Björn Rune Borg (; * 6. Juni 1956 in Stockholm) ist ein ehemaliger schwedischer Tennisspieler. Im Laufe seiner relativ kurzen Karriere gewann Borg 66 Einzeltitel, darunter 11 Grand-Slam-Titel. In den Jahren 1976 bis 1980 gewann er fünfmal in Folge in Wimbledon, zwischen 1974 und 1981 sicherte er sich sechs Titel bei den French Open. Im Team holte er 1975 den Davis Cup erstmals nach Schweden. Zudem gewann er zweimal das Saisonabschlussturnier, das Masters. Die Jahre 1979 und 1980 beendete Borg an der Spitze der Weltrangliste. Er war einer der dominierenden Spieler der zweiten Hälfte der 1970er und frühen 1980er Jahre und wird zu den besten Spielern der Tennisgeschichte gezählt.
Karriere mini|links|hochkant|Borg (1991)
Schon 1972, im Alter von 15 Jahren, sorgte Borg für Aufsehen, als er sein erstes Davis-Cup-Match für Schweden gewann. Im gleichen Jahr holte er sich auch den Wimbledon-Titel bei den Junioren. 1973 spielte Borg seine erste komplette Saison auf der Profitour und erreichte bei den French Open und den US Open jeweils das Achtelfinale sowie sein erstes Viertelfinale in Wimbledon. Für Borgs Spielstil war neben seinem technischen Talent auch eine frühe Selbstdisziplinierung von Bedeutung: Nach einer 0:6, 0:6-Niederlage bei den schwedischen Juniorenmeisterschaften mit elf Jahren reagierte er mit extremem Training, und nach einer Vereinssperre wegen eines Wutausbruchs und eines geworfenen Schlägers beschloss er, während eines Matches keine Gefühle mehr offen zu zeigen.
1974 gewann er im Alter von 17 Jahren und elf Monaten bei den Italian Open seinen ersten Profititel. Im selben Jahr kamen sechs weitere Titel hinzu, darunter auch der Titel bei den French Open, den Borg als bis dahin jüngster Spieler gewann. Zu den Grundlagen seiner Dominanz zählten seine außergewöhnliche physische Belastbarkeit, seine mentale Stabilität und eine stark topspin-geprägte Vorhand, die viele seiner Gewinnschläge bestimmte. Er beendete die Saison auf Platz 3 der Weltrangliste. 1975 setzte er seinen Aufstieg in die Weltspitze fort. Unter seinen fünf Saisontiteln war erneut der Titel bei den French Open, den er im Finale gegen Guillermo Vilas erkämpfte. In Wimbledon erreichte Borg erneut das Viertelfinale, bei den US Open sogar das Halbfinale. Am Ende der Saison führte er Schweden zum ersten Davis-Cup-Triumph; beim 3:2-Finalsieg über die Tschechoslowakei gewann Borg beide Einzel.
1976 gelang ihm sein erster Titelgewinn in Wimbledon – im Finale gegen den favorisierten Ilie Năstase. Der Erfolg des Sandplatzspezialisten Borg galt damals als mittlere Sensation. Bei den großen Sandplatzturnieren selbst blieb er in diesem Jahr dagegen ohne Erfolg; er scheiterte bei den French Open an Adriano Panatta und bei den US Open am Weltranglistenersten Jimmy Connors – bei den French Open im Viertelfinale und bei den US Open im Finale. 1977 verteidigte Borg seinen Wimbledontitel in einem Fünfsatz-Krimi gegen Connors und nahm zwischenzeitlich Platz 1 der Weltrangliste ein. Mit insgesamt elf Saisontiteln beendete er die vierte Saison in Folge unter den besten drei Spielern der Welt.
1978 dominierte Borg die Profitour endgültig. Bei neun Saisonsiegen gelang ihm auch das erste Double von French Open und Wimbledon, bei den US Open verlor er dagegen das Finale erneut gegen Connors. 1979 konnte Borg die Titel in Paris und London verteidigen und mit zehn weiteren Titeln erstmals eine Saison als Nummer 1 der Weltrangliste beenden. Zudem gewann er erstmals in seiner Karriere das Masters, das erst im Januar des folgenden Jahres stattfand.
1980 schaffte Borg das dritte Double von French Open und Wimbledon in Folge, was noch immer zu den größten Leistungen der Tennisgeschichte gehört. Im Finale der US Open unterlag er dagegen zum dritten Mal in Folge, diesmal dem aufstrebenden John McEnroe. Dank eines erneuten Masters-Titels und neun weiteren Titeln beendete Borg die Saison wiederum an der Spitze der Weltrangliste.
