mini|hochkant=1.3|Schloss Marienburg Schloss Marienburg ist eine ehemalige Sommerresidenz der Könige von Hannover in Pattensen. Die neugotische Vierflügelanlage wurde 1858 bis 1869 im Auftrag von Georg V. nach Entwurf von Conrad Wilhelm Hase erbaut. Hervorzuheben sind der Rittersaal, die Bibliothek und die Kapelle. Aufgrund von Sanierungsarbeiten ist es seit 2023 bis auf Weiteres geschlossen.Stiftung Schloss Marienburg mini|Luftbild mini|Ansicht um 1900

Schloss Marienburg ist eine neugotische Vierflügelanlage, die König Georg V. von Hannover von 1858 bis 1869Nach der Abreise der Königin Marie am 24. Juli 1867 wurden die Arbeiten im Schloss Marienburg bis zum Dezember 1869 weitergeführt. Siehe Isabel Arends: Gothische Träume. Die Raumkunst Edwin Opplers auf Schloss Marienburg. Hannover 2005, S. 90. als Sommerresidenz auf dem Marienberg in Pattensen (Region Hannover) erbauen ließ. Das historistische Schloss war ein Geschenk an seine Ehefrau, Königin Marie, zu ihrem 39. Geburtstag am 14. April 1857. Königin Marie und ihre Tochter Mary bewohnten das Schloss von 1866 bis 1867. Nach ihrer Abreise ins Exil wurde das Schloss fast 80 Jahre lang nur vom Hausmeister und ab 1945 vorübergehend von Flüchtlingen und von der Familie von Ernst August (III.) bewohnt.

Das Bauwerk steht auf dem Marienberg südwestlich von Schulenburg, einem Ortsteil von Pattensen. Südlich vom Marienberg liegt die Gemeinde Nordstemmen, die zum Landkreis Hildesheim gehört. Das Schloss bildet zusammen mit dem Bahnhof von Nordstemmen, der als königlicher Bahnhof für das Schloss ausgebaut wurde, ein Ensemble. Touristisch vermarktet wird Schloss Marienburg vom Unternehmen EAC GmbH und dem Verbund Sieben Schlösser im Leine- und Weserbergland.Sieben Schlösser im Leine- und Weserbergland

Lage

Das Schloss mit 130 Räumen befindet sich auf 135 Metern Höhe am Südwesthang des aus Sandstein der unteren Trias bestehenden Marienbergs, der den südöstlichen Teil des Schulenburger Bergs darstellt. Es wurde in die ältere, 6,22 ha große Ringwallanlage der Marienburg hineingebaut. Die Namen Marienberg und Marienburg gehen auf den blinden König Georg V. von Hannover zurück, der Burg und Berg seiner Frau Marie zu ihrem 39. Geburtstag schenkte. Georg V. gab dem Rehberg als angekauftem Teil des Schulenburger Berges in der Schenkungsurkunde den neuen Namen Marienberg. Die geplante Burg nannte er Marienburg. Beide Namen enthalten den Rufnamen seiner Frau Marie. Der Marienberg wird westlich vom Adenser Berg begrenzt und südöstlich von dem Fluss Leine und der Kreisstraße K 505 berührt. Die Kreisstraße überquert die Leine auf der Marienbergbrücke.

Im Jahr 1860Isabel Arends: Gothische Träume. Die Raumkunst Edwin Opplers auf Schloss Marienburg. Hannover 2005: Anmerkung 43 auf S. 96. Siehe hierzu Dep. 103, XXIV Nr. 5927 Acta betr. „Bau der Brücke über die Leine am Marienberg 1858–61“. baute das Hannoversche Königshaus zum Preis von 16.500 Reichstalern die Marienbergbrücke als hölzerne Jochbrücke über die Leine. Die Jochbrücke wurde 1911 durch eine Steinbrücke ersetzt. Auf der Ostseite der Brücke befand sich 1911 auch eine Fähre. Bis 1935 war die Brücke mit einer Schranke versehen, die von einem Schrankenwärter bewacht wurde, um unbefugten Kraftfahrzeugverkehr zur Marienburg zu verhindern. Erst nach dem Bau der Kreisstraße K 505 im Jahr 1935 bekamen Kraftfahrzeuge freie Fahrt nach Nordstemmen und Adensen.

