Corps Masovia 150px|zentriert|Wappen Land Brandenburg Hochschule Universität Potsdam Stiftung 14. Juni 1830 in Königsberg Constitution 19. Februar 1831 SC zu Königsberg 30. Juni 1851 Beitritt zum KSCV oKC 1865 Suspension 28. Oktober 1935 1. Rekonstitution 14. Januar 1950 in Kiel 2. Rekonstitution 14. Juni 1997 in Kiel SC zu Kiel 6. Februar 2000 Aktiver Betrieb 20. Januar 2001 in Potsdam SC zu Potsdam oKC 2002 CSC Berlin Band Zirkel    50px Wahlspruch Virtus contemnit mortem! Korporationsverband Kösener SC-Verband Anschrift Kurfürstenstr. 1714467 Potsdam

Das Corps Masovia Königsberg zu Potsdam ist eine farbentragende pflichtschlagende Studentenverbindung in Potsdam. Als Corps gehört es dem Kösener Senioren-Convents-Verband an. An der Albertus-Universität war sie über hundert Jahre das Landescorps Masurens. Sie hat als einziges Königsberger Corps überlebt und ist an der Universität Potsdam als erste Verbindung akkreditiert worden.

Geschichte Masovia entstand aus dem „großen Schisma“ der Allgemeinen Burschenschaft (AB) an der Albertus-Universität Königsberg. 1827 hatten die Pappenheimer – die sich selbst als Blüte oder Jeunesse dorée der Albertina sahen – bei der Allgemeinen Burschenschaft gegen zwei Masuren geklagt und commentwidrig in den Semesterferien nachgekartet. Dass der Senat dieses „Unrecht von Aristokraten“ billigte, führte zu massiven Protesten und öffentlichem Aufsehen. Friedrich Dewischeit, August Ballnus, Theophil Herbst und Friedrich Julius Richelot traten für den betroffenen Corpsbruder ein. Als die Pappenheimer am 14. Juni 1827 zur alljährlichen Erinnerung an die Schlacht bei Belle-Alliance auf den Galtgarben zogen, feierte „alles was sich Masuren nannte“ aus Protest ein Fest im weit entfernten Bladiau.H. Lippold: Namen auf vergilbenden Blättern. Ein alter Druck erzählt von Königsberger Studenten vor 150 Jahren. Ostpreußenblatt, 14. November 1970 In Erinnerung daran wurde drei Jahre später die heutige Masovia gestiftet.

Kränzchen und Landsmannschaft Von Ostern 1823 bis Ostern 1829 sind 53 Mitglieder verzeichnet. 31 kamen aus Masuren, drei aus Neuostpreußen, 16 aus Königsberg und dem übrigen Ostpreußen, drei aus Litauen, Posen und Schlesien. Sieben von ihnen gründeten im Juli 1829 ein landsmannschaftliches Kränzchen. Vor Ostern 1830 „tauchte plötzlich das Gerücht auf, es solle gegen alle Landsmannschaften (also auch gegen Masovia) mit der größten Entschiedenheit eine Untersuchung eingeleitet werden.“ Nach Ostern 1830 trugen die Masuren deshalb die unverfänglichen Farben Schwarz-Rot-Weiß der Allgemeinen Burschenschaft. Sieben Mitglieder dieses Bundes und vier andere Studenten der Albertina stifteten am 14. Juni 1830 die heutige Masovia, der 69 Angehörige der „Masovia I“ beitraten.Kösener Korps-Listen 1910, S. 614 f. Zu den Stiftern gehören Orlando Gortzitza, Friedrich Wilhelm Kalau von dem Hofe, Ludwig Schadebrodt und Julius Czwalina. Unter den ersten 97 Masuren bis zum Sommersemester 1830 waren 54 Theologen, 18 Philologen, 12 Richter, 7 Verwaltungsbeamte, 7 Rittergutsbesitzer und ein Arzt. Zwischen 1825 und 1848 hatte das Corps 155 Theologiestudenten in seinen Reihen. Die meisten der 136 evangelischen Pfarrer amtierten in Masuren.R. Döhler: Unter den Talaren der Stolz aus jungen Jahren – Corpsstudenten in der Geistlichkeit. CORPS Magazin 4/2020, S. 22–27.