Die Saison 1981 wurde seine letzte große. Borg gelangen dabei zum dritten Mal in seiner Karriere drei Finalteilnahmen bei Grand-Slam-Turnieren. Bei den French Open feierte er seinen vierten Titel in Folge und sechsten Turniersieg insgesamt (dieser Rekord sollte erst 2011 von Rafael Nadal eingestellt werden), in Wimbledon hingegen endete seine Rekordserie von fünf Titeln in Folge mit einer Finalniederlage gegen John McEnroe. Und auch in seinem vierten US-Open-Finale unterlag er McEnroe. In Genf gewann Borg dann im September 1981 seinen 66. und letzten Titel.
Nach dem verlorenen US-Open-Finale 1981 entschied Borg nach späterer eigener Darstellung noch am selben Tag, seine Karriere zu beenden; unmittelbar nach der Niederlage verließ er die Anlage ohne Interviews oder Pressekonferenz und entschuldigte sich später bei McEnroe für dieses Verhalten. Nach außen erschien der Rückzug zunächst als Pause, auch weil Borg noch einzelne Turnier- und Sponsorverpflichtungen erfüllte; im Januar 1983 gab er seinen Rücktritt offiziell bekannt. Borg begründete den Schritt später nicht mit fehlender sportlicher Leistungsfähigkeit, sondern mit dem Verlust der inneren Bindung an das Tennis und dem Wunsch, dem Leben als Tennisstar zu entkommen.
In den folgenden zehn Jahren unternahm Borg mehrere Comebackversuche. Sein Comeback ab 1991 beschrieb er später nicht als vor allem sportlich motiviert, sondern als Versuch, sich aus einem von Drogen und Alkohol dominierten Alltag zu lösen; den eigentlichen Grund hätten damals nur seine Eltern gekannt. Er scheiterte 1984 in Stuttgart in der ersten Turnierrunde, ebenso 1991 in Monte Carlo, 1992 bei insgesamt acht Turnieren und 1993 bei weiteren drei Turnieren. In Moskau verlor er schließlich im November 1993 den entscheidenden Tiebreak gegen Alexander Wolkow, nachdem er zuvor einen Matchball vergeben hatte; daraufhin beendete er endgültig seine Karriere. Seit vielen Jahren ist er als Spieler auf der Seniorentour unterwegs.
Björn Borg gehört neben Anja Pärson, Sarah Sjöström, Ingemar Stenmark und Armand Duplantis zu den wenigen Sportlern, die zweimal mit der renommierten Svenska-Dagbladet-Goldmedaille geehrt wurden (1974, 1978).
Statistiken und Rekorde Beste Grand-Slam-Match-Bilanz in der Open Era mit 141 Siegen und 17 Niederlagen (89,2 %). Beste Fünfsatz-Bilanz bei Grand Slams mit 24 Siegen und drei Niederlagen (88,9 %). Borg gewann als einziger Spieler dreimal in Folge die French Open und Wimbledon in einer Saison (1978–1980). Bei den French Open 1978 verlor er nur 32 Spiele in sieben Matches, das ist Rekord bei allen Grand Slams. In Wimbledon weist er die höchste Siegquote mit 51 Siegen und vier Niederlagen auf (92,7 %). Zudem gewann Borg in Wimbledon 41 Matches in Folge, den Open-Era-Rekord von fünf Titeln in Folge (1976–1980) teilt er sich mit Roger Federer (2003–2007). Nur Borg (1976) und Federer (2017) gewannen Wimbledon in der Open Era ohne Satzverlust. Borg bestritt in seiner Karriere 27 Grand-Slam-Turniere, davon gewann er elf (Siegquote von 41 %). Er ist der einzige Spieler, dem als Teenager 17 Turniersiege gelangen. Von Tokio 1979 bis Las Vegas 1980 gewann er zehn Turniere in Folge, Rekord in der Open Era.
Einfluss Aufgrund seines Nimbus wurde Björn Borg ein prägendes Vorbild – besonders für die sportlich interessierte Jugend und weit über das Tennis hinaus. Borg löste einen wahren Tennisboom aus. Viele, die mit Tennis bis dahin nichts anzufangen wussten, interessierten sich plötzlich für diesen Sport; unzählige Kinder begannen das Tennisspielen zu erlernen, um ihm nachzueifern. Insofern scheint es durchaus berechtigt, wenn in der Tenniswelt – in Anlehnung an die Beatlemania – von einer „Borgmania“ gesprochen wurde. Björn Borg gebührt das große Verdienst, aus der Nischen-Sportart Tennis einen Breitensport gemacht zu haben. Schon während seines ersten Wimbledon-Auftritts 1973 war Borg von massiver Aufmerksamkeit durch Fans und Medien umgeben; später beschrieb er die Spielergeneration um ihn als Tennisspieler, die zu einer Art Rockstars geworden seien.
