mini|200px|Ditlev Gothard Monrad mini|200px|Monrad in seinen späten Jahren Ditlev Gothard Monrad (* 24. November 1811 in Kopenhagen; † 28. März 1887 in Nykøbing, Falster) war ein dänischer Politiker und Bischof. Er gilt als der Vater des dänischen Grundgesetzes von 1849.

Monrad galt als politisch außerordentlich talentiert und tüchtig. Er war einer der führenden Personen der Nationalliberalen und anderer Kräfte in Dänemark, die mit der Märzrevolution den Absolutismus beendeten und mit dem „Märzministerium“ die Ära der konstitutionellen Monarchie einläuteten. Dieser dänische Verfassungsstaat existiert kontinuierlich bis heute.

Während des Deutsch-Dänischen Kriegs 1864 war Monrad dänischer Premierminister. Nach der schweren Niederlage, an der er eine Mitverantwortung trug, emigrierte er als gebrochener Mann nach Neuseeland, wo er als einfacher Farmer ein neues Leben anfangen wollte und neue Kraft schöpfte. Er kehrte bald nach Dänemark zurück und wirkte erneut in der Politik und als Bischof.

Familie und Ausbildung D. G. Monrad, wie er allgemein genannt wird, war Sohn des norwegischen Beamten Otto Sommer Monrad und Charlotte Frederikke, geborene Riis. Nach dem Kieler Frieden 1814 hielt sein Vater zum Geburtsland und ging nach Trondheim. Die Familie zog im darauf folgenden Jahr nach und musste feststellen, dass er psychisch erkrankt war. Nachdem er versuchte, seine Frau umzubringen, trennte sie sich von ihm und zog nach Schleswig-Holstein, wo sie 1828 starb. Der junge D. G. Monrad sah sie nur noch einmal 1825. Sein Vater verstarb 1862 „in tiefer Melancholie“. Er selbst wuchs bei seiner Tante mütterlicherseits auf, deren Mann Kaufmann in Præstø war. Dort verbrachte er sechs unglückliche Jahre. 1840 heiratete er Emilie Nathalia Lütthans, und dreieinhalb Jahre nach deren Tod heiratete er am 16. Februar 1875 Emma Tutein, die Tochter des Politikers Peter Adolph Tutein.

In Præstø stand ihm keine höhere Ausbildung offen, und normalerweise wäre er Kaufmann geworden. Aber der örtliche Pfarrer N. Søtoft erkannte sein außerordentliches Talent und sammelte mehrere hundert Rigsbankdaler für seine Ausbildung. Er besuchte so die Lateinschule in Vordingborg, wo er 1830 sein Abitur mit besonderer Auszeichnung absolvierte. Derartige Auszeichnungen erhielt er auch in allen folgenden Abschlüssen seiner akademischen Laufbahn. In Kopenhagen war er Teil eines Kreises gleichaltriger Studenten, die alle eine mehr oder weniger bedeutende Rolle im öffentlichen Leben Dänemarks spielen sollten. Er galt als außerordentlich redegewandt und kannte wie kaum ein anderer seinen Goethe oder Shakespeare. 1836 machte er sein theologisches Examen (Cand.theol.) an der Universität Kopenhagen.

Anstatt aber die übliche Laufbahn als Pfarrer einzuschlagen, studierte er erst einmal orientalische Sprachen, und bereits 1838 machte er seinen Magister. Im September desselben Jahres reiste er mit einem Stipendium nach Paris, wo er semitische Sprachen bei Bournouf, Quatremére und Reynaud studierte, die schnell auf den selten begabten Studenten aufmerksam wurden.

Aber auch die intensive Beschäftigung mit der Wissenschaft konnte seine Unruhe nicht besänftigen. Dazu kam, dass er sich in Emilie Nathalie Lüthans verliebte. Monrad soll immer sehr empfänglich für Frauen gewesen sein, was damit zusammenhängen mag, dass er niemals ein richtiges Familienleben als Kind hatte. Als er 1839 seine vorläufigen Studien in Paris beendete, zog es ihn daher zunächst nach Dänemark, bevor er seinen Reiseplan nach Ägypten weiter verfolgte.

Der Politiker Politische Sternstunde So begab es sich, dass er in Kopenhagen war, als Frederik VI. am 3. Dezember 1839 starb. Durch Zufall kam er auf ein Studententreffen, das Orla Lehmann für denselben Abend einberufen hatte. Doch Lehmanns Vorschlag einer Petition an den neuen König stieß derart auf Skepsis, dass sie nie zustande gekommen wäre, hätte nicht D. G. Monrad das Wort ergriffen, der mit seiner Eloquenz die Versammlung umstimmen konnte.

