mini|Martin Kohlmann, 2024 Karl Martin Kohlmann (* 18. Juli 1977 in Karl-Marx-Stadt) ist ein deutscher Politiker und Rechtsanwalt. Er ist Gründungsvorsitzender der Freien Sachsen und ist Mitglied von Pro Chemnitz, der DSU und den Republikanern.Neue Partei im Erzgebirge gegründet. In: freiepresse.de. 28. Februar 2021, abgerufen am 12. September 2022 (Paywall).Pro-Chemnitz-Fraktion benennt sich um: Was Kohlmann mit „Freie Sachsen“ vorhat. In: Tag24. 11. März 2021, abgerufen am 28. November 2022.

Er wird vom Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen beobachtet, dem er als „langjähriger Szeneaktivist aus rechtsextremistischen Zusammenhängen bekannt ist“. Kohlmann unterhielt unter anderem Beziehungen zu den Nationalen Sozialisten Chemnitz. Ende 2020 gab er dem ehemaligen Dortmunder Neonazi-Kader Michael Brück eine Anstellung in seiner Kanzlei in Chemnitz.Daniele Giustolisi: Rechtsextremist verlässt das Ruhrgebiet – Michael Brück: Neonazi-Kopf aus Dortmund wird Azubi in Chemnitz. In: ruhr24.de, 17. Dezember 2020, abgerufen am 14. Januar 2023.Nazi-Hochburg Chemnitz Wie sich Rechtsextreme mit Coronakritikern verbünden, Spiegel TV 17. Juni 2021.

Beruf Nach dem Wehrdienst bei der Bundeswehr von 1996 bis 1998 studierte Kohlmann Rechtswissenschaften in Leipzig und Basel. Einen Teil seines Referendariats absolvierte er in Krasnojarsk.Wer steckt hinter „Pro Chemnitz“? Spiegel Online, 29. August 2018, Online

Kohlmann arbeitet als selbstständiger Rechtsanwalt. 2010 vertrat er Bernd-Rüdiger Kern, Professor an der Universität Leipzig, vor Gericht. Es ging dabei um eine Auseinandersetzung in einer Jura-Vorlesung einer Erstsemesterinformationveranstaltung mit Kern im Korporationshaus der Burschenschaft Arminia.Patrick Limbach: „Kern vs. Külow:Deutschtümelei im Hörsaal oder Verleumdung in der Tagespresse?“ in der Leipziger Internet-Zeitung vom 11. Januar 2010, abgerufen am 4. August 2010; Ders.: "Von Kommunistenschweinen, Immunitäten und rechtlichen Konsequenzen: Prof. Dr. Bernd-Rüdiger Kern im Interview Teil 1 und Teil 2 in der Leipziger Internet-Zeitung vom 12. bzw. 13. Januar 2010, abgerufen am 28. November 2013 Zu Kohlmanns Mandanten zählte auch der Holocaustleugner Günter Deckert, 1991 bis 1996 Vorsitzender der NPD. Mitte Oktober 2017 wurde er im laufenden Prozess gegen den Anhänger der Reichsbürgerbewegung Adrian Ursache von diesem als dritter Strafverteidiger an der Seite der beiden Pflichtverteidiger benannt.

Als Verteidiger der rechtsextremen Gruppe Freital störte er 2018 die Urteilsverkündung. Die Rechtsanwaltskammer Sachsen leitete nach der Unterrichtung durch das Gericht ein Verfahren gegen Kohlmann ein und prüfte sein Verhalten in berufsrechtlicher Hinsicht. Die Vereinigung der Strafverteidiger Sachsen/Sachsen-Anhalt schloss ihn 2018 aus dem Verein aus mit der Begründung, er habe nach dem gewaltsamen Tod eines Deutschen in Chemnitz den Haftbefehl gegen einen der Verdächtigen veröffentlicht und damit gegen die Verfahrensrechte des Beschuldigten verstoßen.

Zu Kohlmanns anwaltlichen Schwerpunkten gehört die gerichtliche Vertretung abgelehnter Asylbewerber, vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion. Der georgische Vorsitzende des Kulturvereins Tolstoi e. V. vermittelte Kohlmann wegen dessen Russischkenntnissen zahlreiche Asylbewerber als Mandanten. Das Fernsehmagazin Report Mainz bezeichnete es als „Widerspruch“, dass Kohlmann einerseits als Chemnitzer Stadtrat die sofortige Abschiebung rechtskräftig abgelehnter Asylbewerber fordere, andererseits aber vor Gericht für deren Bleiberecht eintrete.Welche Rolle spielt der Drahtzieher der Chemnitzer Demos? Report Mainz, Sendung vom 4. September 2018 (abgerufen am 5. September 2018).

