mini|Abzug bei einem Geradezugverschluss mini|Betätigung eines Abzugs bei einer Makarow Der Abzug () bezeichnet sowohl das zur Betätigung der Abzugsgruppe aus der Waffe ragende Abzugszüngel als auch das gesamte Abzugssystem (Abzugsgruppe) – die Einrichtung an einer Schusswaffe, mit der die Fingerbewegung über eine Hebelmechanik den schussauslösenden Mechanismus der Waffe auslöst.
Sprachgebrauch Im Waffenwesen ist die Benennung Abzug mehrdeutig. Sowohl der Betätigungshebel – das Abzugszüngel – als auch die gesamte schussauslösende Baugruppe – das Abzugssystem oder technisch, die Abzugsgruppe – werden als Abzug bezeichnet.
Geschichte mini|Armbrust, 16. Jh. Bei frühen Schusswaffen, zum Beispiel der Armbrust, genügte als Abzug ein einfacher Hebelmechanismus, der die Sperrklinke für Bogensehne und Bolzen freigab und somit den Schuss auslöste. In der geschichtlichen Entwicklung von Schusswaffen wurde schon früh der Einfluss des Abzugs auf die Präzision der Treffgenauigkeit einer Waffe erkannt, was zur Entwicklung aufwändiger mechanischer Schlösser zum Spannen und Auslösen von Perkussionswaffen führte. Diese Schlösser hatten zum Teil schon eine sehr hohe Fertigungsgenauigkeit und erlaubten entsprechend präzise Schussabgaben. Mit der Entwicklung moderner Patronenmunition und der Entwicklung halb- und vollautomatischer Waffen wurde die Funktion der Schlösser auf den Verschluss und dessen Spannvorrichtung sowie den Abzug verteilt. Damit wurde konstruktionsbedingt für magazingeladene Waffen die Entwicklung von Abzugsgruppen notwendig. Der Charakter der früher verwendeten Schlösser wurde am längsten in Revolvern erhalten, da diese nicht über Verschluss und Magazin verfügen. Bei militärischen Handfeuerwaffen mit Abzugswahlhebel lässt sich der Abzug von einem vollautomatischen Feuermodus auf einen halbautomatischen wechseln, wobei der vollautomatische sequenziell auf drei bis fünf Schuss begrenzt sein kann. Neueste Waffenkonstruktionen verfügen über elektronische Abzüge verschiedener Auslegung, von der einfachen elektronischen Schussabgabe bis hin zur elektronischen Benutzerkennung mit Auslösesperre.
Konstruktiv Durch die lange Geschichte der Schusswaffen und die Vielzahl der Konstruktionen kann die Funktion eines Abzugs nur an einem ausgewählten Beispiel erklärt werden. Dies macht klar, dass es „den Abzug“ nicht gibt.
Die Beherrschung der nicht unerheblichen Einflüsse des Abzugs auf das Schussverhalten und somit auf die Präzision der gesamten Waffe wird als Abzugskontrolle bezeichnet. Eine durch den Schützen ausgeübte Abzugskontrolle bedingt aber einen präzise und sicher ausgeführten Abzug respektive eine Abzugsgruppe, in der alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Es ist umstritten, welche Komponenten genau zur Abzugsgruppe zählen; vom Abzugszüngel bis zum Schlagbolzen, oder vom Abzugszüngel bis zum Schlagstück, mit oder ohne Schlagfeder. Jeder Konstrukteur oder Hersteller von Waffen hat in dieser Frage seine eigene Sichtweise.
Die Abbildung zeigt die Komponenten einer Abzugsgruppe bis zum Schlagstück am Beispiel der weit verbreiteten Colt 1911 (Pistol cal .45 M1911A1), auch bekannt als Colt Government Model. Die vorangestellten Zahlen im Text entsprechen den Nummern in der Abbildung. mini|300px|Der Abzug (Nr. 23) bei der Colt Government M1911A1
Grundkomponenten 23 Abzugszüngel (Trigger) mit dem sogenannten Steigbügel, der hier als Abzugsschubstange fungiert. 19 Unterbrecher (Disconnector), der eine Freigabe des Hammers bei nicht erfolgter Verriegelung verhindert. 18 Hahnrast (Sear), die mittels Unterbrecher das Schlagstück (Hammer) in seiner hinteren (gespannten) Position arretiert. 14 Schlagstück/Hahn (Hammer), der die Energie der gespannten Schlagfeder und seiner eigenen Masse über weitere Komponenten im Verschluss auf den Schlagbolzen überträgt.
Erweiterte Komponenten 15 Schlagstück/Hahn Stift (Pin, Hammer Strut), der das Schlagstück mit dem Schlagstücksporn verbindet. 16 Schlagstück/Hahn Sporn (Hammer Strut), zur Übertragung der Schlagfederenergie auf das Schlagstück. 12 Hahnrast-Feder (Spring, Sear), zur Repositionierung der Hahnrast. 09 Federkappe (Cap, Main Spring), zur Abstützung des Schlagstück-Sporns. 10 Schlagfeder (Main Spring), Energiespeicher für die Schussauslösung. 11 Federlagereinsatz, unteres Federlager.
