Ibrahim Farouk El-Zayat (; * 1968 in Marburg) ist ein deutscher Funktionär islamischer Organisationen in Europa.
Leben Ibrahim El-Zayat ist der Sohn des ägyptischen Imams Farouk El-Zayat und einer Deutschen aus Ostpreußen. Er ist in Marburg aufgewachsen, wo er bis ins Jahr 1987 die Martin-Luther-Schule (Gymnasium) besuchte. Danach studierte er Wirtschaftsingenieurwesen, Jura und Volkswirtschaft in Darmstadt, Marburg und Köln.Kurzbiografie (PDF; 739 kB) von der Konferenz “Muslims of Europe in the New Millennium: Multiculturalism, Identity and Citizenship” der Association of Muslim Social Scientists, UK, und Islamic Cultural Centre of Ireland, 2000 Seine Diplomarbeit befasste sich mit der „kritischen Würdigung von Konzepten einer islamischen Wirtschaftsordnung“.Ibrahim F. El-Zayat: Kritische Würdigung von Konzepten einer islamischen Wirtschaftsordnung. Diplomarbeit an der Universität Marburg 1992, Köln. GMSG. 2002. 49 S. GMSG Schriftenreihe;
Ibrahim El-Zayat war verheiratet mit Sabiha El-Zayat-Erbakan († 2026) und ist Vater vierer Töchter.Der Herr der Moscheen. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 19. Dezember 2007 Seine Frau war die Schwester des IGMG-Funktionärs Mehmet Sabri Erbakan.Guido Steinberg: The Muslim Brotherhood in Germany. In: Barry Rubin (Hrsg.): The Muslim Brotherhood – The Organization and Politics of a Global Islamist Movement. Palgrave Macmillan, New York 2010, ISBN 0-230-10069-4, S. 155.
Er ist einer der Unterzeichner der Botschaft aus Amman (Amman Message).
Ämter und Tätigkeit Seit frühester Jugend war El-Zayat in vielfältigen Jugendinstitutionen aktiv und zeitweilig für den RCDS stellvertretender AStA-Vorsitzender in Darmstadt. auf der Website der IGD Er war langjähriger Bundesvorsitzender, dann Vorstandsmitglied der „Muslim Studenten Vereinigung in Deutschland“ (MSV).
El-Zayat sitzt im Vorstand der Federation of Islamic Organisations in Europe (FIOE), die Gründerin des „Europäischen Rates für Fatwa und Forschung“ (ECFR) seines Vorsitzenden, des führenden islamistischen Geistlichen Yusuf al-Qaradawi ist, und im Vorstand der von ihm 1995 mitgegründeten Gesellschaft Muslimischer Sozial- und Geisteswissenschaftler/Innen e. V. (GMSG) in Köln. 1997 wurde er Vorsitzender des Islamischen Zentrums Köln e. V. (IZK).Deutschland: Ibrahim El-Zayat unterstützt Ziele der Muslimbruderschaft FES Library Bonn, 2000, ISBN 3-86077-880-3, S. 61. Laut Vereinsregister wurde der Verein „Islamisches Zentrum Köln“ (Köln VR 7677) im Oktober 2001 gelöscht El-Zayat ist auch im Vorstand der muslimischen Hilfsorganisation „Islamic Relief Deutschland“ in Köln und Berlin sowie „Trustee“ (Treuhänder) der „Islamic Relief Worldwide“ in Birmingham (UK). Im Jahr 2000 wurde El-Zayat als Europa-Berater der Islamischen Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (ISESCO) und „Trustee“ des „Institut Européen des Sciences Humaines“ (IESH) bei Chateau-Chinon (Frankreich) vorgestellt. Im Jahre 2006 nahm er an einer im Europäischen Parlament organisierten Konferenz des Brüsseler European Jewish Community Centres teil, die sich mit den Konsequenzen des dänischen Karikaturenstreits auseinandersetzte. El-Zayat war jahrelang Europa-Vertreter der finanzkräftigen World Assembly of Muslim Youth (WAMY), die der saudi-arabischen Regierung nahesteht. Im 1989 von Saudi-Arabien geschaffenen Dachverband Islamisches Konzil in Deutschland (IKD) hatte er eine Spitzenposition als Generalsekretär inne.