Kohlmann agierte weiterhin als Verteidiger der mutmaßlich rechtsterroristischen Sächsischen Separatisten sowie von einem der Köpfe der Elblandrevolte.

Soziales Engagement und Privates Kohlmann war 2014 Mitgründer und zunächst Schriftführer des anfangs in seiner Kanzlei ansässigen Kulturvereins Tolstoi e. V., dessen „Ziel die Förderung des Völkerverständigungsgedankens sowie die soziale und kulturelle Unterstützung der Flüchtlinge, Aussiedler, Spätaussiedler und nationalen Minderheiten ist.“ Zu den Angeboten gehört auch die „rechtliche […] Beratung von Migranten“. Bis 2016 führte der Verein ihn in der Vereinszeitschrift „Berliner Telegraph“, in der Kohlmann Anzeigen schaltet, als Leiter der Rechtsabteilung auf. Alexander Boyko, Gründer und Chefredakteur des Berliner Telegraph stand seit 2014 in enger Verbindung mit Kohlmann. Boyko hat laut Report Mainz gezielt Asylbewerber im Umfeld von Flüchtlingslagern als Mandanten für Kohlmann als „einzigem russischsprachigen Anwalt für Asylrecht in Chemnitz“ angeworben.

Kohlmann ist Mitglied der Burschenschaft Arminia zu Leipzig. Er lebt in Chemnitz, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Verurteilungen Am 9. Oktober 2020 verurteilte ihn das Amtsgericht Verden wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 2100 Euro. Kohlmann legte zunächst Berufung ein.https://www.kreiszeitung.de/lokales/verden/verden-ort47274/widerspruch-von-holocaustleugner-90072381.html

Am 12. April 2023 wurde bekannt, die Staatsanwaltschaft Chemnitz habe gegen Kohlmann wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt einen Strafbefehl in Höhe von 7500 Euro beantragt, weil Kohlmann drei Jahre hinweg zwei Mitarbeitenden einen Lohn unterhalb des Mindestlohns gezahlt haben solle.

Politik Die Republikaner Kohlmann wurde 1999 erstmals in den Stadtrat der Stadt Chemnitz gewählt. Im Jahr 2000 warf er dem damaligen Oberbürgermeister von Chemnitz, Peter Seifert (SPD), in einer Stadtratssitzung vor, einen Luftangriff auf Chemnitz im Zweiten Weltkrieg „verniedlicht“ zu haben.Staatsanwalt ermittelt: Morddrohungen gegen Chemnitzer Oberbürgermeister, spiegel.de, 27. April 2000. Daraufhin beleidigte Seifert Kohlmann, wofür Seifert später zur Zahlung eines Schmerzensgeldes an Kohlmann verurteilt wurde., sz-online.de, 19. September 2003. Kohlmann kandidierte bei der Europawahl 2004 auf dem Listenplatz 3 der Republikaner.Verfassungsschutzbericht Freistaat Thüringen 2003, Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz, Erfurt 2004, S. 46 (). Anfang 2004 organisierte er ein Konzert mit dem rechtsextremen Musiker Frank Rennicke in Chemnitz.Verfassungsschutzbericht 2004, Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen, S. 51 (). Nach dem Rücktritt der Landesvorsitzenden Kerstin Lorenz wurde Kohlmann am 24. Juli 2004 zum Landesvorsitzenden der Republikaner in Sachsen gewählt. In dieser Funktion lehnte er eine Zusammenarbeit der Republikaner mit der NPD ab., sz-online.de, 27. August 2004 2006 traten der nunmehrige Landesvorsitzende Mario Heinz aus der Partei und der Stadtrat Peter Grüning aus der Chemnitzer Fraktion und der Partei aus. Mario Heinz warf hierbei dem Fraktionsvorsitzenden Kohlmann vor, dass dieser ein „rechter Politclown“ sei.