Sicherungskomponenten 01 Sicherungsflügel (Safety, Thumb). Die mit dem Daumen betätigte Sicherung verhindert das Durchdrücken des Abzugszüngels durch Sperren des Steigbügels (Abzugsschubstange) und blockiert zugleich den Verschluss. 03 Die Griffsicherung (Safety, Grip), verhindert das versehentliche Auslösen eines Schusses bei nicht in der Hand gehaltenen Waffe durch Sperren der Hahnrast. – Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die geladene Waffe mit Hilfe der sogenannten Halbstellungsraste des Hahns (Half Cock), einer weiteren Arretierungsmöglichkeit des Schlagstücks bei halb abgespannter Waffe, gegen eine versehentliche Betätigung des Abzuges zu sichern. Sie verhindert auch die Schussauslösung, sollte beim Spannen des Hahns dieser ausrutschen. – Eine weitere, nicht abgebildete Sicherung bildet das Trennstück (Disconnector), indem eine Schussabgabe auch bei nur leicht geöffnetem Verschluss nicht möglich ist.
Andere Schusswaffen verfügen über ähnliche oder völlig abweichende Abzugssysteme und Abzugskomponenten. Im Sportwaffenbereich lassen sich beispielsweise einige dieser Komponenten individuell beeinflussen und auf die individuellen Bedürfnisse der Schützen einstellen.
Bedienelement für Schussauslösung Der Abzug bzw. Drücker ist das eigentliche Bedienelement für die Schussauslösung. Der Abzug bei kleinen Schusswaffen und Handfeuerwaffen wird in der Regel mit dem Zeigefinger bedient; bei schwereren militärischen Waffen kommt auch der Daumenabzug zum Einsatz, beispielsweise bei schweren Maschinengewehren, Kanonen oder Maschinenkanonen. Die Mehrheit der Handfeuerwaffen verfügt über einen drehgelagerten Abzug (Abzugszüngel). Manche Handwaffen z. B. Colt M1911 oder Tokarew TT-33 sind mit einem lineargeführten Abzug ausgestattet. Der Daumenabzug (wegen der Form oft Schmetterlingsabzug genannt) ist zwischen zwei Haltegriffen zu finden. Es gibt auch einfache Hebelabzüge, zum Beispiel bei Kanonen, die zurückgezogen und einfach losgelassen werden, um den Schuss abzugeben. Bei modernen schultergestützten kleinen Raketenwerfern wird nur noch ein elektrischer Schalter betätigt. Die möglichen Bauweisen sind also sicher so vielfältig wie die Abzugskonstruktionen selbst.
Um eine Handfeuerwaffe einfacher in einer Tasche eines Kleidungsstücks führen zu können, wird gelegentlich ein Faltabzug verwendet. Zum Verstauen wird der Abzug vom Griff weggeklappt. Einen Abzugsbügel gibt es bei dieser Konstruktion nicht.Dan Shideler: Gun Digest 2011. Ausgabe 65, Verlag Krause Publications, 2010, ISBN 978-1-4402-1561-2, S. 77 Ebenfalls für Taschenpistolen war der Ringabzug gedacht.Stukenbrok – Waffenkatalog, 1913 S. 115, 123
Beim schweizerischen Sturmgewehr 57 kann ein neben dem Abzug abklappbarer Abzugsbügel (Winterabzug), der über den Abzugsbügel herausragt, zum Schießen mit Fausthandschuhen verwendet werden. Außerdem wird er beim Einsatz von Gewehrgranaten bei nicht abgestützter Waffe verwendet, um durch den starken Rückstoß verursachte Handverletzungen zu vermeiden. Da beim abgeklappten Winterabzug die Gefahr einer ungewollten Schussauslösung besteht, ist er erst unmittelbar vor der Schussabgabe herunterzuklappen und nach dem Schuss einzuschwenken.Leroy Thompson: The M1 Garand. Verlag Osprey Publishing, 2012, ISBN 978-1-84908-622-6, S. 33,
Bei Waffen mit Spornabzug ist dieser in einer hornförmigen Auskragung unten am Rahmen eingesetzt und durch diese geschützt. Revolver mit Spornabzug können nur als „Singleaction“-Waffe geschossen werden.
Um den Abzugsweg zu verkürzen, wird bei einigen Waffen ein Triggerstop verwendet.
Bei Geschützen erfolgt die Auslösung in der Regel über eine Abzugsleine.John Christopher: The HMS Victory Story, The History Press, 2012, ISBN 978-0-7524-8510-2, S. 29
Abzug mit Feuerwahlfunktion mini|Zweiteiliger Abzug eines MG 34: Einzelfeuer oben, Dauerfeuer unten Bei einigen Waffen ist im Abzug eine Feuerwahlfunktion integriert, womit der Schütze durch unterschiedliche Betätigung des Abzugs zwischen Einzel- und Dauerfeuer wählen kann.
