mini|Hinweisschild zum Industriepark Schwarze Pumpe mini|Ländergrenze Brandenburg – Sachsen Der Industriepark Schwarze Pumpe ist ein Industriepark in Brandenburg und Sachsen, die Ländergrenze verläuft dabei von Nord-Ost nach Süd-West durch den gesamten Industriepark und teilt diesen in nahezu zwei gleich große Teile.Ländergrenze Industriepark Schwarze Pumpe. Internetauftritt Brandenburg-Business-Guide, abgerufen am 30. Januar 2021. Es befindet sich auf den Gemarkungen der brandenburgischen Orte Spremberg, Ortsteil Schwarze Pumpe und Trattendorf sowie der Gemarkung von Zerre in Sachsen.

2013 hat der Zweckverband Industriepark Schwarze Pumpe seine Arbeit aufgenommen. Mitglieder des Verbandes sind die Stadt Spremberg (Brandenburg) und die Gemeinde Spreetal (Sachsen). Aufgabe des Zweckverbands Industriepark Schwarze Pumpe ist die Versorgung der Unternehmen im Industriepark Schwarze Pumpe mit unterschiedlichen Medien sowie das Industrieparkmanagement. Zur Erfüllung seiner Aufgaben bedient er sich der ASG Spremberg GmbH als Konzessionärin und Betriebsführerin.

Der Industriepark Schwarze Pumpe umfasst eine Fläche von insgesamt 720 Hektar, 310 Hektar gehören dabei zu Spreetal, auf dem sich etwa 120 Unternehmen mit ca. 5500 Beschäftigten (Stand: 2021) angesiedelt haben. Die Auslastung der vorhandenen Fläche beträgt dabei 85 % (Stand: 1. Januar 2020).LKurzprofil Industriepark Schwarze Pumpe. Internetauftritt ISP abgerufen am 2. Februar 2021.

Geschichte mini|Symbolischer Nachbau der Schwarzen Pumpe im Eingangsbereich des gleichnamigen Kraftwerkes Ursprünglich hieß die historische Gastwirtschaft der zur Gemeinde Terpe gehörenden Kolonie Pumpe Zur schwarzen Pumpe. 1955 wurde in der benachbarten Heidelandschaft mit dem Bau eines Braunkohlenveredlungswerkes begonnen. Für dessen Arbeiter wurde ab Juni 1957 die Plattenbausiedlung Hoyerswerda-Neustadt als zweite „sozialistische Wohnstadt“ der DDR errichtet. Zuvor waren viele der Arbeiter im Wohnlager I untergebracht, eine Barackensiedlung mit Wäscherei, diversen Geschäften, einer Küche, Klubhaus und Ambulanz. Zunächst überlegte man, Hoyerswerda mit dem ca. 15 km entfernten Gaskombinat mit einer Bahnlinie zu verbinden, entschied sich dann aber doch dafür, die Arbeiter mit Bussen täglich zu transportieren. 1959 lieferte das Werk erstmals Strom. Am Bau des Werkes war der VEB BMK Kohle und Energie maßgeblich beteiligt.

1958 wurde der VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe gebildet, bis 1965 wurden insgesamt drei Brikettfabriken errichtet. Davon wurden zwei (Brikettfabrik West und Ost) nach der Wende abgerissen, die Brikettfabrik Mitte produziert heute noch Briketts für Haushalt- und Industriebedarf. Außerdem produzierte das Werk Stadtgas sowie Braunkohlehochtemperaturkoks. Am Standort befanden sich weiterhin drei Kraftwerke, die den Strom für das Werk und ca. 11 % des gesamten DDR-Bedarfs erzeugten und die Zentralwerkstatt, die eine Reihe von Wartungsarbeiten ausführte, die Wasserwirtschaft, die Betriebsakademie, eine Poliklinik zur medizinischen Versorgung, die Betriebsfeuerwehr und die Betriebsberufsschule. Hier wurden Lehrlinge u. a. zu Instandhaltungsmechanikern, Maschinisten, BMSR-Mechanikern und Baufacharbeitern ausgebildet. Es gab ebenfalls eine dreijährige Berufsausbildung mit Abitur.

mini|Anlagen des Untergrundspeichers des Gaskombinats Schwarze Pumpe in Bad Lauchstädt 1989 Das Gaskombinat Schwarze Pumpe war von entscheidender Bedeutung für die Energieversorgung der DDR. So wurden ca. drei Viertel des gesamten Stadtgasbedarfs der DDR hier produziert. Die Bedeutung spiegelte sich unter anderem auch durch eine im DDR-Vergleich bessere Versorgung der Städte Hoyerswerda und Cottbus mit Lebensmitteln, Wohnungen und Konsumgütern wider. Auch die Bezahlung der „in der Kohle“ Beschäftigten war höher als im DDR-Durchschnitt. Hinzu kam, dass Beschäftigte Deputatlohn erhielten. Das waren 100 Zentner Braunkohlebriketts im Jahr und monatlich zwei Flaschen akzisefreier Trinkbranntwein (auch „Kumpeltod“ genannt).