Deutsche Soziale Union Im März 2006 wechselte Kohlmann zur Deutschen Sozialen Union (DSU) und wollte für diese bei der Oberbürgermeisterwahl antreten. Die Kandidatur wurde jedoch nicht zugelassen, da Kohlmann die notwendigen Unterstützerunterschriften nicht beibrachte. Die Nichtzulassung des Wahlvorschlages wurde letztendlich vom Sächsischen Oberverwaltungsgericht bestätigt.Sächsisches Oberverwaltungsgericht: , sachsen.de, 1. Juni 2006. Der von Kohlmann eingeschlagene Rechtsweg gegen die Oberbürgermeisterwahl 2006 in Chemnitz bewirkte, dass der Amtsantritt der gewählten Bürgermeisterin um ein Jahr verzögert wurde, die während dieser Zeit jedoch als Amtsverweserin amtierte.Endlich: Barbara Ludwig ist echte Oberbürgermeisterin, sz-online.de, 9. Juni 2007. Im Jahr 2008 kandidierte Kohlmann als DSU-Bewerber für das Amt des Landrats im Erzgebirgskreis und erhielt 1,2 % der Stimmen.Landratswahl 2008 – Ergebnisseite, sachsen.de, abgerufen am 17. April 2013.

Bürgerbewegung Pro Chemnitz 2009 gründete Kohlmann zusammen mit Reinhold Breede, Ex-CDU-Mitglied und ehemaliger Stadtparlamentspräsident der Stadt Chemnitz, die Bürgerbewegung Pro Chemnitz, die unter der Bezeichnung Bürgerbewegung Pro Chemnitz.DSU zur Kommunalwahl 2009 antrat. Die Wählervereinigung erreichte dabei ein Ergebnis von 4,57 Prozent der Wählerstimmen und stellt damit drei Stadträte, darunter auch Kohlmann selbst.Der Stadtrat: Fraktionen / Stadträte, chemnitz.de, abgerufen am 17. April 2013.

„In Person Kohlmanns verfügt PRO CHEMNITZ über gute Verbindungen zur NPD in Sachsen“, so eine „Situationsanalyse der ‚rechten Szene‘ in Chemnitz“ im Auftrag des DGB Region Südwestsachsen. So habe Kohlmann zum Beispiel 2010 zugunsten der NPD auf eine konkurrierende Kundgebung verzichtet.DGB Region Südwestsachsen (2011): „Rechts“ sind doch die anderen!? Eine Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Einstellungen und ein aktueller Überblick über die Neonazi-Szene und die „Neue Rechte“ in Chemnitz, S. 54 (PDF, 1,4 MB) Zudem habe er 2009 gemeinsam mit Vertretern des neonazistischenVerfassungsschutzbericht des Landes Sachsen 2012, Vorabfassung, S. 15 Aktionsbündnisses Erzgebirge bei einer von ihm angemeldeten Demonstration ein Transparent getragen.DGB Region Südwestsachsen (2011): „Rechts“ sind doch die anderen!? Eine Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Einstellungen und ein aktueller Überblick über die Neonazi-Szene und die „Neue Rechte“ in Chemnitz, S. 55 (PDF; 1,4 MB) mini|hochkant|Martin Kohlmann, 2013

Ende April 2009 bezeichnete Kohlmann während einer Stadtratssitzung Bürgermeister Berthold Brehm (CDU), der ein Wandbild in einer Schule hatte entfernen lassen,Marc Felix Serrao: Streit um Wandgemälde: Chemnitzer Ansichten, Süddeutsche.de, 16. April 2009. als „Kultur-Taliban“ sowie „Bilderstürmer“ und entgegnete dem Fraktionsvorsitzenden der Linken, Hubert Gintschel, die Worte „Der Nazi sind doch Sie!“, nachdem Gintschel Kohlmann zuvor seinerseits in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt hatte.Michael Müller: , freiepresse.de, 18. August 2011. Daraufhin wurde Kohlmann schließlich von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) des Saales verwiesen. Kohlmann weigerte sich zu gehen und wurde durch die Polizei aus dem Saal getragen. In der Folge wurde er vom Amtsgericht Chemnitz zu einer Geldstrafe von 2275 Euro wegen Hausfriedensbruchs verurteilt, jedoch von den Vorwürfen der Beleidigung gegenüber Brehm und Gintschel freigesprochen.

Kohlmann ist Vorsitzender der Pro-Chemnitz-Fraktion im Chemnitzer Stadtrat.Ratsfraktion PRO CHEMNITZ, pro-chemnitz.de, abgerufen am 19. April 2013. Des Weiteren gehört er verschiedenen Ausschüssen des Chemnitzer Stadtrates an: dem Planungs-, Bau- und Umweltausschuss und dem Verwaltungs- und Finanzausschuss als Mitglied sowie dem Petitionsausschuss, dem Sozialausschuss und dem Schulausschuss als stellvertretendes Mitglied. Darüber hinaus ist er stellvertretendes Mitglied im Verbandsrat des Sparkassenzweckverbands, des Trägers der Sparkasse Chemnitz.Profil von Martin Kohlmann im Bürgerinformationssystem der Stadt Chemnitz, abgerufen am 19. April 2013.