Vom Schlossturm und von der Südseite des Schlossgebäudes aus hat man einen weiten Blick über das Leinetal. Die Nordhänge des Adenser Berges, des Schulenburger Berges und des Marienbergs gehören seit 1997 zum Landschaftsschutzgebiet Calenberger Leinetal. Beim Bau von Schloss Marienburg wurde der Marienberg zum romantischen Schlosspark umgestaltet, und es wurden Fußwege angelegt, die zum Wandern auf dem Marienberg und dem benachbarten Adenser Berg einladen. Die Ringwallanlage, in dem sich die Marienburg befindet, ist begehbar. Von den Wegen am Waldrand des Adenser Berges ergeben sich Ausblicke in das Hallertal und das Calenberger Land.

Geschichte Baugeschichte mini|hochkant|Blick auf den Südflügel von Schloss Marienburg als Darstellung auf einer Postkarte um 1920 mini|hochkant|Der Salon der Hofdamen in der Marienburg, der 1862–1863 von Conrad Wilhelm Hase ausgeführt und 1865 von Edwin Oppler wieder abgerissen wurde. mini|Der Holzstich zeigt die in der Zeit von 1857 bis 1864 von Conrad Wilhelm Hase vorgenommenen Bauarbeiten am Schloss Marienburg. Man sieht zwei Steinbrüche für die Gewinnung der benötigten Baumaterialien und einen aufgeständerten Holzweg für ihren Transport zum Schloss Marienburg.

Das für den Bau des Schlosses vorgesehene rund 30 Morgen große Waldgrundstück am Südosthang des Schulenburger Berges wurde von dem Ingenieurmajor Eduard Julius Hugo Witte vom Gut Hoyersum ausgewählt und Anfang des Jahres 1857 von dem Ackermann Rössing und dem Höfling Ziesenitz angekauft. Zum Geburtstag am 14. April 1857 übertrug König Georg V. von Hannover den Schulenburger Berg und das darauf zu erbauende Schloss in einer Schenkungsurkunde seiner Gemahlin, der Königin Marie, als Privateigentum. Das Schloss diente zunächst als ländliche Sommerresidenz, später war es als Witwensitz vorgesehen. Dabei bestimmte Georg V., dass dieser Berg hinfüro den Namen Marienberg führe und dass auf diesem Platze für Ihre Majestät die Königin eine Burg, genannt Marienburg, zum Sommersitz erbaut werde.Zitiert nach: Isabel Arends: Gothische Träume. Die Raumkunst Edwin Opplers auf Schloss Marienburg. Hannover 2005. S. 51. Er ernannte in dieser Urkunde den Ingenieurmajor Witte, der zum Freundeskreis der königlichen Familie zählte, zum Oberbauleiter und erklärte das zukünftige Schloss zum uneingeschränkten persönlichen Eigentum der Königin. Dies wurde später nach der Annexion Hannovers wichtig, denn es sicherte Grundstück und Gebäude auch in preußischer Zeit dem Welfenhaus.

Die Königin Marie plante ein Schloss in Form einer mittelalterlichen, gotischen Höhenburg in romantischer Lage weit über dem Leinetal. Dafür war das in Aussicht genommene Grundstück bestens geeignet. Es lag in der Nähe des ehemaligen Stammhauses der hannoverschen Welfen, der Burg Calenberg, und befand sich dicht bei dem kurz zuvor gebauten Bahnhof Nordstemmen, in dem der königliche Salonwagen nach der Bahnfahrt untergestellt werden durfte. Außerdem bot es sich an, die Höhenburg in die bereits vorhandene Ringwallanlage des Sachsenwalls hineinzubauen, deren Innenraum dazu planiert und durch Aufschüttungen angehoben werden musste. Der Abhang zur Leine hin konnte aufgrund eines Steinbruchs so schroff abgetragen werden, dass die Marienburg vom Leinetal aus wie eine mittelalterliche Festung aussah. In dem zu einer Schlucht vertieften Steinbruch sollte ein romantischer Wasserfall unter einer Zugbrücke in die Leine hinabstürzen. Günstig war auch, dass der Berg durch die Sage von den Zwergen im Marienberg ein sagenumwobener Ort war, denen die Königin an den Zufahrten und Ausfahrten des Schlosses kleine Denkmale setzte.

