Das Kloster Lobenfeld in Lobenfeld, einem Ortsteil der Gemeinde Lobbach im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg, ist ein vor 1150 von Augustiner-Chorherren gegründetes Kloster, das nach wechselvoller Geschichte im Zuge der Reformation 1560 aufgehoben wurde. Die Klosterkirche Lobenfeld zählt zu den bedeutenden staufischen Denkmälern in Baden-Württemberg.
Geschichte Gründung im 12. Jahrhundert durch Augustiner-Chorherren mini|Kloster Lobenfeld um 1800, links das Hohe Nonnenhaus, daran anschließend das Schaffneigebäude und das Alte Haus, dahinter sichtbar Querhaus und Chor der Klosterkirche Im frühen 12. Jahrhundert bestand an der Stelle des Klosters, wo sich eine uralte Straße von Heidelberg kommend nach Mosbach und Wimpfen verzweigt, ein Hofgut, das aus salischem Erbe an die Staufer fiel, die es dem Edelfreien Meginlach von Obrigheim zu Lehen gaben, der es wiederum Bischof Burchard II. von Worms zur Gründung eines Klosters verschenkte. In wormsischem Auftrag gründeten dann Augustiner-Chorherren aus Frankenthal dort im Zuge der systematischen Erschließung der rechtsrheinischen Gebiete des Bistums Worms das Kloster Lobenfeld. Mit einer undatierten Urkunde von 1181 oder 1187Landesarchiv Speyer, Bestand F 7, Inv. Nr. GA 22 (früher Staatsarchiv Luzern). bestätigte Kaiser Friedrich I. Barbarossa den Klosterbesitz. In der Urkunde werden Verfügungen des 1152 gestorbenen Königs Konrad III. und die Zustimmung des 1147 auf dem zweiten Kreuzzug verstorbenen Herzogs Friedrich II. von Schwaben zitiert, so dass die Klostergründung vor 1147 erfolgt sein muss.Ebert 2001, S. 13–18. Urkundlich belegt sind außerdem verschiedene Zuwendungen an das Kloster noch im 12. Jahrhundert. Aus einer Stiftung des Abts Heinrich von Lorsch an verschiedene Klöster gingen 1167 zwei Mark an Lobenfeld. Anlässlich dieser Zuwendung wurde das Kloster erstmals urkundlich genannt. Heinrichs Nachfolger, Abt Sigehard, verkaufte dem Kloster Lobenfeld 1173 ein Acker- und Wiesengut nebst einem Forst bei Plankstadt.Ebert 2001, S. 22. In der Urkunde Barbarossas werden neben dem Plankstadter Besitz auch Besitz in „Butersbach“ (Biddersbacher Hof auf Gemarkung Lobenfeld), „Breitenhart“ (auf Gemarkung Daisbach) und „curtis in Nivwenheim“ (Hofgut in Heidelberg-Neuenheim) genannt. Wie diese Güter in den Besitz des Klosters kamen, ist unbekannt. Sie gehörten jedoch wohl nicht alle zur Erstausstattung des Klosters, diese scheint vielmehr nur aus dem nahen Biddersbacher Hof bestanden zu haben.Ebert 2001, S. 22/23.
mini|Luftaufnahme des Klosters Lobenfeld und ein Teil von Lobenfeld
Das Kloster hat in seinen frühen Jahren mehrmals bei Boppo (IV.) von Lauffen († 1181) auf dem Dilsberg um Schutz nachgesucht, der dann auch gewährt wurde. Der Sohn Boppo (V.) versuchte dann jedoch, die Vogtei über das Kloster zu erlangen, weswegen die Urkunde Friedrich I. Barbarossas auch als Schutzbrief gegen weltliche Vereinnahmung des Klosterbesitzes anzusprechen ist.Ebert 2001, S. 93/94 und 341/342. Gleichzeitig kann die Urkunde auch als Absicherung des Klosters mit Hinblick auf bevorstehende Baumaßnahmen verstanden werden, zumal die romanische Osthälfte der Klosterkirche aus Querhaus und Chor, deren Architektur vermutlich in Abhängigkeit zum Ostbau des Wormser Doms entstand, auf jene Zeit um 1170/80 datiert wird.Ebert 2001, S. 143/144.
An die Klosterkirche schlossen sich im Süden die eigentlichen Klostergebäude an und nahmen in etwa die Fläche bis zu den heute dort befindlichen Gebäuden (Altes Haus und Schaffneigebäude) ein. Nördlich an die Kirche schloss sich ein Begräbnisplatz an. Südöstlich der Kirche, in etwa im Bereich des Alten Hauses, sind Fundamentreste nachgewiesen, die älter als die Kirche sind und auf die man beim Bau der Kirche Rücksicht nahm. Dort ist vermutlich das älteste Klausurgebäude, wenn nicht gar das ursprüngliche Hofgut, zu verorten.Ebert 2001, S. 161–168.
