mini|270px|Warzenbach vom Homberg gesehen Warzenbach ist ein Stadtteil von Wetter (Hessen) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Geographie Der Ort liegt auf einer kleinen Hochfläche, eingerahmt vom Wollenberg im Süden und von den neben- und hintereinander aufragenden Kuppen des Lützlergebirges, östlichen Ausläufern des Rothaargebirges, im Westen und im Norden.
Zwischen Warzenbach und Treisbach liegen die Reste der ehemaligen Burg Hollende. Die Burgherren der Hollende, die Gisonen, hatten in der deutschen Geschichte wie auch in der Entwicklung der Landgrafschaft von Hessen-Thüringen eine besondere Rolle gespielt. Warzenbach trägt den Charakter der oberhessischen Dörfer.
Geschichte Ortsgeschichte Der älteste bekannte urkundliche Nachweis belegt den Ort Warzenbach erstmals um das Jahr 1130 als Zubehör der Villikation Ebsdorf des Mainzer St. Stephanstifts.
Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Warzbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Wetter eingegliedert. Für den Ortsteil Warzenbach, wie für alle Ortsteile von Wetter, wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Warzenbach angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Wetter ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt WetterDie Zugehörigkeit des Amtes Wetter anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Wetter ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wetter ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wetter 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Wetter ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Wetter ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis MarburgVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung von Justiz (Justizamt Wetter) und Verwaltung. ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Marburg ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Wetter (Hessen)Am 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Stadt Wetter (Hessen) ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Wetter (Hessen)
Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Wetter war als Gericht in erster Instanz für Warzenbach zuständig. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Wetter.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) 1877 blieb das Amtsgericht bestehen. 1943 wurde das Amtsgericht Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg und 1946 wurde auch die Zweigstelle geschlossen. Der Bezirk des Amtsgerichts Wetter ging im Bezirk des Amtsgerichts Marburg auf.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Warzenbach 477 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 78 Einwohner unter 18 Jahren, 192 zwischen 18 und 49, 117 zwischen 50 und 64 und 90 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 186 Haushalten. Davon waren 42 Singlehaushalte, 57 Paare ohne Kinder und 66 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 30 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 123 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1502: 18 Männer • 1577: 46 Hausgesesse • 1580: 19 Ackerleute, 31 Einläuftige • 1630: 33 Hausgesesse (6 zweispännige, 15 einspännige Ackerleute, 12 Einläuftige) • 1681: 27 hausgesessene Mannschaften • 1820: 54 Häuser, 350 Einwohner • 1747: 47 Hausgesesse • 1838: 370 Einwohner (Familien: 44 nutzungsberechtigte, 13 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 8 Beisassen)
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1830: 545 evangelische Einwohner • 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch • 1885: 458 evangelische (= 91,97 %), drei katholische (= 0,60 %), und 37 andere (= 7,43 %) Christen • 1961: 510 evangelische (= 93,41 %), 25 katholische (= 4,58 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1778: Erwerbspersonen: 19 Ackerleute, zwei Schmiede, zwei Wagner, ein Maurer, zwei Pottaschensieder, zwei Schneider, ein Wirt, ein Leineweber, 18 weitere Leineweber zugleich Ackerleute. • 1838: Familien: 41 Ackerbau, 8 Gewerbe, 9 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 230 Land- und Forstwirtschaft, 82 Produzierendes Gewerbe, 17 Handel und Verkehr, 13 Dienstleistungen und Sonstiges.
Religion In Warzenbach bestehen zwei evangelisch-lutherische Kirchengemeinden mit eigenen Kirchengebäuden.
Ev.-Luth. (Landeskirche) Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Warzenbach gehört zum Kirchspiel Amönau-Warzenbach und Kirchenkreis Kirchhain der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Ihr Gotteshaus ist die Martin-Luther-Kirche (Warzenbach). Derzeitiger Pfarrer ist Ulrich Hilzinger.
Ev.-Luth. (SELK) Daneben besteht die Gemeinde Warzenbach der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche mit eigener Kirche, die zum Pfarrbezirk Marburg-Treisbach-Warzenbach gehört. Derzeitiger Pfarrer ist Manfred Holst.
Die Gemeinde war 1877 entstanden, als sich mehrere Warzenbacher Familien unter geistlicher Leitung des Pfarrers Heinrich Schedtler, Dreihausen, von der Kurhessischen Landeskirche lossagten, die 1873 ihr lutherisches Konsistorium zu Marburg aufgelöst und mit dem reformierten in Kassel vereinigt hatte. Das in der Region angestammte Luthertum wich infolge einem durch die preußischen Kirchenbehörden geförderten Unionismus, was sich auch in der Abendmahlsliturgie niederschlug. In diese Zeit fällt in ganz Kurhessen die Entstehung der Renitenten Kirche ungeänderter Augsburgischer Konfession (Althessische Kirche). 1897 errichtete die Gemeinde, die eng mit der Marburger Gemeinde der Althessischen Kirche verbunden war, ihre eigene Kirche. 1904 schloss man sich der „Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in hessischen Landen“, einer Vorgängerkirche der heutigen SELK, an.Hans Mahlke: Geschichte der Selbständigen Evang. Lutherischen Gemeinde Warzenbach. In: Festschrift zum hundertjährigen Kirchweihjubiläum der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Warzenbach am 4. Mai 1997, Warzenbach 1997, S. 14–20.
Politik Für Warzenbach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Warzenbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat für den Ortsbezirk Wetter besteht aus fünf Mitgliedern. Die Wahlbeteiligung zur Wahl des Ortsbeirats bei der Kommunalwahl 2021 betrug 65,25 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste“ an. Der Ortsbeirat wählte Gerhard Wagner zum Ortsvorsteher.
Kultur und Infrastruktur In Warzenbach gibt es eine Freiwillige Feuerwehr, einen Posaunen- und Kirchenchor, einen Heimatverein und einen Quad- und ATV-Club.
Literatur
Weblinks
Stadtteil Warzenbach In: Webauftritt der Stadt Wetter.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Geographie (Wetter (Hessen)) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974