|} Die Bahnstrecke Johanngeorgenstadt–Schwarzenberg ist eine Nebenbahn in Sachsen. Sie schließt in Johanngeorgenstadt an die Bahnstrecke Karlovy Vary–Johanngeorgenstadt an und verläuft im Erzgebirge am Schwarzwasser nach Schwarzenberg/Erzgeb., wo sie in die Bahnstrecke Schwarzenberg–Zwickau einmündet.

Seit 2001 gehört die Strecke zum RegioNetz Erzgebirgsbahn.

Geschichte Vorgeschichte und Bau Schon beim Bau der Obererzgebirgischen Bahn von Zwickau nach Schwarzenberg (1855–1858) war deren Verlängerung weiter über die Landesgrenze nach Böhmen vorgesehen gewesen. Im Staatsvertrag zwischen Sachsen und Österreich vom 24. Dezember 1870 wurde eine Verbindung zwischen Karlsbad und Johanngeorgenstadt dann erstmals konkret benannt. Österreich sicherte darin zu, „die erforderlichen Konzessionen zu erteilen“Staatsvertrag zwischen Sachsen und Österreich vom 24. Dezember 1870 mini|links|Ursprüngliche Trasse in Schwarzenberg mit dem Tunnel unter dem Schlossberg Am 13. November 1872 erteilte die österreichische Regierung der Eisenbahn Pilsen–Priesen(–Komotau) (EPPK) die Konzession für eine Hauptbahnlinie, die in Mlatz von der Verbindung Pilsen–Dux abzweigen und über Karlsbad nach Johanngeorgenstadt führen sollte.Concessionsurkunde für die Locomotiv-Eisenbahn Pilsen-Klattau-Eisenstein und Mlatz-Johanngeorgenstadt Im Dezember 1873 beantragte die sächsische Staatsregierung den Bau der Strecke Johanngeorgenstadt–Schwarzenberg im Anschluss an diese Strecke auf Staatskosten. Der Sächsische Landtag genehmigte den Bau der normalspurigen Hauptbahn.

Die schwierigen topografischen Gegebenheiten in Böhmen erforderten jedoch enorme finanzielle Mittel zum Bahnbau, die von der EPPK nach der Finanzkrise von 1873 nicht mehr aufgebracht werden konnten. Am 6. Mai 1880 erlosch die Konzession, ohne dass der Bau der Strecke begonnen worden war.Kundmachung des Handelsministers vom 6. Mai 1880 Das Projekt der sächsischen Anschlussstrecke Johanngeorgenstadt–Schwarzenberg änderte man dahingehend ab, dass nun eine regelspurige Sekundärbahn konzipiert wurde. Die dabei zulässigen engeren Bogenradien ermöglichten eine kostengünstigere Trassierung, die nun weitgehend ohne teure Kunstbauten auskam. Im März 1881 begann der Bau der Strecke, am 20. September 1883 wurde sie eröffnet.

Betrieb bis zum Zweiten Weltkrieg mini|links|Das Eisenwerk Erla gehörte bis Anfang der 1990er Jahre zu den größten Güterkunden der Strecke. Im Vordergrund sind die Anlagen des Bahnhofes Erla zu sehen, um 1910 Am 5. Mai 1884 verpflichtete sich Sachsen in einem Staatsvertrag mit Österreich, den Bahnhof Johanngeorgenstadt zu einem Grenzbahnhof umzugestalten, wenn die Strecke nach Karlsbad gebaut werden würde. Die Anbindung nach Böhmen wurde schließlich als Hauptbahn zweiter Klasse durch die Eisenbahn Karlsbad–Johanngeorgenstadt realisiert. Den Umbau der Bahnhofsanlagen in Johanngeorgenstadt und den Bau des kurzen auf sächsischem Gebiet liegenden Abschnitts Landesgrenze–Johanngeorgenstadt übernahm dabei der sächsische Staat. Am 1. April 1899 wurde die Bahnstrecke Karlsbad–Johanngeorgenstadt zunächst für den beschränkten Güterverkehr eröffnet, ab 15. Mai 1899 verkehrten dann auch Reisezüge. Die Betriebsführung auf dem Abschnitt Landesgrenze–Johanngeorgenstadt übernahm die k.k. Staatsbahndirektion Pilsen auf Pachtbasis.

Am 6. Juli 1931 zerstörte ein Hochwasser 80 Meter Gleis zwischen Antonsthal und Breitenbrunn. Darüber hinaus gab es im gesamten Schwarzwassertal Schäden an den Stützmauern. Der Verkehr ruhte bis zum 2. September 1931.

