. 150ff.Böllmann, Kaupe, Müller; S. 3–7.

Bei einem Brand im Jahr 1403 stürzte die nördliche Wand des Mittelschiffs ein. In der Folge fand nicht nur ein einfacher Wiederaufbau statt, sondern es wurde das ursprüngliche Konzept maßgeblich weiterentwickelt. Zunächst wurden – den Datierung zufolge in der Zeit von 1438 bis 1449 – die Seitenschiffe um Seitenkapellen erweitert. Diese erfüllten im Wesentlichen drei Funktionen: eine liturgische Funktion als Altarräume für die zahlreichen Messbenefizien von verschiedenen Zünften und wohlhabenden Familien; außerdem eine statische Funktion zur Aussteifung der hohen Seitenwände; schließlich eine finanzielle Funktion, da mit den Kapellen, die auf Kosten der jeweiligen Stifter (Zünfte und Adelsfamilien) bis zum Dach vollendet wurden, auch Fundamente und Außenmauern hergestellt waren. Nach Fertigstellung der Seitenkapellen wurden noch die Vorhallen der Seitenportale eingefügt. Zwischen 1470 und 1480 erfolgte unter Pfarrer Caspar Westendorfer die Einwölbung des Mittelschiffs. Zu dieser Zeit dürfte der Turm bereits vollendet gewesen sein, während die Turmseitenkapellen erst Ende des 15. Jahrhunderts erbaut wurden. Bis auf die Errichtung der Orgelempore auf der Westseite des Langhauses im Jahr 1611 wurde in der Folge lange Zeit nicht mehr wesentlich in die Bausubstanz der Kirche eingegriffen.

Von 1780 bis 1789 wirkte an St. Jodok der Freisinger Domherr und Jesuit Damian Hugo Philipp von Lehrbach als Pfarrer.Schwind, 1915.

Von 1838 bis 1845 war Johann Baptist Zarbl Pfarrer an St. Jodok. Dieser leitete ab 1839 die Regotisierung der Kirche nach den Plänen von Leonhard Schmidtner, einem der führenden Architekten der Neugotik in Südbayern, in die Wege. Die auffälligsten baulichen Maßnahmen stellen die „stilgerechte“ Erweiterung der Sakristei südlich des Chorraums, die 1839 als erste Maßnahme ausgeführt wurde, und der Anbau der Sakramentskapelle dar, die 1855 als Pendant zur Sakristei auf der Nordseite des Chores errichtet wurde. Außerdem erhielten Fenster des Mittelschiffes, die beim Anbau der Kapellen im 15. Jahrhundert verkürzt und etwa 200 Jahre später oval umgestaltet wurden, 1875 wieder in ursprüngliche Form und Größe zurück und wurden dabei mit Maßwerk aus Kunststein versehen. Dafür musste man die Dächer der Seitenschiffe absenken, die seitdem nicht mehr mit Dachziegeln, sondern nur noch mit Blech gedeckt sind. Noch unter Pfarrer Zarbl begann außerdem die Regotisierung der zuvor größtenteils barocken Ausstattung, die sich bis etwa 1890 hinzog. Die Anschaffung der neuen Hauptorgel von G. F. Steinmeyer & Co. im Jahr 1890 kann somit als Abschluss der Regotisierung von St. Jodok gesehen werden. 1844 und 1880 sowie erneut 1913 durch den Kunstmaler Martin Herz erfolgten Neufassungen der Raumschale. Erst bei der Renovierung von 1986 bis 1997 wurde die ursprüngliche Raumfassung im sogenannten „Landshuter Ocker“ wiederhergestellt.

Die nach dem Wiederaufbau infolge des Brandes 1403 umfangreichste Renovierung der Kirchengeschichte erfolgte in den Jahren von 1986 bis 1997. Die Kirche hatte wegen Einsturzgefahr zuvor vollständig gesperrt werden müssen. Ähnlich wie bei anderen Landshuter Kirchen war auch bei St. Jodok das Fundament aus Holzpfählen vermodert, da der Grundwasserspiegel im 20. Jahrhundert unter anderem infolge der Kanalisierung der Isar und der Erbauung des Maxwehres stark abgesunken war. Neben der kompletten Erneuerung des Fundaments (7 Mio. DM) mussten auch zahlreiche Folgeschäden an der Bausubstanz (7,5 Mio. DM) behoben werden. Außerdem erfolgten im Zuge der Arbeiten eine Neugestaltung des Kircheninneren im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils, die Anschaffung einer Chororgel, die an der Stirnseite des südlichen Seitenschiffs anstelle des 1968 ebtferbte Corpus-Christi-Altares aufgestellt wurde, und die Umgestaltung des Sakramentskapelle zur Taufkapelle. Mit Gesamtkosten von rund 30 Millionen D-Mark war St. Jodok zur damaligen Zeit eine der teuersten Baustellen im Erzbistum München und Freising.Pfarrei Landshut-St. Jodok: Pfarrkirche St. Jodok. Online auf www.jodok-landshut.de. Abgerufen am 18. Dezember 2015.