Mit einem praepositus wird 1223 letztmals ein männlicher Leiter des Klosters genannt, ab 1254 ist von Schwestern die Rede. Wie sich der Wandel vollzog, ist unbekannt.Ebert 2001, S. 92. Die ältere Forschung orientiert sich an den wenigen Urkunden und setzt den Wandel um die Mitte des 13. Jahrhunderts an. Die jüngere Forschung sieht in dem im Kloster aufgefundenen Grabstein der Äbtissin Agnes, der um 1200 datiert wird, einen Hinweis darauf, dass sich zu dieser Zeit schon ein Nonnenkonvent im Kloster befand.Anneliese Seeliger-Zeiss in Ebert 2001, S. 276. Die Leitung des Nonnenklosters hatte eine magistra (Meisterin) inne, die Oberaufsicht lag weiterhin in Frankenthal oder vertretungsweise beim Propst des Klosters Höningen, einer weiteren Frankenthaler Klostergründung. Um das Kloster siedelte sich der 1229 erstmals erwähnte, bis ins 19. Jahrhundert jedoch unbedeutende Ort Lobenfeld an, über den das Kloster anfangs die Ortsherrschaft ausübte.
Im Laufe des 13. Jahrhunderts geriet das Kloster allmählich in den Einfluss des gemeinsam mit der Pfalzgrafschaft aufstrebenden Zisterzienserklosters Schönau. Bereits 1211 verkaufte das Kloster Lobenfeld eine Hofgut in Heidelberg an das Kloster Schönau, dessen Kaufpreis jedoch nicht voll bezahlt wurde, so dass es 1223 zu einer Schlichtung kam. Von Frankenthal aus wurde dann 1254 auch der größte Teil des Plankstadter Besitzes an das Kloster Schönau veräußert.Ebert 2001, S. 26/27. Der Grundstücksverkehr zwischen den Klöstern Lobenfeld, Lorsch und Schönau im 12. und 13. Jahrhundert führte nicht zuletzt zu einer Arrondierung der Besitztümer. Lobenfeld verzichtete auf ferne Güter in Plankstadt und Viernheim und erhielt stattdessen Besitz und Rechte in Wollenberg, Wimpfen, Schatthausen, Reilsheim, Bischofsheim und anderen Orten im nahen Umfeld des Kernbesitzes in Lobenfeld, Waldwimmersbach und Epfenbach.Lenz 2002, S. 136.
Errichtung einer Schaffnei Die kaiserlichen Schutzrechte kamen unterdessen an die Pfalzgrafen, die zur Verwaltung des Klosterbesitzes, zur Kontrolle der Pächter und Güter des Klosters und zur Eintreibung der Steuern einen Verwalter, den so genannten Schaffner, bestellten. Das Schaffneramt ist seit 1326 belegt, war möglicherweise aber nicht kontinuierlich besetzt. Aufgrund der kleinteiligen Besitzverhältnisse im spätmittelalterlichen Kraichgau und der Expansionsbestrebungen der Kurpfalz bestanden selbst im Kernbesitz des Klosters komplizierte und wechselnde rechtliche Verhältnisse sowohl in Grundherrschaft und obrigkeitlichen Befugnissen, in der Parzellierung der Pachtgüter und der Erbpacht als auch in der Leibeigenschaft der Einwohner. Summieren lässt sich, dass das Kloster an Besitz an Rechten in Waldwimmersbach verlor, unterdessen aber in Epfenbach gewann. Obrigkeitliche Rechte trat das Kloster in Lobenfeld und Waldwimmersbach an die Pfalzgrafen ab, gewann sie aber ebenfalls in Epfenbach hinzu. Das Schaffneramt, das anfangs noch nicht mit einem Amtssitz in Lobenfeld verbunden war, verlor im Lauf der Zeit viele seiner hoheitlichen Befugnisse wie das Einsetzen der Schultheißen und wandelte sich zu einem fiskalischen Amt, später auch mit Residenzpflicht, wobei die Schaffner auch selbst Güter pachten und bewirtschaften oder Afterbeständer einsetzen konnten.Lenz 2002, S. 135–141.
Übergang zum Zisterzienserkloster mini|Klosterbezirk in Lobenfeld 1794/95 Wann und wie das Kloster in Lobenfeld an den Zisterzienserorden kam, ist unbekannt. Möglicherweise hat es sich schon bei den ersten Klosterfrauen, eventuell im frühen 13. Jahrhundert, um Zisterzienserinnen gehandelt.Ebert 2001, S. 28. Die Erweiterung der Klosterkirche um das einschiffige Langhaus um die Mitte des 14. Jahrhunderts erfolgte ebenfalls nach Bauvorgaben der Zisterzienser.