Am 9. Oktober 1858 erfolgte die Grundsteinlegung in Anwesenheit der königlichen Familie. Dabei führten die drei Kinder nacheinander einen Hammerschlag aus. Königin Marie ernannte als Bauherrin den Ingenieurmajor Witte zum Verantwortlichen für die Finanzen des Bauwerkes. Er veruntreute mehrmals die ihm anvertrauten Gelder und hatte die auf dem Witteschen Gute beschäftigten Tagelöhner in den Rechnungen der Marienburg mit aufgeführt, wodurch der Kroncasse über 5000,-Rthr. dem Bau verlorengingen.Dep. 103, XXIV Nr. 6010. Unter Wittes Aufsicht wurde das Schloss in den Jahren 1857 bis 1864 durch den Architekten Conrad Wilhelm Hase unter Mitwirkung des Bauleiters Ludwig Frühling im deutschen neugotischen Stil errichtet. Conrad Wilhelm Hase war an die Vorgaben der Königin gebunden, die den Bau einer mittelalterlichen, wehrhaften Burg wünschte. Ihre Vorbilder waren dabei die zeitgenössischen Neubauten von Schloss Babelsberg, Burg Hohenzollern, Schloss Stolzenfels und Burg Sooneck. Eine wehrhafte Burg, in die man sich für einige Monate mit der Familie vom offiziellen Hofleben zurückziehen und hinter der hochgezogenen Zugbrücke einschließen konnte, entsprach dem königlichen Wunsch nach Privatsphäre und Abgeschiedenheit.

Conrad Wilhelm Hase verwendete einen in der Tradition des barocken Residenzbaus stehenden, achsensymmetrischen Grundriss, bei dem vier Gebäudeflügel um einen geschlossenen Innenhof stehen, der von einem hohen Bergfried überragt wird. Den Eindruck einer historischen Burg weckte er durch Türme mit Schießscharten, durch zinnenbewehrte Mauern und mächtige Torbauten und im Nordosten durch einen Burggraben mit Zugbrücke und Fallgitter. Trotz des martialischen Aussehens hatten die Wehranlagen ganz profane Aufgaben. Beispielsweise dienten mächtige Bastionen als Eiskeller und hohe Wachttürme als Volieren und als Stall für die Lieblingsziegen der Prinzessin Mary. Ein Korkmodell von der Burg gab dem blinden König die Möglichkeit, die Marienburg in allen Einzelheiten zu erfühlen. Der Architekt Justus Heinrich Jakob Molthan lieferte Möbel und kunstgewerbliche Arbeiten für die Inneneinrichtung des Schlosses.

Da die Bauarbeiten schnell voran gingen, war der Rohbau des Südflügels bereits im Sommer 1859 weitgehend fertiggestellt. Am 3. Dezember 1860 wurde das Richtfest gefeiert. Conrad Wilhelm Hase sorgte beim Innenausbau für Innovationen. Die Außentüren des Rittersaales ließen sich in den Boden versenken, es gab eine Warmwasserheizung, und neugotische Säulen aus Gusseisen dienten als Stützen in den Räumen. Conrad Wilhelm Hase gestaltete fast alle repräsentativen Wohnräume des Schlosses samt Inneneinrichtung. Er hatte zahlreiche Auseinandersetzungen mit dem Oberbauleiter Witte, die im Juli 1864 zu seinem Rücktritt führten. Später erklärte Conrad Wilhelm Hase gegenüber dem Hausminister Carlo von Marlotie mit großer Zurückhaltung, dass er sich nicht weiter darüber äußern möge, wie er von Seiten des Burghauptmann Witte beim Bau der Marienburg zur Seite geschoben sei, und wie er eine derartige Behandlung sich habe nicht gefallen lassen können, weshalb er freiwillig und stillschweigend zurückgetreten sei.Dep. 103, Bau Sachen Marienburg, Conf.XI. VI.

Nachfolger wurde sein Schüler Edwin Oppler, der in den Jahren 1862/1863 die Villa Solms in Hannover in der Jägerstraße am Georgengarten für Wilhelm zu Solms-Braunfels, den Halbbruder von Georg V., im Stil der englischen Neogotik gebaut und eingerichtet hatte. Die Ausstattung der Villa begeisterte die Königin Marie so sehr, dass sie Edwin Oppler den Auftrag für die Weiterführung der Arbeiten in der Marienburg erteilen wollte. Edwin Oppler weigerte sich, unter der Bauleitung von Witte zu arbeiten. Daraufhin wurde Witte die Bauleitung entzogen und er zum Burghauptmann befördert. Danach wurde Edwin Oppler am 17. Oktober 1864 zum Architekten der Marienburg ernannt. Hermann Narten arbeitete 1865/66 unter ihm an der Innenausstattung der Marienburg mit. Die von Conrad Wilhelm Hase vorgenommene Inneneinrichtung des Schlosses wurde von Oktober 1864 bis in das Jahr 1869 von Edwin Oppler beispielsweise im Rittersaal, in den angrenzenden Räumen der Königin Marie, im Salon der Hofdamen und im Billardzimmer entfernt und im Stil der englischen Neogotik umgestaltet, weil Edwin Oppler den deutschen neugotischen Stil von Conrad Wilhelm Hase und dessen Materialien Gips und Gusseisen ablehnte.