Das Kombinat leistete sich außerdem diverse Erholungsobjekte (z. B. Schloss Reinsberg bei Freiberg in Sachsen) und Kinderferienlager, u. a. in Oppach und Rennersdorf (beides in Sachsen).

Ab 1980 wurden in der DDR die Kombinate neu gebildet. Das Gaskombinat Schwarze Pumpe war eines der größten Kombinate mit insgesamt ca. 40.000 Mitarbeitern, davon ca. 15.000 allein in Schwarze Pumpe. Neben dem Hauptwerk in Schwarze Pumpe gehörten zum Kombinat außerdem: VEB Braunkohleveredlung Espenhain, VEB Braunkohleveredlung Lauchhammer, VEB Steinkohlekokereien Zwickau, Großgaserei Magdeburg, VEB Verbundnetz Gas Böhlitz-Ehrenberg, VEB PKM Anlagenbau Leipzig und das Brennstoffinstitut Freiberg.

1990 erfolgte die Umwandlung des Kombinates zur Energiewerke Schwarze Pumpe AG (ESPAG). Die Kokerei, die neben dem Druckgaswerk auch als Verursacher der in weitem Umkreis spürbaren Geruchsbelästigung („Schwarze-Pumpe-Gestank“) bekannt war, wurde 1992 stillgelegt und abgerissen. Bei der Sprengung einer der drei Schornsteine fiel dieser durch einen Kernbohrungsfehler nicht wie vorherberechnet, was zur Zerstörung des Kesselhauses führte.

Die ESPAG ist 1993 in der Lausitzer Braunkohle Aktiengesellschaft (LAUBAG) aufgegangen. Im gleichen Jahr begann der Bau eines neuen Kraftwerkes, bestehend aus zwei Blöcken mit je 800 MW, durch die VEAG in Schwarze Pumpe. Die Kraftwerksblöcke gingen 1997 bzw. 1998 in Betrieb. Das Braunkohlekraftwerk hat eine Gesamtleistung von 1600 Megawatt. Markant am Kraftwerk Schwarze Pumpe ist das 161 Meter hohe Kesselhaus und somit dritthöchstes Dampferzeugergebäude in Deutschland (nach Block K des Kraftwerkes Niederaußem mit 168 m und den beiden Lippendorfern mit 163 m). Auf ihm befindet sich eine Aussichtsplattform. Das Kraftwerk wird heute von der Lausitz Energie Kraftwerke AG betrieben, die es am 30. September 2016 vom schwedischen Energiekonzern Vattenfall übernommen hatte. Die LEAG betreibt im Industriepark auch große Teile der ehemaligen Zentralwerkstatt weiter und wartet dort diverse Geräte und Schienenfahrzeuge, besonders aus den zum Unternehmen gehörenden Tagebauen.

Ansässige Unternehmen und Anlagen (Auswahl mit Beschreibung) Batteriespeicher („BigBattery Lausitz“) Am 3. Dezember 2018 wurde auf der in Cottbus stattgefundenen Barbarafeier bekanntgegeben, dass die LEAG beabsichtigt, auf dem Gebiet des Industrieparks Schwarze Pumpe einen Batteriespeicher unter dem Projektnamen „BigBattery“ mit einer Kapazität von 60 MWh zu errichten.Energiewende - Leag plant Mega-Batterie in Schwarze Pumpe. In: LR-Online. 4. Dezember 2018. Nach eigenen Angaben war die LEAG im Mai 2017 dafür eine Partnerschaft beim Batterie-Speicherprojekt der Firma Siemens unter dem Namen „Windnode“ eingegangen.Energiewende LEAG will große Batteriespeicher aufstellen. In: LR-Online. 8. Juni 2017. Am 17. Dezember 2018 gab der LEAG-Vorstand auf einer Pressekonferenz weitere Details zu diesem Projekt bekannt. Demnach soll die „BigBattery Lausitz“, so der nun offizielle Name des Projekts, eine verfügbare Kapazität von 53 MWh haben und auf dem Gelände des Kraftwerk Schwarze Pumpe errichtet werden. Dieses Projekt ist in der Größe und technischen Zusammensetzung bisher einmalig in Europa. Die „BigBattery Lausitz“ soll hauptsächlich dafür genutzt werden, das Stromnetz, welches durch schwankende Einspeisungen der erneuerbaren Energien immer stärker belastet wird, zu stabilisieren.