Nach dem Anschluss des Sudetenlandes an Deutschland im Herbst 1938 gab es zunächst auch weiterhin keinen durchgehenden Verkehr über die vormalige Landesgrenze. Im Sommerfahrplan 1939 sind zwischen Johanngeorgenstadt und Schwarzenberg zehn Reisezugpaare verzeichnet. Sie benötigten für die Gesamtstrecke zwischen 40 und 45 Minuten, was einer Reisegeschwindigkeit von etwa 25 km/h entspricht.Sommerfahrplan 1939 – gültig vom 15. Mai bis 7. Oktober 1939 Später wurde die Strecke in den Fahrplänen als Kursbuchstrecke 171f Schwarzenberg–Neurohlau–Karlsbad/Chodau geführt. Im Jahresfahrplan 1944 verkehrten vier Zugpaare durchgehend zwischen Schwarzenberg und Karlsbad, davon eines von und nach Marienbad.Jahresfahrplan 1944 – gültig vom 3. Juli 1944 an bis auf weiteres

Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg mini|hochkant|links|Alte Trasse mit dem Tunnel unter dem Schloss Schwarzenberg (2006)

Am Ende des Zweiten Weltkrieges kam der planmäßige Zugverkehr über die wiederhergestellte Staatsgrenze zum Erliegen. Aus strategischen Gründen blieb die Gleisverbindung jedoch befahrbar. Bis auf einzelne Dienstfahrten – etwa für Schneeräumeinsätze – fand jedoch kein Zugverkehr mehr statt.Klub M 131.1 (Hrsg.): Krušnohorský Semmering Karlovy Vary – Johanngeorgenstadt Erzgebirgische Semmering, Eigenverlag Sokolov, 1999

Als ab 1946 der Uranbergbau der sowjetischen SAG Wismut im Erzgebirge begann, erlangte die Strecke innerhalb kürzester Zeit eine herausragende Bedeutung sowohl für die Abfuhr der geförderten Uranerze als auch im Berufsverkehr zu den neu eingerichteten Bergwerksschächten in Johanngeorgenstadt.

Ab 1948 wurde die Strecke für einen zweigleisigen Betrieb ausgebaut. Zwischen Schwarzenberg und Erla sowie zwischen Breitenbrunn und Erlabrunn wurde die Strecke komplett neu trassiert, was auch den Neubau eines Tunnels bei Schwarzenberg sowie des Güterbahnhofes Breitenbrunn einschloss. Trotz des hauptbahnmäßigen Ausbaus gelang es jedoch nicht, alle engen Gleisbögen so aufzuweiten. Als zugelassene Streckengeschwindigkeit galten 40 km/h.

Ebenfalls neu errichtet wurde zwischen Erlabrunn und Johanngeorgenstadt die Abzweigstelle Georgental. Die hier abzweigende Anschlussbahn führte zu einer Verladeanlage für Uranerz zum Versand in die Sowjetunion. Die Neubaustrecke wurde 1950 fertiggestellt. Am 5. Oktober 1952 wurde die durchgehend zweigleisige Strecke zur Hauptbahn erhoben.

Schon wenige Jahre später wurde der Bergbau in Johanngeorgenstadt wieder eingestellt und die Verkehrsleistungen sanken wieder auf ein normales Maß. Am 1. Juli 1964 wurde die Strecke wieder zur Nebenbahn herabgestuft. Zwischen Erla und Johanngeorgenstadt wurde das zweite Gleis in den 1970er Jahren abgebaut.

Im Winterfahrplan 1980/81 verkehrten insgesamt 14 Personenzugpaare, die in der Mehrzahl von und nach Zwickau (Sachs) Hbf durchgebunden waren. Die Reisezeit zwischen Johanngeorgenstadt und Schwarzenberg betrug dabei etwa 35 Minuten, von und nach Zwickau etwa zwei Stunden.Kursbuch der Deutschen Reichsbahn, gültig vom 28. September 1980 bis 30. Mai 1981 Während der Wintermonate verkehrten zudem zahlreiche Wintersport-Sonderzüge nach Johanngeorgenstadt.

Betrieb nach 1990 mini|Am 17. April 1992 wurde die grenzüberschreitende Strecke mit einem Sonderzug der ČSD wieder eröffnet; hier an der Staatsgrenze in Johanngeorgenstadt Neue Perspektiven erhielt die Strecke mit den politischen Umwälzungen in der DDR und in der Tschechoslowakei der Jahre 1989 und 1990. Nach Jahrzehnten der Trennung war es ein Wunsch beider Seiten, die alten traditionellen Verkehrsverbindungen über die Grenze zu erneuern. Am 17. April 1992 passierte erstmals seit 1945 wieder ein Reisezug die Staatsgrenze bei Johanngeorgenstadt. Zum Fahrplanwechsel im Juni 1992 wurde der planmäßige grenzüberschreitende Reise- und Güterverkehr wieder aufgenommen. Entgegen ursprünglichen Planungen kam es jedoch nicht zum Durchlauf von direkten Zügen der Relation Zwickau–Karlsbad.

Im Jahr 1999 wurde der verbliebene Güterverkehr eingestellt. Zuletzt wurde vor allem Rohholz transportiert, das in Johanngeorgenstadt verladen wurde.

Ab dem Jahr 2000 fanden mit dem Ziel der Erhöhung der Reisegeschwindigkeiten umfassende Erneuerungsarbeiten auf der Strecke statt. Dabei wurde auch der bisher noch zweigleisig betriebene Abschnitt Erla–Schwarzenberg auf Eingleisigkeit zurückgebaut.

Im Fahrplan 2012 verkehrten Regionalbahnen der Erzgebirgsbahn im Einstundentakt, wobei alle Züge von und nach Zwickau (Sachs) Hbf durchgebunden waren. Einzelne Züge verkehrten am Wochenende in Kooperation mit dem tschechischen Eisenbahnverkehrsunternehmen České dráhy (ČD) in der Relation Zwickau–Karlsbad.Jahresfahrplan 2012 der Erzgebirgsbahn – gültig ab 11. Dezember 2012 Planmäßigen Güterverkehr gibt es nicht mehr.

Streckenbeschreibung Verlauf mini|Vereinfachtes Höhenprofil der Strecke Die alte, ursprüngliche Trasse der Strecke Johanngeorgenstadt–Schwarzenberg verlief auf ihrer gesamten Länge in der Talsohle des Schwarzwassertales, wobei der namensgebende Fluss insgesamt elfmal überbrückt wurde. Der einzige Tunnel der Strecke lag unter dem Schlossberg in Schwarzenberg. Im Zuge der teilweisen Neutrassierung in den Jahren 1948 bis 1950 erhielt die Strecke im Schwarzenberger Stadtgebiet eine neue Streckenführung an der orografisch rechten Talflanke, einschließlich eines neuen zweigleisigen Tunnels. Ihren nominalen Beginn hat die Verbindung Johanngeorgenstadt–Schwarzenberg heute am Streckenkilometer −0,721 direkt an der Staatsgrenze Tschechien–Deutschland.

Betriebsstellen Johanngeorgenstadt mini|Bahnhof Johanngeorgenstadt, Empfangsgebäude Gleisseite (2017)

Der Bahnhof Johanngeorgenstadt war zunächst nur als Endbahnhof der Sekundärbahn konzipiert worden. Im Zuge des Baues der Strecke Karlsbad–Johanngeorgenstadt (1899) wurde er zum Grenzbahnhof erweitert. Seine endgültige Größe erhielt er im Zuge des zweigleisigen Streckenausbaues von 1948 bis 1950. Dabei entstand auch eine neue Ladegleisanlage östlich des alten Bahnhofes, die über eine Doppelkreuzungsweiche unmittelbar an der Staatsgrenze (am Anschluss Eisenwerk Wittigsthal) eingebunden wurde.

Das durch einen Brand stark beschädigte Empfangsgebäude wurde nach 2000 umfassend instand gesetzt, was auch einen Neubau der Bahnsteige mit einschloss. Die zuletzt dem Holzumschlag dienenden Güterverkehrsanlagen sind heute weitgehend zurückgebaut.

Erlabrunn (Erzgeb)

Die Haltestelle Erlabrunn wurde am 20. September 1883 eröffnet. Die Station trug folgende Namen: bis 1901: Erlabrunn bis 1911: Erlabrunn i Erzgeb seit 1911: Erlabrunn (Erzgeb)

Die Station wurde 1905 zum Bahnhof erhoben und 1933 zur Haltestelle zurückgestuft. Zur Zeit des Uranbergbaus war sie zwischen 1949 und 1951 nochmals Bahnhof, seitdem Haltepunkt. Der Haltepunkt befindet sich östlich des Orts zwischen Schwarzwasser und „Schwarzenberger Straße“.

Breitenbrunn (Erzgeb) Gbf mini|Ehem. Breitenbrunn (Erzgeb) Gbf (2016) Der Güterbahnhof Breitenbrunn (Erzgeb) Gbf wurde 1950 im Zuge der Neutrassierung des Abschnitts zwischen Erlabrunn und Breitenbrunn durch den Uranbergbau eingerichtet. Im Februar 1996 erfolgte die Stilllegung. Der Güterbahnhof befand sich zwischen den Orten Erlabrunn und Breitenbrunn. Seine Zufahrtsstraße heißt bis in die Gegenwart Am Güterbahnhof.

Breitenbrunn (Erzgeb)

Die Haltestelle Breitenhof wurde am 20. September 1883 eröffnet. Am 1. Mai 1905 erfolgte die Widmung zum Bahnhof. Nach der Eingemeindung von Breitenhof nach Breitenbrunn im Juli 1935 erfolgte am 6. Oktober 1935 die Umbenennung des Bahnhofs in Breitenbrunn (Erzgeb). Seit dem 1. Oktober 1993 ist Breitenbrunn (Erzgeb) ein Haltepunkt.

Antonstal

Der Bahnhof Antonsthal ist heute der einzige Bahnhof der Strecke, wo Züge kreuzen können.

Erla mini|Haltepunkt Erla (2016) Der Haltepunkt Erla wurde am 20. September 1883 eröffnet. Zwischen 1905 und 2000 war er als Bahnhof gewidmet. Der Halt befindet sich zwischen Schwarzwasser und Karlsbader Straße.

Schwarzenberg (Erzgeb) Hp

Der Haltepunkt wurde am 20. September 1883 als Zugangsstelle zur Schwarzenberger Altstadt neu eröffnet. Im Zuge der Neutrassierung der Strecke im Jahr 1950 wurde der Haltepunkt in veränderter Lage neu gebaut.

Schwarzenberg (Erzgeb)