Aus dem Jahr 1331 datiert mit Margareta von Helmstatt die erste Nennung einer näher von ihrer Abstammung beschriebenen Äbtissin des Klosters. Ihre genaue Bestimmung in der Stammtafel der Herren von Helmstatt ist bislang noch nicht gelungen. 1342 ist Gertrud von Sickingen, Tochter Reinhards II. von Sickingen, als Nonne im Kloster belegt. Gemäß ihrem erhaltenen Grabstein starb 1357 Adelheid von Waltdorf als Angehörige des Lobenfelder Konvents, ihre Zugehörigkeit zur Familie der Herren von Walldorf ist jedoch fraglich.Ebert 2001, S. 30–32. Nach 1382 sind die Äbtissinnen über rund 80 Jahre mit vollem Namen bekannt, wobei insbesondere Namen der Kraichgauer Ritterschaft erscheinen, darunter auch die von Venningen, von Angelloch und von Hornberg.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Klosters Schönau um 1360 haben sich anscheinend nicht merklich auf das Kloster Lobenfeld ausgewirkt, zumal dieses ohne Schönauer Mitwirkung seine wirtschaftliche Absicherung in Heidelberg durch einen Hof und eine Kelter sowie die zollfreie Ausfuhr der Erzeugnisse ausbauen konnte.Ebert 2001, S. 31. Zur wirtschaftlichen Absicherung trug außerdem der sehr stark gestreute Besitz zur Aussteuer der Konventualinnen bei. Das Kloster Billigheim und das Kloster Lobenfeld teilten sich im 14. Jahrhundert darüber hinaus den Marktzoll zu Mosbach.Ebert 2001, S. 32.
Benediktinerkloster ab 1438 Im Jahr 1425 gab es Bestrebungen des Pfalzgrafen Ludwig IV., die Nonnen des Klosters Neuburg nach Lobenfeld umzusiedeln. Nach Protesten beider Konvente kam es nicht zur Zusammenlegung, dafür wurden Lobenfeld 1436 und Neuburg 1438 auf Ludwigs Veranlassung hin in den Benediktinerorden aufgenommen. 1459 wurde das Kloster Lobenfeld schließlich in die Bursfelder Kongregation integriert und von Ludwig IV. von allen Frondiensten und Atzungsansprüchen befreit.Lenz 2002, S. 135. Anstelle der bisherigen Äbtissin Agnes von Hornberg (erwähnt 1457 und 1458) wurde die Priorin des bereits bursfeldisch reformierten Klosters Marienberg, Agnes von Rohrbach als Obere eingesetzt. Das Kloster nahm an den Bursfelder Generalkapiteln von 1488 und 1493 teil. Inzwischen fanden auch bürgerliche Frauen Aufnahme, darunter um 1512 die aus Mosbach stammende Elisabeth Silbereisen, die spätere Ehefrau des Straßburger Reformators Martin Bucer.Ebert 2001, S. 35–40.
Die Verpachtung von Klostergütern wurde im frühen 16. Jahrhundert vermehrt von Heidelberger Landschreibern übernommen, so dass das Kloster wohl bereits unter zentraler kurfürstlicher Aufsicht stand.Ebert 2001, S. 40/41. Im Zuge der Reformation in der Kurpfalz wurde das Kloster dann sukzessive aufgehoben. Zunächst wurden 1556 Neueintritte verboten. Die letzte Priorin, Anna von Bettendorff, die Schwester des Wormser Fürstbischofs Dietrich von Bettendorf, resignierte am 16. Dezember 1560. Zur Verwaltung des Klosters wurde bis spätestens Februar 1563 von der kurpfälzischen Kirchengüter- und Gefälleverwaltung ein Schaffner bestellt. Den Klosterfrauen stand es frei, weiter in den Klostergebäuden zu bleiben. Wie viele und bis wann davon Gebrauch machten, ist nicht bekannt.Ebert 2001, S. 42. Würdtwein berichtet, dass das Klosterleben erst 1616 erloschen sei,Stephan Alexander Würdtwein: Chronicon Diplomaticum Monasterii Schönau in Sylva Odoniana Ord. Cistere, Mannheim 1772, Bd. II, S. 109. doch nimmt man gemeinhin an, dass jenes Jahr höchstens den Tod der letzten Nonne bezeichnet, während die Klosterbauten zu jener Zeit längst säkular genutzt wurden.
Der Klosterbezirk nach Aufhebung des Klosters mini|Das Schaffneigebäude (Foto um 1900) war zunächst Sitz der Verwaltung der eingezogenen kurpfälzischen Kirchengüter und ab 1884 Wohnhaus der Bestandspächter, es wurde 1966 durch einen Neubau ersetzt Die kurfürstliche geistliche Administration wertete das Schaffneramt auf und richtete im Konventsgebäude eine Schaffnerei zur Verwaltung der Klostergüter und der ebenfalls von der Kurpfalz eingezogenen Kirchengüter der Propstei in Wiesenbach ein. Hatte man zuvor die Klostergüter zum Nutzen des Klosters verwaltet, lag der Nutzen nach der Reformation direkt bei der Kurpfalz. Der Schaffner in Lobenfeld nahm außer seinen vielfältigen Verwaltungs- und Aufsichtsfunktionen noch die vogteilichen Rechte in Epfenbach wahr.