Dies sollte die entscheidende Wende in seinem Leben sein. Von nun an war er Teil des politischen Lebens und nur dort konnten sich seine vielseitigen Fähigkeiten voll entfalten und sein unruhiger Geist die Ruhe finden, die ihm das wissenschaftliche oder geistliche Umfeld nicht bieten konnte.

Publizistische Lehrjahre Schnell stand Monrad in der ersten Reihe der Liberalen. Wenige Wochen nach Lehmanns Studentenversammlung begann er die Herausgabe der Flyvende politiske Breve („Fliegende politische Briefe“). Schon die erste Nummer erweckte ein enormes Aufsehen, da er mit ungewohnter Freimütigkeit das „Prinzip der dänischen Monarchie“ als „Abhängigkeit von den Ostmächten, Tendenz zur inneren Zerstückelung und ungeheure Schwäche in finanzieller Hinsicht“ charakterisierte. In der nächsten Nummer nannte er als einzige Rettung aus diesem Elend eine Verfassung. Bei dieser Gelegenheit trug er seine Grundauffassung vor, dass „nationale und provinzielle Verschiedenheiten verblassen, wenn die Sonne der Freiheit scheint“. Er wurde schnell angeklagt, und am 5. September zu einer Geldstrafe und einem Jahr Zensur verurteilt.

Jedoch hatte er am 1. April einen Posten als politischer Redakteur der nationalliberalen Zeitung Fædrelandet („das Vaterland“) übernommen. Sein erster Artikel erschien unter der Überschrift „Kongen vil ikke handle med Stænderne, saa maa Stænderne handle med Kongen“ (der König will nicht mit den Ständen handeln, so müssen die Stände mit dem König handeln) und bewirkte zahlreiche Petitionen an die Stände um eine Verfassung. Aber die Regierung reagierte mit einem Verbot für Beamte, derartige Petitionen zu unterzeichnen. Damit war die konstitutionelle Bewegung gelähmt, da das Bürgertum ohne die Beamtenschaft diese Sache nicht weiterbringen konnte.

Unter diesen Umständen nutzte Monrad seine Zeit für andere Dinge als Zeitungsartikel. Durch seine Hochzeit am 1. Mai 1840 wurde er Hofbesitzer in Kopenhagen. Als solcher wurde er am 17. März 1841 in die Kopenhagener Bürgervertretung (Københavns Borgerrepræsentation) gewählt. Am 1. Juli 1841 trat er aus der Fædrelandet-Redaktion aus. Aber er nahm seine frühere publizistische Arbeit in einem noch größeren und bedeutenderen Umfang wieder auf: In seinen politischen Briefen und später dem Dansk Folkeblad („Dänisches Volksblatt“), dessen Redaktion er nach einer halbjährigen Auslandsreise im Mai 1843 übernahm.

Die dreieinhalb Jahre beim Folkeblad waren seine politischen Lehrjahre, und die Kompetenz der späteren Mitglieder der verfassungsgebenden Reichsversammlung wird zu einem guten Teil seiner publizistischen Grundlagenarbeit zugeschrieben.

In jenen Jahren wuchs sein Ansehen bei den Liberalen außerordentlich, und die Regierung fühlte, dass er ein Machtfaktor geworden war, mit dem man künftig rechnen musste.

Nachdem er sich vergeblich um den Posten als Direktor des Kopenhagener Schulwesens (in dessen Vorstand er saß) beworben hatte, nahm er 1846 den Ruf als Pfarrer in Vester Ulslev auf Lolland an. Dennoch verfolgte er weiter das politische Geschehen. Und viele Leute richteten ihre Hoffnungen auf ihn. So wurde er im Dezember 1846 in die Ständeversammlung gewählt.

1848 Eine Zäsur in der dänischen Geschichte war 1848. Christian VIII. starb am 20. Januar, und die Nationalliberalen bestürmten den neuen König Frederik VII. mit dem Vorschlag einer neuen – eiderdänischen – Verfassung. Doch die Regierung hatte andere Pläne und erließ am 28. Januar das Forfatningsreskript („Verfassungserlass“), in dem 52 Repräsentanten aus dem gesamten Reich einberufen wurden, die überlegen sollten, wie der Übergang zu einer freien Verfassung vonstattengehen sollte. Diese Männer sollten teilweise aus der Mitte der Ständeversammlung gewählt werden, teils vom König, den Universitäten, dem Klerus und der Ritterschaft, und zwar so, dass die Herzogtümer (Schleswig, Holstein und Lauenburg) gleich viele Sitze hatten wie das eigentliche Königreich Dänemark, obwohl die dänischsprachige Bevölkerung im Gesamtstaat die Mehrheit bildete. Daher konnte es so aussehen, als wolle die Regierung die deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner mit dem Forfatningsreskript bevorzugen. Die dänischen Nationalliberalen opponierten dagegen, während die Herzogtümer den Vorschlag am 17. Februar annahmen.Politikens Etbinds Danmarkshistorie. 2005, S. 232.

Monrad war strikt gegen die dualistische Auffassung hinter dem Forfatningsreskript, versprach sich aber dennoch günstige Resultate aus den direkten Verhandlungen zwischen den Vertretern der beiden Nationalitäten und empfahl also „erfahrene Männer“ zu wählen. Er selbst wurde für die Stände von Roskilde gewählt. Die Märzrevolution in Europa, Deutschland, Schleswig-Holstein und schließlich auch Dänemark verhinderte aber die weitere Ausführung des Forfatningsreskripts. Als die Nachrichten vom Ausbruch des Aufstands in Schleswig-Holstein am 20. März Kopenhagen erreichten, eilte Monrad in die Hauptstadt, wo er am selben Tag am 2. Casinotreffen (det store Casinomøde 20. marts) teilnahm, das von Orla Lehmann einberufen wurde. Monrads moderate Haltung und anerkannte Tüchtigkeit bewirkten, dass sich Carl Emil Bardenfleth (1807–1857), einer der nationalliberalen Führer, erst an ihn wendete, als es darum ging, das neue „Märzministerium“ (22. März) zu bilden. Obwohl Monrad lieber Departmentschef (eine Art Staatssekretär) geworden wäre, gab er dem Drängen A. W. Moltkes und Barenfleths nach und wurde erster Kultusminister Dänemarks. Als solcher war er für das dänische Bildungswesen und die dänische Volkskirche zuständig.

Verfassungsvater Monrad wurde damit beauftragt, den Entwurf zum Grundgesetz vom Juni 1849 auszuarbeiten, wobei er sich insbesondere die Verfassung Belgiens zum Vorbild nahm. Damit schuf er ein wichtiges nationales Symbol, dessen Inkrafttreten am 5. Juni 1849 seitdem Nationalfeiertag ist.

Wäre es nach Monrad alleine gegangen, wäre das dänische Grundgesetz demokratischer geprägt gewesen, als der letzten Endes akzeptierte Kompromiss. Monrad konnte aber seinen Entwurf nicht mehr vor der verfassungsgebenden Reichsversammlung (Den grundlovgivende Rigsforsamling) verteidigen, weil er bereits am 15. November 1848 wegen der Frage der Teilung Schleswigs vom Märzministerium zurücktrat. Und Monrad wurde auch nicht in die Reichsversammlung nachgewählt, die seinen Entwurf behandelte. Die nachträglich vakant gewordenen Sitze der vom König bestimmten Mitglieder der Reichsversammlung wurden von dem „Novemberministerium“ mit anderen seiner Kollegen besetzt, und bei einer freien Wahl hätte er wahrscheinlich eine Niederlage erlitten. D.G. Monrad und der Kriegsminister Anton Frederik Tscherning waren inzwischen ziemlich unpopulär geworden, da man sie dafür verantwortlich machte, dass die Vorstellungen nicht umgesetzt wurden, die man sich in den Märztagen in militärischer und diplomatischer Hinsicht machte.

Allerdings konnte ihn keiner daran hindern, sein Werk mit der Feder zu verteidigen. Das tat er in einer Reihe von Artikeln in seiner alten Zeitung Fædrelandet. Namentlich drehte sich der Streit in der Reichsversammlung um das Wahlrecht. Bevor die Verhandlungen darüber begannen, war der Rückschlag nach der Februarrevolution 1848 so stark in Europa, und auch in Dänemark, dass sich eine mächtige Opposition gegen das allgemeine Wahlrecht erhob. Dies geschah nicht zuletzt auch von liberaler Seite. Monrad trat gegen ebendiese Opposition auf und tat das noch bis 1878 in seinen „Politiske Breve“.

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