Bei einem zweiteiligen Abzug, z. B. beim MG 34, feuert die Waffe Einzelschüsse, wenn man die eine Hälfte des Abzugs betätigt, während die andere Hälfte für Dauerfeuer genutzt wird.
Einige Waffen, z. B. das Steyr AUG, benutzen einen Abzug mit zwei unterschiedlichen Druckpunkten. Die Waffe schießt Einzelfeuer bei Erreichen des ersten Druckpunktes, Dauerfeuer bei Erreichen des zweiten Druckpunktes.
Abzugsbügel Bei Handfeuerwaffen ist das Abzugszüngel in der Regel durch einen Abzugsbügel gegen Berührung – und damit gegen unbeabsichtigte Schussauslösung – geschützt. Dieser Abzugsbügel kann Bestandteil des Rahmens bzw. des Griffstücks sein (siehe obige Zeichnung der M1911A1) oder aber angesetzt werden.
Der Abzugsbügel ist so bemessen, dass ein Finger hinein passt. Bei Waffen, die für den Einsatz bei Kälte vorgesehen sind, ist der Abzugsbügel größer, so dass die Waffe auch mit dicken Handschuhen geschossen werden kann. Bei manchen Waffen kann er deshalb abgeklappt oder abgebaut werden. Manche Waffen haben einen so großen Abzugsbügel, dass er die ganze Hand umschließt und so dem Schützen erlaubt, den Abzug auch mit einem Fausthandschuh zu bedienen.Russell C. Tilstra: Small Arms for Urban Combat. Verlag McFarland, 2011, ISBN 978-0-7864-8875-9, S. 81
Bei manchen frühen Pistolen und Revolvern ist unten am Abzugsbügel ein Fingerbügel angebracht. Auf diesen wird der Mittelfinger aufgesetzt, was einen präziseren Schuss erlaubt.John Taffin: Single Action Sixguns. Verlag Krause Publications, 2005, ISBN 978-1-4402-2694-6, S. 19
Bei Unterhebelrepetierern ist der Abzugsbügel integraler Teil des Repetierhebels.
Abzugsblech mini|Abzugsblech sichtbar bei einem Schnittmodell einer Perkussionspistole Das Abzugsblech (auch AbzugblechUnterricht in der Behandlung der Handfeuer- und blanken Waffen. 1856, S. 29 oder ZüngelblechCarl Ad. Loehr: Großes Kriegswörterbuch, Band 1, A–L. Verlag J. Bensheimer, 1852, S. 9 ) ist ein Bauteil des Abzugs, welches vor allem bei Waffen mit einem Vollschaft vorkommt. Es befindet sich oberhalb des Abzugsbügels am Schaft und besteht in der Regel aus gehärtetem Gusseisen.Josef Reiter: Elementar-Waffenlehre. Oesterr. Lloyd, 1868, S. 65 Es gibt verschiedene Ausführungen mit verschiedenen Funktionen.Léon Laurent George Joseph Panot: Die St. Omer’sche Schießschule oder das Militärschießgewehr in seiner wichtigen Bedeutung für den Soldaten und Schützen. Verlag Voigt, 1854, S. 13
Als Beschlag verstärkt das Abzugsblech die Verbindung mit dem Schaft. Mit der Schraubenmutter für die Kreuzschraube hält das Abzugsblech das Schwanzschraubenblatt und somit den Lauf am Schaft. Eine alternative bzw. zusätzliche Möglichkeit der Verbindung sind Holzschrauben, die das Abzugsblech direkt am Schaft halten. Jedoch ist die Festigkeit der Verbindung mit Kreuzschraube gegenüber Schrauben im Schaft deutlich größer.S. F. Seydell: Abhandlung über Einrichtung und Gebrauch des kleinen Gewehrs. Vossische Buchhandlung, 1811, S. 131
Bei manchen Ausführungen beschränkt ein senkrechtes Stoßblech das Eindringen des Ladestocks.
Oft dient es als Halterung für das Lager für den Stift, der die Drehung des Züngels ermöglicht.
Das Züngel ragt durch einen länglichen Einschnitt im Abzugsblech heraus. Dieser Einschnitt gibt dem Züngel die nötige Führung, damit dieses nicht seitlich schwankt.
Bei manchen Konstruktionen wird der Abzugsbügel am Abzugsblech befestigt, indem er an einer Seite eingehängt wird.Cäsar Rüstow: Die Kriegshandfeuerwaffen: eine genaue Darstellung ihre Einrichtung in den europaeischen Armeen, Band 1 Die Kriegshandfeuerwaffen. Johann Ambrosius Barth Verlag, 1857, S. 249