Die „BigBattery Lausitz“, wird durch das tschechische Unternehmen EGEM, mit Sitz in České Budějovice errichtet, welches wie die LEAG zur Energeticky-a-Prumyslovy-Holding (EPH) des Unternehmers Daniel Křetínský gehört. Sie besteht dabei aus 13 Containern auf einer Gesamtfläche von 120 mal 44 Metern. Der Netzanschluss erfolgt direkt an das 110-kV-Netz über einen in unmittelbaren Nähe befindlichen Netzanschlusspunkt. Über eine Beteiligung der Firma Siemens an diesem Projekt wurden auf dieser Pressekonferenz keine Angaben gemacht. Die vorläufigen Gesamtkosten belaufen sich auf 25 Millionen Euro. Mit 4 Millionen Euro unterstützt das Land Brandenburg dieses Projekt.LEAG baut 50 MW-Stromspeicher BigBattery Lausitz. Internetauftritt LEAG abgerufen am 17. Dezember 2018.Leag baut 50-MW-Stromspeicher in Schwarze Pumpe. In: LR Online. 17. Dezember 2018.BigBattery Lausitz. Auf: YouTube, veröffentlicht am 17. Dezember 2018.

Am 9. Juli 2019 erfolgte im Beisein der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Svenja Schulze, des Ministers für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg Jörg Steinbach, des Vorstandsvorsitzenden der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG Helmar Rendez und des Vorstandsmitgliedes, den für das Ressort Kraftwerke verantwortlichen, Hubertus Altmann die offizielle Grundsteinlegung.BigBattery und Wasserstoff Speicherkraftwerk in Schwarze Pumpe. In: LR Online. 10. Juli 2019. Weiterhin wurde bekannt, dass im Industriepark Schwarze Pumpe der Bau eines 10 MW Wasserstoff – Speicherkraftwerkes, so die offizielle Bezeichnung, unter dem Namen „Power to X“ erfolgen soll.

Nach umfangreichen Testläufen konnte die BigBattery am 10. Dezember 2020 in den offiziellen Probebetrieb gehen. Am 31. Dezember 2020 wurde die BigBattery, interne Bezeichnung „Block C“, in den Verantwortungsbereich des Kraftwerkes Schwarze Pumpe übergeben.Europas größter Batteriespeicher im Dauerbetrieb. In: LR Online. 13. Januar 2021.

Brikettfabrik Schwarze Pumpe Am Standort befindet sich ebenfalls eine Brikettfabrik. Diese gehört zur Lausitz Energie Bergbau AG und beschäftigt ca. 200 Mitarbeiter. Produziert wird im Wesentlichen in der ehemaligen Brikettfabrik Mitte des Gaskombinats, welche am 6. Oktober 1963 in Betrieb ging und umfassend saniert wurde. Die beiden anderen Brikettfabriken Ost und West wurden Anfang/Mitte der 1990er Jahre abgerissen. Im Jahre 2007 wurden ca. 1,3 Mio. Tonnen Trockenbraunkohle produziert und vermarktet. Im Jahr 2013 stieg die Produktion auf 2 Mio. Tonnen Braunkohlen Veredlungsprodukte, wovon 800.000 Tonnen auf Briketts entfielen.

In Schwarze Pumpe werden Braunkohlenstaub, Wirbelschichtkohle und Briketts produziert. Die notwendige Braunkohle dafür werden in den Tagebauen Welzow Süd und dem Tagebau Nochten gewonnen. In der Brikettfabrik können bis zu 16 Trockensysteme in Betrieb genommen werden, in denen der Rohbraunkohle bei ca. 160 °C die Feuchtigkeit entzogen wird. Der dafür notwendige Prozessdampf wird mit einem Druck von 3,5 bar durch das benachbarte Kraftwerk Schwarze Pumpe bereitgestellt. Nach dem Trocknen können an bis zu 14 Brikettpressen die hier typischen Briketts gepresst werden. Die Briketts werden unter dem Markennamen „Lausitzer Rekord“ vermarktet. Produziert werden sowohl Briketts für den Hausbrand als auch Industriesteine für automatische Feuerungsanlagen.Warum Lausitzer Briketts aktuell so hoch im Kurs stehen In: LR Online. 21. Januar 2022.

Am 8. Juni 2009 wurde der Grundstein für die nach Fertigstellung größte Staubmahlanlage der Welt gelegt. Vattenfall investierte dafür 18 Millionen Euro. Seit der Inbetriebnahme im April 2010 ist es möglich, damit 88 Tonnen Braunkohlestaub pro Stunde zu erzeugen.Größte Braunkohlemahlanlage der Welt In: LR Online. 9. Juni 2009.

Mit der Einstellung der Brikettproduktion im Kohleveredlungsbetrieb Frechen Ende 2022 ist die Brikettfabrik Schwarze Pumpe die letzte noch aktive Brikettfabrik in Deutschland. Seit Mai 2025 steht die Brikettfabrik unter Denkmalschutz.Kein Witz – Denkmalschutz für Braunkohlekraftwerk In: LR Online. 5. Mai 2025.

CO2-armes Kohlekraftwerk mini|Das Kraftwerk Schwarze Pumpe im Januar 2007