Bahnbrechend war auch seine Vermarktung. Die heute weltweit tätige Marketing- und Modelagentur International Management Group (IMG) des inzwischen verstorbenen Mark McCormack wurde mit Sportpersönlichkeiten wie Borg und dem Golfer Arnold Palmer groß. Borg bewegte sich in den späten 1970er Jahren auch im New Yorker Kultur- und Nachtleben, wo er unter anderem mit Musikern und Künstlern wie Paul Simon, Mitgliedern der Rolling Stones und Aerosmith sowie Andy Warhol in Kontakt kam. Warhol bot Borg mehrmals an, ihn zu porträtieren, was Borg ablehnte.
Nach seiner Profikarriere versuchte sich Borg als Geschäftsmann. Eine von seinem Privatvermögen getragene Modekollektion sollte ihm nach dem Tennis ein neues Tätigkeitsfeld eröffnen, geriet jedoch durch schwache Unternehmensführung, eine angespannte Liquidität und kostspielige Lebensführung der Beteiligten in Schwierigkeiten. Der geschäftliche Misserfolg führte zu hohen Schulden und dem Verkauf von Luxusimmobilien, bevor Borg 1996 in Schweden Insolvenz anmeldete. Diesen wirtschaftlichen Tiefpunkt hat er mittlerweile überwunden, heute ist er in Schweden als Geschäftsmann erfolgreich.
Seit einigen Jahren ist Björn Borg Namensgeber für eine vor allem in Skandinavien erfolgreiche Bekleidungs- und Parfum-Marke. 2004 gaben Kunden rund 70 Millionen Euro für Björn-Borg-Produkte aus. Am 20. Dezember 2004 ging die Markeneigentümerin World Brand Marketing (WBM) an die Stockholmer Börse OMX (Neuer Markt).
Borg wird wegen seiner Erfolge als Star verehrt,Arnd Krüger & Swantje Scharenberg (Hrsg.): Zeiten für Helden – Zeiten für Berühmtheiten im Sport. LIT, Münster 2014, ISBN 978-3-643-12498-2. der zeitgleich agierende, wortkarge Ingemar Stenmark aber als Held.John Hellström & Leif Yttergren: Ingemar Stenmark, folk hero and media star. The Media construction of a Swedish skiing hero in the 1970s. In: European Studies in Sport History 6 (2013), S. 93–110.
Persönliches Björn Borg wurde im Södersjukhuset im Süden Stockholms geboren. Er wuchs in Södertälje geschwisterlos auf. Zu seiner engen Familie gehörten neben seinen Eltern Rune und Margareta auch die Großeltern mütterlicherseits.
Seine erste Jugendromanze war die Tennisspielerin Helena Anliot, die später den Sport ebenfalls professionell betrieben hat. Am 24. Juli 1980 heiratete Borg in Bukarest die rumänische Tennisspielerin Mariana Simionescu, 1984 wurden sie geschieden. 1985 traf er das Fotomodell Jannike Björling, mit der er seinen Sohn Robin (* 1985) hat; sie trennten sich 1988. Zwischen 1989 und 1993 war er mit der italienischen Sängerin Loredana Bertè verheiratet. Borg beschrieb diese Ehe später als Fehler und nannte das Leben in Mailand in dieser Zeit von Tabletten und Drogen dominiert. Seit dem 8. Juni 2002 ist Borg mit Patricia Östfeldt verheiratet, mit ihr hat er einen Sohn Leo (* 2003), der 2021 erstmals an einem Grand-Slam-Turnier der Junioren teilnahm. Patricia Östfeldt lernte Borg nach einer Schaupartie im nordschwedischen Skellefteå kennen; die Begegnung bezeichnete er später als eines der besten Ereignisse seines Lebens. An der Entstehung seiner 2025 erschienenen Autobiografie wirkte Östfeldt wesentlich mit, weil Borg seine Lebensgeschichte nur jemandem erzählen wollte, der ihn gut kannte.
Gesundheit In seiner 2025 erschienenen Autobiografie Heartbeats eröffnet Borg, dass bei ihm im Jahr 2023 eine extrem aggressive Form von Prostatakrebs diagnostiziert worden war. Aus diesem Grund musste er sich 2024 chirurgischen Eingriffen unterziehen und befindet sich derzeit noch in Remission, in deren Verlauf er weiterhin regelmäßiger medizinischer Überwachung unterliegt.