mini|Das Original des Braunschweiger Löwen kann ab März 2026 im Herzog Anton Ulrich-Museum besichtigt werden. mini|Um das Original zu schützen, steht seit 1980 auf dem Burgplatz eine originalgetreue Kopie mini|Siegel der Stadt von 1231Jochen Luckhardt, Franz Niehoff (Hrsg.): Heinrich der Löwe und seine Zeit. Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125–1235. Band 1: Katalog. Hirmer, München 1995, ISBN 3-7774-6900-9, S. 382 f. mit dem Standbild des Löwen mini|Braunschweig und der Braunschweiger Löwe auf der Ebstorfer Weltkarte (um 1300)Heinrich-Wilhelm Schüpp: Die mittelalterliche Stadt bis zum Verlust der Selbständigkeit 1671. In: Gerd Spies (Hrsg.): Braunschweig. Das Bild der Stadt in 900 Jahren. Geschichte und Ansichten. Band 2: Braunschweigs Stadtbild. Städtisches Museum, Braunschweig 1985, S. 3–58, hier S. 17. mini|Revers einer Gedenkmedaille zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Braunschweig im August 1861. mini|Braunschweiger Löwensäule, um 1900 Der Braunschweiger Löwe, bis in das späte 19. Jahrhundert hinein auch als LöwensteinPaul J. Meier, Karl Steinacker: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Braunschweig. 2., erweiterte Auflage, Braunschweig 1926, S. 51. und heute noch als (Braunschweiger) BurglöweNorman-Mathias Pingel: Burglöwe. In: bezeichnet, ist ein aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammendes Denkmal eines überlebensgroßen Löwen aus Bronze, das Herzog Heinrich der Löwe als Symbol seiner Macht errichten ließ. Der Löwe ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Braunschweig. Er steht seit seiner Aufstellung auf dem Burgplatz vor der Burg Dankwarderode und dem Braunschweiger Dom.
Geschichte Vorgeschichte Welfen-Herzog Heinrich der Löwe war seit 1142 Herzog von Sachsen und seit 1156 von Bayern. Zu seiner Residenzstadt wählte er wohl um 1165, im Zusammenhang mit seiner Hochzeit mit Mathilde Plantagenet am 1. Februar 1168, BraunschweigJoachim Ehlers: Heinrich der Löwe. S. 251., das dadurch aufblühte. Als Heinrich 1156 zu dem sächsischen auch das bayerische Herzogtum erhielt, wurde auf dem Hoftag zu Regensburg im September des Jahres „für ihn ein neuer Name geschaffen: Heinrich der Löwe“ (Et creatum est ei nomen novum: Heinricus Leo, dux Bavariae et Saxoniae.Helmold von Bosau: Chronica Slavorum. Neu übertragen und erläutert von Heinz Stoob. In: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. (FSGA XIX) Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1963, S. 300.). Dieser neue Herrschername und der damit verbundene Macht- und Herrschaftsanspruch spiegelte sich u. a. in einer Vielzahl Münzen wider, so zum Beispiel in einem Silber-Brakteat der Münzstätte Braunschweig, geprägt während der Herrschaftszeit Heinrichs des Löwen, auf dem umlaufend in Majuskeln der Text zu lesen ist.
Mit der um 1165 entstandenen Burg Dankwarderode ließ Heinrich eine Pfalz für sich errichten. Darüber hinaus stiftete er 1173 die Stiftskirche St. Blasii, den heutigen Braunschweiger Dom, der direkt mit der Burg verbunden ist. Burg und Dom umschlossen zusammen mit anderen Gebäuden damals wie heute den Burgplatz, in dessen Zentrum Heinrich nach Seiler zwischen 1164 und 1181Peter Seiler: Der Braunschweiger Burglöwe – Spurensicherung auf der Suche nach den künstlerischen Vorbildern. In: Luckhardt, Niehoff (Hrsg.): Heinrich der Löwe und seine Zeit. Band 2 (Essays), S. 244. und nach Schneidmüller zwischen 1164 und 1176Bernd Schneidmüller: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung (819–1252). Stuttgart 2000, S. 218. das bronzene Standbild eines Löwen auf einem hohen Steinpodest errichten ließ, die erste profane freistehende Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen.Norman-Mathias Pingel: Burglöwe. In: Dieser „Braunschweiger Löwe“ war Zeichen seines Namens, also individuelles Herrschaftszeichen, nicht Familiensymbol der Welfen.Joachim Ehlers: Heinrich der Löwe. S. 257.
Jahr der Aufstellung Mehrere mittelalterliche Chronisten erwähnen Heinrich den Löwen, Braunschweig und das Löwenstandbild, das der Herzog errichten ließ. Die Jahresangaben sind dabei allerdings z. T. unterschiedlich, liegen jedoch alle in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Eine frühe bildliche Darstellung des Löwenstandbildes findet sich bereits in dem um 1180 entstandenen Cod.pal.germ.112 (fol.32 v.).