Bei der Wahl für den Vorsitz des Zentralrats der Muslime (ZMD) am 4. Februar 2001 unterlag El-Zayat knapp gegen Ayyub Axel Köhler.Vgl. Thomas Lemmen: (PDF; 1,4 MB) In: Religion und Gewalt – Der Islam nach dem 11. September; Mostar Friedensprojekt e. V. Potsdam, 2002, S. 132
Ab Februar 2002 war El-Zayat Präsident der IGD„Islamisten als Integrationsexperten“ auf haGalil.com vom 18. Mai 2004 und wurde 2006 für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Im Januar 2010 kandidierte er aufgrund satzungsrechtlicher Vorgaben, die eine maximale Anzahl von zwei Legislaturperioden vorsehen, nicht. Sein Nachfolger im Amt ist Samir Falah.Pressemitteilung der IGD vom 11. Januar 2010Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2006 (PDF; 22 MB)
Als Generalbevollmächtigter der Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft (EMUG) verwaltet El-Zayat die etwa 300 Milli-Görüş-Moscheen in Deutschland. Er ist auch Sekretär der 1996 gegründeten Stiftung „Nederlandse Moskeeenbouw – en Ondersteunings Gemeenschap“, die den Grundbesitz der niederländischen Milli Görüs verwaltet.Nederlandse Moskeeenbouw – en Ondersteunings Gemeenschap (NMOG), Niederländische Handelskammer Aktenzeichen: 34106272 1997 gründete El-Zayat die Firma „SLM Liegenschaftsmanagement Gesellschaft für Finanzvermittlung und Consulting mbH“, die Grundstücke für Moscheebauten kauft sowie Moscheevereine beim Vorgehen zur Erlangung von Baugenehmigungen und der Finanzierung berät. Darüber hinaus betätigt er sich als Makler beim Kauf und Verkauf von Büro- und Geschäftsimmobilien für Privatinvestoren aus arabischen Ländern.
Er ist Mitglied des European Muslim Network (EMN). (Team) – abgerufen am 10. Juni 2017
Moscheebauprojekte El-Zayats Firma soll in der Vergangenheit an etwa 100 Moscheebauprojekten beteiligt gewesen sein und 2007 an etwa 30 Projekten arbeiten.Uta Rasche: Spinne im Netz der Muslime in Deutschland – Die Macht des Ibrahim El Zayat. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Mai 2007 Die EMUG war unter anderem am Moscheebau in Bretzenheim bei Mainz,Bernd Funke: In: Allgemeine Zeitung vom 4. November 2005Oliver Kreft: In: Allgemeine Zeitung, 16. April 2007 an der Moschee auf dem Gräselberg bei WiesbadenWolfgang Degen: In: Wiesbadener Kurier, 16. September 2006 sowie an der Moschee in FreisingSabina Dannoura: (PDF; 775 kB) In: Süddeutsche Zeitung, 4. Mai 2001 beteiligt.
El-Zayat wurde als Geschäftsführer der SLM Liegenschaftsmanagement GmbH vom Verein „Inssan e. V.“Website von Inssan e. V. mit dem Großprojekt eines islamischen Kulturzentrums in Berlin beauftragt. Er erwarb als Vertreter des „European Trust“ im März 2002 ein 2600 Quadratmeter großes Grundstück in der Pflügerstraße in Neukölln für 370.000 EuroBerlin mosque linked to Islamic radicals. DPA, 23. Januar 2004 aus europäischen und arabischen Quellen und hält auch eine Option für ein Nachbargrundstück.ZY: Islamischer Verein plant kleinere Moschee in Neukölln. In: Die Welt, 2. August 2006 Das islamische Kulturhaus mit Moschee, Bibliothek, Konferenz- und Seminarräumen, Jugendzentrum, einer Schule, Schwimmbad, Wohnungen und Geschäften sollte auf sechs Geschossen eine Fläche von mehr als 8000 Quadratmetern haben.Berliner Moslems wollen raus aus den Hinterhöfen. In: Frankfurter Rundschau, 28. Juli 2003 Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung des Senats von Berlin ließ in einer Pressemitteilung in Bezug auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin verlauten, dass sie sich gegen das Vorhaben an dem geplanten Standort ausgesprochen habe, da es „in seiner Größe nicht in einem Wohngebiet errichtet werden dürfe“.Pressemitteilung der Senatsverwaltung Berlin: „Moscheebauvorhaben in Berlin-Neukölln vom Verwaltungsgericht abgelehnt“, 6. Juni 2007 Neben den baurechtlichen Bedenken hatte die Baustadträtin von Neukölln, Stefanie Vogelsang, auch Skepsis über die inhaltliche Unabhängigkeit des Kulturzentrums von seinen finanziellen Förderern geäußert: „Nennen Sie mir irgendjemanden, geben sie mir irgendjemanden, der mir 15–20 Millionen schenkt und dafür keine Bedingungen an mich hat, zu dem gehe ich auch sofort.“Ulrich Kraetzer: Rundfunk Berlin Brandenburg, KLARTEXT vom 23. August 2006 Das Verwaltungsgericht Berlin bestätigte die Verweigerung der Baugenehmigung im Juni 2007.