Unter Führung des Seniors August Müller verließen die Masuren am 19. Februar 1831 die AB. Sie nahmen die Corpsverfassung mit Probezeit und Mensur an und nannten sich Corpslandsmannschaft.S. Schindelmeiser: Der Königsberger Senioren-Convent bis zum Jahre 1848. Deutsche Corpszeitung 1/1978. Masovia hatte die Autonomie erlangt. Noch lange gedachte man der Constitutionsgebung mit einem alljährlichen Kommers in kleinerem Rahmen. Wie 1831 beschlossen, sollten die Stiftungsfeste am 14. Juni hingegen „großartig“ gefeiert werden.H. Lippold (1933) Die Rückdatierung des Stiftungstages auf das Bladiauer „Galtgarbenfest“ im Juni 1827 wurde 1855 und 1870 abgelehnt.H. Lippold in einem Brief an Ludwig Denecke vom 12. Dezember 1967

Farben, Zirkel und Wahlspruch mini|Louis Sauerhering mit Trikolore (1836) Mit bewusstem Bezug auf die Flagge Frankreichs entschieden sich die Masuren 1829 für das blau-weiß-rote Band. Die Farben stehen für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Bei Wilhelm Schmiedeberg tragen die Masuren das tiefe Blau der Trikolore. Im Liederbuch der Albertina, das Ludwig Clericus seinen Corpsbrüdern 1850 widmete, sind alle sechs Strophen der Marseillaise in französischer Sprache wiedergegeben. Friedrich Rübsamen (1808–1883), der Senior von 1829, erklärte 1880 beim 50. Stiftungsfest die Farbenwahl: „Das Blau der Treue der Überzeugung, das Weiß der Reinheit der Ehre und des Charakters, das Rot der Liebe zu Recht und Wahrheit.“ Den geistig-politischen Sinn von „blau-weiß-rot“ hat Krzysztof Kieślowski 1993/94 in der Drei-Farben-Trilogie verfilmt. Mit der Annahme der Corpsverfassung am 19. Februar 1831 wurde die „heilige Trikolore“ wieder eingeführt und der 14. Juni 1830 als Stiftungstag festgesetzt. Mit einem alljährlichen Kommers am 19. Februar gedachte man noch lange jener Constitution.E. Loch: Zur Hundertjahrfeier der Masovia. Deutsche Corpszeitung, 47. Jg., Nr. 3 (Juni 1930), S. 77–79 Konrad Kob stand 1881 im Mittelpunkt des 50. Festes. rahmenlos|links|60px Der Wahlspruch der Masuren ist Virtus contemnit mortem!„Mannesehre verachtet den Tod!“ Die Buchstaben C, V und M bilden den Zirkel und stehen für den Wunsch „Vivat Corona Masoviae“. Dass sie auch als „Vivant Clemens Müller“ gelesen werden können, wurde erst beim 2. Stiftungsfest bemerkt.Corps Masovia (2005) Rudolf August Clemens und August Müller waren die beiden ersten Senioren der Landsmannschaft Masovia.August Müller (1807–1872) war später Archidiakon an der St. Marienkirche in Danzig. Auf Müller 1 und Clemens 3 folgten Rudolf Gregorovius, Friedrich Bergenroth, Karl Claussen, Wilhelm v. Hippel 2, Adolf Müller 2, Heinrich Dembowski und Gustav Bergenroth. Über die Amtsführung von Dembowskis Nachfolger entbrannte erbitterter Streit zwischen zwei Lagern. Dembowski und Friedrich Kellermann führten die „feinen“, Gustav Bergenroth und Adolf Müller die „groben“ Masuren. Der Streit endete mit dem tödlichen Duell von Otto Bertram gegen seinen Corpsbruder Friedrich Neesemann am 30. April 1837.C. Heinrich: Geschichte des Corps Masovia. Königsberg 1870, S. 23.

Die hellblaue Studentenmütze wird seit dem Sommersemester 1857 getragen. Bis dahin waren weiße, rote oder blaue Mützen verschiedenen Formats üblich, wegen der liberalen Polenschwärmerei auch die Konfederatka. Auf Antrag von Oskar Mielitz und aus ungeklärten Gründen wurde das (heraldisch korrekte) Dunkelblau des Bandes im Wintersemester 1881/82 zum berühmten, aber heraldisch inkorrekten „Himmelblau“. Mit der Hilfe von Brillux klärte Helmut Niedorf 1999 den Lab-Farbraum.H. R. Niedorf 1999 Er bestätigt den optischen Eindruck eines Türkisschimmers: HKS S 50 N 70 %.diffus 8° Geometrie bei Tageslicht / L-Koordinate (Helligkeit): 73,5 / Rot-Grün-Koordinate (a*) −16,2 / Gelb-Blau-Koordinate (b*) −19,35