Lange Zeit wurde 1166 als das Jahr der Aufstellung des Löwen angenommen. Als Quelle galten die Mitte des 13. Jahrhunderts, also knapp 100 Jahre später entstandenen „Annalen“ des Abtes des Marienklosters zu Stade und späteren Chronisten, Albert von Stade. Dieser hatte für das Jahr 1166 u. a. vermerkt:
Die Zuverlässigkeit dieser Quelle, bzw. der Angabe „1166“ wird in neuerer Zeit allerdings angezweifelt, da Albert von Stade in seiner Chronik für das Jahr 1166 auch Ereignisse beschrieb, die nachweislich später stattgefunden hatten. So wird vermutet, dass der Braunschweiger Löwe zu einem späteren Zeitpunkt aufgestellt worden sein könnte – evtl. aber auch etwas früher. Als frühestes Jahr der Aufstellung wird 1163 angenommen, als spätestes 1181.
Auch die zwischen 1279 und 1292 von einem unbekannten Autor verfasste Braunschweigische ReimchronikHerbert Blume: Braunschweigische Reimchronik. In: erwähnt das Löwendenkmal – ebenfalls mit der Jahresangabe 1166:Braunschweigische Reimchronik: 31, S. 496
Entstehung Der Bronzeguss wiegt 880 kg, hat eine Höhe von 1,78 m, eine Länge von 2,79 m und eine maximale Wandstärke von 12 mm. Das Braunschweiger Standbild soll sich künstlerisch an der Kapitolinischen Wölfin, auch „Römische Lupa“ genannt (aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.) sowie am Markuslöwen von Venedig oder der Reiterstatue Mark Aurels in Rom orientieren. Diese bedeutenden Werke der Bildhauerkunst dürften dem Welfenherzog durch seine Teilnahme an den ersten beiden Italienfeldzügen Kaiser Friedrichs I. Barbarossa bekannt gewesen sein.
Der Künstler des Werkes ist unbekannt, doch ist aufgrund der feinen Ziselierung und der für die Entstehungszeit des 12. Jahrhunderts geradezu naturalistisch anmutenden Ausführung zu vermuten, dass es sich um einen erfahrenen Goldschmied aus der Stadt handelte. Ebenfalls denkbar wäre die künstlerische Umsetzung durch einen mit großformatigen Bronzegüssen vertraut gewesenen Glockengießer. Ursprünglich war der Löwe vergoldet, Spuren einer Vergoldung wurden während der letzten Restaurierung zwischen den Zotteln der Mähne gefunden. Schon in einem früheren Bericht wird dies bestätigt, zudem waren seine Augen ursprünglich emailliert.
Werkgeschichte Ursprünglich stand der Löwe auf zwei niedrigen Säulen. Unter dem braunschweigischen Herzog Friedrich Ulrich wurden diese im August 1616 durch einen pyramidalen Unterbau ersetzt und zusätzlich eine Sandsteintafel mit einer Inschrift daran angebracht. In der Übersetzung lautet die Inschrift:
Das Original der Tafel befindet sich heute im Städtischen Museum Braunschweig und wurde auf dem Sockel durch eine 1858 entstandene Kopie ersetzt. In einer Chronik aus dem Jahre 1722 wird von einer noch älteren Inschriftentafel berichtet, wobei allerdings bei dieser nicht eindeutig geklärt ist, ob sie zeitlich mit der Entstehung der Bronzeplastik zusammenfällt (also von Heinrich dem Löwen selbst in Auftrag gegeben wurde) oder aber späteren Datums (aber vor 1616) war, denn diese Tafel gilt als verschollen.
Ihre Inschrift soll wie folgt gelautet haben:
Sowohl Löwe als auch Sockel wurden über die Jahrhunderte hinweg mehrfach repariert bzw. restauriert. So z. B. 1412, 1616, 1721, 1762, 1791–1792, 1818, 1858 und 1980–1983.
Während der napoleonischen Besatzung wurde der Löwe 1812 vom Präfekten des Départements Oker, Friedrich Henneberg, vor der Deportation nach Paris gerettet.
Im Jahre 1858 wurde der Braunschweiger Löwe in der Werkstatt des Braunschweiger Erzgießers Georg Ferdinand Howaldt restauriert. Während der Arbeiten an der Plastik wurde der Sockel vollständig abgetragen und wieder neu aufgebaut.
Der Braunschweiger Löwe während der Zeit des Nationalsozialismus mini|Eine Nachbildung von 1936. Sie vertrat das Original zwischen 1943 und 1946 auf dem Burgplatz.