Architektur mini|250px|Innenansicht der Pfarrkirche St. Jodok mini|180px|Netzrippengewölbe im Mittelschiff Die Jodokskirche ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit einem einschiffigen, dreijochigen Ostchor in Mittelschiffbreite. Nördlich des Chorraumes befinden sich in Verlängerung des Seitenschiffes die Aschkapelle, die Christophoruskapelle sowie die Taufkapelle. Südlich des Altarhauses schließt sich die im 19. Jahrhundert erweiterte, zweigeschossige Sakristei an. Das sechs Joche umfassende Langhaus besitzt in jedem Joch eine nördlich und eine südlich angebaute Seitenkapelle. Eine Ausnahme bildet das vierte Joch von Osten her, wo sich Vorhallen zu den beiden Seitenportalen befinden. Seitenkapellen und Portalvorhallen sind mit den Seitenschiffen unter einem niedrigen, mit Blech gedeckten Pultdach vereint, über dem sich der Obergaden erstreckt. Im Gegensatz ist der dreiseitig geschlossene Chor mit Strebepfeilern gegliedert.

Auf der Westseite ist dem Langhaus der Turm vorgesetzt, der ebenfalls Mittelschiffbreite aufweist und von der Gestaltung an den Turm der Martinskirche erinnert. Oberhalb von vier quadratischen Geschossen, die durch Spitzbogenblenden gegliedert werden, geht er unter der Vermittlung von vier Treppentürmchen ins Oktogon über. Dabei fällt das im Südosten angeordnete Türmchen, wie auch beim Martinsturm, deutlich höher aus als die drei übrigen und führt als einziges bis ins Glockengeschoss. Das von den Ecktürmchen begleitete Uhrengeschoss wird wiederum von Spitzbogenblenden aufgelockert, während das darüber angeordnete Glockengeschoss mit allseitigen, spitzbogigen Schallöffnungen versehen ist und von Eckstreben begleitet wird. Den Übergang zum gemauerten Spitzhelm markiert eine Art Sprengwerkkranz, der in ähnlicher Form am Martinsturm gleich zweimal zu finden ist. Den oberen Abschluss bildet eine Kreuzblume, deren Blätter 1860 von dem Spenglermeister Paul Weiß in Kupfer erneuert wurden.

Links und rechts des Turmes befinden sich in Verlängerung der Seitenschiffe die Annakapelle (nördlich) und die Oberndorferkapelle (südlich). An deren Giebeln befanden sich bis 1958 kleine Ecktürmchen, welche mit den noch vorhandenen Treppentürmchen an Sakristei und Taufkapelle korrespondierten. Im Innenraum sind Haupt- und Seitenschiffe durch profilierte spitzbogige Arkaden separiert, die auf wuchtigen Pfeilern ruhen. Oberhalb dieser entspringt aus filigran wirkenden, halbrunden Wanddiensten das Netzrippengewölbe des Mittelschiffs. Dadurch ist dieses von den Seitenschiffen, die von einem weniger aufwändigen Kreuzrippengewölbe überspannt werden, deutlich hervorgehoben. Die Seitenkapellen, die einst von Adelsfamilien und Zünften gestiftet wurden, sowie die Vorhallen der Seitenportale sind wiederum mit einem Netzrippengewölbe ausgestattet, der Chor mit einem Kreuzrippengewölbe. Im westlichsten Langhausjoch wurde 1611 eine Orgelempore eingezogen, die mit qualitätvollem Stuck im Stile der Spätrenaissance verziert ist.Böllmann, Kaupe, Müller; S. 10–12.

Unterhalb des Chorraums befindet sich eine Krypta, die sogenannte Veitskrypta, die bereits zur Entstehungszeit der Kirche angelegt wurde. Der Zugang erfolgt seit der Renovierung von 1986 bis 1997 wieder über eine Treppe in der Aschkapelle. Mit fünf Jochen, die sich über jeweils drei Schiffe erstrecken, nimmt die Krypta den gesamten Raum unterhalb des Presbyteriums ein. Das einfache Kreuzgratgewölbe wird von Rundpfeiler getragen, die auf steinernen Sockeln ruhen. Lediglich im Altarbereich ist das Gewölbe gefasst und ruht hier auf steinernen Säulen. Die spärliche Beleuchtung des Raumes erfolgt über drei kleine Fenster auf der östlichen Stirnseite, während die Seitenfenster im Norden und Süden im Laufe der Zeit alle zugemauert wurden.Böllmann, Kaupe, Müller; S. 45f.

Maße Die Gesamtlänge der Kirche beträgt rund 68,50 Meter. Dabei ist das Mittelschiff etwa 38,50 Meter lang; der Chor 21,50 Meter; die westliche Vorhalle im Turmerdgeschoss 8,50 Meter. Die Breite der Kirche beträgt rund 31,00 m. Dabei ist das Mittelschiff etwa 8,00 Meter breit; die Seitenschiffe je rund 6,50 Meter; die Kapellen je rund 4,50 Meter. Die Höhe des Mittelschiffes beträgt 18,35 Meter; die der Seitenschiffe 9,90 Meter; die der Kapelle 8,10 Meter. Die Höhe des Kirchturms wird mit 77 bis 80 Metern beziffert, je nach Bezugspunkt. Somit ist dieser der zweithöchste Kirchturm Landshuts nach dem „Martinsturm“.

Ausstattung mini|250px|Der neugotische Hochaltar (1863) Altarraum mini|170px|Spätgotische Sakristeitür