Die Corpsschleife wurde im Wintersemester 1874/75 eingeführt. Ursprünglich war sie nur für gewesene Füchse gedacht. Später erhielten sie auch Konkneipanten. Die während des Abseitsstehens zum S.C. (1876–1880) aktiv gewordenen Masuren mussten laut Kösener Beschluss 1880 noch eine Mensur im S.C. liefern, um ihr Band behalten zu dürfen. Mitglieder, denen dieses nicht möglich war, erhielten ihr Band durch Kongressbeschluss 1895 wieder.Andreas Mildahn: Studentische Korporationen an der Albertus-Universität Königsberg i. Pr. in lexikalischer Übersicht (E–M). Einst und Jetzt, Bd. 63 (2018)

Baltia mini|Altes Masurenwappen und Masurenlied im Liederbuch der Albertina (Clericus) Der Corpslandsmannschaft Baltia fehlte Nachwuchs, das „belebende Element der Fuchswelt“. Deshalb bat sie Masovia am 23. November 1840, ihre 48 Philister und 5 Aktiven zu übernehmen. Masovia entsprach der Bitte und übernahm die Hansekogge aus Baltias Wappen (vielleicht auch das Hellblau ihrer Farben). Wilhelm Schmiedeberg zeichnete 77 Balten und Masuren; 55 Bilder sind erhalten.

Progress Der Progress setzte Masovia zunächst kaum zu; auf dem Höhepunkt der Deutschen Revolution 1848/49 stand sie aber vor einer Spaltung, wie sie dem Corps Littuania widerfahren war. Louis Schellong wendete das Unheil am 2. Juni 1848 ab. Wenige Tage später wurde das „besonders fröhliche“ 18. Stiftungsfest in Cadinen und – nach vielen Jahren einmal wieder von der ganzen Studentenschaft – das Galtgarbenfest gefeiert.

Ehren mini|Ehrenzirkel Zwischen 1830 und 1857 erhielten zehn Masuren ein Comitat: Fritz Bergenroth, Sigismund Bujack, Gustav Dullo, Ferdinand Gregorovius, Otto Hilbert, Eduard und Ernst Pilchowski, Oskar Saemann, Wilhelm Schimmelpfennig und Theodor Stern.

Von 1838 bis 1858 hatte Masovia sieben Ehrencorpsburschen, die nicht „Ehrenmitglied“ waren, sondern die (bald auf sechs Semester beschränkten) Rechte eines Corpsburschen hatten. Da „alle Masuren gleich“ (weiß) sind, hatte das Corps nie das Statut einer Ehrenmitgliedschaft.

Auf Vorschlag von Carl Böttcher wurde im Wintersemester 1888/89 der silberne Ehrenzirkel eingeführt. Ihn erhalten diejenigen Alten Herren, die das 100. Semester im Corps vollendet haben. Der erste ging mit einem Glückwunschschreiben an Ferdinand Gregorovius in München.

Studienfonds Der CC richtete 1932 einen Studienfonds zur Unterstützung finanzschwacher Corpsbrüder ein. Alte Herren halfen mit Spenden.Mosich, Beilage zum Semesterbericht, Mai 1932

SC zu Königsberg

Nach Litthuania wurden auf dem oKC 1865 auch Masovia und Baltia in den Kösener Senioren-Convents-Verband aufgenommen.Franz Heyer: Wie kam die Masovia in den Kösener S.C.? Monatsbericht des Corps Masovia Nr. 3, 1. Januar 1920 Nachdem die Silber-Litthauer wegen des Deutschen Krieges suspendiert hatten, blieb mit Masovia und Baltia ein friedloser Zweier-SC zurück. Er wurde ab 1868 von Masovia nicht mehr beschickt, weil Baltia den angemieteten SC-Fechtboden einseitig gekündigt hatte. Nicht umsetzen ließ sich der daraufhin ergangene Beschluss des oKC 1868, der Königsberger S.C. müsse sich binnen vier Wochen wieder bilden. Deshalb vom Vorort Gießen bis zur Neugründung des SC aus dem KSCV dimittiert, wandte Masovia sich 1869 an den Vorort Göttingen. Sie wurde zwar wieder in den KSCV aufgenommen; der Konflikt mit Baltia zog sich aber noch über Jahre hin. Baltia verweigerte sich der Neugründung des SC. Masovia steckte Baltia deshalb Anfang 1870 in Verruf, der erst im Wintersemester 1871/72 aufgehoben wurde – und an Baltias SC-Ablehnung nichts änderte. Erst am Pfingstsonnabend (31. Mai) 1873 einigten sich die beiden Corps auf die Wiederherstellung des Königsberger SC. Sie kamen überein, durch Abgabe von Mitgliedern ein drittes Corps zu begründen.Masovia (2005), S. 108 f.

Normannia II