Braunschweig war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein bedeutender Forschungs- und Rüstungsstandort des Reiches. Der erste gezielte Bombenangriff fand am 17. August 1940 statt.Eckart Grote: Target Brunswick 1943–1945. Luftangriffsziel Braunschweig – Dokumente der Zerstörung. Braunschweig 1994, S. 11. Ab Februar 1944 („Big Week“Werner Girbig: 1000 Tage über Deutschland. Die 8. amerikanische Luftflotte im 2. Weltkrieg. Lehmann, München 1964, S. 198 ff.) war Braunschweig dann schließlich planmäßiges und wiederkehrendes Ziel alliierter Bomberstaffeln.
1936 hatte das Braunschweigische Staatsministerium unter Staatsminister Friedrich Alpers eine originalgetreue Kopie des Löwen bei der in Berlin ansässigen Gießerei Noack in Auftrag gegeben. Noack hatte dafür aber nicht auf ein Gipsmodell aus der Werkstatt von Georg Ferdinand Howaldt zurückgegriffen, das dieser um die Mitte des 19. Jahrhunderts für Restaurierungsarbeiten am Löwen angefertigt hatte, sondern nach Intervention von Alpers, ein neues angefertigt.Gerd Spies: Der Braunschweiger Löwe. In: Gerd Spies (Hrsg.): Der Braunschweiger Löwe. S. 25–26.
Bis in das Jahr 1943 hinein stand das Original aus dem 12. Jahrhundert weiterhin ungeschützt auf dem Burgplatz im Zentrum der Stadt, die zu dieser Zeit bereits mehrfach Ziel von Bombenangriffen der Royal Air Force und der United States Army Air Forces geworden war. Es war das alleinige Verdienst des Braunschweigischen Landeskonservators Kurt SeelekeGerd Spies: Der Braunschweiger Löwe. In: Gerd Spies (Hrsg.): Der Braunschweiger Löwe. S. 26., dass das Original des Löwen schließlich 1943 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion – ohne Absprache mit der vorgesetzten Dienststelle und ohne die braunschweigische NSDAP-Führung informiert zu haben – gegen die Noack-Kopie ausgetauscht wurde und das Original, zusammen mit dem Siebenarmigen Leuchter, dem Imervard-Kreuz (beide, wie der Löwe, aus dem 12. Jahrhundert) und dem Grabmal Heinrichs des Löwen (13. Jahrhundert), sowie anderen Kunstgegenständen, von Seeleke in einem Stollen im nahegelegenen Rammelsberg bei Goslar in Sicherheit gebracht wurden.Braunschweiger Zeitung (Hrsg.): Die 100 größten Braunschweiger (= Braunschweiger Zeitung. Spezial. Nr. 1, 2005). Braunschweiger Zeitungsverlag, Braunschweig 2005, S. 31. Seeleke selbst hatte das Bergwerk Rammelsberg, 50 km südlich von Braunschweig, ausgewählt und sich auch dabei über die dienstliche Anweisung hinweg gesetzt, die besagte, die Kunstschätze nach Schlesien zu bringen (das im Januar 1945 von der Roten Armee überrannt wurde). Der Löwe wurde zunächst in einen Stollen der Tagesförderstrecke gebracht, doch gegen Kriegsende hielt man diesen Ort nicht mehr für sicher genug und brachte den Löwen in einen abgelegeneren Teil des Bergwerkes, wo er eingemauert bis Kriegsende blieb.
Die Rückkehr des Löwen nach Braunschweig Zusammen mit den anderen Kunstschätzen blieb der Löwe bis zum 23. Oktober 1945 in seinem Versteck und gelangte erst an diesem Tage wieder in Begleitung Seelekes nach Braunschweig zurück.Cay Friemuth: Die geraubte Kunst. S. 279. Braunschweig war nach Kriegsende zunächst kurz unter amerikanischer Militärverwaltung, war dann aber am 5. Juni 1945 Teil der Britischen Besatzungszone geworden.Braunschweiger Zeitung (Hrsg.): Kriegsende. Braunschweiger Zeitung Spezial, Nr. 2 (2005), S. 63. Die britische Militärverwaltung hatte Seeleke Robert Lonsdale Charles,The Monuments Men: Robert Lonsdale “Rollo” Charles (1916-1977) auf monumentsmenfoundation.org. Kunstschutzoffizier der britischen Armee beigeordnet.
Seeleke und Charles waren bereits am 20. August 1945 zum Rammelsberg gefahren, um zu prüfen, ob noch alle Kunstwerke in Sicherheit waren. Charles hatte kurz zuvor erfahren, dass das Bergwerk – entgegen seiner Annahme – nicht bewacht wurde und polnische DPs (Displaced Person) in der Nähe gesichtet worden waren. In seinem Tagebuch vermerkte er für den Tag: