Als Festlandsdegen bezeichnete man in der Geschichtsschreibung und Publizistik vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts schlagwortartig den exponierten Verteidiger der machtpolitischen Interessen des Vereinigten Königreichs auf dem europäischen Festland.
Klassischer Gebrauch So sah man z. B. Preußen während des Siebenjährigen Krieges als Festlandsdegen an, der einem Degen gleich den politischen Gegner auf Distanz halten sollte. Napoleon Bonaparte sah in Russland den Festlandsdegen Großbritanniens.. In: Neuzeit. Vom Westfälischen Frieden bis zum Ersten Weltkrieg. Ein approbiertes Arbeits- und Lehrbuch für Geschichte und Sozialkunde von Herbert Hasenmayer und Walter Göhring, unter wiss. Beratung von Adam Wandruszka, Verlag Ferdinand Hirt, Wien.
Hintergrund dieser Perspektive war die historisch bedingte relative Vernachlässigung der englischen Landstreitkräfte gegenüber dem Flottenbau der Seemacht England vom letzten Drittel des 16. Jahrhunderts an. Wer in Zeiten der Undurchführbarkeit einer Invasion über den Seeweg auf dem Territorium des potenziellen Gegners nicht unmittelbar präsent sein konnte, benötigte daher einen Festlandsdegen, um seiner Machtpolitik Nachdruck verleihen zu können.
Selbst im 20. Jahrhundert benutzte man diesen Begriff noch, indem man während des Ersten Weltkrieges Frankreich als Festlandsdegen Großbritanniens, wie z. B. von Erich von Falkenhayn, und im Verlauf des Zweiten Weltkrieges die Sowjetunion von deutscher Seite aus als Festlandsdegen Großbritanniens bezeichnete, den man diesem „aus der Hand schlagen müsse.“Rolf-Dieter Müller, Gerd R. Ueberschär: Hitlers Krieg im Osten 1941–1945. Ein Forschungsbericht. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, S. 1–55, insbes. S. 30; Lothar Gall, Klaus Hildebrand: Enzyklopädie deutscher Geschichte, Die Aussenpolitik des Dritten Reiches. Oldenbourg, München 2006, S. 89.
Wandlung des Begriffs Auch die Bundesrepublik Deutschland und Israel wurden in jüngerer Vergangenheit als Festlandsdegen der USA bezeichnet. Dabei veranschaulicht sich nun auch die spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg sich manifestierende Verabschiedung Großbritanniens vom Weltmacht- bzw. Seemachtstatus, der nun selbst in der schlagwortartigen Begrifflichkeit auf die Vereinigten Staaten übertragen wird. Ungewöhnlich ist hingegen die Bezeichnung Kroatiens als potenzieller Festlandsdegen der USA.
Vereinzelt übertrug man das sprachliche Bild auch auf Einzelpersonen: Christoph Stölzl sei laut der Zeit worden.
Literatur Jörg Femers: Deutsch-Britische Optionen. Untersuchungen zur internationalen Politik in der späten Bismarck-Ära (1879–1890). VT, Trier 2006, ISBN 978-3-88476-834-1.
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