Im Juli 2007 wurden Pläne öffentlich,Katrin Lange, Brigitte Schmiemann: In: Berliner Morgenpost, 24. Juli 2007 wonach im Mierendorff-Kiez in Berlin-Charlottenburg ein mit 4800 Quadratmetern Nutzungsfläche halb so großer Kultur- und Moscheekomplex für 700 Betende gebaut werden soll. Die 2,9 Millionen Euro Grundstückspreis will Inssan zu einem Drittel aus in Deutschland gesammelten Spenden aufbringen, für den Rest gebe es Zusagen von Sponsoren aus arabischen Ländern.
Auch im europäischen Ausland ist El-Zayat in den Moscheebau involviert. Seit 1994 versuchte die Millî Görüş erfolglos in Amsterdam eine Moscheebaugenehmigung für die „Westermoskee“ (Westliche Moschee) auf einem Grundstück von 2000 Quadratmetern zu bekommen.Albrecht Metzger: In Deutschland geächtet, in Holland geachtet – Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş. DLF Hintergrund Politik, 20. Dezember 2006 Schließlich trafen der Amsterdamer Stadtbezirk De Baarsjes, die Wohnungsbauvereinigung „Woningbouwvereniging Het Oosten“ und die nordniederländische Milli Görüş unter ihrem liberalen und integrationsorientierten Vorsitzenden Haci Karacaer einen Kompromiss über städtische Bebauungsplanänderungen und die „finanzielle, rechtliche und mentale“ Unabhängigkeit der neuen Moschee von der konservativeren Millî-Görüş-Deutschland-Zentrale in Kerpen. Der Anfang 2006 begonnene Moscheebau kam jedoch Ende 2006 zum Stillstand durch interne Konflikte der Milli Görüş und Vertrauensverlust der Wohnungsbauvereinigung. Im Januar 2007 wurde bekannt, dass in einem Geheimvertrag vom November 2005, unterschrieben unter anderem von El-Zayat (EMUG-Geschäftsführer) und Yavuz Çelik Karahan (EMUG-Vorsitzender), in Köln bereits die Machtübernahme der deutschen Milli Görüş festgelegt worden war.Geheimvertrag vom 20. November 2005 in Köln zwischen IGMG-EMUG und Van Manderen BV Im Mai 2007 drohte der auf Kerpener Druck hin eingesetzte Milli-Görüş-Chef Fatih Üçler Dağ mit Aufrufen zum „gewaltlosen Aufstand“ aller Türken Europas gegen die Gemeinde Amsterdam im Fernsehsender Al-Jazeera.
Verbindungen zur Muslimbruderschaft Das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen befindet, El-Zayats Verbindungen reichen „durch persönliche Kontakte von Funktionären und gemeinsame Projekte sowohl in den Bereich von islamisch-extremistischen Organisationen arabischstämmiger als auch türkischstämmiger Muslime, sowie zu einer islamischen Hilfsorganisation, die im Verdacht steht, heimlich den islamistischen Terrorismus zu unterstützen“.Anna Reimann, Yassin Musharbash: Ungebetener Gast verstört Schäubles Islam-Runde. In: Spiegel Online, 7. Mai 2007 El-Zayat wurde am 19. März 2004 auf der Yusuf al-Qaradawi nahestehenden Website „www.islam-online.net“ als Vertreter der Muslimbrüder in Deutschland bezeichnet. (PDF) Seite 185
Im April 2005 hatte El-Zayat die CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Schröder verklagt, da sie ihn im Zusammenhang einer Vortragseinladung als „Funktionär der Muslimbruderschaft“ bezeichnete. Die Klage wurde vom Landgericht München I und im Dezember 2005 vom Oberlandesgericht MünchenHEI: Islamischer Funktionär darf Muslimbruder genannt werden. In: Die Welt, 21. Dezember 2005; Urteil des OLG München (Az.: 18 U 5181/05) zurückgewiesen, da diese Formulierung als Meinungsäußerung zulässig sei.